[Netzwelt] Muslime gegen den Islamismus

Zu Beginn des Ramadans veröffentlichte ein Mobilfunkbetreiber aus Kuwait ein von dem in den Emiraten bekannten Popstar Hussein al-Jasmi gesungenes Anti-Terror-/ Anti-Krieg-Video.
Auch wenn es sich hierbei mutmaßlich im eine Marketingkampagne handelt, so ist die Botschaft doch eindeutig und wird von der muslimischen Gemeinde zur Zeit stark gefeiert.

Unangetastet dessen, ob und welcher Form man gläubig ist, kann dieses Video durchaus als Appell an den Frieden interpretiert werden.


 
Super gut, ich mag besonders, wie sie das von Extremisten gekaperte 'Allahu akbar' verarbeitet haben.
Mir fehlt das viel zu sehr bei deutschen Islamvertretern bzw. Vereinen, habe da bisher hauptsächlich gehört 'wir verurteilen das und das hat nichts mit dem Islam zu tun' .. aber das finde ich viel zu dünn, da morden Menschen fälschlich im Namen des einzigen und wahren Gottes aus ihrer Sicht und mehr als 'nicht so toll' kommt da nicht..

Grad zufällig über diesen Artikel gestolpert, der genau meinen Punkt zu Allahu Akbar beschreibt:

In Glücksmomenten rufen Menschen im arabischen Sprachraum "Allahu Akbar". In der westlichen Welt erlangte die Formel traurige Bekanntheit, weil sie immer wieder von Terroristen verwendet wurde. Der islamische Theologe Mouhanad Khorchie fordert deshalb: Muslime sollten das "Allahu Akbar" den Extremisten entreißen.
 
Nein, du böser Terrorist, wir verbieten dir ab sofort, Allahu Akbar zu rufen, wenn du dich in die Luft sprengst!

In die Luft sprengen ist aber okay.

Und radikale Prediger sind auch okay.

Radikalisierte Moscheen sind auch okay.

Staatlich institutionalisierte Gewalt ist auch okay.

Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun.


Die islamistischen Terroristen verstehen nicht, dass sie den Glaubenskrieg nur durch Frieden gewinnen können. Ich finde es schade, dass das von vielen stark religiösen Muslimen geduldet wird. Von daher finde ich das Video toll und wünsche mir, dass das in der muslimischen Glaubenswelt viel stärker thematisiert wird.
 
Sehr schön gemacht! Inhaltlich und bildlich äußerst beeindruckend.

Während des ersten Guckens fühlte ich mich an Schrei nach Liebe von den Ärzten erinnert ;)
 
Nein, du böser Terrorist, wir verbieten dir ab sofort, Allahu Akbar zu rufen, wenn du dich in die Luft sprengst!
Es geht ja darum, die Deutungshoheit über die Formulierung wieder zu gewinnen, indem so wie hier im VIdeo gut sichtbar dieser einprägsame Slogan in einen friedlichen Kontext gesetzt wird.

Sprachen wurden ja schon immer voneinander beeinflusst.
Ich würde mir die unrealistische Idealvorstellung so denken, dass in 20 Jahren 'Alluha Akbar' allgemein für ein positives Erlebnis mit in die Sprache einfließt und auch der tiefste Unterbayern positive Assoziationen mit 'Aluhut Nacktbar' hat, wenn er auch gar nicht weiß warum.
 
...da morden Menschen fälschlich im Namen des einzigen und wahren Gottes aus ihrer Sicht und mehr als 'nicht so toll' kommt da nicht..

Ich bin mir gerade nicht so sicher ob dieses "fälschlich" so eindeutig ist, wie du es darstellst. Insbesondere die unzähligen Auslegungsformen des Koran machen ihn doch so gefährlich. Und wenn ich mich nicht ganz täusche, wird im Koran auch direkt zu Gewalt und Mord gegen alle Nichtmuslime aufgerufen.

Ansonsten klar: Es wäre höchste Zeit, dass die Muslime aufstehen gegen die "fälschliche" Auslegung ihrer Religion. Allein mir fehlt der Glaube daran, dass es tatsächlich die Mehrheit der Muslime ist, die eine Reformation möchte.
 
Das Fass müssen wir ja nicht unbedingt aufmachen.. :D.
Jedenfalls bezieht sich das 'fälschlich' auf die (konstruktivistische) Deutungshoheit der Muslime in der westlichen Welt.

Ansonsten klar: Es wäre höchste zeit, dass die Muslime aufstehen gegen die "fälschliche" Auslegung ihrer Religion. Allein mir fehlt der Glaube daran, dass es tatsächlich die Mehrheit der Muslime ist, die eine Reformation möchte.
Naja, zwischen friedlicher Auslegung und richtiger Reformation liegt ja nochmal eine ganze Welt. Die friedliche Auslegung ist ja offensichtlich kein Problem, auf eine Reformation oder gar Historisch-Kritische-Methode innerhalb des Islams an sich werden wir sicherlich noch etliche Jahrzehnte warten.
 
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  • #8
Ich bin mir gerade nicht so sicher (...) Insbesondere die unzähligen Auslegungsformen des Koran machen ihn doch so gefährlich. (...) Und wenn ich mich nicht ganz täusche (...) wird im Koran, auch direkt zu Gewalt und Mord gegen alle Nichtmuslime aufgerufen. (...)

Genau diese Art zu argumentieren ist es, die den Umgang mit dem Glauben (egal welcher Art) brandgefährlich machen.

Religion ist leider ein so unfassbar konfliktbehaftetes Thema, dass man dem nur so viel Toleranz, wie man irgendwie aufbringen kann, entgegnen bringen sollte, wenn man wirklich möchte, dass es mal besser wird. Halbwissen, grobe Hypothesen, der Willle dem Anderen seine eigene Denkweise aufdrücken zu müssen, Hass, Misstrauen oder Rachegelüste werden es niemals besser machen. Je mehr Menschen sich so verhalten, wie es dieses Video vormacht, desto eher hat man die Chance, etwas zu verbessern.

Ich selbst bin je nach Tagesform irgendwo zwischen dem Agnostizismus und Atheismus. Dennoch sage ich mir, lass dem Menschen das, was ihm hilft, durch den Tag zu kommen. Sei es Gott, Buddha, Allah, Shiva oder der nächstbeste Baum. Hauptsache jeder ist friedlich zu seinem Gegenüber und lässt ihm das, was woran eben er glauben mag.

Leben und Leben lassen.

Seit ich selbst lange Zeit in einem Krisengebiet unterwegs gewesen bin und das daraus resultierende Leid mit eigenen Augen gesehen habe, hat sich diese Einstellung erst recht verfestigt.
 
Grüß Gott, Gott zum Gruße, JessesMariaundJosef, Gottseidank, dem Himmel sei Dank, Gottes Geschenk, HimmelHerrgottSakraKruzifix,
denkt denn niemand an mich Atheistin, wenn er mich grüßt oder sich mit mir unterhält?

Religionen stoßen mich ab, aber ich nehme den friedlichen Teil dieser Ausreden und Abwälzung für allerhand Geschehnisse hin.
Deshalb hat dieses Video mich auch angenehm überrascht und ich erfreue mich an der Tatsache, dass es vielleicht Kreise zieht.
Wenn nur schon ein einziger Fanatiker davon abgehalten wird, sich und andere in Fetzen zu ballern, dann hat's sich schon gelohnt.
 
Naja, es gibt da halt drei wichtige Aspekte.
Einmal ist der Islam nicht 'quasi das gleiche' wie das Christentum. So hat Mohammed z.B. in einem ganz anderen Kontext gelebt ( ) als die historische Figur Jesu gelebt hat/hätte. Der Bezug zum Koran im Islam ist auch ein etwas anderer als zur Bibel im Christentum. Das sind alles Aspekte, die mit rein spielen bei der Betrachtung, warum es unter anderem (noch) keine Historisch-Kritische Aufarbeitung des Islam im selben Maße wie im Christentum gibt.
Aber generell (zweiter Aspekt) wird unabhängig davon natürlich immer massivst Politik dh. Machtspielchen getrieben mit Religionen also frei so interpretiert wie es gerade den eigenen Interessen dient.
Der dritte Aspekt ist, dass es ja Millionen/Milliarden Muslime hinkriegen, friedlich zu leben, das ist also problemlos kompatibel mit dem Islam.
 
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  • #12
@BurnerR: Es lässt sich halt recht einfach herunter reduzieren. Du musst kein Arschloch sein, um religiös sein zu können. Und Du musst nicht religiös sein, um ein Arschloch sein zu können.
 
Ich würde mir die unrealistische Idealvorstellung so denken, dass in 20 Jahren 'Alluha Akbar' allgemein für ein positives Erlebnis mit in die Sprache einfließt

Das wird aber nicht passieren, weil die Attentäter auch weiterhin "Allahu Akbar" und ähnliche, eigentlich harmlose, Phrasen rufen werden. Ich möchte auch gerne "Sieg Heil" rufen, wenn ich mal wieder einen Strike beim Bowling geschafft habe, aber irgendwie gucken die Leute mich da komisch an…

Der dritte Aspekt ist, dass es ja Millionen/Milliarden Muslime hinkriegen, friedlich zu leben, das ist also problemlos kompatibel mit dem Islam.
Das stimmt, aber hören wir von jüdischen, christlichen oder hinduistischen Attentätern? Der Islam wird leider oft als Rechtfertigung eines Attentats verstanden und instrumentalisiert. Ich wage auch mal zu behaupten, dass viele Attentäter gar kein "richtiges" religiöses Leben leben, sondern sich einfach nur das rausziehen, was sie brauchen.

Das ist aber bei Christen nicht anders, sehr gut zu sehen im Ostblock. Da werden gerne Schwule misshandelt und als Rechtfertigung kommt dann die Bibel.
 
@BurnerR: Der Hinweis zum Kontext ist ein wichtiger Punkt. Ich habe nicht den Eindruck, dass dieser Kontext von besonders vielen Muslimen erkannt und die Koranverse entsprechend in die heutige Zeit projiziert werden.

Dies führt mich direkt zu deinen Punkten #2 und #3: Aus meiner überheblichen westlichen Weltanschauung heraus, habe ich den Eindruck, dass die größten sozialen Probleme der Welt in islamischen Ländern zu finden sind. Das fängt bei Kriegen an, geht über Terrorismus und Armut, bis hin zu Korruption. Gibt es ein islamisches Land in dem ich leben möchte? Mir fällt gerade keines ein.
 
habe gerade recherchiert, welche Religion im Norden Afrikas die vorherrschende ist und muss dir leider zustimmen, dass ich nicht in vorherrschend muslimischen Ländern leben will.

Religion_distribution_Africa_crop.png


Finde deinen Umkehrschluss dennoch bedenklich: Nur weil alle islamischen Länder "shitholes" sind, ist es nicht unbedingt der Islam, der sie zum shithole gemacht hat. Gefährlich ist eben einfach die fehlende Säkularisierung, das wäre dort wohl genauso schlimm, wäre es das Christentum. Auch in der Bibel gibt es viel Mord und Totschlag wegen Sünden, die man heutzutage gerne begeht.
 
@Honeybadger Deswegen gibt es auch radikale Christen und Juden und das sind ja btw. nicht nur so irreale Schreckgespenster von Linken, sondern radikale Gruppierungen, die gemordet haben.
Dennoch schwimmen ja nicht in einer gleichförmigen Suppe von Beliebigkeit, sondern leben in verschiedenen unterscheidbaren Religiösen Kontexten, die jeweils verschiedene Tendenzen bedingen, z.B. die Tendenz zu einer fehlenden Historisch-Kritischen Aufarbeitung oder einer Religionsgrundlage, die nicht 'sowas wie die Bibel' ist, sondern deutlicher geprägt von Krieg ist.

Das stimmt, aber hören wir von jüdischen, christlichen oder hinduistischen Attentätern?
Attentate sind ja das Mittel des subjektiv 'unterdrückten', jüdischer Terror war imHo deutlich stärker und noch etwas stärker als die Israelpolitik noch war.
Aber natürlich unterscheidet sich das strukturell und jüdischer Terror war meines Erachtens nach immer auf die Region beschränkt und daher fúr uns eher 'uninteressant'.
 
Der katholische Kinderschutzbund richtet seine Grüße aus.
 
Aus meiner überheblichen westlichen Weltanschauung heraus, habe ich den Eindruck, dass die größten sozialen Probleme der Welt in islamischen Ländern zu finden sind. Das fängt bei Kriegen an, geht über Terrorismus und Armut, bis hin zu Korruption.

habe gerade recherchiert, welche Religion im Norden Afrikas die vorherrschende ist und muss dir leider zustimmen, dass ich nicht in vorherrschend muslimischen Ländern leben will.

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Da gibt es also mehr Christen im Süden und mehr Muslime im Norden.

Aber wie sieht es mit Armut, Krieg und Korruption aus?

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Und wenn ich mich nicht ganz täusche, wird im Koran auch direkt zu Gewalt und Mord gegen alle Nichtmuslime aufgerufen.
Ja, wird es. Unter der zwingenden Voraussetzung, dass die Nichtmuslime die Religionsausübung des Islam gewaltsam unterbinden. Wird der Islam geduldet, MUSS der Gläubige auch Nichtmuslime respektieren und - sofern in der Mehrzahl - auch schützen. Wenn du mal langen Atem hast, empfehle ich dir den Koran mal zu lesen. Ist nur sehr repetitiv...

Allein mir fehlt der Glaube daran, dass es tatsächlich die Mehrheit der Muslime ist, die eine Reformation möchte.
Die Mehrheit der Muslime ist reformiert. Im Iran wurde am Wochenende wieder progressiv gewählt, und die meisten Muslime leben auch gar nicht in Nordafrika oder dem nahen Osten (Saudi-Arabien: ca. 25 Mio. Muslime, Iran: ca. 75 Mio. Muslime, Irak: 36 Mio. Muslime), sondern vielmehr in Asien - Indonesien (200 Mio. Muslime), Indien (172 Mio. Muslime), Bangladesh (145 Mio. Muslime) und Pakistan (188 Mio. Muslime). Lediglich Pakistan ist dabei intolerant gegenüber anderen Glaubensrichtungen, auch wenn die Fundamentalisten in Bangladesh ebenfalls langsam erstarken (über die letzten 35 Jahre). Das sind aber immer noch kleine Gruppen, und die Mehrzahl dürfte aus gesellschaftlichen Gründen in den Fundamentalismus getrieben werden, nicht aus religiöser Überzeugung. Im Übrigen ist Nordafrika auch grade dabei, Frauenrechte für sich zu entdecken. Nicht jeder Staat, aber Marokko ist ein sehr schönes Beispiel. Es geht also im allgemeinen vorwärts, und die Rückwärtsgewandtheit einiger Gruppen ist wohl mehr der sozialen und wirtschaftlichen Not zuzuschreiben, wie man an Saudi-Arabien sieht (da sind fast 20% der Bevölkerung nichtreligiös und zusätzlich 5% Atheisten).
 
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