Wenn mir Leute blöd kommen hören sie von mir schonmal "Teilen sie mir das bitte in Schriftform mit". Natürlich ist das Verhältnis dann endgültig zerrüttet, ich leider darunter aber erfahrungsgemäß nicht. Mich belastet es einfach nicht, wenn mich andere Leute nicht mögen. Konflikte auf die formale Ebene zu verlagern ist daher für mich eine gute Strategie, weil ich dann meinen Aufwand reduziere. Statt bei solchen Beschwerden zu reagieren, Erklärungen zu liefern oder Kompromisse zu suchen wird die Berechtigung der Beschwerde kurz geprüft und dann entweder sofort abgeholfen oder das Ding sauber fürs Archiv abgeheftet. Dazu muss man aber der Typ sein, den das einfach völlig kaltlässt.
Wenn ein Vermieter meine Rechte ignoriert und mir blöd kommt opfere ich das persönliche Verhältnis gerne meinem eigenen Vorteil. Ich tue dann genau das, was ich tun muss und kein bisschen extra. Wer nett zu mir ist, sieht meine nette Seite, wer mir auf den Geist geht bekommt die korrekte Seite. Zudem habe ich eine Rechtsschutzversicherung und kann Konflikte daher auch jederzeit eskalieren lassen. Wohnraumanmietung und Vermietung ist für mich eine Geschäft, nicht notwendigerweise eine Freundschaft. Ein gutes Verhältnis ist daher dann erstrebenswert, wenn es mir mehr Vorteile als Aufwand bringt. Ich kalkuliere hier Streng nach Kosten und Nutzen.
Ich kenne sowohl die Position des Mieters als auch als Vertreter des Vermieters. Insbesondere die Besichtigungstermine im Auftrag des Vermieters nach längerer Mietzeit oder zur Vorbereitung von Rückgaben sind ja nicht immer ruhig verlaufend. Ich bin da immer völlig ruhig, erledige meine Aufgabe und gebe notfalls an die Profis (Anwälte) ab. Genauso mache ich das auch als Mieter. Eine andere Taktik habe ich von den chinesischen Lieferanten in meinem Job gelernt: Immer ja sagen, aber dann doch nichts ändern. Das ist der assige Weg, verschiebt aber viele Konflikte um wenige Wochen. Wenn die Gegenüber denn merken, dass nichts passiert, beschweren sie sich. Wenn man gut ist, schafft man es noch ein bis zwei mal, Bedauern auszudrücken ohne dass sie ausflippen^^. Diese Methode ist hochgradig unfair, aber ich finds manchmal ganz praktisch, Konflikte zu vertagen.
Schlussendlich ist hier die Frage wie wichtig einem ein gutes persönliches Verhältnis ist. Mir wäre es wohl eher egal. Nicht ohne Grund war meine ex-Vermieterin am Schluss mehr als stinkig

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