Ich war in jungen kein Mobber, ich hatte eher ein Problem mit Autoritäten, aber ich habe auch schon einmal gesagt, daß ich mein damaliges Ich für eine kleine Arschkrampe halten würde. Diese Arroganz, noch von nichts eine Ahnung zu haben, aber bereits alles erklären zu können, war damals so "cool", wie sie (mir) heute peinlich ist.
Aber das gehört wahrscheinlich einfach dazu.
Was ich mich aber gerade frage, ist, ob wir das Mobbing überhaupt beurteilen können. Mir kommen da gerade Zweifel. Weil bestimmt ist das Wort ein Modebegriff geworden, wo Fälle darunter fallen, wo einer halt mal etwas einstecken muß. Aber die Extremfälle kennen wir nicht und können sie uns vielleicht auch gar nicht vorstellen.
Wenn ich an Mobbing denke, dann an:
1. Japan, wo jemand nicht kündbar ist und ohne Aufgaben in ein kleines fensterloses Büro gesteckt wird und bereits Zeitungslesen ein Vergehen wäre. Also der reine Psychoterror.
2. Erinnerungen aus meiner Schulzeit, wo es einzelne Leute vielleicht mehr oder weniger schwer hatten.
Der erste Fall wäre in Deutschland nicht möglich, also vergessen wir das.
Beim 2. Fall nehme ich meine eigenen Erfahrungen als Maßstab für Mobbing und bewerte danach.
Ich wende also den Begriff auf etwas Erlebtes an und bewerte dann.
Aber eigentlich wäre eine logische Schlußfolgerung nicht, daß man sagt, Mobbing ist nicht schlimm, sondern, daß was ich bislang beobachtet habe, war vielleicht kein Mobbing.
Möglicherweise diskutieren hier Blinde über Farben.