[Netzwelt] Kubanischer Künstler Kcho betreibt ersten freien Internetzugang des Landes

KUBA - Der karibische Inselstaat gehört zu den Ländern mit der geringsten Internet-Verbreitung der Welt. Nur etwa 25 % der kubanischen Haushalte verfügen über einen Netzzugang ( . Die kubanischen Internetanbieter zählen zu den am strengsten überwachten der Welt.
Der , konnte nun das kubanische Kulturministerium zu einer Erlaubnis für den Betrieb eines offenen Internetzugangs in der Hauptstadt Havana überreden.

Über einen öffentlichen Wi-Fi Accesspoint teilt der Künstler seinen privaten Internetanschluß mit einer Übertragungsrate von etwa 2 Mbps. Rund um das von Kcho betriebene Havana cultural center können dadurch Menschen kostenlos im Netz surfen.

Nur wenige Kubaner können sich einen Zugang zum "richtigen" Internet leisten. Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von etwa USD 20,-- kostet eine Stunde voller Internetzugang zwischen 5,-- und 7,-- US Dollar. Der Zugang zum nationalen Intranet kostet vergleichsweise nur etwa 1,50 Dollar pro Stunde.
Über die Kosten für den Betrieb des Projekts hüllt sich der Künstler in Schweigen. Ein ausreichend schneller ADSL Anschluß kostet in Kuba etwa USD 900,-- pro Monat. Über das Projekt sagt er selbst: "It is expensive, but the benefit is tremendous. ... I have something that is great and powerful. I can share it, and I am doing so."

Grund für den schlechten Ausbau des kubanischen Internets ist einerseits das Misstrauen der kommunistischen Partei gegenüber westlicher Propaganda im offenen Internet, sowie andererseits das seit dem Kalten Krieg existierende und die Beschaffung der notwendigen Hardware beinahe unmöglich machte.

Dementsprechend groß ist in Kuba auch die , obwohl die private Nutzung von Wi-Fi verboten ist. Etwa 9000 Computer waren im Jänner 2015 im sogenannten Streetnet miteinander verbunden. Das freie Netzwerk existiert seit etwa 2001 und wird über versteckte Wi-Fi Antennen und Ethernet Kabel geshared. Eine Anbindung zum öffentlichen Internet gibt es nicht. Das Ministerium toleriert das Netz, erlaubt es aber offiziell nicht.

Auch typisch für Kuba sind . Ein Großteil der Menschen besitzt Smartphones. Um ohne eine Internetanbindung an Apps oder Spiele zu kommen, können "Enterntainment Pakete" in kleinen Shops gekauft werden. In den Straßenläden werden Handys gerootet und Apps sowie Spiele, Filme, Serien und Musik auf die geräte kopiert.

Seit 2012, als die Anbindung an andere südamerikanische Länder abgeschlossen wurde, nimmt die Verbreitung von privaten Internetanschlüssen zu. Auch die allmähliche Annäherung der USA an Kuba zu Beginn dieses Jahres und die von US Präsident Obama bewirkte Möglichkeit zwischen den Ländern zu reisen und Geld zu transferieren, bringt neuen Wind in die IT Branche des Landes.

Kcho ist und gilt als großer Verehrer Fidel Castros. Der letzte öffentliche Auftritt Castros war im Jänner 2014 bei der Eröffnung des Art Centers von Kcho. Diese Position dürfte ihm auch ermöglicht haben ein derartiges Projekt in Kuba voranzutreiben.


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