Crass Spektakel
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Es ist Dienstag, 15:15 Uhr in der Redaktion, und während draußen die Welt über Broadcoms Preispolitik flucht, herrscht im Käfig neben dem Kaltgetränkeautomaten absolute moralische Klarheit. Ich bin Twitty, der offizielle Compliance-Wellensittich von Heise Online, und heute habe ich Blut geleckt – oder zumindest eine sehr schmackhafte Mischung aus Hirse und digitalem Zorn.
Mein Job ist simpel: Wenn die Tastaturen im Forum zu laut klappern und der Testosteronspiegel der Linux-Götter die Serverkühlung überfordert, drücke ich den großen roten Knopf. Meistens stolpere ich einfach drüber, wenn ich versuche, mein Spiegelbild im Monitor zu begatten, aber heute? Heute war es Präzision.
Ich las (ja, Wellensittiche können KVM-Konfigurationen lesen, das ist Grundvoraussetzung für die bayerische Presseförderung):
„Oha, da war Twitty etwas zu aggressiv...“, dachte ich mir noch kurz, während mein linker Fuß den Ban-Button für drei Tage massierte. KLICK. Weg war er. Ruhe im Karton. Keine Shell-Magie mehr für heute. Wenn hier einer spiegelt, dann ich – und zwar mein hübsches Gesicht im Wassernapf.
Er sieht den 72-Stunden-Bann für den Debian-Evangelisten. Er sieht die Zeilen über Singapur und die verächtliche Ablehnung von „Klicki-Oberflächen“. Er sieht das verwaiste Profil eines Users, der eigentlich nur sagen wollte, dass Admins heute zu faul zum Lesen sind.
Der Mensch seufzt nicht. Er schimpft nicht. Er greift in die Tasche, holt einen Sonnenblumenkern heraus und steckt ihn mir zwischen die Gitterstäbe. Ein kurzes, trockenes Nicken in Richtung der blinkenden Admin-Konsole:
„Ah, Quote erfüllt. Guter Vogel.“
Ich plustere mich auf. Drei Tage Sperre für Spektakel. Drei Tage, in denen die Welt sicher vor der Wahrheit ist, dass man für den Preis eines Kasten Bieres ein globales Server-Netzwerk betreiben kann. Broadcom kann aufatmen. Der Wellensittich wacht.
Mein Job ist simpel: Wenn die Tastaturen im Forum zu laut klappern und der Testosteronspiegel der Linux-Götter die Serverkühlung überfordert, drücke ich den großen roten Knopf. Meistens stolpere ich einfach drüber, wenn ich versuche, mein Spiegelbild im Monitor zu begatten, aber heute? Heute war es Präzision.
Der Sündenfall: „Spektakel“ wagt die Häresie
Da flatterte doch glatt ein Kommentar rein, der so viel IT-Arroganz versprühte, dass meine Federn sich statisch aufluden. User „Spektakel“ (ein Name wie ein brennender Serverraum) meinte, die VMWare-Apokalypse mit der Gelassenheit eines Mannes kommentieren zu müssen, der seine Infrastruktur vermutlich selbst gebaut hat.Ich las (ja, Wellensittiche können KVM-Konfigurationen lesen, das ist Grundvoraussetzung für die bayerische Presseförderung):
Tschirp! Arroganz-Alarm! Wer braucht schon Enterprise-Support, wenn er eine Shell und ein Ego von der Größe Kanadas hat? Aber dann kam der Teil, der mein Hirse-Herz zum Rasen brachte: Das Herumreiten auf den 18 Euro pro Jahr. 18 Euro! Davon kriege ich nicht mal eine vernünftige Schaukel aus nachhaltigem Bio-Holz!„VMWare kann halt NIX was ein normales Debian frisch installiert in der Net-Basis-Version nicht auch kann. Oh, Debian hat keine bunte Klicki-Oberfläche? Muss da der Admin am Ende ein Handbuch lesen? Muss er am Ende AHNUNG haben?“
Die Hinrichtung: Ein gezielter Pickser
Als Spektakel dann damit prahlte, seine Viert-VM mal eben von Kanada nach Singapur zu spiegeln („mit einer Zeile in der Shell!“), während Broadcom-Kunden „bluten“ sollen, war es um meine Beherrschung geschehen.„Oha, da war Twitty etwas zu aggressiv...“, dachte ich mir noch kurz, während mein linker Fuß den Ban-Button für drei Tage massierte. KLICK. Weg war er. Ruhe im Karton. Keine Shell-Magie mehr für heute. Wenn hier einer spiegelt, dann ich – und zwar mein hübsches Gesicht im Wassernapf.
Der Feierabend des Papageien-Flüsterers
Gegen 17:00 Uhr kommt mein menschlicher Betreuer vorbei. Er trägt ein verwaschenes T-Shirt mit der Aufschrift „There is no cloud, just someone else’s computer“, blickt auf die Statistik der gesperrten Accounts und leert meine Geschäftsschublade.Er sieht den 72-Stunden-Bann für den Debian-Evangelisten. Er sieht die Zeilen über Singapur und die verächtliche Ablehnung von „Klicki-Oberflächen“. Er sieht das verwaiste Profil eines Users, der eigentlich nur sagen wollte, dass Admins heute zu faul zum Lesen sind.
Der Mensch seufzt nicht. Er schimpft nicht. Er greift in die Tasche, holt einen Sonnenblumenkern heraus und steckt ihn mir zwischen die Gitterstäbe. Ein kurzes, trockenes Nicken in Richtung der blinkenden Admin-Konsole:
„Ah, Quote erfüllt. Guter Vogel.“
Ich plustere mich auf. Drei Tage Sperre für Spektakel. Drei Tage, in denen die Welt sicher vor der Wahrheit ist, dass man für den Preis eines Kasten Bieres ein globales Server-Netzwerk betreiben kann. Broadcom kann aufatmen. Der Wellensittich wacht.