[Netzwelt] Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

Es kam der Tag, an dem sich Yaroslav Suris dazu entschied einen Premiumzugang beim Portal PornHub zu leisten. Jedoch wurde sein Vergnügen zerstört, denn es fehlen bei vielen Videos Untertitel. Yaroslav ist Gehörlos und kann dementsprechend die Handlung der Filme nicht folgen. Gemäß des American Disabilities Act hat er sich diskriminiert gefühlt und erhebt deshalb Klage. Normalerweise kommentiert PornHub keinerlei Anklagen, jedoch wurde diesmal kommentiert, dass es eine eigene Rubrik gibt für Untertitelte Filme. Diese Kategorie hat aber "nur" 400 Filme. Gemessen an der Anzahl an Videos auf Pornhub ist dies jedoch ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Quelle:
 
(OT: Ich hab hier 2x Carsten geliked und fühle mich interessanter- bzw komischerweise garnich schlecht dabei)

Zum Thema: Schön dass das so emotional diskutiert wird. Interessant, dsss der sehr wahrscheinliche Trollfaktor der Aktion völlig runterfällt. Der Typ hat Recht, wird (zu Recht) wahrscheinlich Recht bekommen und hier (und anderswo) wird (zu Recht) über das bescheuerte amerikanische Rechts- bzw Zivilrechtssystem diskutiert.
Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt das "imperialistische Schweinesystem" zwar nicht verstanden, aber Ihr wisst (mind. unbewusst) wie ein Zahnrad (in eben diesem System) funktioniert.
 
Was soll es an diesem System nicht zu verstehen geben? Auf den Thron gehoben wird was den meisten Zuspruch bekommt und nicht was den größten Vorteil für die Gesellschaft bewirkt. Wie bei Facebook wo nur das zählt was die meisten Likes hat. Es ist ein System in dem Fortschritt keinen Stellenwert hat und vor reaktionären Maßnahmen nicht halt gemacht wird nur um im Recht zu sein zu können. Mag sein dass solche Aktionen der einzige Weg sind um in einem vor Bürokratie überbordenden System einem Anliegen Gehör zu verschaffen, nur schlägt man das System nicht indem man nach seinen Regeln spielt.
 
Warum soll das ein Troll sein? Weil Ihr immer den Ton abstellt, damit keiner Euren Pornokonsum mitbekommt und ihr Euch deswegen nicht vorstellen könnt, daß jemand, der diese Entscheidungfreiheit nicht hat, vielleicht den ganzen Film schauen möchte, mit Handlung, und nicht nur 2 Minuten?

Und warum sollte das amerikanische Rechts- bzw Zivilrechtssystem bescheuert sein, nur weil es bescheuerte Aus- und Extremfälle verursacht.

Man kann unser System für besser halten, oder schlechter, auf jeden Fall unterscheiden sich die Systeme sicher mehr als in den Entschädigungssummen.
Ich gehe mal davon aus, daß es drüben keine Verbraucherschutzverbände und kein Abmahnwesen gibt. Die würden sich bei der Erklärungen für Abmahnungen vielleicht auch erst einmal an den Kopf fassen.

Für das, was man an Klagen von drüben so mitbekommen hat, scheint mir das hier noch durchaus plausibel.
 
Es gibt in den USA, wie auch in der EU, Vorschriften zur Inklusion, welche unter anderem Plattformbetreiber (mit ausnahmen) zum Bereitstellen von Untertiteln zwingen.
Auch in deutschland gibt es dafür Klagemöglichkeiten.

Das wäre z.B. so, als wenn ein Rollifahrer ein Laden verklagt, weil der keinen Rollstuhlgerechten Eingang hat.

Das Rechtssystem der USA, im gegensatz zum deutschen, soll nicht nur Strafen und Schaden ausgleichen,
es soll auch eine abschreckende Wirkung für andere haben.

Diese Millionen an Strafzahlung sind also, anders als in DE der Schadensersatz, nicht zur kompensation des Schadens gedacht,
sondern um andere Teilnehmer der gleichen Branche abzuschrecken den gleichen Fehler zu machen, also ein Exempel zu statuieren.


Find ich dumm,
finden die meisten dumm,
wird von vielen zum Gelddrucken ausgenutzt,
aber bevor man sagt "haha ami-klagen", eventuell mal gucken warum.



Was das ganze jetzt mit Imperialismus zutun hat, weiß ich aber auch net :unknown:
 
Das dumme daran ist natürlich auch das teils enorme Erpressungspotential bei diesem System. Das führt u.a. auch zu Vergleichen, bei denen viel Geld fließt, ohne das ein Schaden oder Verschulden stattgefunden hat. Da ist der Schaden manchmal größer, wenn man Recht bekommt, als wenn man die sSache kleinhält. Das gilt ja nicht nur für Produkthaftung, sondern z.B. auch Missbrauchsvorwürfe.

Das bedeutet aber nicht, das das System grundsätzlich dumm ist.
 
Ich halte ein System, bei dem Konzerne für Verbrechen/Straftaten/Fehlverhalten entsprechend bestraft - und die Opfer angemessen entschädigt werden, alles andere als dumm. Auch dieses System hat (große) Schwächen, nur muss man nicht so tun, als wäre unser Lappen-System in irgendeiner Form besser. Hier wird nur herumgeeiert, es gibt - selbst für schwere Straftaten - kaum Strafen und noch weniger Entschädigungen. Wenn denn überhaupt was passiert.


Im übrigen noch ein paar Infos zu dem bekannten Fall " " - falls die Hintergründe denn überhaupt wirklich interessieren und es nicht nur darum geht, direkt auf die dämlichen Amis einzuschlagen..

Stella Liebeck war eine US-amerikanische Frau aus New Mexico, die durch einen Gerichtsprozess gegen die Fastfoodkette McDonald’s berühmt wurde, bei dem ihr 160.000 US-Dollar Schmerzensgeld und 480.000 US-Dollar Strafschadensersatz zugesprochen wurden, nachdem sie am 27. Februar 1992 durch verschütteten Kaffee Verbrühungen dritten Grades erlitten hatte. Ihre Anwälte konnten in dem Prozess beweisen, dass McDonald’s den Kaffee wissentlich bei so hohen Temperaturen brühte, obwohl es bereits vorher bei anderen Gästen zu Verbrennungen durch heißen Kaffee gekommen war.

Liebeck erlitt dadurch Verbrühungen dritten Grades auf zwischen 6 % und 16 %[1] ihrer Körperoberfläche und verbrachte acht Tage im Krankenhaus, wo auch eine Hauttransplantation durchgeführt wurde. Die geforderten 20.000 US-Dollar als Ersatz der Behandlungskosten und sonstiger Schäden wurden von McDonald’s jedoch verweigert, angeboten wurden 800 Dollar. Liebeck versuchte zweimal eine außergerichtliche Einigung mit dem Konzern, bevor es zur Klage kam.

McDonald’s verkaufte den Kaffee mit einer Temperatur von 85 °C, damit offenbar erheblich heißer als andere Fast-Food-Ketten. Es stellte sich heraus, dass zwischen 1982 und 1992 über 700 Ansprüche im Zusammenhang mit Verbrennungen wegen zu heißen Kaffees erhoben worden waren; auch war McDonald’s von einer Spezialklinik für Verbrennungen aufgefordert worden, die Temperatur seines Kaffees zu senken.


Der Prozess wurde in der Öffentlichkeit oft so stark verkürzt dargestellt, dass durch die Kombination von „verschüttetem Kaffee“ und der erstinstanzlichen Schadensersatzsumme von zusammengerechnet fast drei Millionen US-Dollar (die durch die Folgeinstanz jedoch drastisch reduziert worden war) der falsche Eindruck von gieriger Geldschneiderei sowie lächerlicher Unverhältnismäßigkeit der US-amerikanischen Rechtsprechung entstand. In Deutschland sind fehlerhafte Darstellungen durch mehrere überregionale Zeitungen verbreitet worden[3] und haben so ein Zerrbild des Falles gezeichnet, das hiesige Vorstellungen von der amerikanischen Justiz nachhaltig geprägt hat.

Hinzu kommt, dass bei Zivilprozessen in den USA grundsätzlich keine Kostenerstattung vom Verlierer an den Gewinner des Prozesses stattfindet, so dass insbesondere bei Prozessen durch mehrere Instanzen der Sieger oft astronomische Verfahrenskosten selbst tragen muss. Da Anwaltshonorare in den USA zudem nicht nach Streitwert, sondern nach Zeitaufwand abgerechnet werden, reduziert sich der tatsächlich erzielte Schadensersatz dadurch oft dramatisch.
 
@Carsten:
Die Hintergründe des McDonalds falls sind zumindest mir bekannt.
Ich halte ein System, bei dem Konzerne für Verbrechen/Straftaten/Fehlverhalten entsprechend bestraft - und die Opfer angemessen entschädigt werden, alles andere als dumm.
Wenn es das wäre, würde ich dir 100% zustimmen,
leider funktioniert das in der Realität nicht so, wie du es klingen lässt.

Hinzu kommt, dass bei Zivilprozessen in den USA grundsätzlich keine Kostenerstattung vom Verlierer an den Gewinner des Prozesses stattfindet, so dass insbesondere bei Prozessen durch mehrere Instanzen der Sieger oft astronomische Verfahrenskosten selbst tragen muss. Da Anwaltshonorare in den USA zudem nicht nach Streitwert, sondern nach Zeitaufwand abgerechnet werden, reduziert sich der tatsächlich erzielte Schadensersatz dadurch oft dramatisch.

Das ist eine reine Fehlinformatio, oder Feek-News, wie man in den USA dazu sagt.
Es gibt "award of reasonable Attorney's Fees and Sanctions" in fast jedem Zivilprozess.
Was aber stimmt, ist das die Medien diese beiden (sanctions + fees) gerne zusammen rechnen und die tatsächliche Summe die der Klient erhällt wesentlich kleiner ist.

Ich verfolge momentan zum Beispiel ein kleinen Fall in Texas, bei dem das Wort "reasonable" dem eigentlichen Gewinner das Genick gebrochen hat.
 
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@Carsten:
Der Fall:
Victor Mignogna v.S. Funimation, Monica Rial, Ron Toye und Jami Marci

Kurzerklärung:
Mignogna, Rial und Marci sind Synchronsprecher die für Funimation gearbeitet haben,
Es wurden Anschuldigungen gegen Mignogna im Bezug auf Sexuelle belästigung gemacht.
Mignongna hat darauf hin seine alte Firma, Rial und Toye (ihren Verlobten) und Marci wegen unter anderem "defamation" verklagt.

Er hat in erster Instanz verloren, das ganze geht grade in den Appeal,
weil während des Prozesses einige Verfahrenstechnische Dinge massiv schief liefen.

Funimation und Marci haben ihre Anwaltskosten und ein paar Sanctions awarded bekommen,
Der Anwalt von Rial und Soye hingegen hat seine Rechnung so aufgeblasen,
dass der Richter die Rechnung "unreasonable" erklärt hat.
(Er hat ~4-5mal So viel gefordert wie die anderen beiden Anwälte der Verteidigung).


Da die Rechnung offiziell eingereicht ist, heißt das sie muss bezahlt werden,
daher sitzen Rial und Soye jetzt trotz Gewinn und "award of resaonable fees" und "award of sanctions",
auf ca. $100k die sie ihrem eigenen Anwalt schulden.
(also award of fees + award of sanctions waren zusammen kleiner als die Rechnung des Anwalts, daher bleiben die $100k aus eigener Tasche zu bezahlen)
 
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