Die Autorin Nina George warnt vor E-Book-Flatrate



In einem Artikel bei hat sich eine Autorin zum Thema E-Book-Faltrate mit einem Appell an die Verlage geäußert. Nina George meint: eine Flatrate sei „höchst gefährlich für die Literaturbranche“. Die Schriftstellerin ist selbst sehr erfolgreich, ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet. Seit 1992 schreibt sie Romane, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten und Kolumnen. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer“, herausgegeben 2013 vom Knaur-Verlag, wurde in 32 Sprachen übersetzt und eroberte auch international die Bestsellerlisten, so die New York Times Bestsellerliste in den USA, die Bestsellerlisten in England, Australien, Polen, Israel und Italien.



Unbegrenzt viele Bücher zum monatlichen Einheitspreis lesen – eine Flatrate macht es möglich. Aktuell gibt es inzwischen bereits einige Anbieter, die unzählige Titel zusammengefasst zu einem Fixpreis anbieten. So kunkurrieren Skoobe, Onleihe, Readfy und Kindle Unlimited um die Gunst der Leser. Was für buchbegeisterte Vielleser vorteilhaft und anstrebenswert klingt, kam auf dem deutschen Buchmarkt nur sehr zögerlich zustande. Der Grund dafür war die Zurückhaltung der großen Verlagshäuser. Ihnen galten sicher die unbefriedigenden Ausschüttungen der Musik-Streaming-Dienste als mahnendes Beispiel. Erst in den letzten Jahren zeigte sich eine deutliche Lockerung der Lizenzpolitik der Verlage. Mit Skoobe haben sie sogar eine eigene Plattform geschaffen. Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Anbieter, allerdings ist das Sortiment der Anbieter untereinander höchst unterschiedlich. Ausgenommen von Flatratpreisen sind zumeist die aktuellen Bestseller, ältere Titel oder auch Indieliteratur hingegen kann man dafür aber schon finden.

Nun schreibt die Autorin Nina George in ihrem Appell einmal Klartext, sie nennt sogar einige realistische Verkaufszahlen, etwas, dass man sonst als Außenstehender lediglich vermuten konnte. So führt sie aus, dass für 90 Prozent aller Autorinnen kein Auskommen mit dem literarischen Einkommen möglich sei: „Die meisten Werke verschwinden nach zwölf Wochen vom „Neuheiten!“-Tisch diskret in den Lagern und verkaufen sich bis zur Verramschung 500- bis 5.000-mal. Dafür fließt ein Umsatz zwischen 250 und 7.000 Euro aufs Konto, pro verkauftem Print-Buch erhalten Autoren zwischen 5 Prozent (Taschenbuch) und 13 Prozent (Hardcover) vom Nettoladenpreis. In Geld übersetzt: 45 Cent bis 2,80 Euro pro Exemplar. Irgendein Witzbold ermittelte mal anhand der Künstlersozialkassen-Statistik den Stundenlohn von Buchautorinnen der „working class“, und er kam auf sensationelle 42 Cent. Es können aber auch problemlos weniger sein.“

Dass es auch anders geht, zeigt Nina George am Beispiel Joanne K. Rowlings. Diese würde 1.500 Euro umsetzen, in jeder Stunde des Tages. Dabei führt die Autorin aus, das wirtschaftliche Prinzip der papiernen Buchbranche wäre „demokratisch, ungerecht und konkurrenzlos kundenorientiert zugleich. Es lautet: Bezahlt wird die Nutzung. Nicht die Leistung.“ Allerdings würden es von 90.000 neuen deutschsprachigen Verlagstiteln pro Jahr nur 300 bis 500 in die Bestsellerlisten schaffen; das entspräche einer Chance von 0,3 bis 0,6 Prozent.

Sie zieht daraufhin Vergleiche zwischen dem Papierbuchmarkt und dem digitalen Markt und stellt fest: „Piraterie. Bezahlte Rezensionen. Werbe-, Gratis-, Dauertiefpreiswochen. Dumpingpreise. Flatrates. Es werden mehr Bücher denn je online genutzt – und gleichzeitig wird immer weniger für die Nutzung bezahlt. Meist: gar nicht. […] Und was fällt den Digitalstrategen der Verlage stattdessen ein? Elektronische Kampfpreise! Heute kosten Verlags-E-Books im Schnitt unter sieben Euro, vor drei Jahren waren es noch über zehn. Klappt doch bei Amazon bestens, kein Titel in den E-Book-Kindle-Top-Ten-Charts ist teurer als 2,99 Euro. Und das ist schon gehobene Preisklasse. Wenn das nicht nützt: Ab in die Dumping-Flatrate. Kindle Unlimited, Skoobe, Readfy, Beam-eBooks, 24symbols: „All you can read“ für nur zehn Euro!“ Sie führt weiter aus, dass die Autoren dabei kaum ein Fünftel erhalten von dem, was sie sonst bei einem Verkauf erzielen würden: „Das ist zwar ein beschämendes Einkommen, aber erstens kundenfreundlich, zweitens Werbung für dich!“ Sie testete selbst eine Flatrate in den Niederlanden und bekam für 3.500 Downloads einer ihrer Übersetzungen in drei Monaten 35 Euro. Wären die Bücher verkauft worden, hätte sie um die 4.000 Euro dafür erhalten.

Nina George ist jedenfalls der Meinung dass es höchste Zeit wäre, umzudenken. Darum richtet sie einen eindringlichen Appell an die Verlage. Mit den Worten: „Liebe Verlage, skippt eure Dumping-Geschäftsmodelle. Die Piraterie lässt sich von dieser Notwehrmaßnahme wenig beeindrucken, sondern nutzt Flatrates, um sich neue E-Book-Kopien zu beschaffen. Kundenfreundlichkeit heißt nicht nur Preispolitik; Literatur hat nicht die Aufgabe, billig zu sein. Sie soll Menschen von innen auskleiden mit Mut und Ideen, mit Gefühl und Wissen. Seid freundlich zu den Kunden, und schafft gute Bücher, vielseitige Bücher, nicht nur Bestsellerklone oder rasch zusammengeklöppelten Content, um das Karussell der Neuerscheinungen und Marktschreiereien noch schneller zu füttern. Und, bitte: Hört auf, mich und meine Kolleginnen zu entwerten. Wir sind die Quellen eures Daseins.“ begründet sie die erforderliche Wende.

Aber auch den Politikern legt die Autorin nahe, endlich zu handeln: „Liebe Politik, spare es dir doch bitte, jene Geschäftsmodelle im Web als „Innovation“ zu lobpreisen, deren Erfolg auf der Nutzung von Inhalt besteht, für den nicht bezahlt wird. Die politische Debatte über die Schattenwirtschaft der Piraterie als auch über die Intermediäre wie Google oder YouTube sollte weniger den Otto Normalsauger skandalisieren, sondern mehr die gesetzlichen Strukturen wie zum Beispiel das altersschwache Telemediengesetz, die diesen Schwarzmarkt, samt Steuer- und Investitionsausfällen, begünstigen.“

Zum Schluss gibt sie ihren Autorenkollegen mit auf den Weg: „Und liebe Autorinnen: Es ist auch an uns, zu entscheiden, wie ungerecht wir behandelt werden wollen. Manchmal hilft schon das Wörtchen nein.“

Bildquelle: , thx! (CC0 Public Domain)




Autor: Antonia
 
Nachdem Flatrates erst die Musiker (Spotify) und anschließend die Schauspieler (Netflix) arm gemacht haben, sind jetzt die Autoren dran.

Sehr traurig.
 
Tja, Zeiten ändern sich.
Morgens bei Backfactory einkaufen und sich nachmittags beschweren das der alte Bäcker nach 40 Jahren zu gemacht hat. :T
 
na solange es nur autorinnen betrifft... :unknown:

das schöne an der wert-"schöpfung" aus dem nichts ist doch, dass jeder den preis auf sein "produkt" draufbappen kann, den er will.. wer nicht bereit ist, für den "stundenlohn" zu arbeiten, den er für sich selbst festlegt oder aushandelt, sollte es vielleicht sein lassen :confused:..
 
Nicht zu vergessen welche Schätze uns die günstigen ebooks schon gebracht haben, wie z.B. denhier (Link geht zu Amazon)
 
Ist das nicht die Olle, die kürzlich wegen ihrer raubmordkopierten Werke rumgejammert hat? (Finde den Artikel gerade nicht mehr.)

Lieber ein bisschen Geld für eine Geizhalsflatrate als gar keins für gar nicht erst bezahlte Kopien. Außerdem sind Flatrates neben dem Untergang der Kunst gleichzeitig eine Reichweitensteigerung. Wenn ich mal reflektiere, was ich schon durch Spotify für Schätze gefunden habe, die mich sonst nie erreicht hätten....
 
90000 neue Titel pro Jahr...
Da lautet mein einfacher Rat: Schmeißt 89500 Titel in die Tonne, dann bleibt das Lesenwerte übrig, mit dem sich auch Geld verdienen läßt.
 
Was ist eigentlich mit der Buchpreisbindung? Die greift auch bei ebooks :unknown:
(ah hab es grade - flattertes fallen da raus)
 
das heißt aber nicht, daß der autor das geld bekommt. dafür bedanken sich amazon und co.
 
Ich glaube die Autorin geht von der irrigen Annahme aus dass sich Künstler ausserhalb des Marktes bewegen "Ich schreibe Bücher, also muss ich davon leben können...".
Wenn man als Autor/in davon leben will muss man halt Bücher schreiben die genug Leser/Konsumenten finden, Frau Rawling hat ja auch nicht im Lotto gewonnen, es gab millionen Leser die ihre Bücher mochten und dann eben kauften.
Will ich als Autor nun aber nicht dem Mainstream folgen, ja dann brauche ich halt noch eine andere Möglichkeit des Gelderwerbs.
Ich kenne die Werke von Nina George nicht, aber selbst Franz Kafka übte einen Beruf zum Broterwerb aus.:unknown:
 
Jo, die Flatrates lassen schon die Musiker, Schauspieler und Co. verhungern. Dem kann ich mich nur anschließen. Scheint nicht zu funktionieren.

Und wenn die Bücherschreiber halt so viele Titel rausbringen, die eh kein Mensch lesen oder kaufen kann, weil Zeit, Geld, Themen, Kunden, deren Interesse und mehr einfach begrenzt sind, dann kann man nicht erwarten, dass die Bücher sich supertoll verkaufen und man davon reich wird oder davon leben kann. Gerade bei den Buchautoren hab ich das noch nicht so recht begriffen, wieso die so rumjammern.

Nicht zu vergessen welche Schätze uns die günstigen ebooks schon gebracht haben, wie z.B. denhier (Link geht zu Amazon)

Sehr schönes Beispiel, wobei ich bei sowas sogar noch glaub, dass sich das verkauft. Hab mal die weiteren Bücher der Autorin durchgeschaut. Interessantes Gebiet, was die da so abdeckt. Wusste gar nicht, dass das ein Ding ist, aber ok, Regel 34 und Jahr 2016 und so. Da würden mich die Verkaufszahlen interessieren.
 
@MSX:
Das ist die irrige Annahme das Schöpfung per Se Wert sei.
Das kommt immer von Leuten welche den Kapitalismus nicht verstanden haben: Deine Arbeit, dein Werk und dein Besitz sind genau so viel wert wie ein anderer bereit ist dafür zu bezahlen.
 
Und wenn die Bücherschreiber halt so viele Titel rausbringen, die eh kein Mensch lesen oder kaufen kann, weil Zeit, Geld, Themen, Kunden, deren Interesse und mehr einfach begrenzt sind, dann kann man nicht erwarten, dass die Bücher sich supertoll verkaufen und man davon reich wird oder davon leben kann.
Soll doch die neuentwickelte KI das Schreiben übernehmen ........ wer braucht schon Autoren?
 
Vielleicht, wie MSX auch schon sagt, das Auffassungsvermögen eines Menschen ist beschränkt, ich kann nicht gleichzeitig 4 Bücher lesen und 3 CDs anhören.

Mein Tag hat nur 24 Stunden...

Aber wie ich schon in einer anderen News schrieb, manche Klagen auf hohem Niveau - oder die anderen "Fressen" das Geld auf, das eigentlich die Autorin, in diesem Fall, verdient hätte.

Das ist genauso das Sky und der DFB sich über "illegale Nutzer" aufregen, den geht es so schlecht... wenn die alle mal den Ball flacher halten würden... aber nö.. "RAAAAUUUSS" wie Oliver Kahn schrie....

---

Im übrigen betrifft das auch Hörspiele/Hörbucher mit "Audible" von "Amazon"... Hörbuch flatrate... und da kämen wir auch wieder zurück aufs Pensum.

Ich kann 10 "schlechte" Hörspiele/Hörbucher hören, aber das eine "gute" welches nicht dafür freigegeben ist, höre ich mir einfach nicht mehr an, mein Bedarf ist gedeckt. Und so ist es mit Content generell meine ich. Die Konsumgesellschaft stößt vielleicht auch an ihre Sättigung? :unknown:

Und wir haben zu zu zu viel zu konsumieren.... und es wird nicht weniger.
 
Wenn man als Autor/in davon leben will muss man halt Bücher schreiben die genug Leser/Konsumenten finden

genau, das nennt sich entertainmentbranche und jeder trifft die entscheidung für sich, sein talent dafür zu verkaufen oder eben nicht.. wenn man literatur aber tatsächlich als kunst oder "kulturgut" auffasst, gibt es genug förderprogramme, für die man sich bewerben kann, dann ist man auch nicht auf verkaufszahlen angewiesen - beispielsweise geht das in der ("echten") wissenschaft nur so..
 
Zurück
Oben