1. Zusammenbruch des Ostblocks, seit '89 ist nichts mehr los. Die Lehre damals: Wenn was richtig Wichtiges passiert, hat es keiner gewollt, gemacht oder auch nur geahnt. Also warum immer Weltgeist spielen wollen? Es funktioniert ja doch nicht.
2. Globalisierung und EU. Man ist bei allen Entscheidungen abhängig von unüberschaubar vielen Faktoren. Das kann sehr nützlich sein. Wenn Orban könnte, wie er will, säßen Sinti und Roma im Ghetto. Oder es begänne eine neue Partie im alten Spiel Faschisten gegen Antifaschisten. Das wäre dann mehr Politisierung, als einem gefallen kann. SA gegen Rotfront wünscht sich ja auch kein Mensch mehr zurück.
Man muss bedenken, dass die Protestbewegung '67 ff. das einzige mal in der ganzen deutschen Geschichte war, wirklich das einzige, wo eine Politisierung der Massen sich
nicht als verhängnisvoll erwiesen hat. Sie war ein Ausnahmefall und ein echter Glücksfall. Und dafür konnten die deutschen Studenten nichts, es lag an den Zeitumständen und an den damaligen Befreiungsbewegungen in der dritten Welt.
Ich kann nicht mal behaupten, dass ich mir gegenwärtig eine Repolitisierung wünsche, weil ich befürchte, die ginge Richtung AfD.
PS: Auch der Stuttgarter Bahnhofsprotest war eine zweischneidige Sache, zu viel Lokalpatriotismus und Heimatschutz im Spiel, und bei den Kulturdarbietungen, mit denen die Montagskundgebungen gestreckt wurden, hat es einem manchmal echt die Strümpfe ausgezogen. Also richtiges Ziel - oberirdsich - aus meiner Perspektive, aber die falschen Motive.
Einmal hatten sie als Redner einen Stuttgarter eingeladen, der in Wien Städtebau lehrt. Der hat ihnen dann erklärt, dass es an Stuttgart städtebaulich nichts mehr zu versauen gibt, weil alles schon längst versaut worden ist. Das ist die reine Wahrheit, ein guter Mann. Aber der bekam keinen Beifall.