Woow, na dass ist ja mal ne Ansage. Eine EOS 6D - Vollformat Sensor. Dafür dass Du keinen Plan von der Fotografie hast, ist dies System etwas Oversized und Du wirst mit Problemen konfrontiert werden, die du nichtmal näherungsweise vorstellen kannst.
Ich bin unsicher ob es eine 6D ist oder eine 6D-MK2. Im zweiten Fall wäre es eine schlechte Wahl denn genau für deinen Zweck ist dieses Gehäuse ungeeignet. Lowlight ist nicht unbedingt das Feld der 6D-MK2 denn sie rauscht etwas mehr. Diese Kamera steht in dem Ruf nicht unbedingt über einen hohen Dynamikumfang zu verfügen.
Zum anderen noch was zu APS-C Systemen. Diese haben den Vorteile dass die Brennweite der Objektive sich alle auf Kleinbildformat (also Vollformat) beziehen. APS-C Sensoren haben einen Crop-Faktor - einfach gesagt beschreibt dieser Faktor Verhältnis des Bildkreises der Linse auf dem Sensor. Ist der Sensor kleiner als der Bildkreis des Objektivs wird nicht das ganze Bild des Objektivs dargestellt - also nur die Mitte. Um wieviel kleiner der Vollformatsensor ist als der APS-C Sensor, beschreibt der Crop-Faktor. Bei Canon ist es 1.6 und das bedeutet, dass deine Abbildung bereits 1.6 mal größer ist als auf einer Vollformatkamera. Ein kostenlose Vergrößerung des Bildausschnitts, ohne dabei Licht zu verlieren.
Konsequenz ist, dass ein Teleobjektiv mit 400mm Brennweite an der APS-C angeschraubt, wie ein 640mm Objektiv auf einer Vollformat Kamera aussieht. Natürlich ändert sich nicht die Brennweite aber der Bildkreisausschnitt auf dem kleineren Sensor.
Noch ein paar Nachteile der Vollformat-Kamera.
Objektive haben oft ausgeprägte Vinettierung (die Ecken werden dunkler) und Randverzeichnungen (Aberationen). APS-C Sensoren nutzen bei Vollformatfähigen Objektiven nur die Mitte - also hat man mit den radnbereichsverzeichnungen nichts zutun.
Die Vollformat-Kameras haben eine nicht so große Auswahl an günstigen und passablen Objektiven. Die Auswahl an APS-C Linsen ist deutlich größer und dabei auch noch günstiger.
Das Handling einer Vollformat-Kamera ist ungleich anspruchsvoller als einer APS-C. Tiefenschärfeebene und Fokussierung muss absolut stimmig sein. Sie verzeiht keine Fehler und zeigt diese gnadenlos.
Es gibt aber auch gute Gründe für solche VF-Systeme, deshalb gibt es sie und sind in der Regel auch teurer.
Wenn der Hersteller nichts bei der Konstruktion versaubeutelt hat, ist sie detailreicher und löst besser auf. Dies bezahlt man aber auch mit teureren Linsen. Es ergibt keinen Sinn, schlechte Linsen an einer guten Kamera zu schrauben. Der zeigt dies nicht immer auf.
Um zu verdeutlichen was ich meine hier ein Beispiel:
Superweitwinkel - Objektiv von Canon
- EF 16-35 f/2.8 L IS USM III kostet ca. 2000 Euros und stellt einen guten Kompromiss zwischen Superweitwinkeligkeit, Lichtstärke und Handling dar. Man bekommt für den Preis keine bessere Vollformatfähige Linse für Canon DSLR.
- EF 16-35 f/2.8 L IS USM II ist derzeit für ca. 800 - 1000 Euros gut-gebraucht zu bekommen. Es ist ebenfalls ein durchaus teueres Objektiv, ist aber bei keiner Blende und Brennweite wirklich gut. Die Randverzeichnung ist schon ausgeprägt - für soviel Geld würde ich mehr erwarten. Es hat mal soviel gekostet wie das neue IIIer.
- EF 16-35 f/4.0 L IS USM ist sowas um 1000.- Euros gebraucht zu bekommen. Es eine Blende dunkler und man braucht also schon mal mehr Licht. Dafür ist es aber deutlich besser in der Auflösung - ab f/5.6 sehen die Ergebnisse gut aus.
Zum Schluß ein Beispiel für eine klasse Linse, die wenig kostet und VF-Fähig ist.
- Sigma 105mm f/2.8 EX DG Makro - es ist ein sehr hochauflösendes Makro-Objektiv, welches gerne mal für Portraits eingesetzt wird. Es hat ein schönes Bokeh und ist stabilisiert.
Das Beste - es kostet wirklich nur um die 200-250 Euronen auf dem Gebrauchtmarkt. Für Astro wohl weniger geeignet.
Um die Abbildungsgröße dieser Linse an einer APS-C Kamera auf einer VF-Kamera zu bekommen, müsstest du also 170mm Brennweite bei f/2.8 haben. Es gibt nur ein wirklich gutes Objektiv, welches nicht schlechter wäre und es ist von Canon EF 180 f/3.5 L USM Makro. Der Preis ist allerdings um ein vielfaches teuerer (1200Euro), es hat keinen Stabilisator und nicht ganz so lichtstark.
Noch einen Hinweis am Rande. Ich nehme an dass dir bekannt ist, dass Verschlüsse verschleißteile sind - also jedes Foto dass du nicht machst, die Kamera länger leben lässt. Gleiches gilt für das Wechseln der Objektive. Weniger ist manchmal mehr. Es ist der Staub der in das System gelangt und den Verschleiß fördert.
Um sich mit dem System vertraut zu machen, keine Automatik nutzen. Auf "M" stellen und Blende und Belichtungszeit selber bestimmen. Die Abhängigkeiten zwischen Blende, Belichtungszeit, Empfindlichkeit muss man kennen.
Mit Lightroom nur entwickeln - Linsenkorrektur, Verzeichniskorrektur. Alles andere würde ich erstmal weglassen um die Bilder besser beurteilen zu können, was falsch oder was gut gelaufen ist.
Finger weg von UV-Filtern. Die machen nur die Konzerne reich.
Ich benutze eine EOS80D und eine EOS5D-Mark4 in Kombination mit einem Haufen Linsen. Ich beschäftige mich mit Makro- und Landschaftsfotografie. Hin und wieder kommt auch mal Architektur zum Zug.
Also - nun habe ich Dir mal ein paar (doch viel mehr) Zeilen gewittmet und dabei vieles nicht erwähnt, wie Hürden, die für Anfänger sicherlich nicht einfach zu nehmen sind. Es ist viel zu erlernen und die VF-Kamera macht es nicht einfacher gute Bilder zu machen. Das gute Bild kommt nicht automatisch mit gutem Equipment, sondern es ermöglicht nur noch bessere Bilder zu machen.
Nun hast Du ein System mit dem Du nun arbeiten kannst. Wenn diese Kamera mal nicht mehr reichen sollte, weißt du längst mehr und kannst besser beurteilen was für Dich geeignet ist und was nicht.
Die EOS 6D macht schon Freude - es ist halt nun an Dir, was Du raus machst.
Viel Erfolg beim Fotografieren
Jupp