Richtiges Zitieren

NecroniX

Kompetenzfetischist
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21 Juli 2013
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Hallo zusammen,
ich bin liege jetzt mit meiner Hausarbeit in den letzten Zügen und kümmere mich gerade darum noch die restlichen Quellen anzugeben bzw. formuliere noch etwaige Textstellen um...
Nochmal eine Frage zum Zitieren bzw. Belegen:
Wenn ich z.B. schreibe
Big Data findet auch in der Medizin immer mehr Anerkennung[...]
Dieses kann ich jetzt nicht konkret belegen, sondern ist mein gesamt Eindruck. Muss ich diese Stelle nun belegen z.B. mit Projekt XY indem Big Data verwendet wird oder kann ich das völlig frei stehen lassen ?
 
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"Anerkennung"? Bist du dir sicher, dass du das so formulieren willst?

Abgesehen davon: Ja, das musst du belegen.
 
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"Anerkennung"? Bist du dir sicher, dass du das so formulieren willst?
Steht nicht so in meiner Arbeit hab ich nur exemplarisch zur Veranschaulichung formuliert ;)
Abgesehen davon: Ja, das musst du belegen.
Hmm okay, aber dann endet doch so eine Arbeit in einem komplett Zitathaufen. Wie soll man denn dann eigene Ansichten einfügen ?
 
Nicht unbedingt. Das kann genauso dein Ergebnis der Arbeit sein, dann brauchts an dieser Stelle kein Zitat. Natürlich brauchst du die entsprechenden Quellen dann in der Herleitung und musst diese Textstelle auch als ein Ergebnis darstellen was bereits anhand von Quellen oder eigenen Untersuchungen/ Befragungen/ Daten/ whatever hergeleitet wurde.

So würd ich das machen.
 
Wenn sich diese Tatsache bereits aus dem vorhergegangenen Text ergibt, in dem du z.B. Statistiken usw. erstellt hast, die diese Behauptung beweisen, dann musst du an dieser besagten Stelle natürlich nicht mehr zitieren. Zur Verdeutlichung könntest du höchstens den Text genauer definieren, z.B.: "Wie in Kapitel XY skizziert findet Big Data ...".
 
Hmm okay, aber dann endet doch so eine Arbeit in einem komplett Zitathaufen. Wie soll man denn dann eigene Ansichten einfügen ?
Erstens müssen eigene Ansichten ja auch begründet werden, und die Gründe musst du mit Zitaten belegen. Zweitens ist die Aussage, dass Big Data auch in der Medizin immer mehr Anwendung findet, keine subjektive Ansicht, sondern eine Tatsachenbehauptung. Tatsachenbehauptungen musst du belegen - eigene Ansichten hingegen nur begründen (was ggfs. Belege voraussetzt). Eigene Ansichten einzufügen ist somit gar kein Problem.

Ich habe damals im Studium für Hausarbeiten (um die 8 bis 10 Seiten) zwischen 20 und 30 verschiedene Quellen benutzt, mal so als Hausnummer.
 
Du hast drei Möglichkeiten zur Auswahl, mit denen du deine Aussagen in deiner Hausarbeit belegen kannst.

1) Du belegst deine Aussage mit einer entsprechenden Aussage in einer anderen wissenschaftlichen Arbeit. Für die Aussage "Sokrates ist sterblich" mit einer Textstelle eines wissenschaftlichen Aufsatzes zu Leben und Philosophie Sokrates': "Sokrates starb 399 v. Chr."

Das ist langweilig, aber recht brauchbar insbesondere für Einleitungen, in denen eine Übersicht über größere Zusammenhänge gegeben werden soll. Manche Professoren stören sich aber daran, hinter jedem Allgemeinplatz eine Fußnote zu finden, da hilft ggf. ein Gespräch vorher oder ein Blick in den Stilführer für Hausarbeiten an deinem Institut. Ich persönlich würde einfach zu prüfende Aussagen oder Allgemeinwissen grundsätzlich nicht belegen, insbesondere wenn sie nicht als Prämissen in die weitere Arbeit einfließen.

2) Du belegst die Prämissen eines Argumentes, aus dem du deine Aussage als Konklusion schließt. Die Aussagen "Alle Menschen sind sterblich." und "Sokrates ist ein Mensch." belegst du wie 1), die Konklusion nicht mehr. Gleiches gilt für mathematische Ergebnisse, wenn du beispielsweise eine Auflistung der Schiffsanzahl der Handelsmarine verschiedener Länder zitierst, bedarf die Summe natürlich keines gesonderten Beleges mehr. Peinlich wird es hierbei nur, wenn dein Argument ungültig oder die Rechnung falsch ist. Auch könnte sich dein Professor überfordert fühlen, dein Argument mit 10 Zwischenschritten nachzuvollziehen, wenn du es über mehrere Seiten verteilst und einige Schritte auch noch unter den Tisch fallen lässt.

3) Mit den ersten beiden Möglichkeiten kommen die meisten Hausarbeiten aus. Zu manchen Themen gibt es jedoch keine passende wissenschaftliche Literatur, also führst du deine eigene Erhebung durch und wertest sie aus. Das würde ich immer mit meinem Professor absprechen, außer es in deinem Studienfach sowieso vorgesehen, beispielsweise eigene Laborergebnisse in der Hausarbeit zu verwenden. Sicher gibt es auch ein paar Tipps zur Methodik.

Wenn du zu deiner Aussage bezüglich Big Data nichts findest, wäre das letzte dann dein Vorgehen. Lohnt sich aber meistens nicht für Nebensächlichkeiten. Du könntest aber eine Stufe nach unten gehen und eine begründete Vermutung anstellen, beispielsweise hier aufgrund zunehmenden Umsatzes bestimmter Unternehmen in dem Bereich, oder was auch immer. In dem Fall belegst du wie bei 1) den oder die Gründe deiner Vermutung, nur dass du im Gegensatz zu 2) nicht die Wahrheit deiner Aussage behauptest. Für Nebensächlichkeiten dürfte das in Ordnung sein, für zentrale Bereiche einer wissenschaftlichen Arbeit würdest du damit auf Sand bauen.

"Eigene Ansichten" kommen anschließend höchstens als Wertungen zu deinen belegten Aussagen oder begründeten Vermutungen hinzu. Wie z.B.: "Diese Entwicklung ist vor jenem Hintergrund bedenklich, weil dortige Ereignisse etwaige Auswirkungen nicht verhindern können." Dabei ist dann der erste Teilsatz deine Wertung, den zweiten Teilsatz solltest du belegen.
 
Es gibt 2 Zitat formen wofür es auch Fachwörter gibt, die ich grade nicht weiß:
1. nen Direktes Zitat mit angaben wo man den Wortlaut eines Textes direkt einfügt und per Fußnote kenntlich macht, wer das wann und wo geschrieben hat.

2. indirekte Zitate das heißt du nimmst das was jemand gesagt hat, quasi die Interpretation eines Textes, bringst das mit Quellenangaben raus und ende.


Das was du da hast, ist kein Zitat es ist eine These die du belegen musst am besten mit Punkt 2, indirekten Zitaten
 
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Okay erst mal vielen Dank für die hilfreichen Ratschläge :)
Hier noch eine konkrete Frage zu dieser Textstelle:
Auch in der Medizin können Vorhersagen eine wichtige Rolle spielen, um z.B. frühzeitig Diagnosen zu erstellen, Therapien einzuleiten oder auch Quarantänemaßnahmen zu ergreifen
Diese Aussage müsste ich nicht belegen, da man sie unter Allgemeinwissen verbuchen kann ? Anderseits wüsste ich auch gerade nicht womit ich sie belegen könnte...
 
Wenn du Wettervorhersagen meinst :p

Die gesamte Aussage würde ich jetzt nicht unter Allgemeinwissen zählen, insbesondere weil sie ja in deiner Arbeit sicher vor einem bestimmten fachlichen Hintergrund getroffen ist. Andererseits rangiert die Aussage auf demselben Niveau wie "Auch beim Wäschetrocknen können Wettervorhersagen eine wichtige Rolle spielen, um z.B. frühzeitig den Wäscheständer unter einen Unterstand zu stellen oder die Wäsche abzuhängen." Das Allgemeinwissen bezieht sich also weniger auf den Inhalt als auf die übliche Vorstellung, bei rechtzeitiger Warnung dieselben Maßnahmen nur früher ergreifen zu können, um sein Ziel besser erreichen zu können.

Du hast natürlich hier jetzt das Problem, dass jemand einwenden könnte: Ich bin sowieso im Haus und wenn es regnet, kann ich die Wäsche sowieso rechtzeitig ins Trockene stellen. Die Wettervorhersage ist also unwichtig für mich.

Dagegen kannst du dich wappnen, indem du zunächst die Wichtigkeit einer möglichst frühen Diagnose und Behandlung, und sei es auch nur am Beispiel irgendeiner einzelnen Krankheit, feststellst. Das natürlich belegen. Und dann noch deine bestimmte Art der Vorhersage mit dem frühzeitigeren Erkennen der medizinischen Handlungsnotwendigkeit in Verbindung bringen. Am Ende fasst dein Satz dann nochmal die gesamte Überlegung zusammen. Damit wäre das aus meiner Sicht (logisch) wasserdicht, ohne dass du irgendeine Quelle finden musst, die dir das genau so vorkaut.
 
Für mich ist die Aussage definitiv nicht belegungspflichtig, da sie sich für jeden, auch Laien, logisch erschließen lässt.
 
Nach ein paar Minuten Recherche ist mein Eindruck: Für eine ähnliche Aussage: 'In der Medizin ist man sich dem Potenzial von Big Data bewusst' findest du belege. Ansonsten habe ich eine andere Aussage nämlich, dass die Branche nur verzögert die Möglichkeiten aufgegriffen hat, die EHRs bieten.
Interessantes Thema jedenfalls. Das Fraunhofer IAIS hat ja eine durchgeführt, wo auch Medizin (in der Kategorie Dienstleistung) implizit auftaucht und am Rande auch explizit.

Generell finde ich die Aussage "Big Data findet auch in der Medizin immer mehr Anerkennung" etwas allgemein. In der Einführung wäre das allerdings ok.
 
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