KickassTorrents: Big Money, Big Brands und ein Puzzle


KickassTorrents (KAT) hat sich im Laufe der letzten Jahre zur führenden Filesharing-Webseite gemausert. Unser Gastautor beleuchtet ein paar Hintergründe über das eingesetzte Werbenetzwerk und die finanzielle Seite dieses Projekts. Monatlich wurden aufgrund der enormen Zugriffszahlen mit der Anzeige von Online-Werbung rund 3,5 Millionen Euro generiert.


KickassTorrents (KAT), der weltweit am häufigsten besuchte Torrent-Indexierer, ist seit Dienstag Abend, 19.07.2016 . Die Seite zählte bis zur Schließung monatlich 600 Millionen Seitenaufrufe und die ganzen ebenfalls betriebenen Unterseiten nicht mitgezählt. Die Seite hat sogar den Platzhirschen Thepiratebay in Sachen Besucherzahlen von Thron gestoßen. Ein Gastbeitrag von Jürgen Sommer.

Kurz vor der Schließung hatte die Polizei in Polen den Betreiber der Seite festgenommen. Sie tat dieses in Zusammenarbeit mit US-Behörden. Der Betreiber, ein 30-jähriger Mann aus der Ukraine, sitzt nun in Haft, die Seiten wurden abgeschaltet und mit einem neuen Screen versehen, auf dem verschiedene Logos von US Behörden zu sehen sind u.a. Homeland Security, Justizministerium und Finanzministerium (siehe Bild oben).


KickassTorrents: Die Spur der Ermittler


Auf der Seite , wie die US Ermittler dem KAT-Betreiber auf die Spur gekommen sind. Am Ende sicherlich nicht ohne Ironie, wurde dem Mann, der mit der illegalen Verbreitung von Inhalten im Internet sehr viel Geld verdient hat, ein legaler Kauf im Apple Itunes Store zum Verhängnis. Seine IP-Adresse wurde mit verschiedenen anderen abgeglichen und so festgestellt, wer der Betreiber der Seite ist. Facebook und Apple waren den Ermittlern dabei sehr behilflich, aber auch die Nachlässigkeit vor 8 Jahren eine Webseite mit einem Applemail Account registriert zu haben. Die Ermittlungsbehörden hatten also ein gewaltiges Puzzle zu lösen, am Ende aber erfolgreich.


Big Money


Im Zuge der Ermittlungen kamen ganz erstaunliche weitere Details ans Tageslicht. So konnten die Einnahmen der Seite beziffert werden. An diesem Punkt gibt es bis auf wenige Fälle immer sehr wenig Details, das ist in diesem Fall aber anders. Allein zwischen August 2015 und März 2016 nahm die Webseite über ein Konto einer lettischen Bank fast 28 Millionen Euro ein. Das sind rundgerechnet 3,5 Millionen Euro im Monat. Wie so etwas bei strengen Auflage in Sachen Geldwäsche innerhalb der EU möglich ist, bleibt ein Rätsel.

Lettland fällt nicht das erste Mal auf, so war es die lettische Tochter einer US Bank, die den auf der Flucht befindlichen Kinox.to Betreibern bei der Entgegenahme von Kreditkartenzahlungen behilflich war. Und auch der vermutlich von einem Deutschen betriebene Filehoster Share-Online setzt auf eine lettische Lösung. Möglicherweise hilft der 25% Bevölkerungsanteil an Russen solche Geschäfte reibungsloser abzuwickeln.




Sharing is Caring?!


Sharing is Caring, oft verwendeter Slogan vieler Befürworter solcher Seiten, bekommt eine etwas andere Bedeutung. Und wem bis jetzt noch nicht klar, dass die Betreiber solcher Seiten klare Geschäftsmodelle fahren, dem dürften spätestens jetzt die Augen aufgehen. Wie gesagt 3,5 Millionen Werbeumsatz im Monat. Gekümmert (Caring) wurde sich, aber in erster Linie um die eigenen Einnahmen. Im Internet wird immer bezahlt, in diesem Fall über Werbung.


Ads, Ads, Ads


Die Geschichte der Ermittlung soll an dieser Stelle nicht in Einzelheiten nacherzählt werden. Sie ist aber aus einem anderen Grund interessant. Die Einnahmen der Seite bestanden ja in erster Linie aus Werbung. Und solche Werbung haben die Ermittler direkt auf der Seite gebucht indem sie Kontakt mit den Seitenbetreibern aufnahmen. Dort beginnt die Geschichte der Ermittlung. Die Seite hat aber auch feste Werbepartner sogenannte Adnetzwerke. Und vielleicht hätten es sich die Ermittler an dieser Stelle deutlich einfacher machen können. Denn statt eines mühsamen Wegs über IP Adressen Abgleich hätte eine Befragung eines des festen Adnetzwerke schneller zum Ziel geführt. Einer dieser Werbepartner ist das Unternehmen . Es hat seinen Sitz in Kanada, was man aber nur Umwege erfährt. Das Unternehmen war nachweislich im Juli 2016 für sämtliche Banner zuständig, die auf der KAT-Seite präsentiert wurden. Darunter Werbungen für Free Adult Games, Sunmaker (ein Online Casino, eigener Werbeslogan: Die Nummer 1 – Made in Germany) oder Werbung für Mittel gegen Krampfadern.

wwwpromoter dürfte mit der Schließung der Seite ein großer Kunde verloren gegangen sein. Denn von jedem Euro, den ein Werbender in seine Online-Kampagne steckt, fließen im Schnitt nur 40 Cent an die Webseite. 60 Cent werden von den Werbenetzwerken „aufgebraucht“. Sollten die monatlichen 3,5 Millionen Euro komplett über wwwpromoter generiert worden sein, dann würde dies einen monatlichen Umsatz von 5,2 Millionen Euro für den Vermarkter bedeuten. Auf jeglichen Umsatz muss wwwpromoter nun verzichten.


Good names gone bad


Noch interessanter wird es, wenn man sich das Kundenportfolio von wwwpromoter ansieht. Und da wird es dann richtig bizarr. Denn es finden sich bekannte Namen wie Spotify oder Hulu unter den Kunden. Aber auch deutsche Unternehmen sind sich nicht zu schade mit wwwpromoter Geschäfte zu machen. Die deutsche Browsergamesanbieter Aeriagames oder Gameforge sind nur zwei Beispiele.

Ganz besonders Spotify und Hulu haben also ein Adnetzerk, der der direkten und höchst illegalen Konkurrenz der Unternehmen mit monatlichen Einnahmen von 3,5 Millionen Euro unter die Arme greift. Für wwwpromoter offenbar kein Problem sowohl mit legalen als auch illegalen Kunden gleichzeitig Geschäfte zu machen. Und wer weiß, ob Hulu oder Spotify Werbung nicht auch auf KAT ausgespielt wurde?

Quelle: – Spotify in der Kundenliste von wwwpromoter:




Der Traffic heiligt die Mittel


Für die deutschen Unternehmen Aeriagames oder Gameforge sieht die Situation etwas anders aus. Browsergamesanbieter brauchen Performance-Marketing. Sie müssen sehr viele Kunden auf die eigene Webseite locken, damit von denen zahlende Kunden übrig bleiben. Für Browsergamesanbieter ist aber auch die Anzahl der nicht kaufenden Kunden wichtig. Sie sind der Ansporn für zahlende Kunden überhaupt Geld bei den Anbietern zu lassen. Seiten wie KAT liefern also viel Traffic für wenig Geld. Browsergames-Firmen machen ganz bewusst beide Augen zu und reden sich mit den Kaskaden im Internetwerbebereich aus der Verantwortung. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Nirgendwo kann Werbung so gut nachverfolgt werden wie im Netz, bis auf einen Klick genau. Und Werbung auf „schäbigen“ Seiten kann sogar technisch verhindert werden, wenn man es denn will. Wer einfach nur möglichst billig viel Traffic haben möchte, der setzt auf rechtsverletzende Seiten und macht beide Augen zu. Im Zweifel schiebt er es auf den Vermarkter und die Kaskaden.


Alles nur ein dummer Zufall?


Leider ist KickassTorrents auch kein Einzelfall für den kanadischen Vermarkter, eine aktuelle Analyse bestimmter rechteverletzender Webseiten ergibt, dass wwwpromoter auch auf Seiten wie promptfile, nowvideo.sx oder cloudtime.to mit Werbung vertreten ist. Das Unternehmen verstößt dabei bewusst sogar gegen seine eigenen Richtlinien. Diese schließen nämlich bestimmte Webseiten aus:


  • Explicit and/or illegal content
  • Landing pages in violation of legal provisions, privacy rights, trademarks and/or third party rights or offend common decency
Vielleicht sind diese Richtlinien aber auch nur als Beruhigung für die zahlende Kundschaft gedacht. Damit diese weiterhin performanceorientiertes Marketing ohne schlechtes Gewissen machen können.


Lösung in Sicht?


Die US-Ermittler sind dem Geld gefolgt, das ist ein probates Mittel. Allerdings muss die Lösung zum Austrocknen von rechtsverletzenden Seiten weit früher einsetzen. Nämlich bei den Werbenetzwerken und deren Kunden. Erst wenn dort eine Zuweisung von Verantwortung, von Mitwirkungspflichten und auch Auskunftspflichten fest gesetzlich vorgeschrieben wird, kann der Kampf gegen solche Seiten erfolgreich sein. Wie absurd die Situation ist, zeigt KAT. Nur sehr mühsam konnte der Betreiber ermittelt werden. Er hat sich hinter allen möglichen digitalen Mauern verschanzt. Gleichzeitig aber machen Adnetzwerke mit KAT große Geschäfte bei denen viel Geld verdient wird.

Momentan ist keiner für nichts zuständig und solange das so ist, werden weiterhin Seiten mit Rechteverletzungen weiter gedeihen und die Werbewirtschaft reibt sich die Hände.

Jürgen Sommer




Autor: Lars "Ghandy" Sobiraj
 
Kann man sich denn nicht gegen solche Auslieferungen wehren? Ich finde man sollte das Recht darauf haben von seinem Land hier verteidigt zu werden. Es kann ja nicht sein das man in die USA abgeschoben wird und dann dort von deren dritte Welt Gerichten härter verurteilt wird.
 
Was hat der Typ mit den Hinterwäldern der Amis zu tun ?

Standen die Server in den USA oder wie ? Und selbst wen hat er der ihr Gebiet nie betreten ... also sind sie dafür auch nicht zuständig.
 
Für alle, die die letzten Jahre die dutzenden Fälle verschlafen haben. Die USA verstehen sich als Weltpolizist und sind der Meinung, dass selbst beim kleinsten US Bezug ihre Gesetze gelten.
Selbst eine Email, versendet über US Server einer deutschen Firma, stellt einen schon unter US Gerichtsbarkeit. Dann kommen natürlich noch die Auslieferungsvereinbarungen mit vielen Staaten der Welt hinzu, die die USA haben. Schon sitzt der Deutsche, der in Italien auf betreiben der USA verhaftet wurde, in Auslieferungshaft, obwohl in Deutschland keinerlei Ermittlungen gegen ihn mehr laufen. Siehe den Fall Homm.

Ich hoffe, der EuGH entscheidet bald im Fall Adelsmayr positiv für die Sicherheit der EU Bürger. Das Hilft einem Ukrainer in Polen natürlich nicht, aber zumindest für "uns" wäre es ein Erfolg.
Dabei geht es um die Frage, ob EU Bürger an nicht EU Staaten ausgeliefert werden dürfen, wenn sie sich nicht in ihrem Heimatland aufhalten, sondern in einem anderen EU Staat.
Anlass war die nicht Einreise des österreichischen Arztes nach Deutschland, da er befürchten musste, dort verhaftet und dann dann an die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeliefert zu werden.
 
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