Wie definiert ihr Freundschaft?

Falls jemand irgendwann Zeit hat:








Oder gleich die gesamten Bücher VIII und IX zur Freundschaft.

Die Stelle zur Definition:

Da diese Ursachen der Art nach von einander verschieden sind, so sind es folgerichtig auch die Zuneigungen und die Freundschaften. Demnach sind drei Arten der Freundschaft, entsprechend der dreifachen Beschaffenheit des Liebenswerten, da es bei jedem Liebenswerten eine Gegenliebe gibt, die nicht verborgen bleibt, und die sich Liebenden sich unter der Rücksicht Gutes wünschen, unter der sie sich lieben.

Die sich also des Nutzens wegen lieben, lieben nicht einer den anderen an sich, sondern insofern, als ihnen von einander Gutes widerfährt, und ebenso ist es mit denen, die sich der Lust wegen lieben: man hat den artigen Mann gern, nicht wegen seiner persönlichen Eigenschaften, sondern weil er einem Vergnügen gewährt. Wo demnach die Liebe auf dem Nutzen beruht, da wird sie durch den Nutzen des Liebenden, und wo sie auf der Lust beruht, durch die Lust des Liebenden bestimmt und gilt dem Geliebten, nicht insofern er der Geliebte ist, sondern insofern er Nutzen oder Lust gewährt. Diese Freundschaften sind demnach nur mitfolgend solche. Denn in ihnen wird der Geliebte nicht darum geliebt, weil er ist der er ist, sondern weil er in einem Falle Gutes, im anderen Falle Lust gewährt. Daher sind solche Freundschaften leicht lösbar, wenn die Personen sich nicht gleich bleiben: sind sie nicht mehr angenehm oder nützlich, so hört man auf, sie zu lieben; das Nützliche aber bleibt nicht dauernd dasselbe, sondern bald ist dieses nützlich, bald jenes. Fällt also dasjenige weg, weshalb solche Menschen Freunde waren, so löst sich auch die Freundschaft auf, weil sie durch jenes bedingt war.

[...]

Vollkommen aber ist die Freundschaft guter und an Tugend sich ähnlicher Menschen. Denn sie wünschen einander gleichmäßig Gutes, insofern sie gut sind, und sind gut an sich. Die aber dem Freunde um seiner selbst willen Gutes wünschen, sind Freunde im vollkommenen Sinne, weil sie diese Gesinnung an sich, nicht mitfolgend, haben. Daher bleibt die Freundschaft zwischen solchen Menschen bestehen, solange sie tugendhaft sind, Tugend aber ist beständig.

In solchem Freundschaftsverhältnis ist jeder der beiden Freunde schlechthin gut und gut für den Freund. Denn die Tugendhaften sind gleichzeitig schlechthin gut und einander nützlich, und in der nämlichen Weise sind sie lustbringend, sofern der Tugendhafte wie schlechthin so auch einer beim anderen Gefallen erweckt. Denn ein jeder hat Freude an seiner und verwandter Handlungsweise: Tugendhafte aber haben die gleiche oder eine ähnliche Handlungsweise.

Die These ist: Freundschaft liegt im tätigen gegenseitigen Wohlwollen in Bezug auf ein gemeinsames Gut (Nutzen, Lust, Gutheit an sich (wird hier Tugend genannt, was immer irreführend ist)). Eine Nutzen-Freundschaft wäre eine Geschäftsfreundschaft, eine Lust-Freundschaft eine zum Tennisspielen oder Vögeln. Natürlich sind Kombinationen möglich. Wer Tugend-Freund ist, ist gleichzeitig lustbringend (angenehm) und nützlich. Die Tugend-Freundschaft grenzt sich von den anderen dadurch ab, dass das Wohlwollen sich bezieht auf die Gutheit des anderen um seinetwillen, und nicht um meinetwillen, wie es z.B. beim Geschäftsfreund der Fall ist: Dem wünsche ich Gewinne, aber um meinetwillen, damit ich davon profitiere.

Probleme treten immer auf, wenn sich zwei Menschen nicht einig sind, was denn nun Gegenstand ihrer Freundschaft und Grund ihres Wohlwollens ist. Wenn der eine Nutzen will (= kostenloses Abendessen) und der andere Lust (= Sex), der eine also auch anders geliebt werden will als der andere, kann es zu Problemen kommen. Aber es gibt natürlich Fälle, in denen eine solche Beziehung dauerhaft gelingen kann: z.B. rein geschäftliche oder familiäre *hust* (streichen wir den Sex aus dem Beispiel).

Es ist nicht das Ende der Weisheit, aber ein guter Anfang. Ebenfalls interessant, wenn auch wesentlich schwieriger zugänglich:
 
[*] Was ist für euch Freundschaft

Miteinander auf einer Wellenlänge zu sein, das heißt, einander vor allem emotional zu verstehen und nachvollziehen zu können, ähnliche Erwartungen aneinander zu haben, das ist für mich so ziemlich die fruchtbarste Form einer freundschaftlichen Basis.

[*] Was macht für euch einen Freund aus?

Dass die o.g. Basis mit der Zeit wächst und damit das gegenseitige Vertrauen. Gemeinsame Erfahrungen tragen dazu wohl am besten bei.

[*] Was macht für euch einen besten Freund aus?

Wenn alle mir und ihm wichtigen Faktoren so gut ineinandergreifen, wie bei keinem anderen Menschen, wäre das die beste freundschaftliche Beziehung, die ich habe.

[*] Gibt es nur einen "besten" Freundeskreis oder eher einen engsten Freundeskreis?

Die Frage verstehe ich nicht.


[*] Wann brecht ihr den Kontakt zu einem Freund ab?


Ist meinerseits noch nie geschehen, mit mir wurde aber schon der Kontakt abgebrochen, einmal. Ich würde den Kontakt nur dann abbrechen, wenn mir durch einen Freund großes Unrecht angetan wurde, und dieser sich dafür niemals entschuldigen wird. Ansonsten finde ich Kontaktabbruch total sinnlos und unfreundschaftlich.

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Ich komme eigentlich mit sehr vielen Menschen zurecht und bin seit meiner Kindheit so drauf, dass ich immer mit den unterschiedlichsten Menschen befreundet war, auch, wenn wir eigentlich keine Interessensüberschneidungen hatten/haben. Ich bin mittlerweile im Glauben, dass ich eigentlich mit sehr vielen Menschen auch gut befreundet sein kann, solange ich es nur nicht mit einer sehr bornierten und wenig differenzierten Person zutun habe. Da wende ich mich sehr schnell ab und die Person spürt (manchmal zu meinem Leidwesen) wohl auch deutlich, dass ich sie nicht mag. Das heißt nicht, dass ich Menschen mit extremen Sichtweisen nicht mögen oder tolerieren würde, ganz im Gegenteil, aber bei Halsstarrigkeit ergreif ich die Flucht.

Ansonsten schätze ich meine Freunde sehr und bin, weil ich soziale Bedürfnisse habe, auf gute Freunde angewiesen, weil ich keine Familie habe. Dadurch schätze ich meine Freunde umso mehr.

edit: Und danke für den Ohrwurm, yuki.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh, das ist aber traurig. Dann weiß man bei dir ja nie, ob du einen als Freund wahrgenommen und geschätzt hast, oder?
 
Warum Pech? Warum ist es negativ behaftet, wenn jemand keine Freunde hat? :unknown:
 
Pech würde ich es nicht nennen, ich empfinde es einfach nur Schade, aber jeder Mensch ist anders und empfindet anders.

Ich persönlich bin jemand, der Menschen um sich herum einfach braucht. Ich bin da ein etwas anhänglicher Typ. Ich bin aber froh Freunde zu haben, wobei mir die Anzahl egal ist, die Qualität macht es aus ;)
 
Je nachdem wie ENG man die Bindung zu seinen Freunden definiert.
Desto weniger bis keine hat man.

Aber interessanter ist, wenn man mal überlegt, für wen man ein Freund ist.
 
@RedlightX: wem erzählst du deine Sorgen und Probleme? Wer ist für dich da wenn es dir elend geht? Wer hilft dir bei Umzügen, Umbauten, holt dich vom Flughafen ab? Bei wem wohnst du in ner fremden Stadt/Land? Wer besucht dich im Krankenhaus, geht in ne Kneipe, zum Bowling oder einfach mal Sushi essen?

Also ich bin froh Freunde zu haben. Klar, vieles kann auch ein Partner tun, ist oft aber trotzdem was völlig anderes. Wäre mir persönlich dann arg zu viel mit einer selben Person.
 

Das ist wirklich eine gute Frage...

Sorgen und Probleme: Eigentlich niemanden, außer vielleicht meiner Frau.
Wenn es mir elend geht: Ich mir selbst ^^
Bei Umzügen: Mein Schwager und Vermieter
Flughafen: Taxi
Fremde Stadt: Hotel
Krankenhaus: Gute Frage, war ich schon Jahre nicht mehr. Aber da kann man wohl wirklich erkennen, wer im Notfall für einen da ist.

Bowling war ich übrigens auch schon ewig nichtmehr, aber Sushi ess ich öfters mit nem Arbeitskollegen.


Wenn ich es rückblickend so lese, kommt es wirklich ein wenig traurig vor. Vielleicht ist es das sogar.
 

Traurig ist es nur, wenn es nicht selbst gewählt ist.

Bei dir klingt es eher, als hättest du potentielle Freunde, hältst die aber bewusst auf Distanz, erkennst sie nicht als solche an.
Das ist aber eine Entscheidung von dir, damit kein Misstand, dir scheint es ja an nichts zu mangeln.

--- [2015-05-29 23:17 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---


Alles das was du beschreibst, hab ich auch von Leuten, die ICH nicht so nah wie Freunde sehen würde.

BTT:
Mein Freund und ich sind z.B. total unterschiedlich.
Ich kenne sehr wenige Leute. Bei den meisten ist es eher Zweckgebundene Sympatie.
Mein Freund kennt jeden Idioten und sogar Leute aus dem Forum.
Wenn wir in der Stadt jemanden treffen und er sich 2h fest quatscht, kommt auf die Frage "wer ist das?" immer nur "ach, nen alter Freund, weißnet woher ich den Kenne".

Wenn ich mal ausgehe, muss das geplant sein, da ich sonst alleine dastehe.
Er schreibt einfach irgendwen an "Läuft was bei euch heute Abend?" und geht hin, auch wenn er die mehrere Wochen net gesehen hat.

Wenn ich irgendwas brauche: "warte ich kenn da ein!" Während ich meistens nichts über die Leute weiß, mit den ich nichts zutun habe und es mich ehrlichgesagt auch nicht interessiert.

Er redet auch mit groben Bekanntschaften über mir zu intime Dinge.
Ich hingegen erzähle manche von den Sachen ja nicht mal ihm.

Ich vermisse auch nichts, ich frag mich einfach wie er das macht, mit quasi Fremden Kontakt zu knüpfen und zu halten.
Ich will das auch nicht, weil er sich im Gegenzug auch deren Schwachsinn anhört und auch ständig von für mich fremden um irgendwas gebeten wird.

Ist also eine Frage der Einstellung.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nicht das es falsch rüber kommt, richtige Freunde habe ich vielleicht 10. Bekannte eher 50. Mit denen gehe ich aber auch nicht explizit weg oder so. Trotzdem gehören die 10 Menschen einfach unverzichtbar zu meinem Leben da ich gerne Zeit mit Ihnen verbringen, wir die selben Interessen Teilen und uns gegenseitig inspirieren. Das würde mir wirklich arg im Leben fehlen... Mit Hinz und Kunz Rede ich eher weniger da ich nicht auf Smalltalk stehe ;)
 
Es ging explizit um deine Beispiele. Alles davon Sachen sind, die auch ich auch für entfernte Bekannte tun würde.
 
Ich hab tausend Freunde aber denkt ihr da spendiert mir auch nur ein einziger einen Schnaps??

Nee, da hört die Freundschaft auf :dozey:
 
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