Das ist nicht Schlamperei oder eine wie auch immer geartete Komplexität, sondern das Ergebnis unseres Bildungssystems, insbesondere dem in den Universitäten. Ich hab mich während des Studiums mal mit einer Bioprofessorin unterhalten und provokant gesagt, ich wäre allein aufgrund meiner IT-Kenntnisse besser für 90% ihrer täglichen Aufgaben geeignet als sie selbst, auch ohne Ahnung von Biologie. Das hat sie erst als Scherz empfunden aber nach dem Gespräch musste sie zugeben, dass das wohl zutreffend ist.
Unis verlangen immer gern Grundlagenwissen - "ein Biologe muss alle Tier- und Pflanzenfamilien kennen", "ein Chemiker muss die physikalischen und mathematischen Hintergründe für Massenspektrometrie kennen"... aber keine Sau kommt auf den Trichter zu sagen "Pass auf, wenn du deine Messkurven auswerten willst, brauchst du Computer, also musst du die Grundlagen dafür auch kennen". Computer sind einfach magisch da, und jeder kennt sich automatisch damit aus, weil er einen Mauszeiger über den Bildschirm geschubst bekommt. Dass dem nicht so ist, und dass wir allgemein viel zu viel Stuss und viel zu wenig Brauchbares lernen, das wird uns irgendwann in den Hintern zwicken. Unser ganzes Bildungssystem ist einfach darauf ausgelegt, möglicht viel in Köpfe einpressen zu können, ohne Zusammenhänge aufzuzeigen und den Informationsgehalt auf relevante Knotenpunkte zu verdichten.
Und daher haben wir Genetiker, die in Excel einfach die Grundlagen nicht beherrschen. Wie Architekten - die ganze Zeit gelernt, wie man Pläne zeichnet und was als schön empfunden wird, aber wehe du gibst ihnen einen Bohrhammer in die Hand oder lässt sie ein Gartenhäuschen planen und selbst bauen - da kannst du gleich den Unfallbericht vorschreiben. Und eine gute Haftpflicht einkaufen.