Spät, aber nicht zu spät - Plakate sollen Nazi-Kriegsverbrecher ausfindig machen

Die Kurzfassung der Weisheiten von mtb lautet also:

"Die Juden sollen das Maul halten; sonst hört das mit dem Antisemitismus nie auf."
 
Wow, solche üble antisemitsche Hetze las ich schon lange nicht.

Die Plakataktion erweist sich als absoluter Volltreffer. Sogar ich bin überrascht, was da plötzlich alles aus deinen Höhlen krabbelt.


“Links kennt keine Grenzen. Ob du kochst wie Biolek oder Menschen entführst wie Markus Wolf: Hauptsache, die fünf Buchstaben zieren dein Button. Während Rechts das politische Todesurteil bedeutet, ist Links das ‘Sesam-öffne-dich’ ins Reich der Guten, weshalb besonders Unsichere das Wörtchen wie eine Grubenlampe vor sich hertragen … Wer links ist, braucht kein Schamgefühl, keinen menschlichen Anstand, kein Geschichtswissen: Er befindet sich a priori auf der Seite der Guten. Und nur auf dieses eine Wort reagiert der Reflex: Du kannst einen Linken einen Lügner, Raffke, Menschfeind nennen, es wird ihn kalt lassen. Selbst ‘Kinderschänder’ dürfte an ihm abperlen wie Regen am Ostfriesennerz. Doch nennst du ihn einen Rechten, dann geht er hoch wie ein Rakete.” (Freya Klier)
 
So ist das mit dem Zitieren. Man findet immer was Passendes und braucht nicht selber zu denken.

Der Zusammenhang von Zitaten ist natürlich völlig nebensächlich.
 
Wie hier schon mehrfach betont wurde, können 90 Jährige (sofern es sie überhaupt noch gibt) wohl kaum mehr verurteilt werden, auch wenn sie es verdient hätten. Viele Nazis, die nicht verurteilt wurden, haben diesen Umstand jedoch den Amerikanern zu verdanken, die sie und ihnen boten. Hat sich das SWC schon zur Schuld der Amerikaner an diesem Umstand geäußert? Ich habe nichts dazu gefunden.
 
Haftfähigkeit hat mit der Strafverfolgung zunächst nichts zu tun.

Es geht um einen Schuldspruch.
 
Du wolltest sagen, daß die Opfer die Täter sind?

Natürlich sind die Juden schuld, an allem. Denn wenn es sie nicht gäbe, hätte Auschwitz nicht geschehen können und hätten die Deutschen nicht so viel Dreck am Stecken. Der Täter hasst sein Opfer, weil er an ihm schuldig wurde. In einem Satz: "Auschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen!"

Das ist eine alte Geschichte, ich wusste nur nicht, wie aktuell sie immer noch ist.

Rein klinisch betrachtet sind die Beiträge von mtb hochinteressant. In starker Verdichtung sehen wir ein Syndrom, wei es in vielen älteren Autoritarismus- und Antisemitismusstudien beschrieben und analysiert worden ist.

Das ist ungefähr so, wie wenn ein Fossil auf dem Labortisch unter der Lupe wieder anfängt zu krabbeln. Eine Sternstunde der Paläontologie und Verhaltensforschung!

Ich bin geplättet! Ich fand die Plakataktion gut, aber soviel zusätzlichen Erkenntniswert hätte sich ihr doch nicht zugetraut. Man gräbt nach alten Nazis, und findet NEUE. Wenn das keine Überraschung ist!
 
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  • #88


was du von meiner Aussage halten sollst kann ich dir nicht sagen. In einem Interview sagte "irgendwer (name nicht gemerkt)" das diese Plakataktion wichtig sei, um weiter gegen das Vergessen anzukämpfen. Einer der Mitorganisatoren.
Und das ist doch in meinen Augen albern, JETZT (über 60 Jahre danach) zu versuchen Leute zu verurteilen. Natürlich haben die eine Strafe verdient - aber dazu macht man nicht Jahrzehnte danach eine Plakataktion (die wohl erher sinnlos, bzw wenig erfolgreich sein wird) und wirft dann noch mit solchen Belohnungen um sich.


Ich habe nicht gesagt das man sich die Strafverfolgung sparen kann oder das es über die Jahre doch verjährt sein sollte - Mord verjährt aus gutem Grund nicht. Aber die Art und Weise wie das hier gemacht wird kritisiere ich.
 
Ich bin ganz und gar nicht Deiner Meinung.

Gerade die schlimmsten Verbrechen will das Volk gerne vergessen.

Es sollte auch nicht vergessen werden, daß die deutsche Nachkriegs-Elite bei der Verfolgung der Verbrechen völlig versagt hat.
 
Wie hier schon mehrfach betont wurde, können 90 Jährige (sofern es sie überhaupt noch gibt) wohl kaum mehr verurteilt werden, auch wenn sie es verdient hätten.

Veruteilt werden können sie auf jeden Fall. Und es ist eben schon ein Unterschied, ob jemand ohne Schuldspruch -und damit frei von festgestellter Schuld- stirbt, oder ob er zuvor verurteilt wurde und damit zumindest 1. deutlich wird, dass die Tat nicht einfach ignoriert wird und 2. dass derjenige ja in gewisser Weise trotzdem dadurch gestraft wird, dass Klarheit über seine Vergangenheit besteht - auch gegenüber seinem Umfeld, dem er möglicherweise jahrelang was vorgemacht hat.

Ich für meinen Teil kann jedenfalls sagen, dass mich das Unwissen in Bezug auf meine Großeltern schon zu einigen nachdenklichen Stunden verleitet hat. Ich möchte jetzt nicht näher darauf eingehen, aber bei einem Opa von mir hatte ich, auch wenn er das nicht aktiv so zum Ausdruck brachte, während er so erzählte nicht zwingend das Gefühl, er würde die damalige Ideologie mit der erforderlichen Deutlichkeit ablehnen. Und dann überlegt man sich halt schon irgendwie mal, ob er da vielleicht irgendwo mal beteiligt war. Denn der Personalaufwand für die damalige Vernichtung des als "minderwertig" angesehenen Lebens - das waren ja nicht nur Juden, war immens: Da reden wir nicht nur über KZ-Aufseher, sondern den ganzen Verwaltungsapparat, der dahinter gestanden hat - angefangen bei den Deportationen, bis halt zur Ermordung an sich.

Naja das Thema (mit diesem Opa) ist eh erledigt, was ich damit sagen will: Klarheit kann auch ohne Gefängnis einiges bedeuten.
 
Für mich wäre es ein medialer Albtraum wenn diese Leute mit 75 straffrei gestellt würden und dann bei Lanz und Maischberger in den Talks sitzen.

:eek:
 
Für mich wäre es ein medialer Albtraum wenn diese Leute mit 75 straffrei gestellt würden und dann bei Lanz und Maischberger in den Talks sitzen.

:eek:

Das geht auf keinen Fall. Wer in der Talk-Show hocken kann, kann es auch in der Zelle. Aber Pflegefälle gehören nicht in den Knast sondern ins Heim, und dort würden und werden sie auch landen. Nach der Verurteilung, wohlgemerkt.


Es sollte auch nicht vergessen werden, daß die deutsche Nachkriegs-Elite bei der Verfolgung der Verbrechen völlig versagt hat.

Von einem Versagen kann man eigentlich nicht sprechen, weil die Nachkriegs-Elite ja großenteils mit der Vorkriegs-Elite identisch war. Besonders zugetroffen hat das auf die Justiz, woher hätten die unbelasteten Richter denn auch kommen sollen, es gab sie einfach nicht.

Ich zitiere Wikipedia:

„Furchtbare Juristen“ – Untertitel: Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz – ist der Titel eines 1987 erschienenen Buches des Juristen Ingo Müller. Es behandelt die Verbrechen der deutschen Justiz in der Zeit des Nationalsozialismus und die durch Übernahme von NS-vorbelasteten Juristen in den Staatsdienst der Bundesrepublik Deutschland verhinderte Aufarbeitung ebendieser Verbrechen.

Das Buch erfuhr breite öffentliche Beachtung und bewirkte eine bis heute anhaltende Debatte über die Unabhängigkeit der Richter und Verpflichtung des Rechtsstaats zur Bewältigung vergangener Justizverbrechen.



In diesem Buch wird erzählt, wie anfangs unter dem Druck der Alliierten AUCH Richter wieder eingestellt wurden, die unter den Nazis rausgeflogen waren. Die kannten den Verein und versuchten nun, ihrerseits die übelsten Nazis unter den Richtern rauszudrängen. Schaffen sie natürlich nicht, und das Ende vom Lied war, dass sie selbst rausgefogen sind, zum zweiten mal in ihrem Leben, und jedes mal von Nazi-Kollegen verjagt.

Das erklärt die Rechtsprechung prakrisch bis zum Frankfurter Auschwitzprozess.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es sollte auch nicht vergessen werden, daß die deutsche Nachkriegs-Elite bei der Verfolgung der Verbrechen völlig versagt hat.
Danke. Denn genau darum geht es. Es geht darum auch den nicht am Krieg beteiligten Deutschen eine Schuld zuzuweisen und die eigene Daseinsberechtigung (hier des SWC) herzuleiten. Man könnte auch PR dazu sagen.
Naja das Thema (mit diesem Opa) ist eh erledigt, was ich damit sagen will: Klarheit kann auch ohne Gefängnis einiges bedeuten.
Aber was genau ist jetzt der Wert der Aktion? Angeklagte können sich nicht mehr verteidigen bzw. Stellung dazu beziehen. Sie werden dafür auch nicht mehr büßen müssen. Das tun die Nachkommen, die ihre vielleicht guten Opas beginnen zu hassen oder von gar außen angefeindet werden.
Für mich wäre es ein medialer Albtraum wenn diese Leute mit 75 straffrei gestellt würden und dann bei Lanz und Maischberger in den Talks sitzen.
Diese Leute wären dann zum Kriegende 7 Jahre alt gewesen.
 
loopzone schrieb:
Danke. Denn genau darum geht es. Es geht darum auch den nicht am Krieg beteiligten Deutschen eine Schuld zuzuweisen und die eigene Daseinsberechtigung (hier des SWC) herzuleiten.

Du scheinst auch auf falschen Pfaden zu wandeln; oder hast Du den Text nicht verstanden oder willst Du nicht wahrhaben, daß die Verfolgung von Nazi-Verbrechen nach dem Krieg und den Nürnberger Prozessen gewissermaßen zum Stillstand kam?
 
Hier ist das offizielle Plakat:


5000 Euro für eine Anklageerhebung;
5000 Euro für eine Verurteilung
100 Euro pro Tag Haft für die ersten 150 Tage Gefängnis, bis zu 15.000 Euro zusätzlich.
Maximal: 25.000 Euro
Die Operation Last Chance ist ein Gemeinschaftsprojekt des Simon Wiesenthal Centers und der Targum Shlishi Foundation.
Will jemand mit mir wetten, dass 25.000 nie ausbezahlt werden? Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird es nicht einmal 5000€ geben.
Irritierend ist, dass keinerlei Informationen über Verdächtige auf der offiziellen Webseite verfügbar sind.
Nach wem wird überhaupt gesucht? Was ist der letzte Wissensstand über Aufenthaltsort usw?
Wie soll man also Personen finden, über die man keinerlei Informaionen hat, ausser dass sie wohl weit über 90 Jahre sein wird. Soll man die Alten- und Pflegeheime abklappern?
 
Zuletzt bearbeitet:
Natürlich sind die Juden schuld, an allem. Denn wenn es sie nicht gäbe, hätte Auschwitz nicht geschehen können und hätten die Deutschen nicht so viel Dreck am Stecken. Der Täter hasst sein Opfer, weil er an ihm schuldig wurde. In einem Satz: "Auschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen!"

Das ist eine alte Geschichte, ich wusste nur nicht, wie aktuell sie immer noch ist.

Rein klinisch betrachtet sind die Beiträge von mtb hochinteressant. In starker Verdichtung sehen wir ein Syndrom, wei es in vielen älteren Autoritarismus- und Antisemitismusstudien beschrieben und analysiert worden ist.

Das ist ungefähr so, wie wenn ein Fossil auf dem Labortisch unter der Lupe wieder anfängt zu krabbeln. Eine Sternstunde der Paläontologie und Verhaltensforschung!

Ich bin geplättet! Ich fand die Plakataktion gut, aber soviel zusätzlichen Erkenntniswert hätte sich ihr doch nicht zugetraut. Man gräbt nach alten Nazis, und findet NEUE. Wenn das keine Überraschung ist!

Einfach zum Lachen ich Danke dir Nord Korea lässt Grüssen:D
 

Wie bereits geschrieben wurde, liegt der Krieg 68 Jahre zurück, die Nürnberger Prozesse 64 Jahre. Und jetzt fällt der amerikanischen Organisation "SWC" auf, dass nur in Europa angeblich zu wenige Nazis verurteilt wurden? Ich habe angesichts dieses Zeitfensters und der plötzlichen Aktivität viel eher den Eindruck, dass sie sich um ihre eigene Zukunft sorgen. Denn sind wir mal ehrlich: Wer finanziert den Laden denn noch, wenn es weder Holocaustüberlebende noch Nazis gibt? Da ist es doch praktisch wenn man den Nachfahren auch eine Schuld am Holocaust nachweisen kann.
 
Nur noch Eckelhaft während führende Funktionäre und SS Schärgen nach dem Krieg teils in hohen Ämtern von Polizei Geheimdienst bundeswehr und Regierung ihr Leben ungehindert weiterleben konnten, eröffnet man fast 70 Jahre nach Kriegsende eine "Hexenjagd" auf die letzten "Alten MÄnner" die nicht mal in besonders hohen Positionen ihren Dienst taten.Das letzte Urteil in der Sache spricht ja Bände. Hier war nicht mal notwendig eine direkte Tatbeteiligung nachzuweisen, nein es genügte das der Mann in dem betreffenden Lager Dienst getan hat. Begründung durch seinen Dienst in diesem Lager hat er indirekt diese Taten möglich gemacht.
Die hätten mal lieber gleich nach Kriegsende reinen Tisch machen sollen. Aber Herren wie Raketendoktor Braun etc. der ebenfalls am Tot von Zwangsarbeitern Schuld war, wurden nach USA etc. geholt, auf dem Papier reingewachsen und durften weitermachen. Gleiches passierte in der BRD bei Geheimdienst, Polizei, Bundeswehr und sogar Regierungsmitglieder waren teils schwer belastet. Die sind nun alle Tot und nun jagt man die kleinen "Gefreiten". Einfach nur noch Eckelhaft.
 
Sie werden dafür auch nicht mehr büßen müssen. Das tun die Nachkommen, die ihre vielleicht guten Opas beginnen zu hassen oder von gar außen angefeindet werden.

Mit meinem Beitrag wollte ich ja genau das zum Ausdruck bringen: Nämlich, dass ich schon daran interessiert gewesen wäre, was damals los gewesen ist, trotz der heilen Welt, die mich auch im Haus meines Opas umgeben hat. Ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber ich fände (konjunktiv!) den Gedanken höchst unangenehm und richtig unheimlich, als Kind von einem Großvater "betüdelt" worden zu sein, der 50 Jahre zuvor Kinder gleichen Alters in den Tod geschickt hat bzw. in irgendeiner Form damit in Zusammenhang gestanden hat. Als Kind hätte ich das nicht so empfunden, mangels Wissen über die damalige Zeit und natürlich wegen seiner netten Persönlichkeit.

Würde heute jemand auf mich zukommen, mir sagen er wisse was mein Opa damals gemacht hat (bzw. ob überhaupt und was nicht) und fragen, ob ich das erfahren will, würde ich mich jedenfalls dafür entscheiden. In dem Bewusstsein, dass das meine Sicht nachträglich korrigieren könnte und mich vielleicht auch belasten könnte. Aber im Zweifelsfall ist es mir lieber, die Wahrheit zu wissen als mit der heilen Welt, die möglicherweise mindestens stark beschönigt ist zu leben. Aber wie gesagt: Da kann ich nur für mich sprechen. Wobei ich jetzt auch mal aufhöre, mich auf meinen Opa festzulegen - da gibt es eh nur Spekulationen.

Dass man von außen angefeindet würde, bezweifle ich übrigens. Immer wenn es um das Thema "Nazionalsozialismus" geht, fangen die Grenzen zwar recht schnell an fließend zu werden, aber so genau differenzieren die Leute dann denke ich schon noch, um von den Taten des Verurteilten nicht auf dessen Nachfahren zu schließen. Zumindest nehme ich es so wahr, dass Verbrecher hierzulande im Regelfall nicht ihre Familie in den Dreck mit reinziehen, zumal wenn jeder direkte Zusammenhang ausgeschlossen ist.
 
Die sind nun alle Tot und nun jagt man die kleinen "Gefreiten"
Aha. Und woher stammt diese Erkenntnis?

Nämlich, dass ich schon daran interessiert gewesen wäre, was damals los gewesen ist, trotz der heilen Welt, die mich auch im Haus meines Opas umgeben hat. ... In dem Bewusstsein, dass das meine Sicht nachträglich korrigieren könnte und mich vielleicht auch belasten könnte.
Ich verstehe, dass jemand von den Verbrechen seiner Angehörigen wissen möchte. Ich würde das auch wissen wollen. Ich stelle mir allerdings die Frage ob es dem SWC tatsächlich um Aufklärung geht, oder ob es ganz eigene Interessen mit dieser Kampagne verfolgt. Der zeitliche und örtliche Rahmen der Kampagne und das äußerst zweifelhafte Vorgehen im Fall Augstein, lassen mich schlussfolgern, dass das SWC nichts weiter als PR in eigener Sache betreibt.

Wie man auch deinem post entnehmen kann, bleiben einzig und allein die Angehörigen der mutmaßlichen Verbrecher mit der Last zurück. Ohne eine Chance darauf zu haben jemals etwas vom Familienmitglied darüber zu erfahren, weil dieses bereits tot sein wird. Mag sein, dass die Holocaustopfer Genugtuung dabei empfinden wenn ein Täter überführt wird. Ich glaube aber kaum, dass sie es auf den Schultern der Nachfahren erleben möchten.
 
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