Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-Inte



Wie so häufig stehen sich auch hier zwei Meinungen direkt gegenüber: Diejenigen, die ein netzneutrales, offenes Internet fordern für jedermann, in dem alle Inhalte zu denselben Bedingungen befördert werden und auf der Gegenseite die Telekommunikationsanbieter, die in einer Art Zwei-Klassen-Internet – gegen Bezahlung – eine Überholspur einrichten möchten.



Der Hintergrund dabei ist folgender: Im Oktober 2015 hatte die EU eine Verordnung beschlossen, die Netzneutralität sichern soll. Für die Umsetzung zuständig ist das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) (englisch Body of European Regulators for Electronic Communication (BEREC)) mit Sitz in Riga, Lettland. Die Agentur ist bei der EU-Kommission angesiedelt und besteht aus Vertretern der jeweiligen nationalen Regulierungsbehörden aller EU-Staaten. Wegen vager Formulierungen der Verordnung an gleich mehreren Stellen, kommt es nun auf eine Entscheidung des Gremiums an. Aber auch jeder europäische Bürger ist aufgerufen, sich an der Konsultation der Regulierungsbehörde BEREC zu beteiligen über die Plattform . Die Zukunft des offenen Internets in Europa geht dabei gerade jetzt in die entscheidende Phase, denn diese Konsultation des Gremiums läuft am Montag, den 18. Juli aus. Bis dahin können Bürger die Entscheidung über Netzneutralität noch beeinflussen. Danach werden – unter Berücksichtigung der Umfrage – die geplanten Leitlinien zur Netzneutralität gezogen. So ist die Behörde nun Ziel einer Lobbyschlacht zwischen Verfechtern des freien Internets und Netzbetreibern, die versuchen die vagen Formulierungen zu ihren Gunsten auszulegen und so die neuen Regeln aufweichen möchten.

Allerdings wurden die Aktivisten bei ihrer Aktion vom eigenen Erfolg überholt. Heute sind es schon über 160.000 Unterstützer für das offene Internet, zudem haben sich zahlreiche Internetfirmen, Start-ups, Wissenschaftler, Konsumentenschutzorganisationen und Bürgerrechtsinitiativen für starke Netzneutralität ausgesprochen.

Auch Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web hat sich für die Netzneutralität ausgesprochen: In einem offenen Brief, den er mit den Juraprofessoren Barbara van Schewick (Stanford) und Lawrence Lessig (Harvard) verfasst hat, schreibt er: „Wir haben vier Tage, um das offene Internet in Europa zu retten.“ Wenn sich nicht mehr Netzbürger für ein offenes Internet stark machten, würden die EU-Regulierer dem Verlangen der Industrie nachgeben, schreibt Berners-Lee in dem Brandbrief. Noch mehr Bürger müssten sich nun einbringen und der GEREK klarmachen, dass sie die neuen Regeln streng auslegen müsse. Deutschlands bekanntester Internetversteher Sascha Lobo warnt auf Spiegel Online, die „Gewaltenteilung des Internets“ stehe auf dem Spiel.

Die Netzbetreiber (Telkos) argumentieren dagegen, dass sie investieren möchten in eine 5G-Technologie, die Zukunft der mobilen Internet-Infrastruktur, also den kommenden Datenübertragungsstandard und Nachfolger des heutigen LTE. 5G ist eine Funktechnologie, die riesige Datenmengen in unfassbarer Geschwindigkeit transportiert. Die Regeln für diese neue Form der Datenübertragung werden genau jetzt festgelegt und die Weichen dafür gestellt. Und – Riesenüberraschung – die Telkos hätten gern, dass ihnen in die neue Netzinfrastruktur der EU eine Art Geldverdien-Garantie eingebaut wird.



Deshalb machen also nicht nur Berners-Lee, sondern auch die Netzbetreiber während des Countdowns zum Ende der Konsultation noch einmal ordentlich Druck. 20 Konzerne, darunter die Telekom und Vodafone, warnten vergangene Woche in einem „ „, die Regeln in ihrer geplanten Form würden ihre Investitionen in den superschnellen Mobilfunkstandards 5G und so dessen Einführung gefährden. Also entweder Netzneutralität oder 5G? Die Freunde strenger Netzneutralität nennen das: Erpressung.

Fazit:

Bisher gab es noch keine offizielle Reaktion der Regulierungsbehörde auf die vielen Unterstützer fürs offene Internet. In früheren Konsultationsverfahren hat die Behörde auch nie mehr als hundert Antworten auf ihre Konsultation erhalten. „In diesem Sommer wurde eine Zahl erreicht, die zeigt, wie breit und leidenschaftlich Menschen das Thema Netzneutralität unterstützen. Die Regulierer können das bei der wahrscheinlich wichtigsten Entscheidung, die sie jemals treffen, nicht ignorieren“, sagt Thomas Lohninger von SaveTheInternet.eu.

Viele Beobachter vertreten die Ansicht, dass die Anbieter des Netzzugangs, Firmen wie die Telekom, Telefonica, Vodafone also, keine Datenflüsse benachteiligen oder gegen Geld bevorzugen dürfen. Kurz: Sie dürfen sich nicht als Daten-Zoll aufspielen. Netzneutralität steht in ihrer Definition also einem theoretisch möglichen Einkommenskanal der größten Datenversorger entgegen und nebenbei praktischerweise auch zu viel Konkurrenz.

Bildquelle: , thx! (CC0 Public Domain)




Autor: Antonia
 
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

...
Viele Beobachter vertreten die Ansicht, dass die Anbieter des Netzzugangs, Firmen wie die Telekom, Telefonica, Vodafone also, keine Datenflüsse benachteiligen oder gegen Geld bevorzugen dürfen. ...

und warum sollten sie das nicht dürfen?
Mit nem ICE komme ich gegen mehr Bezahlung auch schneller ans Ziels als mit nem Regionalexpress.
Muss man das dann auch verbieten?
 
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

@keinbenutzername:
Mit mehr Hirn schreibt man auch weniger Blödsinn als du...



Es geht hier nicht um den ICE, es geht hier um die Gleise.
Ein Aufhebung der Netzneutralität ist faktische eine Staatliche Kartellbildung - die am Ende zu Lasten deiner Tasche geht.
 
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

Falsch interpretiert.

Um dein Beispiel mit dem Zug zu nutzen: Jemand bezahlt die Bahn, in einem bestimmten Bereich langsamer zu fahren, damit sie ihre eigenen Züge schneller ans Ziel bringen können.

Der Vergleich zwischen ICE und Regionalexpress ist wie zwischen 200MBit/s und 16MBit/s, da zahlst du ja auch für den schnelleren Zugang mehr als für den langsameren.
Wer hier von den Telekommunikationsunternehmen genötigt wird zu zahlen, sind die Unternehmen, die ihre Dienste ins Netz einspeisen wollen, und dabei schneller als andere durch die Leitungen gereicht werden wollen. Nachteil gegenüber kleineren Unternehmen, die nicht die Summen aufbringen können, auch auf das Netz 1. Klasse aufgeschaltet werden zu können.

Am Ende ist dann aber natürlich wieder der Kunde derjenige, der Zahlen muss, dann eben nur an den Dienstanbieter, der die 1. Klasse-Leitung nutzt. Dafür kommen die, die nur die Leitung 2. Klasse nutzen können, nicht zuverlässig ans Ziel.

Fertig ist das 2-Klassen-Internet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

das Ding ist aber, in der Bahn zahlst du für einen Sitzplatz.
Und fährt eine Gruppe mit hundert Personen und belegt einen ganzen Wagon, dann zahlt sie auch mehr als ein einzelner Fahrgast.

@seedy
inwiefern siehst du da eine Kartellbildung?

@hezu
klar ist das ein 2-Klassen-Internet
Und klar wäre es schöner alles auf der Welt wäre für alle gleich und für alle auch noch am besten kostenlos.
Ich frage mich nur, warum sollte es beim Internet anders sein als in anderen Bereichen?
 
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

OK, schlecht ausgedrückt.
Um dein Beispiel mit dem Zug zu nutzen: Jemand bezahlt die Bahn, in einem bestimmten Bereich langsamer zu fahren, damit sie ihre eigenen Züge schneller ans Ziel bringen können.

Mit "Jemand" meinte ich ein Konkurrenzunternehmen, nicht jemanden aus dem Zug.

--- [2016-07-17 01:45 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

Und klar wäre es schöner alles auf der Welt wäre für alle gleich und für alle auch noch am besten kostenlos.

Niemand redet von Kostenlos. Man (also ich zumindest) möchte nur das, was man bezahlt hat, auf jeder Seite gleich nutzen können, und nicht gezwungen sein, weil ein Anbieter jetzt das 1. Klasse Netz nutzt, und damit (in Theorie) die halbe Leitung belegt, diesen Anbieter zu nutzen, weil andere Anbieter nicht mit genügend Leistung mehr bei mir ankommen.
 
Re: Netzneutralität: Wahl zwischen gleicher Beförderung aller Dienste oder 2-Klassen-

stimmt natürlich schon, wäre auch in meinen Augen wünschenswert.
Um es klar zu stellen, ich bin auch gegen die Aufhebung der Netzneutralität.
Allerdings verstehe ich auch warum diese wohl nicht aufrecht zu erhalten sein wird.
Zu viele Seiten die den Anbietern, Firmen, Providern, also der kommerziellen Seite des Internets, kein Geld bringen aber massiven Traffic verursachen.
 
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