Meta-Diskussion Corona Thread / Schulen und deren It-Ifrastruktur und Sicherheit

Re: Coronavirus

Ich verstehe nicht so ganz, warum es keine Schulverbünde für z.B. IT gibt. Bei Unis ist es ganz normal, dass diese sich Landesweit und zum Teil Landesübergreifend zusammen tun.
 
Re: Coronavirus

Als ich noch zur Schule ging, wurde an unserer Schule gerade der Bau des neuen Gebäudes abgeschlossen und das "große Highlight" waren die Beamer. Ich hab 2011 mein Abi abgwschlossen und ich lebe in einer Großstadt.
Deutsche Schulen sind hoffnungslos veraltet und mir tun momentan die Lehrer und Schüler echt Leid. Ich habe Neffen und Nichten, die zur Schule gehen und man merkt einfach, dass alle von vorne bis hinten mit der Situation überfordert sind.
 
Re: Coronavirus

Das Konzept Schule ist grundsätzlich schwer, denn man muss pro Klasse um die 30 Leute mit grundverschiedenen Ausgangsbedigungen auf einen Nenner bringen. Dabei darf ich die einen nicht überfordern und die anderen nicht unterfordern. Das ist nahezu nicht möglich. Jetzt kommt die Pandemie hinzu und neben dem beschissenen Grundkonzept, was bereits ohne Pandemie nicht wirklich auf der Höhe der Zeit war, wird es jetzt noch mit viel mehr anderen Problemem konfrontiert, für die es nie auch nur im Ansatz Lösungen gab. Dazu kommen auch wieder die unterschiedlichen Ausgangsbedigungen.

Hardware stellen hilft den Kindern nicht, wenn keiner da ist der es bedient oder administriert (oder die Kinder zu Hause kein Internet haben). Da helfen auch die Beamer nichts und die schönen Computer. In meinem Umfeld wurde mir berichtet, dass es irgendeine Schulcloud und eine Landescloud gibt in die man Aufgaben einstellen kann. Teilweise wurden zu Beginn der Pandemie dann eben immer Mails mit den Aufgaben geschrieben weil keine der Clouds genutzt werden konnte. Da gab es Lehrer die sich was ausgedacht haben und Lehrer die es einfach ausgesessen haben. Denn es gibt immer noch super viele Lehrer, die von Digitalisierung nicht den blassesten Schimmer haben.
Dann wurde durchgesetzt, welche Lösung jetzt anzuwenden ist. Weil man da aber keine Ordner nach Klassenstufe und Fach erstellen kann, wurde ein Benennungskonzept erarbeitet. Klasse - Fach - Aufgabe. Da hatte man dann nach einer Woche 1000 Dokumente in einer Listenansicht angesammelt, wo immer nur 20 Dokumente angezeigt werden konnten. Jeder Schüler musste sich da anmelden und das scheiterte schon dran, dass viele gar keine Mail-Adressen hatten und die Eltern teilweise auch nicht wussten, wie man sowas anlegt. Wobei ein Drittklässer normalerweise auch keine Mailadresse braucht. Die Zugangsdaten, also das erste Passwort wurden dann von der Lehrkraft erstellt und den Kindern als Ausdruck übergeben. Das hat die Kollegin gemacht, die die Administration vom Corona-Verdachtsfall-Kollegen übernommen hatte, die kurz vorher eine Operation hatte und deshalb alles von zu Hause aus gemacht hat.

Hier stoßen jetzt so viele Fälle von Inkompetenz, Unwissen, Unwille und Überforderung aufeinander, dass da teilweise gar nichts mehr geht. Anderer Fall: Es gibt eine App, die sollen die Lehrer installieren und dort die Raumgrößen Ihrer Klassenräume eintragen (ohne Komma, dass kann die App nicht) um dann zu erfahren, wie oft man den Raum dann lüften muss (zwei Wochen vorher gab es die Anweisung die private Nutzung von Smartphones auf dem Schulgelände zu unterlassen). dazu gibt es die Vorgabe, dass die Kinder nur während der Lüftungszeit eine Jacke tragen dürfen/sollen, weil Sie sich sonst an die Wärme der Jacke gewöhnen und sich dann in der großen Pause auf dem Schulhof erkälten würden.

Mittlerweile melden sich immer mehr Lehrer (in meinen Augen teilweise zurecht) krank, weil Sie es nicht mehr ertragen können, was da teilweise von Ihnen verlangt wird. In manchen Regionen werden jetzt nur noch die direkten Sitznachbarn der Kinder mit Corona in Quarantäne geschickt. Der Rest ist ja nicht betroffen. Die Lehrer können derweil weiter von Klasse zu Klasse gehen. Das Kultusministerium von BaWü hat jetzt auf Twitter einer Lehrerin geantwortet, dass es kein absolutes Recht auf körperliche Unversehrtheit gebe und man auch das Recht auf Bildung und Präsenzunterrricht mit abwägen müsste

Ich hab keine Kinder und gehe nicht zu Schule, aber das ist alles eine riesige Katastrophe und ich will mir nicht vorstellen wie sich das als Eltern anfühlen muss, wenn man sein Kind Tag für Tag in so ein Chaos schicken muss.
 
Re: Coronavirus

Hardware stellen hilft den Kindern nicht, wenn keiner da ist der es bedient oder administriert (oder die Kinder zu Hause kein Internet haben). Da helfen auch die Beamer nichts und die schönen Computer. In meinem Umfeld wurde mir berichtet, dass es irgendeine Schulcloud und eine Landescloud gibt in die man Aufgaben einstellen kann. Teilweise wurden zu Beginn der Pandemie dann eben immer Mails mit den Aufgaben geschrieben weil keine der Clouds genutzt werden konnte. Da gab es Lehrer die sich was ausgedacht haben und Lehrer die es einfach ausgesessen haben. Denn es gibt immer noch super viele Lehrer, die von Digitalisierung nicht den blassesten Schimmer haben.
Dann wurde durchgesetzt, welche Lösung jetzt anzuwenden ist. Weil man da aber keine Ordner nach Klassenstufe und Fach erstellen kann, wurde ein Benennungskonzept erarbeitet. Klasse - Fach - Aufgabe. Da hatte man dann nach einer Woche 1000 Dokumente in einer Listenansicht angesammelt, wo immer nur 20 Dokumente angezeigt werden konnten. Jeder Schüler musste sich da anmelden und das scheiterte schon dran, dass viele gar keine Mail-Adressen hatten und die Eltern teilweise auch nicht wussten, wie man sowas anlegt.
Mit etwas Kompetenz und allgemeinen Willen ließe sich das alles erschlagen. Die Einschlägigen Lern-Platformen wie Moodle werden breitflächig an Unis eingesetzt und es gibt auch genug Menschen, welche Schulungen für Lehrer anbieten könnten, auch per Videokonferenz. Über die Unis könnte das Land auch das Hosting solcher Platformen einkaufen (also direkt bei Uni-Verbänden o.ä.), eben inklusive von Schulungspaketen.
Das es Lehrpersonal gibt, welches von der Digitalisierung abgehängt ist - das bleibt nicht aus, auch Profs in den einschlägigen Fachbereichen können mit solchen Platformen oft nicht umgehen. Aber es gibt massig erprobte und gut funktionierende Infrastrukturen.
 
Re: Coronavirus

Auch wenn das Ganze ja arg OT wird langsam gebe ich mal nen Bild von hier wie ich es täglich erlebe um Rahmenbedingungen aufzuzeigen.

Schule mit Standortfaktor 5. Kurz zur Erklärung was heißt:

Der Standorttyp 1 deutet auf geringe soziale Belastungen hin, eine vermeintlich heile Welt für Schüler und Lehrer. Nur fünf Prozent der 331 weiterführenden Schulen, die in NRW diese besten sozialen Voraussetzungen mitbringen, befinden sich im Ruhrgebiet.
Die meisten weiterführenden Schulen im Ruhrgebiet sind den Standorttypen 4 oder 5 zugeordnet. 5, die höchste Stufe in der Skala besagt, dass mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund hat. An manchen Schulen im Ruhrgebiet liegt laut Schräpler der Wert sogar bei über 80 Prozent. Eine weitere Voraussetzung für Standorttyp 5: Im Schulumfeld, heißt im Fünf-Kilometer-Radius um die Schule, ist jeder fünfte Anwohner im Durchschnitt Hartz-IV-Empfänger.

Irgendwo zwischen 15 und 20 % der Stellen sind nicht besetzt und werden es auch nicht da NRW in dem Bereich eh knapp 4000 Lehrer fehlen. (Als fertiger Grundschullehrer kannst du dir noch wirklich aussuchen wo es hingehen soll)
Dazu kommen die Ausfälle durch zum Beispiel längere Krankheit wie Krebs aber auch Mutterschutz etc. Diese Stellen sind ja eigentlich besetzt aber eben momentan nicht.
Die Sekretärin ist 2 1/2 Tage die Woche da, die anderen Tage an einer anderen Schule tätig. Schulleitung kommissarisch, Schulsozialarbeiter fehlen ebenfalls.
Freie Stellen werden so gut es geht mit Studenten, Gymnasiallehrern (die nach 2 Jahren wieder gehen und im Gegenzug ihre freie Wunschstelle bekommen) oder Personen abseits jeder Ausbildung im pädagogischen Bereich besetzt.

Selbst vor Corona war dieser Zustand immer am Rand dessen, dass das ganze System zusammen kracht. Da hat niemand Zeit und Energie sich zusätzlich noch "digitale Kompetenzen" zu erarbeiten.
Und da ja gern bei Lehrern über wenig Engagement und viel Freizeit geredet wird. Der Weg zur Arbeit beginnt gegen 6.45Uhr und Feierabend ist im Schnitt irgendwann zwischen 18Uhr und 19Uhr.
Ich persönlich würde da nicht arbeiten wollen. Und klar gibt es die, die quasi nix machen (wie es die überall gibt) aber es gibt auch jede menge Menschen die sich von morgens bis abends den Arsch aufreißen.
Falls jemand unter den Umständen seinen Traumberuf sieht. Mit Uniabschluss nehmen viele Schulen mittlerweile fast jeden als Quereinsteiger.

Das ist nen persönlicher Eindruck, aber da knapp die Hälfte meiner sozialen Kontakte irgendwo im Bildungsbereich arbeitet nehme ich mir heraus zu sagen, dass so Zustände kein Einzelfall oder Extrem sind
 
Re: Coronavirus

Ich will die Digitalisierungsdiskussion auch gar nicht weiter führen. Da wurde mächtig viel versäumt und das ließe sich selbst bei Normalbetrieb kaum verbessern. Jetzt ist Pandemie, da geht das noch viel weniger. Das wurde ja im Post davor von propagandhi auch nochmal aufgeführt.

Ich hatte die Woche auf Twitter von einem paar gelesen, die waren im Frühjahr am Rande Ihrer Belastbarkeit angekommen, weil die HomeOffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen mussten. Die waren kurz vorm platzen. Die sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo sie sich solche Verhältnisse wieder zurückwünschen, weil sie Ihre Kinder nicht in der Schule verheizen wollen.
 
Re: Coronavirus



Ich beziehe mich nochmal auf #3457 und das Thema Schule/Datenschutz.
RBB berichtete am 18.11

Auszug: ..."Die Grundschule schaut sich also weiter um und kommt auf "Padlet", eine Art digitale Pinnwand, und "Microsoft Teams", ein Videokonferenz-Tool, sie verschickt Einverständniserklärungen zur Nutzung an die Eltern - und handelt sich damit Probleme ein: Ein Elternteil beschwert sich, schaltet die Datenschutzbeauftragte ein. Daraufhin erhält die Grundschule eine Verwarnung - wegen "datenschutzwidriger Nutzung der Software", wie die Datenschutzbeauftragte rbb|24 am Dienstag mitteilt, und weil die Einwilligungserklärungen, die die Eltern ausfüllen müssen, nicht korrekt gewesen sein sollen. Ein entsprechendes Schreiben der Datenschutzbeauftragten liegt rbb|24 vor."...

Zeigt ganz gut, wie schnell man als Schule Probleme bekommen kann. Geht im Artikel auch noch um die Nutzung privater Endgeräte etc.

Soviel nochmal zum Thema Distanzunterricht in Zeiten von Corona
 
Re: Coronavirus


Solange du akzeptierst, dass dann digitaler Unterricht im Moment nicht möglich ist hast du recht.
 
Re: Coronavirus

@propagandhi: So nicht ganz richtig. Mit Teams ist der Unterricht nicht möglich. Das war aber schon im Juli klar (die Berliner Datenschutzbeauftragte hat da mal Arbeit rein gesteckt gehabt). Jitsi Meet, BigBlueButton, Mumble oder andere selbstgehostete Lösungen sind hingegen diesbezüglich durchaus möglich.
 
Re: Coronavirus



jain
nochmal aus dem Text:..."Statt "Teams", "Padlet" [...] empfiehlt die Datenschutzbeauftragte: "Ein besonders für die schulische Nutzung geeignetes Angebot ist die Open Source Software 'Big Blue Button'. Sie kann entweder selbst betrieben oder als Auftragsverarbeitung durch verschiedene Anbieter bezogen werden."
Doch dafür benötigt die Schule einen eigenen Server. Der wurde laut Schulleiterin im März bestellt. Im Dezember soll er endlich geliefert werden - und müsste dann noch eingerichtet werden.


Und dazu kommt, dass ich zumindest hier in NRW noch keine Schule kenne die entsprechend Endgeräte hat (für Lehrer und Schüler)
Der private Rechner dürfte ja auch nicht genutzt werden.
Also in der Theorie möglich aber eben in der Praxis nicht.

edit: Hier liegt es in der Regel auch nicht in der Verantwortung der Schulen. Die Schule bestellt und die Abwicklung sollte über das Land erfolgen. Eine einzelne Schule hat also keinen Einfluß wie und ob Hardware geliefert wird
 
Re: Coronavirus

@propagandhi: Ich sehe zwar nicht, warum private Geräte ein Problem darstellen sollten (Grundsatz der IT-Sicherheit: Hat ein Angreifer physischen Zugriff auf das Gerät, ist es nicht mehr dein Gerät. - Ergo: Sicherheit hat serverseitig abgebildet zu werden, abseits vom physischen Zugriff des Endnutzers), aber BBB wird von zig Einrichtungen (unter anderem auch diversen Chaos-Erfas) als Dienst angeboten. Da muss man nicht auf einen eigenen Server warten, den von den Lehrern mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso keiner richtig einrichten kann.
 
Re: Coronavirus

Mein letzter Beitrag da ich denke wir sind sonst bei nem eigenen Thema.
Es dürfen eigentlich keine Schülerdaten etc auf nem privaten PC abgelegt werden. Spätestens wenn du Leistungen dann auch benoten willst/musst ist das aber nötig.
Zum Thema externe Dienste. Ich nehme an die sind nicht gratis und damit hast du dann das nächste Problem. Wo kein Geld da auch keine Möglichkeit für externes und genau deswegen werden diese Dienste wahrscheinlich nicht in Anspruch genommen werden (können)
 
Re: Coronavirus

@propagandhi: Nö, ist es nicht - man kann serverseitig arbeiten, z. B. mit Citrix (und ja, ich weiß, das ist Scheiß-Software, aber ich weiß auch, dass man den meisten Leuten ein ssh -X nicht zumunten kann), oder VPN und RDP, wofür man natürlich auch Server braucht. Und die Schüler können jederzeit ihr eigenes Zeug auf den eigenen Endgeräten halten. Und das Geld an sich wäre ja da, ist ja für Infrastruktur ausgebbar. Dafür gibts doch den tollen Digitalpakt (der wie immer eine juristisch totgerittene Scheiße war, seien wir ehrlich).

Ist immer noch Thema, geht ja um den Virus und den Umgang damit ;)
 
Re: Coronavirus

Es gibt freie Big Blue Button, die man nutzen kann aus dem Chaos-Umfeld.

Der DFN ist der Betreiber des deutschen Forschungsnetzes. In anderen Ländern gibt es Äquivalente, wie SWITCH in CH, SUNET in S usw. Die Länder haben sich zusammen geschlossen und bieten über eduGAIN weltweit Dienste an, die man mit den Anmeldedaten der Heimatorganisation nutzen kann. In anderen Ländern sind hier auch die Schulen angeschlossen. Theoretisch würde es für eine schnelle Lösung reichen, wenn alle Lehrer einen Account erhalten. Zu den Diensten zählen auch Videokonferenzssysteme, wie Big Blue Button, Jitsi usw.
 
Bei mir an der Schule wird im Fall der Fälle ein Distanzlernen über Microsoft Teams stattfinden, bzw. findet bei einzelnen Klassen/Stufen schon statt. Die Entscheidung dazu ist schon am Anfang des ersten Lockdowns gefallen und würde sich nun auch nur schwer ändern lassen. Mich würde interessieren, was die "datenschutzwidrige Nutzung der Software" dieser Schule genau war.
 
Hier ist es gut aufgelistet:

Im Endeffekt gibt es keine gültige Datenschutzerklärung, zudem müssten vermutlich Verträge geschlossen werden.

Ich kenne Orgs, die die Zustimmung - NACHDEM die Daten an Microsoft herausgegeben wurden - eingeholt wird. Freu mich schon :o
 
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