[Netzwelt] Leistungsschutzrecht: "Die Verlage vs Google" geht in die nächste Runde

Während Google mit seiner Initiative zur Förderung des Qualitätsjournalismus (ngb berichtete) Deutsche Medienunternehmen mit einer Geldspritze von kolportierten 150 Millionen Euro "fit für den Journalismus 2.0" machen will, und legt Beschwerde beim Deutschen Patent- und Markenamt in München ein. Dabei beruft sich VG Media auf das vor zwei Jahren verabschiedete , wonach den Verlagen 11 Prozent des Umsatzes des Suchriesen in Deutschland zustünden.

Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger wurde Mitte 2013 in Deutschland eingeführt und ist derzeit einzigartig. Es sichert Verlagen eine Umsatzbeteiligung zu, wenn Drittanbieter durch fremde Artikel Umsatz generieren. Ende 2014 wurde das Leistungsschutzrecht vom Deutschen Bundestag evaluiert, dabei kamen alle fünf Experten im Ausschuss Digitale Agenda zum Schluss, dass das Presse-Leistungsschutzrecht .

Laut Berechnungen der VG Media erwirtschaftet Google Umsätze in Höhe von 3 bis 5,8 Milliarden durch Werbeeinnahmen. Da die Verwertungsgesellschaft nur etwa die Hälfte der deutschen Medienlandschaft vertritt, fordert sie nun anstelle der gesetzlichen 11 nur einen Anteil von 6 Prozent. Unter anderen werden Axel Springer, Burda, Funke, DuMont von der VG Media vertreten.
Ob diese Forderung der Verlage gegenüber Google überhaupt berechtigt ist, wird sich Mitte 2015 herausstellen. Bis zu einer endgültigen Klärung in höchster Instanz dürften jedoch noch mehrere Jahre vergehen.

Um sich den Vergütungen für Verlage zu entziehen, forderte Google noch vor Inkrafttreten der neuen Leistungsschutzrechts-Bestimmungen alle Verlage dazu auf, ihre Einstimmung für die indizierung der Artikel über Google News zu erteilen und dabei freiwillig darauf zu verzichten, eine Vergütung im Sinne des Leistungsschutzrechtes zu fordern.
Viele Verlage stimmten aufgrund sinkender Zugriffszahlen der Aufnahme ihrer Artikel zu, an, das ihnen rückwirkend Anspruch auf Vergütung erstreiten sollte.

Auf Anfrage von Golem.de : "Es stand Verlagen immer frei, selbst zu entscheiden, ob ihre Inhalte bei Google News angezeigt werden. Mit der Bestätigungserklärung bieten wir dazu seit 1. August 2013 lediglich ein weiteres Instrument an. Eine große Mehrheit der deutschen Verlage hat sich dafür entschieden, auf Google News zu bleiben und damit bestätigt, dass ihnen Google News echten Mehrwert bringt."

Naturgemäß bewerteten die Verleger die Situation genau umgekehrt, wie die Madsack Mediengruppe : "Für uns ist diese Drohung eindeutig ein Marktmissbrauch, denn bei einem Fast-Monopolisten wie Google ausgelistet zu werden und damit nicht mehr sichtbar zu sein, hat weitreichende Folgen." Die Verlage wären "ein Garant der Meinungsbildung und damit für die Demokratie in Deutschland - diese wichtige Funktion von Tageszeitungen sollte nicht zugunsten von Google oder anderen Suchmaschinen gefährdet werden."

Ein aus dem Jahr 2013 kommt zum Schluss, dass es für Google aus kartellrechtlicher Sicht keine Pflicht zur Indizierung von News Artikeln gibt.
In Spanien, wo Google Vergütungszahlungen nicht vermeiden konnte, wurde Google News kurzerhand geschlossen. Man begründete diesen Schritt damit, dass Google News keinen Umsatz für den Konzern erwirtschaften würde.

Quellen:

 
Zuletzt bearbeitet:
schon doof wenn man selbst nicht mehr der grösste ist und plötzlich ein grösserer fisch im teich schwimmt.

Die Verlage wären "ein Garant der Meinungsbildung und damit für die Demokratie in Deutschland - diese wichtige Funktion von Tageszeitungen sollte nicht zugunsten von Google oder anderen Suchmaschinen gefährdet werden."

mein persönliches highlight. ich dachte, die wollen informieren und nicht meinungen bilden...
 
Laut Berechnungen der VG Media erwirtschaftet Google Umsätze in Höhe von 3 bis 5,8 Milliarden durch Werbeeinnahmen. Da die Verwertungsgesellschaft nur etwa die Hälfte der deutschen Medienlandschaft vertritt, fordert sie nun anstelle der gesetzlichen 11 nur einen Anteil von 6 Prozent.
Unterstellen die gerade ernsthaft, Google würde sämtliche Werbeeinnahmen mit Inhalten deutscher Medien generieren? :D

Die Verlage wären "ein Garant der Meinungsbildung und damit für die Demokratie in Deutschland - diese wichtige Funktion von Tageszeitungen sollte nicht zugunsten von Google oder anderen Suchmaschinen gefährdet werden."
Wie wir inzwischen wissen eher
"die Lokalausgaben der NATO-Pressestelle"
- die Anstalt
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #5
Unterstellen die gerade ernsthaft, Google würde sämtliche Werbeeinnahmen mit Inhalten deutscher Medien generieren?

Nein, deshalb werden auch nur 6 Prozent gefordert ;P

Frage mich, wie weit das NGB eigentlich vom Leistungsschutzrecht betroffen ist. Wieviele Worte darf ein Quote eines Quellartikels haben, ohne dass NGB dafür 11 % seiner (schier unendlich großen) Umsätze abtreten muss? Oder sind Hobby-Projekte (egal wieviel Zeit sie beanspruchen) vom Leistungsschutz ausgenommen?
 
Wie kann dem Board rechtsgültig eine Verfügung zugestellt werden? Solange das nicht klar ist, würde ich mir um den Rest keine Sorgen machen.

Ansonsten wird der gewinnen, der in Berlin und ggf. Brüssel mehr Geld in die richtigeren Taschen steckt, wie immer. Es ist doch auch egal, solange ich nichts abbekomme. Google News? Dieser Service ist mir unbekannt.
 
Nein, deshalb werden auch nur 6 Prozent gefordert ;P

Frage mich, wie weit das NGB eigentlich vom Leistungsschutzrecht betroffen ist. Wieviele Worte darf ein Quote eines Quellartikels haben, ohne dass NGB dafür 11 % seiner (schier unendlich großen) Umsätze abtreten muss? Oder sind Hobby-Projekte (egal wieviel Zeit sie beanspruchen) vom Leistungsschutz ausgenommen?

Reines copy & paste darf überhaupt nicht stattfinden, da es eine Urheberrechtsverletzung ist.
Sonst gilt das Zitatrecht, sofern es nicht vom Leistungsschutzrecht beeinträchtigt wird.

Bei user generated content haftet der Plattformbetreiber erst ab Kenntnisnahme bzw. sofern er nicht unmittelbar bei Kenntnisnahme handelt und den Inhalt entfernt.

Ob NGB das interessiert oder interessieren muss, steht freilich auf einem anderen Papier.
 
Der Thread hier war der den ich am Schnellsten zum Thema gefunden hatte, mir ist gerade aufgefallen dass bei Google News mittlerweile sogar Videos existieren die auf youtube gehosted sind?
Also nicht das ich der große Verlagsfreund wäre aber da fragte ich mich doch was denn die Verlage am Ende noch von den Google News Usern haben? :unknown:


 
Ja eben!
Also läuft der ganze Traffic nur über Google und über Youtube. Was haben die Verlage davon?

Ich dachte immer, deren Geschäft wäre es, die Inhalte über deren Server zur Verfügung zu stellen um dem Kunden eben noch die eigene Werbung aufdrücken zu können.
Das fällt hier doch jetzt komplett weg?
 
youtube ist die größte videoplattform, deswegen wollen auch die verlage dort zuschauer abgreifen und bekommen zudem noch ein bisschen youtube-werbegeld dafür - es ist werbung für den verlag, wofür der verlag auch noch bezahlt wird.. ist in etwa das gleiche argument, weshalb sie bei google gelistet werden wollen und dafür freiwillig auf dieses "leistungsschutzrecht" verzichten..
 
Ich dachte immer, deren Geschäft wäre es, die Inhalte über deren Server zur Verfügung zu stellen um dem Kunden eben noch die eigene Werbung aufdrücken zu können.
Auf Youtube läuft ja auch Werbung. Davon bekommt der Uploader, also die Verlage, auch seinen Werbeanteil ab.
 
Ja stimmt schon alles was ihr schreibt, kommt mir nur ziemlich krass vor das mittlerweile alles (amp content ja auch komplett) über google läuft, also so komplett. War mir vorher immer nur an einzelnen Stellen und nie so in Gänze ins Auge gefallen
 
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