[Politik und Gesellschaft] Erfundene Vergewaltigung: Fünfeinhalb Jahre Haft

Eine 48-jährige Frau ist heute vom Darmstädter Landgericht wegen Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Die Lehrerin hatte 2001 einen Arbeitskollegen der Vergewaltigung bezichtigt, im Jahr darauf wurde dieser zu fünf Jahren Haft verurteilt. Eine Strafe, die er vollständig verbüßen musste - unter anderem auch deshalb, weil er stets seine Unschuld beteuerte und dementsprechend keine Reue zeigte.
Im Jahr 2011, vier Jahre nach seiner Entlassung, erwies eine Wiederaufnahmeverfahren seine Unschuld: Einer Frauenbeauftragten war aufgefallen, dass die angeblich Geschädigte kontinuierlich teils abenteuerliche Geschichten konstruierte, die nachweislich jeder Grundlage entbehrten; etwa von einem durch einen Schüler geplanten Amoklauf bis hin zu gewaltsam getöteten Menschen - und gelangte so zu dem Verdacht, auch der Vergewaltigungsvorwurf könne ein solches Konstrukt sein. Erst in den daraufhin neu angelegten Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass sich die Verurteilte seinerzeit in gravierende und Widersprüche verwickelt hatte. Ihre Angaben wurden als offensichtlich böswillig falsch erkannt, die Staatsanwaltschaft sprach von einer "hochkompetenten Lügnerin".
Erst, als eine Verurteilung unausweichlich schien, berief sie sich schließlich auf einen angeblich stattgefundenen sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit - was einen Gutachter nicht von der Überzeugung ihrer Schuldfähigkeit abbringen konnte.


Horst Arnold, das Opfer der Verurteilten, starb ein Jahr nach seinem Freispruch im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.




 
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  • #3
Nun, ich sehe da zwei Komponenten: Die der verwehrten Genugtuung und die der Gesundheit:

1) Der Mann hat die Verurteilung der Täterin nicht mehr miterlebt. Das finde ich persönlich tragisch - denn sein Freispruch war das eine, die Feststellung, dass er ganz bewusst und boshaft in diese Lage gebracht wurde, ist dann nochmal etwas anderes.

2) Der Mann hat durch den falschen Vorwurf seinen Beruf verloren, ihm wurde nach seiner Entlassung die Rückkehr aufgrund einer gesetzlich festgelegten Sperrfrist verwehrt. Dadurch lebte er in dieser Zeit von Hartz 4, er hat keine Haftentschädigung oder Schadenersatz erhalten. Das ist ein enormer Stressfaktor. Darüber, inwiefern sich die gesamte, enorme Belastung auch gesundheitlich ausgewirkt hat, kann man nur spekulieren. Für undenkbar kann man einen Zusammenhang keineswegs halten.

Weiter zu dem Thema, insbesondere zu der Belastung, die der Mann durchgemacht hat, kannst du hier lesen:

 
300 € am Tag Schadensersatz sollte es den Staat kosten.

Und wenn bewiesen wird, dass Richter, Gutachter, Zeugen oder Staatsanwälte ein falsches Urteil absichtlich oder grob fahrlässig zu verantworten haben, sollen diese 30% der Entschädigung übernehmen müssen.

Vielleicht gäbe es dann ja weniger falschurteile.
 
Vielleicht werden dann auch eher Leute freigesprochen, die doch besser in den Knast gehört hätten.
Mit deiner Intention trittst du das Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" mit Füssen.

Im vorliegenden Fall sieht man sehr gut die Schwächen der jetzigen Justizpraxis. Wird das vermeintliche Opfer für glaubwürdig gehalten, dann wird des öfteren verurteilt auch wenn Beweise oder Indizien fehlen. Besonders bei Sexualstraftaten gibt es einige spektakuläre Fehlurteile aufgrund dessen.
Die jetzige Verurteilung ist jedoch ein gutes Zeichen, dass sich die Justiz der Problematik bewusst ist und gegen Falschbeschuldiger vorgeht.

In Österreich wurde zB eine jugendliche zu 6 Monaten bedingt verurteilt, weil sie eine unschuldige Person der Vergewaltigung bezichtigt hatte, die dann später von ihrem Freund und Helfern auf perfide Weise ermordet wurde.
 
Zuletzt bearbeitet:
War nicht meine Absicht. Ich musste nur daran denken, dass wenn wir unsere Justiz jetzt persönlich für jeden Fehler haftbar machen (was Nerephes vorgeschlagen hat), dass sie dann in Zukunft vielleicht nicht nur im Zweifel, sondern auch darüber hinaus, freisprechen.
 
Tja, vor Gericht sind halt zwei Dinge uncool, Schwarz und/oder ein Kerl zu sein.

Was ist ein Schwarzer vor Gericht?
Schuldig!
Was ist ein Mann bei einer Vergewaltigung?
Täter!

Schönes Beispiel dafür.
 
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  • #10
dass wenn wir unsere Justiz jetzt persönlich für jeden Fehler haftbar machen (was Nerephes vorgeschlagen hat)

Nerephes hat von grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz gesprochen. Ich würde denken, dass von Seiten der Justiz die ganz große Mehrheit der Urteile, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen, nicht darunter fallen - das betrifft dann wohl wirklich bewusst falsch aussagende Zeugen.

Und in Fällen, wo eine vermeintlich erdrückende Indizienlage zur falschen Verurteilung führt, handelt es sich mit großer Sicherheit nicht um grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz.
 
Ja gut, wollte ich Nerephes vielleicht auch ein bisschen falsch verstehen. Wenn man Vorsatz oder Fahrlässigkeit nachweisen kann, dann sollen die betreffenden Personen dafür natürlich auch zur Verantwortung gezogen werden.
 
Als Frau kann man scheinbar mit diesem Vorwurf jeden beliebigen Mann ohne Beweise irgendwelcher Art aus dem Weg räumen.
Es haben auch schon zahlreiche Mädchen ihre Stiefväter oder Lehrer auf diese Weise beseitigt...

Abgesehen davon kommt die Anklage eines Sexualverbrechens selbst bei einem Freispruch einem Todesurteil gleich.
In solchen Fällen nimmt die breite Mehrheit der Bevölkerung bei einem Freispruch an, dass der Anwalt des Täters zu gut war oder man ihm nicht genug nachweisen konnte.
 
Guten Tag,

ich persönlich finde es erschreckend, dass quasi jede Frau jedem Mann durch so ein Spiel dessen restliches Leben ruinieren kann. Ein ordentlicher Schadensersatz und eine unmissverständliche, öffentliche Berichtigung wäre das Mindeste, was die Opfer verdient hätten. Man kann nur hoffen, dass solche Fälle nicht allzu viel Inspirationspotenzial aufweisen.

Gruß,

Ammon
 
Recht haben und Recht bekommen sind in einem Rechtssystem zwei völlig verschiedene paar Schuhe.

Ich für meinen Teil hab tiefes Beileid für den zu Unschuld verurteilten Mann, der noch dazu an den gesundheitlichen Folgen dessen sterben musste. Daran sieht man das die Welt verdammt unfair und noch dazu ein gefährlicher Ort zugleich ist.

Rest in peace Horst A. :(
 
Mir tut der Mann sehr leid, denn leider gibt es solche Frauen. :( Ich persönlich kenn auch eine, die schon jemanden der sexuellen Belästigung bezichtigt hat, bei dem ich aber 100 %ig weiß, dass er gar kein Interesse an dieser Frau hatte und dass sie eine neutorische Lügnerin ist.

Aber leider klingt das jetzt hier in dem Thread, als seien alle Vergewaltigungen frei erfunden. Leider sind sie es nicht. Ich kenne zwei Frauen, die vergewaltigt wurden. Einer wurde nicht geglaubt und der Täter hat sich noch ein paar neue Opfer suchen können, bevor ihm dann doch die Taten nachgewiesen werden konnten.

Eine Vergewaltigung ist etwas ganz furchtbares und leider versemmeln diese blöden Weiber, die falsche Anzeigen machen und Lügen den wahren Opfern die Möglichkeit, dass der Täter besser und schneller bestraft wird. Viele Vergewaltigungen enden in Freisprüchen oder Bewährungsstrafen und das darf nicht sein.

Ich finde es übrigens okay, dass diese Frau in den Knast kam, auch wenn ich es etwas erschreckend finde, dass sie mehr Haftzeit kriegt als die meisten Vergewaltiger (wo es wirklich nachgewiesen wurde, dass sie schuldig sind).
 
Er meint wohl die Posts von Schwarzhut, Ammon und mir.

Natürlich ist es traurig wenn ein Täter nicht erwischt wird, trotzdem kann und darf es keine Verurteilung ohne Beweise geben oder gar eine Umkehr der Beweislast.
Es kann einfach nicht sein dass im 21. Jahrhundert in einem Rechtsstaat die Anklage wegen eines Sexualdelikts mit dem Vorwurf der Hexerei zu Zeiten der Inquisition vergleichbar ist...
 
Jupp, genau das war mein Punkt. Ist nunmal Fakt das die Welt nicht fair ist, aber wenn der Rechtsstaat nicht mehr funktioniert sind wir wieder einfache Wilde die sich aus Unsicherheit gegenseitig die Schädel einschlagen.

Wollen wir wirklich dahin zurück? Nur daran denken viele nicht in ihrem Schreien nach "Gerechtigkeit". Deswegen tu ich mein bestes den Leuten diesen "Gerechtigkeitssinn" auszureden, denn der sorgt nur für mittelalterliches Auge um Auge, Hand um Hand und das wiederum führt zu mittelalterlichen Kriminalitätsraten und Rückgang des durchschnittlichen Wohlstands, das betrifft durchaus alle, was bist du lieber? Mittelalterlicher Bauer oder Hartz4 Empfänger in einem halbwegs funktionierenden System?

Das was "unfaires" passiert kann immer passieren aber wann wurde bei uns zuletzt ein ganzes Dorf niedergebrannt und ausgeraubt? Die Zahlen was schwere Verbrechne angeht haben sich relativ zur Bevölkerungsdichte drastisch verringert seitdem man die Sache gelassener nimmt, so hart das für Einzelfälle klingt, aber was anderes führt nunmal eben auch zu mehr "Einzelfällen". Ich wurde öfter mit so DIngen wie: "Warum kommen die damit durch?" konfrontiert und meine Antwort war jedes mal die gleiche:
"Die haben nix mehr zu verlieren, du kannst gerne Rachen nehmen wenn du bereit bist dich genau darauf herab zu lassen. Dann kann dir das Gesetz auch nix mehr nehmen."
Danach ist in der Regel dann doch Ruhe wenn der Dampf abgelassen ist. Man muss einfach nur die Gesamtsituation betrachten, dann ist es logisch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja sollte so sein, aber oft genug werden Vergewaltiger auch frei gesprochen, weil es nicht noch mehr Beweise gibt etwa Spermaspuren, weil der Täter ein Kondom nutzte.

Aber wie es hier teilweise durchklingt: Die Frauen, die Männer zu unrecht bezichtigen, sind ein kleiner Bruchteil. Es werden täglich sehr viele Frauen vergewaltigt. Leider gehen die wenigstens vor Scham und Schuldgefühlen und Angst zur Polizei und dann wird ihnen nicht geglaubt. Traurig auch sowas.
 
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  • #20
Ich finde es übrigens okay, dass diese Frau in den Knast kam, auch wenn ich es etwas erschreckend finde, dass sie mehr Haftzeit kriegt als die meisten Vergewaltiger (wo es wirklich nachgewiesen wurde, dass sie schuldig sind).


Inwiefern? Der fälschlich Beschuldigte wurde für die vermeintliche Vergewaltigung als Ersttäter zu 5 Jahren Haft verurteilt. Das ist keineswegs ein ungewöhnlich hohes Urteil gewesen.

Dass die gegen die Frau verhängte Strafe praktisch genau dieser entspricht, zzgl. 6 Monaten, halte ich für eine absolut folgerichtige -wenn auch zufällige- Fügung. Mit einem Unterschied: Die Frau wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung erhalten.
 
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