Verschlüsselung: De Maizière trotz Terror gegen Backdoors

Trotz der nach den Anschlägen in Paris wieder hitziger geführten Debatte über die terroristische Bedrohung will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) keine Hintertüren für die Ermittlungsbehörden in Verschlüsselungs-Software. Es gebe andere Wege, für Sicherheit zu sorgen, so der Minister angesichts der Vorstellung des BSI-Lageberichts am heutigen Donnerstag.


Keine Backdoors in Deutschland



Bild: Yuri Samoilov (CC BY 2.0)

In einigen Ländern, darunter Großbritannien und den USA, wird seit einiger Zeit wieder diskutiert, Anbieter von Verschlüsselungs-Software zum Einbau von Hintertüren für die Ermittlungsbehörden zu verpflichten. IT-Sicherheitsexperten sehen diese Vorschläge mehrheitlich skeptisch. Neben möglicherweise unverhältnismäßigen Grundrechtseingriffen befürchten sie vor allem, dass diese Hintertüren die Sicherheit der Software gegen Angreifer schwächen könnten. Für allzu groß halten viele von ihnen das Risiko, dass auch Spione oder IT-Kriminelle die eingebauten Schwachstellen entdecken und sich zunutze machen. Einige Male ist dies bereits vorgekommen. Dementsprechend dürfte ein Großteil der Branche wohl de Maizières heute erneut bekräftigte Absage an eine derartige Regelung begrüßen.

Dementsprechend bezeichnete de Maizière die Debatte um Kryptographie-Backdoors als „amerikanische Diskussion“; ein entsprechendes Vorgehen sei nicht der deutsche Weg.


Vorhandene Befugnisse umsetzen


Forderungen, die Ermittlungsbehörden im digitalen Zeitalter mit mehr Befugnissen auszustatten, hält de Maizière für fehl am Platze. „Es muss nur die technische Fähigkeit geschaffen werden, [die] bestehenden Befugnisse auch tatsächlich einsetzen zu können. Und daran arbeiten wir“, so der Minister.


De Maizière: Deutschland soll führend bei Verschlüsselung werden


De Maizière bekräftigte noch einmal seine Absicht, Deutschland zu einer führenden Nation bei Verschlüsselung und IT-Sicherheit zu machen. In diesem Sinne kann vermutlich auch seine Absage an Backdoors verstanden wissen: sind diese in deutschen Produkten bekanntermaßen nicht zu finden, dürfte das das Vertrauen der Kunden und somit die Konkurrenzfähigkeit dieser Produkte erhöhen.


Staatstrojaner anstatt?


Allerdings können de Maizières Aussagen so verstanden werden, dass er statt Backdoors einen neuen Vorstoß in Sachen Staatstrojaner plant. Man müsse andere technische Möglichkeiten entwickeln, bevor die Verschlüsselung beginne. „Das ist technisch aufwendig, aber daran muss man arbeiten“, sagte de Maizière. Eine offensichtliche Möglichkeit, Kommunikation noch vor der Verschlüsselung mitzulesen, wäre ein Zugriff direkt auf dem Gerät der Zielperson – und somit ein Staatstrojaner.

Quelle:




Autor: Annika Kremer
 
Das sind ja ganz neue, ungewohnte Töne von ihm.
Das spricht stark dafür dass letzterer Abatz zutrifft...
 
Politiker macht den Mund auf -> potentielle Lüge.
Selbst wenn es ihm damit ernst wäre, heisst das noch lange nicht, dass der BND und andere Popokriecher in Sachen Backdoors nicht kräftig mitmischen. Staatlichen Stellen ist eben keinesfalls zu trauen. Das haben sie längst verspielt und wir als Bevölkerung müssen ihnen gegenüber bösgläubig (ja, den Begriff gibts echt) sein.
 
Dem Frieden trau ich nicht!

Was, wenn er es extra äußert um die Bevölkerung zu beruhigen und im Geheimen trotzdem dran gewerkelt wird? Ich halte dieses Szenario nicht für abwegig.
 
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