Nunja, was erwartest Du von einer Software, die sich bereits zwölf Jahre im Alpha-Stadium befindet?
Ich habe mir gestern mal den aktuellen Entwicklungsstand angeschaut und finde es durchaus beachtlich, was die Entwickler hier an Arbeit geleistet haben. Auf den ersten Blick eine ziemlich gute Kopie von Windows XP. Aber nur auf den ersten Blick.
Die Installation erfolgt bisher auf eine FAT32-formatierte Festplatte. Heißt, Dateien >4GiB auf der C:\-Partition sind nicht möglich. In der heutigen Zeit ziemlich unpraktikabel. NTFS-Festplatten werden zwar mittlerweile erkannt (≠ gelesen), ReactOS hat mich beim Zugriff aber direkt mit einem BSOD vor vollendete Tatsachen gestellt. Dafür kann laut Wiki ext2 gelesen werden, was gegenüber Windows ein Vorteil ist aber das Kind leider nicht aus dem Brunnen holt. Generell traten bei allen möglichen Aktionen (z. B. Aufrufen der Netzwerkumgebung) BSODs auf, von stabil kann keine Rede sein.
ReactOS kommt ab Werk mit einer Paketverwaltung, allerdings erspart einem diese bisher nur das Herunterladen der Software. Die Installation erfolgt weiterhin über den Setup-Assistenten der entsprechenden Software. Ansatz gut aber so doch irgendwie obsolet. Surfen mit dem frisch installierten Firefox ging soweit problemlos. Allerdings gehört das zu den Dingen, die eigentlich jedes Betriebssystem gerade kann.
Ansätze einer Benutzerverwaltung und Rechtetrennung sind bei ReactOS zwar bereits vorhanden, allerdings noch nicht komplett umgesetzt. Ein eingeschränktes Benutzerkonto zum Arbeiten und Surfen konnte ich zwar anlegen, mich aber damit nirgends anmelden. Der Abmelde-Button hat bisher keine wirkliche Funktion. Heißt, wenn Surfen, dann mit Adminrechten und das ist erwiesenermaßen gefährlich und sollte nicht getan werden.
Einzig wirklich interessant ist eigentlich gerade die Live-CD von ReactOS. Sowas gibt es ja afaik von Microsoft bisher nicht in der Form wie es wünschenswert wäre und man muss mit BartPE und ähnlichem nachhelfen. Die könnte eigentlich ganz nützlich sein, wenn man mal wirklich eine bestimmte Windows-Software live auf einem PC starten muss (sofern sie denn bereits unterstützt wird). Das meiste andere kann man natürlich viel besser mit einer Linux-Live-CD machen.
tl;dr
Insgesamt sind ein paar interessante Ansätze vorhanden und es ist erstaunlich, wie weit man eine Software ohne Code-Einsicht nachprogrammieren kann. Zum produktiven Einsatz aber auf lange Zeit gesehen nicht brauchbar. Ich habe eher das Gefühl, dass die Entwicklung im Hard- und Softwarebereich schneller voranschreitet als es die Entwicklung von ReactOS tut. Selbst Microsoft kommt gerade deutlich schneller voran.