@B3n
Ich teile Deine Einschätzung und verstehe Deine Argumentation, würde aber einwenden, dass es der Zweck einer Demo sein mus, über die Stufe von allgemeiner Unzufriedenheit und diffusem Unbehagen hinauszuführen. Sonst demonstrieren die Teilnehmer nur ihre eigene Hilflosigkeit.
Und die "Freiheit" im Aufruf ist ja auch wieder so ein Windei. Bürgerliche Freiheit bedeutet im Kern nichts weiter als Freizügigkeit. Solange ich meinen Aufenthaltsort selbst bestimmen kann, bin ich weder Sklave noch Insasse einer Anstalt. Wen Eingesperrte "Freiheit" fordern, ist alles klar ohne jedes weitere Wort.
Andere müssen, wenn sie Freiheit sagen, auch dazu sagen, welche sie denn meinen: Gewerbefreiheit, Redefreiheit, Meinungsfreiheit, Koalitionsfreiheit, Pressefreiheit beispielsweise.
Im politischen Kampf für solche Dinge fordert man nicht einfach Freiheit, sondern Befreiung: Befreiung von Zensur, von tagtäglicher Verdummung und Entmündigung, von Gängelung, von Maßregelung, in diesem Fall von Bespitzelung und Überwachung.
Ein Demonstrationsaufruf ist für jede Bewegung eine ganz große Chance, ihre Ziele und Beweggründe einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. Er wird von den Massenmedien verbreitet, indem sie zumindest darauf Bezug nehmen. Bei seiner Abfassung und Formulierung sollte man sich ein paar mehr Gedanken machen, als es hier geschah.
Wenn man nur ein bereits existierendes Unbehagen nochmal dokumentiert, bekommt man Demos wie gegen den Sozialabbau oder gegen die Aufrüstung oder für die Abrüstung. Bei ersten mal kommen noch Viele, danach bleiben immer mehr weg, weil es langweilig wird, immer nur zu latschen und zu hören, was man schon weiß.