Um die breite Masse geht es hier aber nicht, die nutzt nämlich den Internet Explorer und keinen Adblocker, dafür aber 300 Toolbars.
Das stimmt wahrscheinlich, wenn du dir die Website der Rentenversicherung ansiehst. Die Benutzerstatistiken variieren sehr stark, abhängig vom Alter der Zielgruppe und Region. Darf ich dir als Gegenbeweis zwei Statistiken zeigen, die ich vor 5 Minuten frisch für dich aus Google Analytics gezogen habe? Dabei zu beachten: Leute mit Adblock, Request Policy oder Noscript scheinen hier überhaupt nicht auf, weil die Tracking Pixel bei ihnen nicht geladen werden.
Das erste Beispiel ist die
Website eines Skateshops in Wien mit drei Filialen. Zielgruppe 15 - 35 Jahre alt:
Das nächste Beispiel zeigt die Website eines neu am Markt eingeführten
Energy Drinks. Hier varrieren die Altersgruppen sehr stark. Als Zielgruppe für die personalisierte Online Werbung waren "Junge Leistungsbringer" definiert. Also 25 bis 45 Jahre alt, Universitäts- oder Fachhochschulabschluss, wohnhaft in einer der österreichischen Hauptstädte, gehobenes Einkommen:
Natürlich, das sind nur zwei Beispiele und vielleicht auch überhaupt nicht für das ganze Internet aussagekräftig. Alle Seiten, deren Statistiken ich einsehen kann, zeigen aber ein ähnliches Bild. Man muß vielleicht aber dazusagen, dass Safari und Chrome durch den hohen Anteil an Zugriffen von Mobilgeräten so stark sind.
Yey best joke ever. Um "... die Bedürfnisse der Benutzer zu berücksichtigen .. zukünftig enger mit Werbetreibenden koopiereren".
Das ist von Mozilla, glaube ich, total ernst gemeint. Mozilla möchte verhindern, dass die Werbeindustrie zu immer hinterlistigeren Methoden greift um Informationen über die User zu sammeln. Da man bei Mozilla aber davon ausgeht, dass noch längere Zeit mit Werbung im Internet Geld verdient wird, sucht man nach Lösungen, bei denen die Benutzer selbst die Kontrolle über ihre Daten haben, ohne den Website Betreibern ihre Einnahmequellen abzuklemmen.
EME ist mir da sowas von egal. Braucht keine Mensch, sowas.
Vielleicht schaust du wirklich keine Filme/Serien
legal(!!) im Internet. Ein Großteil der Leute die ich kenne verwenden ihren Computer/Tablet aber zu 80 % um Videos zu sehen oder Musik zu hören. Alleine die vielen Video/Audio-Streaming Anbieter (Netflix, Amazon, Deezer, Soundcloud, you-name-it) , die wie die "Schwammerl" aus dem Boden schießen, geben mir Grund zu glauben, dass für die meisten Leute die Möglichkeit Filme und Serien am PC/Tablet anzuschauen,
sowas von nicht egal ist.
Was passiert, wenn Firefox keine DRM Unterstützung bietet?
Meine Freundin zum Beispiel verwendet jetzt noch Firefox mit Noscript und Adblock. Es war schwierig genug, ihr das anzugewöhnen. Wenn jetzt ihre paar Streaming Websites aber nicht mehr im Firefox laufen würden, dann würd sie sofort den Browser wechseln ohne mit der Wimper zu zucken. Warum? Weil ihr das technische und ideologische Blabla, von dem ich ihr fast täglich erzähle, komplett egal ist und sie einfach nur "ihre" Inhalte sehen möchte.
Ich glaube, dass sie hier keine Ausnahme ist. Wenn Netflix, Amazon, Youtube oder Kinox.to nicht mehr im Firefox laufen, dann werden die Leute auf einen anderen Browser ausweichen, auf dem die Dienste funktionieren.
Derzeit installiert man Silverlight oder Flash, weil diese Systeme DRM Funktionen bieten. Mozilla geht aber davon aus, dass beide Technologien demnächst verschwinden werden. Chrome, Safari und Internet Explorer unterstützen bereits EME. Was meinst du passiert, wenn Flash und Silverlight dann wirklich nicht mehr unterstütz werden und man nur noch mit den anderen Browsern Filme/Serien legal(!!) sehen kann? Was sollte Mozilla deiner Meinung nach machen um nicht seine Nutzer zu verlieren?
Ich persönlich bevorzuge einen Firefox, in dem ich selbst wähle ob ich die DRM/EME Funktionen aktivieren möchte oder nicht, anstatt dazu gezwungen zu werden auf Chrome/IE/Safari umzusteigen, die alle von gewinnorientierten Unternehmen hergestellt werden.
Beim Seamonkey-Projekt könnte ich mir vorstellen, dass dort diese Kooperation mit der Werbeindustrie nicht übernommen wird.
Das hoffe/glaube ich auch. Aber wenn Mozilla Fundings verliert und weniger Manpower (a.k.a Geld) in die Wartung, Innovation und Vertrieb des Browsers stecken kann, dann wird das auch Seamonkey treffen. Gleiches gilt für SRWare Iron und was auch immer für Forks, die indirekt davon leben, dass irgendjemand Geld und Zeit in diese Anwendungen steckt. Klar, könnte man jetzt behaupten, das ist alles Open Source und funktioniert komplett ohne Geld. Damit das aber wahr wird, müssten auch die Vermieter, die Supermärkte, die Tankstellen, einfach alles rund um die Entwickler auf Geld verzichten, damit man ein so riesiges Projekt wie Mozilla/Firefox komplett ohne Finanzierung betreiben zu können. Schau dir bitte die Veröffentlichung von Mozilla
an, das sieht nicht so aus, als würden die kein Geld benötigen um das Projekt am Leben zu erhalten.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so ein Projekt in der Freizeit nebenher betreiben kann. Natürlich, viele einzelne Funktionen werden von Programmierern in ihrer Freizeit entworfen. Aber hinter dem Projekt steht doch viel mehr Aufwand, als das blose Schreiben von Code. Ich treffe so viele Menschen, die ihre Leistung anscheinend dadurch bewerten, wieviel sie monatlich verdienen. Wie würdest du Leute dazu überreden, unentgeltlich für dein Projekt vollzeit zu arbeiten?
niemand, der ins kasino geht, beschimpft die würfel, wenn's sich nicht rentiert, oder?
Ich hab mich hier anscheinend schlecht ausgedrückt. Ich wollte auf keinen Fall die Benutzer von Adblock & Co "beschimpfen", ganz im Gegenteil. Ich selbst würde niemals ohne Adblock, Request Policy und vorallem Noscript surfen und hatte noch nie einen privaten Facebook oder WhatsApp Account. Für mich persönlich ergibt sich daraus sogar ein ziemlicher Gewissenskonflikt. Seit Jahren lebe ich davon, dass Unternehmen im Internet Geld verdienen wollen und mich als Programmierer (indirekt über die Werbemaschinerie) dafür bezahlen. Andererseits (oder vielleicht genau deshalb) schimpfe ich in einer Tour darüber, wie schei*e das Internet durch die Kommerzialisierung geworden ist und versuche mich privat in diesen Ecken des Internets aufzuhalten, wo es eben noch nicht ganz so schlimm ist. (Wie z. B. hier im ngb.)
Ich selbst brauche diese ganzen "neuen" Services
nicht. Ich bin mit E-Mail und Irssi ganz zufrieden, und anstelle von Streaming Diensten weiss ich noch immer wie man Transmission und ähnliche Tools bedient. Ich find es auf der anderen Seite aber wirklich cool, dass nicht nur ich mit meinen "Hacker-Freunden", die einen IRC Client bedienen können, auf Distanz kommunizieren kann, sondern dass die ganzen (kapitalorientierten) Tools so einfach zu bedienen sind, dass alle Leute (zumindest in der ersten Welt) miteinander fast kostenlos Kontakt halten können.
Ich erinnere mich noch gut, wie man das "vor dem Internet" gemacht hat und möchte nicht mehr in diese Zeit zurück. Diese Möglichkeiten zur Kommunikation sind ohne Zweifel die größte "Errungenschaft" seit ich denken kann und das möchte ich nicht einer der kleinen Gruppe von Technikern vorbehalten, sondern soll von allen Menschen auch ohne großes, technisches Wissen genutzt werden können.
Deshalb finde ich es so wichtig, diese Entwicklungen nicht nur aus den Augen eines "Hackers" zu sehen, sondern auch an die breite Masse zu denken. Sollte es irgendwie gelingen, Open Source Tools zu entwickeln die eine ähnliche Verbreitung und einfache Bedienung wie z. B. Skype oder Facebook bieten, dann wär das natürlich genial. Momentan kenne ich außer der Wikipedia kaum Beispiele die nicht gewinnorientiert arbeiten oder ohne finanzielle Hilfe von gewinnorientierten Unternehmen funktionieren. Eventuell bietet in Zukunft Crowdfunding eine gangbare Alternative; schön wärs.
was haben denn dann bitteschön die webseitenbesucher mit den werbeeinnahmen der betreiber zu tun?
Ganz einfach, je mehr Leute ein Produkt kennen und es immer wieder und wieder von allen Seiten vorgeführt bekommen, umso mehr Leute kaufen/nutzen es. Hohes Marketing-Budget treibt den Absatz an, ob einem das gefällt oder nicht. Das ist ein Fakt, den man nicht weiter diskutieren muss. Oder meinst du so viele Leute kaufen überteuerte Apple Produkte, weil das die allerbesten Geräte sind?
Ich darf dir dazu eine weitere Statistik zeigen. Hier wurde eine Kampagne zu einem Produkt gelauncht, das es seit mehreren Jahren am Markt gibt aber zumindest mir bislang nicht bekannt war. Die Firma möchte jetzt über Crowd Investment Geld aquirieren. Am 6.3. wurde die Kampagne gestartet, am 7.3. gab es im nationalen Fernsehen einen 10-minütigen Beitrag über die Firma, danach in mehreren News-Portalen bezahlte Artikel. In den ersten 6 Tagen konnte das Unternehmen rund EUR 120.000,-- auf einer Crowd Investment Plattform lukrieren. Die Grafik zeigt Zugriffe auf die Website der Firma, die bis zur Kampagne maximal 200 Benutzer pro Tag hatte (inklusive der Suchmaschinen-Bots):
wenn man die entwicklung der "kultur" allein den werbetreibern überlässt, entwickeln sie die gewohnheiten dieser "90%" - wohin das führt, sieht man ja am fernsehen.. das internet auf die gleiche weise zu vergiften wird zwar nicht ganz so einfach sein, aber wir sind da auf einem guten weg ..
Diesbzgl. gebe ich dir zu 100 % Recht. Das was da fabriziert wird, kann man ja nichteinmal mehr Kultur nennen. Das ist durch und durch geplante Manipulation. Was die Kreativwirtschaft fabriziert hat nichts mehr mit Kunst zu tun. Ironischerweise hat oft nichteinmal mehr Kunst mit Kunst zu tun, sondern wird nur noch mit dem Ziel, möglichst viel davon verkaufen zu können, am kreativen Fließband produziert. Schau dir an,
. @Kaesereibe hat mir
mit diesem Posting zum Thema Radioprogramm wirklich die Augen geöffnet.
und überhaupt, wenn ich könnte, würde ich die gesamte werbeindustrie und ihre "kreativen" helfershelfer auf den mond schießen (zusammen mit investmentbankern und anderen parasiten), denn sie vernichten kultur und werden von uns pflichtfinanziert (wie GEZ, nur besser).. natürlich bin ich für eine gerechte entlohnung von "content"
Du würdest damit die Falschen treffen. Die "kreativen Hilfesteller" sind nur ein Symptom und nicht die Ursache für die hässliche Entwicklung des Netzes. Fast alle der Techniker, Grafiker, Programmierer, Sysadmins die ich in dieser Branche kennengelernt habe, sind bekennende Internet-Liebhaber und möchten ihren Spielplatz genauso wenig zerstören wie du.
Das Problem sind Finanzierugsgesellschaften und Betriebswirtschafter, die in den meisten Fällen "das alte Internet" nicht kannten, keine emotionale Bindung zu diesem Netzwerk haben und am Ende des Tages nur rote oder schwarze Zahlen sehen. Diese Leute beschränken sich auch nicht nur darauf, das Internet zu fi**en, sondern fallen wie die Heuschrecken über alle Bereiche des täglichen Lebens her.
Möchte man diese Leute und Unternehmen wieder aus dem Internet verbannen, müsste man auch damit leben, dass viele der großen Angebote verschwinden würden. Mir persönlich war es im Internet der 90er lieber als heute, aber ich denke, dass ein Schritt zurück nicht mehr passieren wird. Eventuell entwickelt sich durch das Darknet ein eigenes, alternatives Netz, in dem man so wie früher surft und wo Firmen kein Interesse haben zu werben oder zu finanzieren. Die breite Masse wird man damit aber wahrscheinlich nicht erreichen können.