[Politik und Gesellschaft] Union will Vorratsdatenspeicherung von IP-Adressen

Der Unionsfraktionsvize Thorsten Frei äußerte gegenüber dem Spiegel "In Tausenden Fällen kann die Polizei Täter nicht ermitteln, weil die Daten, um Verdächtige zu identifizieren, nicht vorliegen". Die CDU will zur Bekämpfung von dokumentierter Kindesmißhandlung Internetadressen mehrere Monate auf Vorrat zu speichern.
"Um die Verbreitung von Kinderpornographie zu unterbinden, sollten wir die Speicherung der IP-Adressen schnell ermöglichen", so Frei.

Derzeit ist die deutsche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung ausgesetzt; Anbieter müssen weder Internetadressen noch Telefonverbindungen ihrer Kunden speichern.

Der CDU-Politiker sieht sich durch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs gestützt. Dieses hatte bestätigt, daß eine anlaßlose Speicherung von Daten von Internetnutzern nicht zulässig ist. Diesmal hatte das EuGH mit dem Urteil aber auch klar gestellt, daß es Ausnahmen geben kann, nämlich Fälle, in denen die Nationale Sicherheit eines Landes akut gefährdet ist, in denen dann Regierungen für eine begrenzte Zeit eine Vorratsdatenspeicherung anordnen dürfen, wobei dies nachfolgend von einem Gericht oder einer unabhängigen Behörde geprüft werden muß, u.a. darauf, ob die Regelung überhaupt einen Schutz gegen die mögliche Bedrohung darstellt.

Auch das SPD geführte Justizministerium unter Bundesjustizministerin Christine Lambrecht will die Vorratsdatenspeicherung für die Bekämpfung der Kinderpornographie, soweit dies mit deutschem und europäischem Recht vereinbar sei. Dazu wartet sie noch auf ausstehende Urteile.

Derweil treibt die Deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Bemühungen um eine Vorratsdatenspeicherung voran.
Die Arbeit an neuen, EU-weiten Initiativen zum verdachtsunabhängigen Protokollieren von Nutzerspuren sei noch nicht beendet und müsse in geordneten Bahnen fortgeführt werden, so heißt es in einem als vertraulich eingestuften Schreiben an die Delegationen des Gremiums der Regierungen der Mitgliedsstaaten vom 17. September.

Quellen:



 
Man bekämpft also Kindesmissbrauch mit dem Speichern von IP-Adressen. Interessanter Ansatz. Ich werde mir noch einen Kaffee holen, das verhindert nämlich, dass ich ins Bett gehe.
 
Die einzigen, die man damit überführen kann, sind Urheberrechtsverletzer. Und vielleicht in Zukunft politisch unliebsame Leute.
Sprich, alle die zu doof für OpSec sind, und die haben es auch nicht anders verdient.
Die richtig schweren Kaliber, denen man wünscht das sie hops genommen werden, bekommt man über IP Adressen nicht, siehe TOR-Netzwerk etc.
 
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  • #7
Zum Thema IPs speichern



Das geht natürlich noch weit darüber hinaus, was hier diskutiert wird. Da werden nicht nur die Verbindungen gespeichert, sonder auch noch Inhalte, in diesem Fall Suchanfragen.
 
Also google ich nach Zutaten für Sprengstoffe
und im Anschluss kaufe ich einen Schnellkochtopf bei Amazon und zähle die Sekunden wann das SEK die Tür eintritt?
 
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  • #9


Da möge Artikel 2 GG und das BVerfaG vor sein. In Deutschland. Der Bürger kann sich und seine Persönlichkeit nicht frei entfalten, wenn dermaßen in seinem Alltag befürchten müßte, sich durch sein Verhalten verdächtig zu machen.
 
Die Fritten können mit ihrem neuen OS btw. den DNS verschlüsseln (ist noch nicht ganz ausgereift, erfordert nach 24 Std. eine Neuverbindung und AVM will nachlegen). Imho kann man damit Steine legen. Denn dann wäre nicht mehr ersichtlich, wohin mich mein DNS verbunden hat. Wobei, so tief stecke ich da nicht drin.
 
@one: Wenn dein DNS (DNS over HTTPS) vom Internetanbieter angefragt wird, ist die Verschlüsselung wertlos, denn dort wird gespeichert, und der sieht den Klartext (ist ja schließlich Empfänger der Anfrage).
 
Ja, ich dachte mir sowas. Bin da wie gesagt auch nicht so tief drin. Aber in der Regel verschlüsselt man ja dann den DNS eines externen Anbieters, wenn man schon paranoid ist. Sprich: ISP-Kunde - DNS-Anbieter extern - Fritte verschlüsselt. Was das ganze bringen könnte bin ich mir auch nicht bewusst geworden, aber die Vorgehensweise klingt erstmal interessant.

Man könnte das als Wissenschaft bezeichnen. Pures Raten. :D
 
@Propaganda: Jaja, die Leier ist alt, aber die Verbindung zur nationalen Sicherheit ist neu. Das Gericht hat ja (wie ich es verstanden habe) zur Auflage gemacht, dass die Nationale Sicherheit bedroht sein muss. Und das für einzelne Kinderschänder anzunehmen, halte ich doch für sehr kreativ, um nicht zu sagen: völlig gaga.
 
Das ist eben das Wort, bei dem alles abgenickt wird. Wie eine Diskussion über Urheberrechtsverletzungen. Es dauert in der Regel 5 Postings, bis die Strafen mit denen von Kinderschändern verglichen werden. Scheinbar zieht das auch in die Politik ein.
 
Die Nutzung von persönlichen Daten der Benutzer für kommerzielle Zwecke ist ein alltäglicher Bestandteil der Arbeit von IT-Unternehmen, und man kann ihnen kaum einen Vorwurf machen, denn die Menschen stimmen dem in der Nutzungsvereinbarung freiwillig zu. Aber die gesammelten Daten landen in den Händen Dritter, oder die Daten gelangen in eine Verarbeitung, in die die Person nicht eingewilligt hat. Der Schutz der Nutzer vor illegaler und unrechtmäßiger Nutzung ihrer Daten in solchen Situationen ist Aufgabe der Regierung.
 
von "freiwillig" kann bei der Zustimmung keine Rede sein. Der wird zugestimmt, weil einem Sonst Dienste vorenthalten bleiben. Man akzeptiert um zugriff darauf zu haben, nicht weil man lust darauf verspürt Datentechnisch ausgebeutet zu werden. Und ja, offenbar ist es pflicht der Regierung, weil allen Unternehmen jegliche Ethik und Moral fehlt.
 
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