Klauseln im Arbeitsvertrag (Softwareentwickler)

m6rley

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Guten Tag meine lieben Mitarbeitnehmer,

Da bei mir ein Umzug ansteht, habe ich jetzt nach drei Jahren erstmals wieder Bewerbungen rausgeschickt und auch ein paar Zusagen bekommen (man ist ja schließlich kompetent :uglyngb:).

Jetzt sind mir die ersten Arbeitsverträge ins Haus geflattert und ich muss sagen, dass ich doch ziemlich erstaunt bin, was da für Klauseln drinstehen.

Sinngemäß hatten die Verträge alle drinstehen, dass ich mich als Arbeitnehmer verpflichte an Sonn- und Feiertagen, sowie Nachts zu arbeiten (wenn die betrieblichen Prozesse es verlangen), ohne Gehalts- oder Freizeitausgleich. Außerdem hatten alle nur 28 Tage Urlaub (bei einer 30 Tage nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit).

Ist das inzwischen der Standard? Würded ihr so einen Vertrag unterschreiben? Steht bei euch (Entwicklern) auch sowas drin?

Ich hab den Firmen jetzt erstmal allen freundlich abgesagt und suche weiter :coffee:
 
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Hi, also ich bin Softwareentwickler und arbeite rund um die Uhr. In Notfällen, beispielsweise wenn mal wieder ein NPM-Modul offline genommen wird, auf dem die komplette Geschäftslogik eines Kunden basiert, auch mal sonntags morgens um 4:30 Uhr.

Habe als Senior-Softwareentwickler immer Rufbereitschaft, falls meine Mitarbeiter mal spätabends länger bleiben und eine dringende Frage haben.

Wichtig ist auch, git immer auf dem Handy dabei zu haben, um die neuesten Commits mitzubekommen.
 


Vergiss nicht, halbstündlich, beginnend Nachts um drei, die CI-Builds zu checken und dein Handy auf volle Lautstärke zu drehen, damit Du auch jede Nachricht aus den Slack-Channeln eures Teams mitbekommst!
 
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Und gibt es einen Ausgleich für die Rufbereitschaft und das Sonntags programmieren, oder gilt das als "mit dem Gehalt abgegolten"?

Ich mein es ist ja nicht so, dass ich zu Überstunden bereit wäre, wenn die Hütte mal brennt - Aber so ganz ohne Ausgleich :unknown:

Bei meiner momentanen Stelle habe ich Vertrauensarbeitszeit und feier die Überstunden dann ab, wenn mal nix los ist...
 


Vergiss nicht, halbstündlich, beginnend Nachts um drei, die CI-Builds zu checken und dein Handy auf volle Lautstärke zu drehen, damit Du auch jede Nachricht aus den Slack-Channeln eures Teams mitbekommst!

Haha, sehr lustig. :dozey:

Tatsächlich habe ich aber eine Benachrichtigung über IFTTT, falls ein Build fehlschlägt.

Und gibt es einen Ausgleich für die Rufbereitschaft und das Sonntags programmieren, oder gilt das als "mit dem Gehalt abgegolten"?
Ich verdiene ganz gut, als Ausgleich dann halt Überstunden abfeiern. Normal eigentlich bei Gleitzeit.
 
So richtig Erfahrungswerte habe ich damit nicht, aber:
In der Softwareentwicklung verlangen die betrieblichen Prozesse doch eigentlich prinzipiell 24/7 Arbeit plus Bereitschaft ;). Schön, wenn da ein AG ganz pragmatisch ran geht und das so auch in den Arbeitsvertrag schreibt.
Nein, ich würde sowas nicht unterschreiben.

Ich hab den Firmen jetzt erstmal allen freundlich abgesagt und suche weite
Top :T.
Als Softwareentwickler muss man sich nun nicht so hart knechten lassen mMn.
Als IT Admin schon eher, right @phre4k ? :o
 
Selbst Schuld, TBH.

--
Einfach derartige Verträge nicht unterschreiben, wie der BurneR es schon anmerkte. Ist zwar schön, das es mal tatsächlich reingeschrieben wird... aber wenn Du dann irgendwann mal etwas brauchst, womit Du einen legalen Hebel ansetzen kannst, würde ich solche Verträge auch liegen lassen.

Lustiges zu Informatiker-Verträgen: Freund von mir arbeitet in einer CAD-Bude als Entwickler für das Hauptprodukt, und hat das typische blabla im Vertrag. aber vor allem(sinngemäß): "Wenn der Arbeitnehmer der Meinung ist, dass seine in der Freizeit entstandenen entwicklungen die Firma betreffen, ist dies das geistige Eigentum der Firma."
Ich habe geheult vor lachen :D Da sollte eigentlich stehen, das der Arbeitgeber... aber naja :D
 


Da gibt es nichts zu lachen.

§ 69b UrhG

Die Klauseln mit der Mehrarbeit sind auch nicht ungewöhnlich. Da fehlt allenfalls eine Begrenzung an Stunden und Minimum an Urlaub sind 20 Tage.
 
"nur" 28 Tage Urlaub, wohnst du in Frankreich?

Klar, die Zahl haut einen nicht vom Hocker, aber für Einsteiger sehr gut. Außer natürlich die sparen das beim Gehalt wieder raus...

ohne Gehalts- oder Freizeitausgleich

Das wiederum macht mich stutzig und stütz die vorher angeschnittene These.

Normal ist Gleitzeit. Also nix mit unbezahlten Überstunden.
 
Wie gesagt, der Lacher ist, dass besagter Freund zu entscheiden hat, was der Firma zu steht und was nicht. Steht da übrigens auch so. Normal ist, dass der Arbeitgeber im Vertrag stehen hat, das er erstmal ALLES an Rechten an erzeugnissen während der Anstellung hat, was der Arbeitnehmer produziert. Hier hat er Arbeitgeber aber den Fehler gemacht, zu schreiben, das die Meinung es Arbeitnehmers das Kriterium ist, nicht andersrum, was übrigens in jedem Vertrag steht, den ich je zu Gesicht bekommen habe. §69b fällt übrigens nicht ins Gewicht, weil ich von Freizeit spreche.

Inwiefern ist das jetzt "nicht zum lachen"?
 
Verstanden. Es ging nur um ein falsches Wort. Ich hatte etwas mit falscher Rechtsauffassung erwartet.
Mein Fehler.
 
Pssst: Mindesturlaub sind 24 Tage ;)
Und es müssen mindestens 15 freie Sonntage im Jahr sein. Ein gearbeiteter Sonntag muss innerhalb von zwei Wochen mit frei abgegolten werden.

Ansonsten meine persönliche Meinung zum Thema: lieber *etwas* weniger verdienen, dafür berechenbare Arbeitszeiten :)
 
Man geht aber, auch aufgrund der Stundenzahl, von fünf Arbeitstagen aus.
Also alle Werktage, die kein Sonn- oder Feiertag sind.

Eine Sechstagewoche ist nur in einigen, wenigen Betrieben gesetzlich vorgegeben, da werden dann aber in der Regel Tage von Mo-Fr
als Ausgleich gegeben. (Pflege, ÖD, Land- und Seewirtschaft)

Mal ehrlich, wer, außer als echter Selbstständiger, würde sechs mal die Woche für acht bis neun Stunden auf Arbeitsvertrag gehen?
Das Verlustgeschäft, auch bei den Sozialabgaben, ist riesig. Selbst wenn man eine Arbeit noch so sehr braucht.
Es gibt Grenzen, da verstehe ich den TS durchaus.
 
Ansonsten meine persönliche Meinung zum Thema: lieber *etwas* weniger verdienen, dafür berechenbare Arbeitszeiten :)
Absolut. Generell bin ich inzwischen ganz klar auf der "Geld (aka Nettogehalt) allein macht nicht glücklich" Schiene.
Ich könnte zB anderswo sicherlich 10-15% mehr verdienen. Locker.
Aber bei meinem aktuellen AG habe ich alle Freiheiten. Ich kann quasi kommen und gehen wann ich will. Arzttermine in der Arbeitszeit sind kein Thema und müssen auch nicht nach gearbeitet werden. Spontan Urlaub nehmen ist quasi jederzeit möglich, auch stundenweise. Man lässt mich weitestgehend in Ruhe, solange ich meinen Kram vernünftig mache, ich habe Homeoffice-Option, kriege zum Gehalt diverse Sachen dazu (Handy, Fahrrad, Tankgutschein, Zuzahlungen zu Versicherungen, Erfolgsprämien...usw...). Ich kann auf der Arbeit so viel privat surfen und tun und machen, wie ich will.
Das würde ich NIEMALS für ein paar hundert Euro mehr aufgeben. Aber das muss letztlich jeder selber wissen.
 
Einen Arbeitsvertrag kann man übrigens auch verhandeln. Nicht alles was dort drin steht ist in Stein gemeißelt.
 
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