Crass Spektakel
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(Formatierung und Rechtschreibkorrektur durch KI, die Story selbst hab ich vor ein paar Jahren erlebt und die Namen geändert)
Onkel Jürgen lehnte sich in seinem Gartenstuhl zurück, nahm einen Schluck von seinem Radler und betrachtete seine beiden Neffen. Der eine war 12, der andere 18 – beide starrten wie hypnotisiert auf ihre Smartphones, während im Hintergrund ein Game-Update mit 500 MBit/s durchs WLAN rauschte.
„Wisst ihr“, begann Jürgen mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen, „ihr habt es zu einfach. Ihr drückt auf 'Download' und regt euch auf, wenn es länger als drei Minuten dauert. Als ich in eurem Alter war, war der Pausenhof unser Darknet.“
Der 18-Jährige sah kurz auf. „Wie, Darknet? Hattet ihr da WLAN?“
„Und wie habt ihr die Spiele gefunden?“, fragte der 12-Jährige stirnrunzelnd. „Gab es eine App?“
„Die App hieß 'Guck-mal-was-ich-habe'. Wir standen in der großen Pause in der Ecke beim Fahrradschuppen. Es war wie ein konspirativer Drogenhandel. Man öffnete den Rucksack, holte die Plastikbox raus und blätterte durch. 'Ich geb dir SimCity auf vier Disketten gegen dein Maniac Mansion.' Manchmal mussten wir Disketten-Jonglage betreiben, weil ein Spiel zehn Scheiben hatte. Wenn Diskette 7 von 10 einen Schreibfehler hatte, war dein ganzer Nachmittag ruiniert.“
„Ist das so was wie Discord?“, fragte der Ältere skeptisch.
„Es war besser als Discord“, behauptete Jürgen stolz. „Es war ein exklusiver Club für Leute, die wussten, wie man ein Modem zum Kreischen bringt. Du musstest die Software selbst konfigurieren. Da gab es keinen App Store, der dir das Händchen hielt. Wer online gehen wollte, musste wissen, was ein Interrupt ist, welcher für RS232 verwendet wurde und wie man eine CONFIG.SYS editiert.“
„Heute hat jeder Hanswurst im Internet eine Meinung, weil die Einstiegshürde bei Null liegt. Damals war das Netz ein Ort für Leute, die Probleme lösen konnten, statt welche zu verursachen.“
Die Neffen schauten sich an. „Aber wie habt ihr Bilder verschickt?“, fragte der 12-Jährige. „Wo hat so ein Röhrenmonitor eine Kamera?.“
Jürgen schüttelte den Kopf. „Selfies? Wir waren froh, wenn ein Bild von einem Raumschiff nach zehn Minuten zeilenweise auf dem Monitor erschien! Wir hatten Geduld. Wir hatten Disketten-Boxen, die schwerer waren als eure Laptops. Und wir hatten den Stolz, etwas zum Laufen gebracht zu haben, ohne dass uns ein Konzern den Hintern abgewischt hat.“
Der 18-Jährige scrollte nachdenklich durch sein Handy. „Klingt irgendwie... anstrengend.“
„Es war herrlich!“, rief Jürgen. „Wir waren die Pioniere. Ihr seid nur die Passagiere.“ Er zwinkerte ihnen zu. „Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mal kurz schauen, warum mein Smart-Kühlschrank keine Verbindung zum Router bekommt. Wahrscheinlich ist er zu dumm für das 21. Jahrhundert.“
Onkel Jürgen lehnte sich in seinem Gartenstuhl zurück, nahm einen Schluck von seinem Radler und betrachtete seine beiden Neffen. Der eine war 12, der andere 18 – beide starrten wie hypnotisiert auf ihre Smartphones, während im Hintergrund ein Game-Update mit 500 MBit/s durchs WLAN rauschte.
„Wisst ihr“, begann Jürgen mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen, „ihr habt es zu einfach. Ihr drückt auf 'Download' und regt euch auf, wenn es länger als drei Minuten dauert. Als ich in eurem Alter war, war der Pausenhof unser Darknet.“
Der 18-Jährige sah kurz auf. „Wie, Darknet? Hattet ihr da WLAN?“
Die Ära der Plastikberge
Jürgen lachte trocken. „WLAN? Wir hatten nicht mal Schnurlostelefone! Wenn du ein neues Spiel wolltest, musstest du physisch präsent sein. Ich bin jeden Morgen mit einem Eastpak-Rucksack zur Schule geschleift worden, der nicht etwa voller Bücher war, sondern voller 5,25-Zoll-Disketten. Das waren labberige Pappscheiben, so groß wie eine halbe Pizza. Wenn du die einmal falsch angeguckt oder in die Nähe eines Magneten gehalten hast, war 'Pirates!' Geschichte.“„Und wie habt ihr die Spiele gefunden?“, fragte der 12-Jährige stirnrunzelnd. „Gab es eine App?“
„Die App hieß 'Guck-mal-was-ich-habe'. Wir standen in der großen Pause in der Ecke beim Fahrradschuppen. Es war wie ein konspirativer Drogenhandel. Man öffnete den Rucksack, holte die Plastikbox raus und blätterte durch. 'Ich geb dir SimCity auf vier Disketten gegen dein Maniac Mansion.' Manchmal mussten wir Disketten-Jonglage betreiben, weil ein Spiel zehn Scheiben hatte. Wenn Diskette 7 von 10 einen Schreibfehler hatte, war dein ganzer Nachmittag ruiniert.“
Der heilige Gral: Fidonet
Jürgen hob belehrend den Zeigefinger. „Aber dann kam 1990. Die Wende – nicht nur politisch, sondern digital. Während der Pöbel noch Disketten tauschte, entdeckten die Schlauen DFÜ und Fidonet .“„Ist das so was wie Discord?“, fragte der Ältere skeptisch.
„Es war besser als Discord“, behauptete Jürgen stolz. „Es war ein exklusiver Club für Leute, die wussten, wie man ein Modem zum Kreischen bringt. Du musstest die Software selbst konfigurieren. Da gab es keinen App Store, der dir das Händchen hielt. Wer online gehen wollte, musste wissen, was ein Interrupt ist, welcher für RS232 verwendet wurde und wie man eine CONFIG.SYS editiert.“
Das goldene Zeitalter der Intelligenz
„Und das Beste daran?“, Jürgen schmunzelte. „Es gab keine Idioten. Um im Fidonet oder in einer BBS zu landen, musstest du eine gewisse technische Grundintelligenz besitzen. Wer zu dumm war, die Software zu installieren, blieb draußen. Das war eine natürliche Auslese gegen Trolle.“„Heute hat jeder Hanswurst im Internet eine Meinung, weil die Einstiegshürde bei Null liegt. Damals war das Netz ein Ort für Leute, die Probleme lösen konnten, statt welche zu verursachen.“
Die Neffen schauten sich an. „Aber wie habt ihr Bilder verschickt?“, fragte der 12-Jährige. „Wo hat so ein Röhrenmonitor eine Kamera?.“
Jürgen schüttelte den Kopf. „Selfies? Wir waren froh, wenn ein Bild von einem Raumschiff nach zehn Minuten zeilenweise auf dem Monitor erschien! Wir hatten Geduld. Wir hatten Disketten-Boxen, die schwerer waren als eure Laptops. Und wir hatten den Stolz, etwas zum Laufen gebracht zu haben, ohne dass uns ein Konzern den Hintern abgewischt hat.“
Der 18-Jährige scrollte nachdenklich durch sein Handy. „Klingt irgendwie... anstrengend.“
„Es war herrlich!“, rief Jürgen. „Wir waren die Pioniere. Ihr seid nur die Passagiere.“ Er zwinkerte ihnen zu. „Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mal kurz schauen, warum mein Smart-Kühlschrank keine Verbindung zum Router bekommt. Wahrscheinlich ist er zu dumm für das 21. Jahrhundert.“