Wahrscheinlich wollte man bei der Gründung der ARD alles richtig machen. Es gab ja mal Zeiten, wo die Leute eher Radio hörten und dann langsam das Fernsehen auf kam. Später als es immer mehr Zuschauer fürs Fernsehen gab, wurde ein zweiter Sender erschaffen. Wie immer wenn jemand ein Monopol hat, sollte der "Verbraucher" es begrüßen, wenn Konkurenz aufkommt. Also haben alle in die Hände geklatscht.
In den frühen '80er Jahren kamen dann die privaten Sender auf. Diese wurden Anfangs nur belächelt, sind aber schnell zu einer wahrnehmbaren Konkurenz herangewachsen, weil sie eben nicht in festgefahren Strukturen arbeiten können, sondern immer Quote machen müssen.
Während man bei den staatlich-finanzierten Sendern ARD und ZDF nach dem Motto "Das war schon immer so" weiter wirtschaften konnte, müssen die privaten Sender ihre Sendezeit mit Werbung refinanzieren. Spätestens Anfang der '90er Jahre war klar, dass die Entwicklung immer mehr Richtung Unterhaltungsfernsehen gehen wird.
Wenn bei den privaten Sendern wieder die neuesten Hollywoodstreifen liefen, konnte man bei ARD und ZDF nur mit altbekannten Showgrößen kontern. Und so lange es 5 Mio Zuschauer gibt, die meist auch älter als 50 Jahre sind, wird es solche Sendungen weiterhin geben. Nur hat man ja aber beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk den Auftrag für alle Altersgruppen Programm zu machen. Also muss man eben auch mehr Hollywood bringen .. oder wenn die Privaten mit Talkshow erfolgreich sind, dann eben auch Talkshows produzieren .. oder wenn es Soaps sind, dann müssen die eben auch auf ARD gezeigt werden. Natürlich in Eigenproduktion.
Plötzlich waren die Privaten eben auch ernstzunehmende Konkurenz. Und wenn die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Daseins-Berechtigung erhalten wollten, dann müssen sie hier gegenhalten. Und das am Besten auf allen Distributionswegen.. also Radio, Fernsehen, Internet, Teletext... whatever.
Und genauso ist es gekommen. Die Digitalisierung erlaubte es plötzlich mehr Sender aufzuziehen. Auch wenn die nur 0,1% Quote bringen, dann sind das immerhin 0,1% weniger Zuschauer für private Sender. Ziel erfüllt.
Die Leute schauen immer weniger fern.. sie hängen mehr immer mehr im Internet ab. Also müssen die ÖR ebenfalls ins Internet. Und somit wurde jeder PC zum potentiellen Konsumenten vom Content der öffentlich-rechtlichen Sender.
Inzwischen ist es soweit, dass wir auf Kanälen wie Phoenix, Arte und den Infokanälen von ARD und ZDF die Grundversorgung sehen können, was wohl ursprünglich Auftrag für die öffentlich-rechtlichen Sender waren. Nur würde es diese Kanäle nicht geben, wenn ARD und ZDF nicht existieren würden. Aus diesen Sendern ist inzwischen ein riesiger Apparat geworden. Irgendwo in den '90er Jahren hätte man diesen Apparat beschränken müssen. Man hat es nicht gemacht. Oder nicht geschafft? Man darf gespannt sein, wie lange das noch so weiter geht.