Die Rolle des Staates in der Arm/Reich Debatte

Nerephes

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Hallo liebe Boardies,

in den letzten Tagen bin ich zufällig über einige Punkte in den Medien gestolpert, die mich zum Nachdenken angeregt haben.

Die Kernfrage die sich mir dabei gebildet hat, ist der Staat Deutschland als Institution an der Umverteilung des Vermögens "von unten nach oben" maßgeblich beteiligt bzw. sogar "mitschuld"?

3 Punkte, die mir direkt aufgefallen sind:

Die EEG:

Die EEG ist IMHO das krasseste Beispiel. Bürger die entsprechendes Kapital zur Verfügung hatten um sich eine Photovoltaikanlage zu leisten profitieren stark von der EEG und energieintensive Lobbystarke Unternehmen sind davon befreit. Die Last des ganzen bleibt von denen zu tragen, die sich keine Alternative leisten können. Das finde ich sehr kritisch.

Ich finde die Energiewende ein Zukunfts weisendes Projekt, das ich für notwendig empfinde, aber die Last sollten ALLE tragen, nicht nur die, die sich nicht wehren können.

Steuern/kalte Progression:

Die kalte Progression, die ja nur die Einkommensteuer richtig betrifft, also Angestellte, frisst aktuell die gewährten Lohnausgleiche für die Inflation komplett auf. Der Staat erhöht praktisch stillschweigend die Einkommenssteuer.



Staatverschuldung:

Deutschland hat aktuell 2.024 Milliarden Euro schulden. Daraus resultierten 55 Milliarden Euro Zinszahlungen im Jahr 2013 und dabei sind wir aufgrund der günstigen Zinsen noch gut weggekommen. 2010 Waren es noch 65 Milliarden Euro an Zinszahlungen die fällig waren.



Die Zinsen fließen an die Gläubiger, wer sind die Gläubiger? Na diejenigen, die soviel Geld haben, dass sie sich risikoarme und dennoch renditebringende Investitionsmöglichkeiten suchen. Also eher vermögendes Klientel.

Gezahlte Steuern sind also die Rendite für die Anleger.

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Richtig kritisch ist für mich jedoch die Staatverschuldung, da der Anteil der Zinsbelastung in den nächsten Jahren wächst.

Zudem wird der Schuldenberg ja nicht abgetragen sondern vergrößert.

Solange die Staatsschulden also so groß sind, muss der Staat viel Geld reinbringen, für Zinszahlungen und seine Ausgaben.
Dieses Geld holt er sich bei der Mittelschicht, da die "Großverdiener" ihre Mittel und Wege haben, die Steuerbelastung gering zu halten.
(Das soll nun keine Polemik sein, sondern der immer wieder bewiesene Fall durch Steuerschlupflöcher, Schwarzgeldkonten, Kapitalflucht, Lobbyismus, usw. - interessant zum Thema Steuerneintreiben )

Für mich bildet sich immer mehr ein System herraus, das die Umverteilung vorantreibt.

Für mich heißt das, dass der Staat DIE tragende Rolle an der Umverteilung des Vermögens spielt.
Natürlich nicht nur Deutschland sondern andere Staaten ebenfalls. Die Globalisierung ermöglicht es den Anlegern die Steuerschwachstellen einzelner Märkte bewusst auszunutzen.

Stimmt ihr mir da zu oder habe ich einen Denkfehler? Wie empfindet ihr das?
 
Da der Staat nunmal die zentrale und auch kontrollierende Rolle in unserem Wirtschaftssystem inne hat ist es doch selbstverständlich, dass er "schuld" an dem ist was passiert und momentan ist das nunmal das was du oben beschreibst.
 
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  • #3


Ja klar :o

Aber ich meine, dass ich es mittlerweile schon so empfinde, dass bewusst darauf hin gearbeitet wird.
 
was du mit bewußt darauf hinarbeiten beschreibst ist aber der auftrag der wähler. die regierungen setzen den wählerwillen im großen und ganzen um. es wählen ja nicht nur die ober- und die mittelschicht, die im übrigen gerade dabei ist zu verschwinden, es wählen alle. oder sie tun es nicht, was einer zustimmung gleichkommt.

&: es ist große mode, sich von der politik/ den politikern zu distanzieren, sie alle zu beschimpfen als unfähig und korrupt. in meinem arbeitsumfeld gibt fast niemand zu, gewählt zu haben. dabei handelt es sich überwiegend um bildungsferne, wie es heute so schön heißt. daß sie tatsächlich nicht wählen, ist hingegen sehr unwahrscheinlich. sie alle haben interessen. überwiegend sehr kurzfristige vorteile, die sie zu erhalten hoffen. steuersenkung oder wenigstens keine erhöhung, beitragssenkungen für dies und das, oder zum beispiel die rent mit 63. den meisten ist klar, daß das alles nicht finanzierbar ist und die keule, die später kommt, umso größer wird. aber in diesem später liegt der zauber. vielleicht ist man ja schon unter der erde oder, besser noch, irgendwo in spanien oder der türkei und genießt seinen lebensabend. sollen die anderen doch die suppe auslöffeln, die nächste generation.
ist zwar asozial, aber in diesem gesellschaftlichen klima muß niemand angst haben sich dafür rechtfertigen zu müssen. es herrscht ein stilles einverständnis, daß 'die da oben' schuld sind und 'wir hier unten' nichts dagegen tun können. gelogen, und jeder weiß es. aber niemand rüttelt an der lüge. ein zwinkern, ein schweigen. und weiter so.
 
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