[Politik und Gesellschaft] Uniklinik Heidelberg: Manipulationen vor Herztransplantationen

Seitens des Herztransplantationszentrums des Universitätsklinikums Heidelberg wurden Manipulationen der Warteliste für Patienten in den Jahren 2010 und 2011 eingeräumt.
Betroffenen schwerkranken Patienten wurden demnach Medikamente nicht nach Vorschrift verabreicht, wodurch diese schneller an ein Spenderorgan gelangten. Dies wurde vom leitenden ärztlichen Direktor Guido Adler bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung aufgenommen. Im August hatte die Klinik selbst Anzeige gegen Unbekannt erstattet.


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Betroffenen schwerkranken Patienten wurden demnach Medikamente nicht nach Vorschrift verabreicht, wodurch diese schneller an ein Spenderorgan gelangten. Dies wurde vom leitenden ärztlichen Direktor Guido Adler bestätigt.
Irgendwie schwer vorstellbar. Den meisten Patienten geht es ohnehin schon verdammt dreckig. Das dann jemand hergeht und für eine weitere reale Verschlechterung des Gesundheitszustands sorgt, ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Zumal man Messergebnisse ja manipulieren kann.

Nachvollziehbar ist für mich allerdings, dass es Ärzte gibt, die mit unlauteren Methoden arbeiten, um ihre Patienten in der Warteliste nach oben zu befördern. Dazu gab es ja auch den einen oder anderen Skandal. Irgendwo entwickelt sich halt immer auch eine persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient - und im Regelfall will ein Arzt für seine Patienten nur das beste.
Insofern ändert das auch nichts an meinem Beschluss für einen Organspendeausweis. Letztendlich sind solche Manipulationen zwar nicht schön, haben aber eine Ursache im grundlegenden Mangel an Spenderorganen. Gäbe es in Deutschland (bzw. Europa) genug, müsste man bei Wartelisten nicht tricksen. Wartelisten gäbe es im Idealfall nämlich erst gar nicht.
 
Lässt sich ganz easy erklären. Patient ist gesundheitlich bereits schwer angeschlagen und schon auf der Warteliste auf Platz 120 für ein neues Herz. Patient bittet den Arzt um Hilfe welcher ihm ein herzschädigendes Medikament verabreicht, bekommt als Gegenleistung ein paar tausen Euro in Bar und schwuuups landet der Patient auf Grund eines echten Notfalles in den Top 10. Mangel an Spenderorganen ist gefolgt von Kurruption vermutlich der Hauptgrund für diese Zustände. Nur was will man dagegen tun? Einführung der Todesstrafe oder reproduktives Klonen? Zwangseintragung alles Staatsbürger in das Spendenregister ist dabei nur ein kleiner (und von mir absolut befürworteter) Schritt in die richtige Richtung. Die Lösung ist an anderer Stelle zu suchen.
 
Patient bittet den Arzt um Hilfe welcher ihm ein herzschädigendes Medikament verabreicht, bekommt als Gegenleistung ein paar tausen Euro in Bar und schwuuups landet der Patient auf Grund eines echten Notfalles in den Top 10.
Und verreckt elendig, während er auf Platz 3 vorgerückt ist. :rolleyes:
Klar, möglich ist das natürlich. Quasi das in der Medizin übliche Abwägen von Nutzen und Risiko. Allerdings frage ich mich, ob bzw. welche Manipulationsmöglichkeiten man bisher ausgenutzt hat. Eigentlich sollte eine ärztliche Diagnose doch ausreichen. Hat ja zumindest bei dem vorherigen Skandal geklappt.

Mangel an Spenderorganen ist gefolgt von Kurruption vermutlich der Hauptgrund für diese Zustände. Nur was will man dagegen tun?
Für mehr Spenderorgane sorgen natürlich. Sehr aufschlussreich dazu:



Es muss gar keinen Zwang geben, es wäre mit ziemlicher Sicherheit schon ausreichend, wenn man in Deutschland statt der unseligen Entscheidungslösung die Widerspruchslösung einführen würde. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie lange ich gebraucht habe, um mir eine Spenderausweis aus der Apotheke zu holen.
Nicht weil ich unentschlossen war oder Zweifel hatte, sondern weil sich nie die Gelegenheit ergeben hat. (Wozu in die Apotheke gehen - und wenn ich tatsächlich krank war, hatte ich andere Sorgen als den Ausweis.) Irgendwann bin ich dann halt mal ganz spontan in eine Apotheke, als ich im Sommer mit dem Bike unterwegs war. :rolleyes:

Vor einigen Jahren habe ich mal einen Vortrag zur Organspende gehalten, dazu hatte ich dann Zahlen von 2010. Demnach sprachen sich damals knappe 75% positiv gegenüber dem Thema Organspende aus, angenommen hätte sowieso nahezu jeder ein Spenderorgan. Tatsächlich einen Spenderausweis hatten dagegen nur 14% (Wobei es hier gar nicht mal darum ging, ob eine Organspende explizit abgelehnt wurde.).

Wir haben hier also deutlichen Nachholbedarf, zumal wir wieder einmal massiv auf Kosten anderer leben, konkret nämlich von den anderen Ländern in Europa profitieren, die eben die Widerspruchslösung eingeführt haben. Natürlich muss die nicht das einzige und ausschlaggebende Moment sein. Ich bin allerdings der Ansicht, dass es den Menschen durchaus etwas schwerer gemacht werden kann, die Organspende zu verweigern, indem man einfach den Aufwand etwas erhöht, anstatt die Entscheidung "pro Spende" aufwendiger zu halten. Den Ausweis auszufüllen kostet ca. 30 Sekunden wertvolle Lebenszeit. Sich nicht für die Organspende zu entscheiden vielleicht fünf Sekunden, um den alle zwei Jahre verschickten Spenderausweis im Papiermüll zu entsorgen.
 
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