Meinungsvielfalt in der digitalen Welt

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NGBler
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15 Juli 2013
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In seinem heute in der FAZ erschienenen Leitartikel " " vertritt Mathias Müller von Blumencron die These, dass die Gesellschaft die Meinungsvielfalt im Internet noch nicht richtig einordnen kann und sich in einem Lernprozess zum Umgang mit dieser Vielfalt befindet.

Immer öfters werden auch Stimmen laut, die in den vielen Verschwörungstheorien, welche über diverse Webauftritte aber auch Kommentaren in Sozialen Medien in Umlauf gebracht werden, eine Gefahr für unsere aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft sehen. Die Argumentation lautet dabei, dass Anhänger von Verschwörungstheorien eine konstruktive Diskussion von vorneherein nicht ermöglichen, da sie Vertreter abweichender Meinungen als Teil der Verschwörung ansehen oder zumindest als zu dumm betrachten, um die Verschwörung zu erkennen.
Erste Auswüchse dieser Entwicklung sehen sie beispielsweise bei der PEGIDA-Bewegung, die Politiker und Medien grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen und so einen echten Dialog erst gar nicht ermöglichen.

Wie seht ihr das? Seid ihr auch der Ansicht, dass die Meinungsvielfalt im Internet momentan eine Herausforderung für unser demokratisches Staatswesen darstellen und der Umgang damit erst noch gelernt werden muss?

Ich denke, dass von Blumencron mit seinen Ansichten gar nicht so falsch liegt. Allein die Tatsache, dass im PEGIDA-Umfeld zum Teil historisch schwer vorbelastete Begriffe wie „ “ – scheinbar ohne Kenntnis des Hintergrunds – verwendet werden, gibt mir schwer zu denken. Auch kenne ich viele Personen, die jeden dummen Facebook-Kommentar zu einem Zeitungsartikel für bare Münze nehmen, aber die Presseberichte selbst von vornerein als „Lügenpresse“ abstempeln.

HINWEIS: Ich interessiere mich hier nur für den Umgang mit der Meinungsvielfalt im Internet beziehungsweise davon ausgehenden Gefahren. Ob manche Verschwörungstheorien gerechtfertigt sind oder ob es tatsächlich eine „Lügenpresse“ gibt, will ich hier nicht debattieren.
 
Ob das für unser "demokratisches Staatswesen" zutrifft kann ich nicht beurteilen, dass die Informationsvielfalt des Internets für jeden Einzelnen aber eine Herausforderung ist (Stichwort: Medienkompetenz) unterschreibe ich aus eigener Erfahrung sofort. Es ist super einfach geworden sich seine Vorurteile und Vorbehalte von seriös wirkenden Internetauftritten bestätigen zu lassen, wenn man es bei diesem oberflächlichen Blick belässt. Jeder kann heute in seine eigene Blase abtauchen, sich nur noch mit Gleichgesinnten umgeben und wird dann zu dem Schluß kommen, dass alle anderen doch blöd bzw. fremdgesteuert sind. Deshalb halten sich viele Fehlinformationen und Verschwörungstheorien auch so lange.
 
Es ist super einfach geworden sich seine Vorurteile und Vorbehalte von seriös wirkenden Internetauftritten bestätigen zu lassen

Es hat auch ohne Internet hervorragend geklappt. Besser als in Deutschland 1933 ff. kann es doch garnicht laufen.

Die Internetapokalypsen kommen einfach daher, dass die Zeitungsschreiber ein Thema brauchen, und neu sollte es natürlich auch sein.

In der Sache hat sich nichts geändert, eher ist es etwas besser geworden. Im Internet hätte Hitler soviel Konkurrenz von anderen Spinnern gehabt, dass seine Spinnerei kaum eine Monopolstellung hätte erobern können.
 
Klar, so eine "alternative Realität" hat es immer schon gegeben, aber ich würde schon sagen, dass sich das mit dem Aufkommen des Internets in all seiner wunderbaren Vielfalt noch mal verstärkt hat bzw. dass heute damit ein wesentlich breiteres Publikum angesprochen und erreicht wird. Ich weiß zugegebenermaßen nicht genau, wie sich solche Sachen (z.B. Verschwörungstheorien) vor dem Internet verbreitet haben, aber ich würde mal behaupten, dass man da schon die richtigen Leute/Zeitschriften usw. kennen musste um da die ganz verrückten Dinge zu finden. Heute ist es ein leichtes zu behaupten das World Trade Center sei nur ein Hologram gewesen und ein gutes Dutzend Internetseiten als ähem, "Quelle" für diese Behauptung anzugeben. Das Problem ist, das eine Meinung mit einer schön gestalteten Internetseite heute bei vielen ganz unkritisch als Information durchgeht.

Auf der anderen Seite, das muss man auch sagen, ist es heute einfacher geworden Leuten aufzuzeigen, dass sie einer Fehlinformation/Lüge/VT aufgesessen sind. Ob die Leute diese Information dann annehmen ist wieder eine andere Frage.

In der Sache hat sich nichts geändert, eher ist es etwas besser geworden. Im Internet hätte Hitler soviel Konkurrenz von anderen Spinnern gehabt, dass seine Spinnerei kaum eine Monopolstellung hätte erobern können.

Ja, wahrscheinlich hätten Leute wie Goebbels und Streicher heute ihre eigenen Blogs auf denen sie ihren Stuss ablassen würden und der kleine Adolf würde immer noch an "HTML für Dummies" sitzen...
 
Ich weiß zugegebenermaßen nicht genau, wie sich solche Sachen (z.B. Verschwörungstheorien) vor dem Internet verbreitet haben, aber ich würde mal behaupten, dass man da schon die richtigen Leute/Zeitschriften usw. kennen musste um da die ganz verrückten Dinge zu finden.

Die Leute glauben immer, wodurch sie sich bestätigt fühlen. Besonders originell sind Verschwörungstehorien nie. Sie müssen also garnicht groß verbreitet werden, sie entstehen vielmehr in den Köpfen ihrer Anhänger sowieso. Die bringen eine bestimmte psychische Disposition mit, und dann brauchen sie keine Kommunikation. Es ist selber eine Verschwörungstheorie, wenn man sich Verschwörungtheorien wir einen Grippevirus vorstellt, den man sich irgendwo eingefangen haben muss.
 
Die Leute glauben immer, wodurch sie sich bestätigt fühlen.

Auf jeden Fall, davon kann sich niemand freisprechen. Was wichtig und in den Zeiten des Internets gleichzeitig schwierig ist, ist sich selber und die Informationen die man aufnimmt zu hinterfragen. Niemand möchte gerne erfahren, dass das woran man geglaubt hat falsch ist. Diesen unangenehmen (aber wichtigen) Erfahrungen kann man heute relativ leicht aus dem Weg gehen, in dem man seine Informationsblase eben niemals verlässt und alle Leute mit anderen Ansichten als dumm, fremdgesteuert oder naiv betrachtet. Das hat den "Vorteil", dass man auf andere Leute herabschauen und sich selber besser fühlen kann.

Ohne Kommunikation untereinander bleiben diese VT zum allergrößten Teil unterhaltsame Hirngespinste mit denen man sich in den Schlaf wiegt. Durch das Internet als Plattform wird daraus aber so etwas wie eine Bewegung (9/11, Sandy Hook etc.), die, wie andere Gruppen auch, eine Eigendynamik entwickelt und immer extremer wird. Am Anfang hat man sich vielleicht nur zusammengetan, weil man die offizielle Darstellung von Ereignis XY nicht glaubt und später wird man als "shill" gebrandmarkt und ausgeschlossen, weil für alle anderen aus der Gruppe mittlerweile feststeht (fact!), dass Ereignis XY eine false flag Aktion gewesen sein muss und z.B. Obama mit den "Zionisten" (Codewörter sind auch noch so eine Sache) und der FEMA den Kommunismus weltweit durchdrücken will.
 
Es hat doch keiner behauptet, daß das Angebot an Unsinn durch das Internet abnimmt.Im Gegenteil, es hat zugenommen.

Ich sage nur: Na und?

Es ist doch egal, wenn jemand an Unsinn glaubt, an welchen Unsinn er glaubt. Es ist mir doch egal, ob nicht mehr alle Unsinngläubige das gleiche glauben, sondern es 2536 unsinnige Meinungen gibt. Unsinn bleibt Unsinn.

Aber früher, wenn der Unsinn vielleicht sogar von der Kanzel verbreitet wurde, und jemand nur das Gefühl hatte, da muß es aber nicht
andere Antworten geben, dann konnte er sie nicht suchen, geschweige denn finden. Er konnte allenfalls herrschende negieren.

Einen Stammtisch mit Gleichgesinnten konnte man schon früher finden.

Daß eine Menge an Information keine Bildung bringt, ist trivial. Man kann im Internet nach (neuen)Informationen suchen, oder nach Bestätigung. Das ist alles ausgelutscht, Herr Müller.

Das hat auch nichts mit dem Medium zu tun. Ich weiß nicht wie oft ich diese Satz schon in diesem Forum geschrieben habe, aber auch für das Internet gilt, so meine ich, Fernsehen (Internet) macht den Dummen dümmer und den Klugen klüger.
 
Meinungsvielfalt im Internet eine Herausforderung für das demokratische Staatswesen? Na mit ziemlicher Sicherheit nicht. Unabhängig davon an welchen Unsinn man glaubt und wie weit die Meinungen auseinander gehen, Demokratie lebt davon unterschiedliche Meinungen zusammen zu tragen und zu versuchen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Wer an Verschwörungen hinter jeder Ecke glauben will hat schließlich das gute Recht dazu. Nur muss er dann damit leben können, dass er von anderen nicht für voll genommen wird.
Mir ist die Argumentation nicht wirklich klar warum Meinungsvielfalt schädlich für eine Demokratie sein soll. Sie macht die Demokratie anspruchsvoll, aber auch nur deswegen versucht man sich ja überhaupt an eben dieser. Andernfalls bräuchte man keine solche Staatsform.
 
Das hat auch nichts mit dem Medium zu tun. Ich weiß nicht wie oft ich diese Satz schon in diesem Forum geschrieben habe, aber auch für das Internet gilt, so meine ich, Fernsehen (Internet) macht den Dummen dümmer und den Klugen klüger.

Stimmt auch nicht, mit 'ner Glotze im Haus hätte Kant die "Kritik der reinen Vernunft" kaum geschrieben.

Das einzige, was man von Fernsehen (PC ebenso) mit Sicherheit sagen kann: Es fördert die Stubenhockerei und den Bewegungsmangel.
 
Wie seht ihr das? Seid ihr auch der Ansicht, dass die Meinungsvielfalt im Internet momentan eine Herausforderung für unser demokratisches Staatswesen darstellen und der Umgang damit erst noch gelernt werden muss?

Nein und Nein.
Gibt es "die Lügenpresse?"
Nein.

Gibt es tendenziöse Nachrichten?
ja, gabs immer und wird es immer geben.

Sind manche Verschwörungstheorien Wahr/Legitim?
Das wissen wir seid Watergate und der Ermordung demokratischer Presidenten in Südamerika durch USA.

Sind die meisten davon trotzdem Bullshit?
Ja

Das ganze fällt und unter Information- und Medienkompetenz.
Und Stammtischbruder hatte die noch nie...

Staatsproblem?
Nein.

Das ist wie mit allen Fanatisten:
Bist du dagegen, bist du teil des Komplotts, denn ich hab ja recht.

Informationsvielfalt ist gut.
Kann der Mensch damit umgehen?
Nein.
Zu schwer.

Ist also latte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Interessant, wie wenig von eimem FAZ-Laitartikel übrig bleibt, wenn man genauer hinschaut. Weniger als ein Häufchen Asche.

Man hat 2 Euro und viel Zeit gespart, wenn man verzichtet. Fürs gleiche Geld bekommt man 2 süße Stückchen.
 
Ich wohne in NRW und kann sagen, Bielefeld scheint es nicht zu geben ausser in "offiziellen" Dokumenten. Und ab und zu unterhalten sich Leute im Zug über Bielefeld das es da sooft regnet oder so. Aber nie jemand den man kennt. Ich wechsel dann immer den Wagon.
 
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