[Netzwelt] Frankreich: Neue Verordnung erlaubt Netzsperren ohne richterlichen Beschluss

Eine Verordnung vom 6.2.2015 verpflichtet französische Provider zur Durchführung von Netzsperren. Demnach kann das französische Innenministerium . Auf blockierten Websites sollen für Besucher die Gründe für die Sperrung genannt werden.

Laut haben Serviceprovider innerhalb von 24 Stunden auf Sperransuchen des Ministeriums zu reagieren. Gesperrte Seiten werden einmal pro Quartal auf korrigierte Inhalte geprüft und danach wieder freigegeben. Die Zusatzkosten für die Implementierung von Netzsperren sollen Provider vom Ministerium zurückfordern können.

Die Vorschläge für das nun erlassene Gesetz sind nicht neu, scheiterten bisher jedoch aufgrund des Widerstands seitens Politik und Öffentlichkeit. Nach den jüngsten Anschlägen in Paris fand die Verordnung jedoch eine Mehrheit und konnte verabschiedet werden. Sie vereint ein Anti-Terror Gesetz aus dem Jahr 2014, sowie einen Gesetzesvorschlag von 2011, der die Verfolgung von Kinderpornographie im Internet erleichtern sollte. Der zweite, unter dem Namen bekannt gewordene, Vorschlag wurde bereits 2010 von der Sozialistischen Partei, der Opposition und von der Bürgerrechtsorganisation "La Quadrature du Net" heftig kritisiert.

Gegner des neuen Gesetzes kritisieren vor Allem, dass durch das Umgehen eines Richters die Demokratie und das "Recht auf freie Meinungsäußerung" besonders gefährdet sei. Die technischen Sperrmassnahmen seien ohnehin meist Wirkungslos, wie die jüngsten Blockaden gegen die Pirate Bay oder die Streaming Seite Kino.to zeigten.

Beobachtet man die Entwicklung ähnlicher Systeme der vergangenen Jahre, erkennt man, dass diese immer neue Begehrlichkeiten für Sperren wecken. Die britische Porn-Wall wurde usprünglich zum Schutz von Jugendlichen gegen Pornographie im Internet eingerichtet. Heute blockiert sie : "Pornografie, Gewaltdarstellungen, extremistische und terroristische politische Inhalte, Webseiten zu Magersucht und Essstörung, Suizid-Webseiten, Alkohol, Rauchen, Webforen, esoterisches Material und Umgehungstools für Netzsperren."
Jegliche Möglichkeit zur Sperrung von Inhalten ohne richterlichen Beschluss birgen ein hohes Risiko für Missbrauch.

Quellen:

 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, sperrt allles, nur raus mit der Zensur. Je mehr die sperren, desto mehr wächst das unzensierbare "Darknet". Das stärkt diese Dienste und macht sie noch bekannter, was zu noch mehr Zulauf sorgt.

Das ist der selbe Nonsense, wie bei dem Krieg gegen Drogen. Ist kontraproduktiv und spielt meist Kriminellen in die Hand.
Aber hey, wer will den verlangen, dass Politiker aus dem Blödsinn lernen, den ihre Vorgänger gemacht haben. Das würde ja heissen, dass sie lernfähig wären und das ist schon mal ausgeschlossen.
 
Bei mir wächst in letzter Zeit eher die Besorgnis, wo dieses Gehabe hingeht. Bisher habe ich mich eigentlich kaum um (Netz-) Politik geschert. Aber so langsam hinterlassen solche Meldungen ein immer mulmigeres Gefühl bei mir :confused:
 
Ich bin dafür. Macht nur so weiter, irgendwann wird die Wut auf euch so groß sein, dass ihr am Galgen landet. Dann ist wieder für 50 Jahre Schockstarre Ruhe...
 
Die Kunst beim Aufbau einer Diktatur ist es, die eigenen Pläne geheim zu halten bis man die Presse kontrolliert und auf Demonstranten schießen darf.

Die Kontrolle der Presse kann man als erledigt betrachten, und wer setzt sich nochmal ständig für BW-Einsätze im inneren ein? :unknown:
 
Ich bin dafür. Macht nur so weiter, irgendwann wird die Wut auf euch so groß sein, dass ihr am Galgen landet. Dann ist wieder für 50 Jahre Schockstarre Ruhe...
Hm, dein Vorschlag hat was...
Die USA führen ab und an einen Präventivkrieg. Da wär es in der Tat logisch, dass man sich präventiv den einen oder anderen Politfuzzi schnappt und ihm mit dem Schraubstock ein bisschen die Klöten massiert. Macht man das pro EU Land mit einem Überwachungsfetischisten aus der Politik, dann wird unser Europa ein Hort der Freiheit. Ich fordere Schraubstockmassagen für die Freiheit! :D
 
wo sind mittlerweile die hin, die vor 2 jahren noch gelacht haben, dass es ja niemals soweit kommen würde? wir waren ja dumme verschwörungstheoretiker, die das kommen gesehen haben...
 
Ich meine, das haben die Österreicher schon voriges Jahr geschafft. Da kam dort iirc ein Gesetz raus, mittels dem man recht einfach beliebige Seiten sperren lassen kann, indem man behauptet, sie beinhalten unlizenzierte Werke oder illegale Inhalte. Geprüft wird das dann erstmal nicht.
 
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  • #10
Meinst du damit die ?

Soweit ich das verstanden hab, ist in .at aber noch immer ein richterlicher Beschluss für eine Sperrung notwendig, oder seh ich das falsch? Ist zwar grundsätzlich auch nicht gut, aber immerhin wird noch von einem Richter entschieden was gemacht wird und nicht von irgendeinem Beamten des Innenministeriums, der gerade mal eine vorweisen kann.

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Das klingt schon sehr danach und vom Zeitpunkt her könnte es hinkommen. Damals war da noch unklar, wie weit das nun auslegbar ist, aber man ging davon aus, dass es ein recht einfaches Denunziantenwerkzeug würde. - Dagegen spricht der Absatz aus dem zweiten Link

Entsprechend der EuGH-Rechtsprechung stellt auch der OGH damit klar, dass eine Sperrverfügung nur für echte "Piraterie"-Websites möglich ist. Zugespitzt: eine Sperrverfügung betreffend den Zugang zu YouTube, weil dort auch urheberrechtlich geschützte Werke verfügbar sind, wäre nicht möglich.

Ich lese im ersten Fall eigentlich schon heraus, dass sie keinen Richterbeschluss bräuchten. Da sprechen imho diese zwei Zitate aus dem ersten Link dafür:

Die Internet Service Provider müssen jetzt selbst entscheiden, ob ein Inhalt illegal ist oder nicht. Diese Rolle des Richters ist äußerst problematisch

UPC ließ die futurezone wissen: "Die Entscheidung des OGH nehmen wir zur Kenntnis und sind dabei das Urteil zu analysieren. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Entscheidung, Webseiten oder andere Internet-Inhalte zu sperren, bei den Gerichten und Gesetzgebern liegen sollte. Bei allem Verständnis für Rechteinhaber und bei voller Unterstützung der Kreativwirtschaft ermöglichen wir unseren Kunden lediglich den Zugang zum Internet, wir sehen jedoch keine Verpflichtung und kein Recht auf Selektion oder Prüfung der darin angebotenen Inhalte."
 
mal schauen wie lange es dauert bis es einer schlaft die Webseiten des Innenministeriums über diesen weg sperren zu lassen.
 
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