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Mag mal wer die Fenster aufreißen? Das riecht hier so moderig.


und danke für den Fisch die Mettbrötchen 






So alt wird doch kein Schwein... schrieb:Alles hat sich geändert. Nichts ist schlechter, aber fast alles besser geworden. Ich kann hemmungslos mit jungen Frauen flirten, ohne dass ich in Verdacht gerate, baggern zu wollen. Junge Männer nehmen mir schwere Arbeiten aus der Hand, und fremde Leute reden mit mir wie mit einem Kind.
Weil ich schlechter hören kann als früher, sage ich einfach, ich hätte nichts verstanden, wenn jemand meint, er hätte mir die Sache schon tausendmal erzählt. Und mein Hörgerät verwende ich nur zum Nachbarn belauschen. Wenn jemand mit mir schimpft, drehe ich sehr weit auf, und das Pfeifen durch die Rückkopplungen killt jeden Vorwurf.
Wenn ich mir die Schuhe zubinden will, überlege ich immer erst, was ich noch alles erledigen könnte, wenn ich schon mal unten bin. Meistens bin ich selber erledigt, wenn ich längere Zeit unten war.
Meine Falten sind inzwischen so tief, dass ich plane, mir aus Afrika diese Madenhacker kommen zu lassen, die sonst mit den Büffeln in Afrika in der Serengeti eine Symbiose eingehen. Besser noch, ich gehe im Meer schwimmen und lasse mich von den Putzerfischen reinigen. In meiner Haut werden sonst bald ganze Populationen an Insekten überwintern. Und im Frühjahr, wenn die schlüpfen, umschwirren sie mich dann tagelang.
Früher haben mich die Frauen umschwirrt. Schön sahen sie aus mit ihren langen Zigarettenspitzen und dem Bubikopf. Ich habe gern mit ihnen Jitterbog getanzt, falls das jemandem von euch noch ein Begriff sein sollte.
Richtig klar wurde mir letzt erst, wie alt ich bin, als von meiner hübschen Nachbarin, die ich immer übertrieben freundlich behandle, der Vater starb. Durch ein Geräusch auf dem Flur wurde ich neugierig. Ich öffnete die Tür und sah vier schwarzgekleidete Männer eine Kiste die Treppe runter tragen. Als der Chef mich sah, ließ er den Sarg noch einmal abstellen.
"Soll ich mit anfassen?", fragte ich hilfsbereit.
Er zog eine Karte aus der Jacke und übergab sie mir.
"Nein danke, aber hier ist unsere Adresse. Wir haben neue Modelle rein bekommen. Wenn Sie mal schauen möchten..."
Kurz darauf klingelte die hübsche Nachbarin an meiner Tür. Sie hatte noch ganz verheulte Augen, und ich bat sie herein, weil ich dachte, sie bräuchte jemanden zum Ausweinen. Vielleicht eine Chance, mal mit Händchenhalten bei ihr anzufangen. Sowas kann wie eine Frischzellenkur wirken.
"Keine Zeit", sagte sie und drückte mir eine Schnabeltasse in die Hand. "Hier ist das einzige Stück von seinen Hinterlassenschaften, von dem ich nicht weiß, wer es gebrauchen könnte. Nehmen Sie's. Aber bitte nicht fallen lassen. Die ist aus Porzellan."
Kurz davor hatte ich bei einer jungen Frau überraschenden Erfolg. Sie sah mich kritisch von allen Seiten an, zog ein Foto aus der Tasche, verglich mich mit dem Bild und nickte. Ich durfte bei ihr einziehen, musste mich aber hin und wieder ans offene Fenster stellen, damit mich die Leute sahen. Ich musste Sachen anziehen, die in einem Extra-Kleiderschrank hingen und durfte dann die benachbarten Läden besuchen und Zigaretten und die Zeitung kaufen, und am Ersten gab sie mir immer den Personalausweis eines alten Mannes, den ich nicht kannte.
Die haben mir anstandslos eine fremde Rente ausgezahlt.
Nur an die Tiefkühltruhe durfte ich nicht. Die war verschlossen.
Aber die angenehmen Zeiten zwischen jung und akzeptabel und alt und hinfällig werden irgendwann restlos zuende sein.
Mir ist klar, irgendwann kommt der Restpostenaufkäufer von Blutspendedienst. Ehe der kostbare Saft einfach weg geworfen wird. Oder die Rentenversicherung bietet mir eine Pauschal-Abfindung an. Von zwei Monatsrenten, damit ich wenigstens noch was davon habe.
Meine Zeitung habe ich jetzt schon abbestellt. Diese schwarz umrandeten Dauer-Abwesenheitsmeldungen lesen sich wie das Klassenbuch aus meiner Grundschulzeit. Bald steht dort meine Anzeige, und die will ich dann nicht lesen müssen, wenn es soweit ist.
Gestern hat der Bankautomat meine EC-Karte nicht akzeptiert. Weil ich 1915 geboren bin und der Apparat diesen Jahrgang nicht lesen kann. Tags darauf habe ich einen Glückwunsch von der Bank zu meinem Ersten Geburtstag bekommen.
Verdammt, jetzt habe ich aus Versehen mein Alter genannt... Wollte ich doch nicht! Jaja...das Gedächtnis:-(
Ich warte auf den Tag, wo sie mit einem Hammer und einem Holzpflock hinter mir her laufen, um mich Untoten endgültig ins Jenseits zu befördern. Nach Transsilvanien fahre ich jedenfalls nicht mehr.
Die Zeiten sind unwiederbringlich zuende, in denen George Clooney angesprochen wurde:
"Sind Sie Felix Federhalter? Ich habe alle ihre Texte gelesen. Sie sind so charmant, so generös und so...sexy", und der Typ geantwortet hat, "sorry, Sie müssen sich irren, ich bin nur George Clooney..."
Letzt hatte ich eine Einberufung zur Reserveübung der Bundeswehr. Ich hätte gern teilgenommen. War aber nur ein Zahlendreher im Alter.
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