[Politik und Gesellschaft] Bundesrat bringt Strafen für Gaffer auf den Weg

Der Bundesrat beschloss eine Gesetzesinitiative, wonach diejenigen, die die Arbeit von Rettungskräften behindern, künftig mit bis zu einem Jahr Haft oder einer Geldstrafe verurteilt werden können.

Da Bild- und Videoaufnahmen von Schaulustigen häufig über soziale Netzwerke geteilt oder auch an die Presse verkauft werden, sollen auch hier die Gesetze verschärft werden. Bislang sind nur lebende Personen strafrechtlich geschützt, künftig sollen auch Bilder Verstorbener geschützt sein. Vergehen könnten dann mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet werden.



Bild: Schaulustige beobachten das Niederbrennen der alten Raiffeisen-Halle an der Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen in Osthofen, via
Quelle:
 
ist jetzt also die fernbedienung der grund fürs gaffen? langsam wirds wirklich lächerlich.. und bei online-medien wie bild & co. schaut man sich die clips an, weil man mit der maus ausrutscht oder wie? nein, wir sprechen nicht von schallplatten, wir sprechen von einschaltquoten, die sinken würden, wenn die qualitätsmedien auf die ausstrahlung solcher bilder verzichteten..
 
@Novgorod: Bild ist für dich ein Qualitätsmedium? Die Unfallbilder sind in der Regel eh bei den Lokalmedien zu finden oder eben im Boulevard. Spon, SZ, Zeit, Faz etc. Machen das entweder gar nicht oder sehr eingeschränkt (10 verletzte auf Autobahn, ICE entgleist usw), wenn es interessant genug wird für ganz Deutschland. Auch die Tagesschau bringt nicht jeden zufälligen Unfall auf der B52 bloß weil da schön brennt.
 
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wir sprechen von einschaltquoten, die sinken würden, wenn die qualitätsmedien auf die ausstrahlung solcher bilder verzichteten..

Ja, Du hast recht. Es ist gar nicht so daß diese Bilder nur als Lückenfüller in der Tagesschau benutzt werden und an einem vorbeirauschen.
Ohne solche Aufnahmen schaue ich die Tagesschau auch gar nicht. Aber wenn ich am Nachmittag einen Trailer für die Tagesschau sehe,oder im Radio dafür Werbung läuft, "Heute mit einem Beitrag über einen schweren Autobahnunfall", dann schalte ich ein.
Wenn man schon nicht selber dabei sein konnte, dann will ich das wenigstens nicht verpassen.
 
Im übrigen sind Feuer- bzw. Brandübungen gar nicht so verkehrt... darf nur nicht zu alltäglich sein....
Ich war mal in nem Studentenheim - was glaubt ihr wie sich das auswirkt wenn 2-3 mal pro Woche (vor allem Nachts) Feueralarm ist...
Und da diese Anlage mit der BF vernetzt war, sind die tatsächlich jedes mal angerückt
 
wenn das sowieso niemand sehen oder lesen will, braucht man es doch nicht zu bringen, oder? gerade wenn man sich derart über "gaffer" echauffiert, dürfte es doch nicht so schwer sein, die lücken mit etwas anderem als ausgerechnet mit gafferei zu füllen, über die man sich anderswo so genüsslich aufregt.. und ob nun tagesschau oder bildzeitung, das macht für dich doch eh keinen unterschied, weil beide vermeintlich hochqualitative edelberichterstattung machen im vergleich zu handy-filmern..

auch schweifen wir immer mehr vom thema ab - der punkt war doch so simpel: es gibt eine große nachfrage nach gaffermaterial in den "etablierten" medien, das wird doch niemand ernsthaft leugnen können (und ich will das nicht nach sendung/zeitung und brutalität aufschlüsseln, das ist mir latte).. wenn dann dieselben leute, die fröhlich unfallbilder konsumieren, den handy-filmern irgendwelche abstrakten moralvorwürfe machen wollen, dann sollen sie sich erstmal an die eigene heuchlerische nase fassen - das ist nämlich ein paradebeispiel für doppelmoral..
 
Ich habe gestern Abend wegen der Wahl in NRW die Nachrichten geschaut. Gut, ein wenig gehofft hatte ich schon, daß die auch Unfallbilder zeigen.
Haben sie aber nicht. Es gab nichts zu gaffen.
Hat ja vielleicht auch gestern keinen gegeben. Das weiß ich nicht.
Und zu verlangen, daß man in einer Nachrichtensendung Archivmaterial sendet, geht natürlich nicht.
Es ist wirklich nicht leicht für die Etablierten, die große Nachfrage der Konsumenten zu decken.
 
Irgendwie sind wir alle Gaffer.

Wir echauffieren uns darüber dass die Leute da mit dem Handy oder sonstwas draufhalten, denn man könnte helfen oder zumindest diejenigen die helfen wollen, nicht behindern. Ist dies so viel anders zu einem kaputten Haus irgendwo im Irak? Man sieht selten dass sich irgendwer darüber aufregt wie man da einfach filmen kann während 4-5 Leute Betontrümmer mit den Händen wegräumen um irgendeine deformierte Leiche zu bergen.

Invasionen zur Primetime, Exekutionen, Leute die aus Panik/Hilflosigkeit aus dem brennenden WTC springen, der Tod ist ein Geschäft je grausamer desto besser aber bitte nicht beim Unfall filmen denn dies geht gegen den guten Geschmack.
 
es gibt eine große nachfrage nach gaffermaterial in den "etablierten" medien, das wird doch niemand ernsthaft leugnen können (und ich will das nicht nach sendung/zeitung und brutalität aufschlüsseln, das ist mir latte)
Man muss es aber nach Medium aufschlüsseln. Denn die Tagesschau ist nicht die Bild, die Rheinzeitung nicht Antenne Bayern und der Tagesspiegel nicht Zeit Online. Alle Medien zu Unfallmagazinen für Gaffer zu verklären ist schlicht falsch.
 
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Irgendwie sind wir alle Gaffer.

Wir echauffieren uns darüber dass die Leute da mit dem Handy oder sonstwas draufhalten, denn man könnte helfen oder zumindest diejenigen die helfen wollen, nicht behindern. Ist dies so viel anders zu einem kaputten Haus irgendwo im Irak?

Nein. Sind wir nicht. Es mag sein, das Gaffer ursächlich aus einem dem Menschen innewohnenden Trieb handeln, aber das ist keine Entschuldigung und deswegen macht das noch lange nicht jeder.
Fortpflanzungstrieb steckt auch im Menschen, dem gibt man aus kulturellen und sozialen Gründen ja auch nicht einfach nach.
Es gibt auch Dinge wie Anstand und Respekt, die einigen fehlen, anderen nicht. Das muß nicht der Honk sein, der mit Flip-Flops, Hot-Pans, Walkman, Kopfbedeckung und Kaugummi Orte besichtigt, die anderen Menschen heilig sind.
Auch Respekt gegen den Opfern sollte man haben.

Und das Haus im Irak ist auf jeden Fall etwas anderes. Diese Bilder sieht man sich, als gesunder Mensch, nicht an, um sich daran zu ergötzen.
Wenn man nicht bereits zu abgestumpft ist, muß man bei manche Bildern schon zwingen da hinzuschauen. Aber diese Bilder liefern die Information, daß der Krieg echt ist. Und bei der Informationsflut muß man sich das vielleicht manchmal bewußt machen. Wenn man hört 5000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, dann ist das doch nur eine Zahl.


EDIT:
Auf den Bildern, die die springenden Menschen aus dem WTC zeigen, sieht man ja eigentlich nichts. Ich denke, wären das Selbstmörder, wären die Aufnahmen absolut uninteressant.
Ich denke hier liegt die Faszination weniger im Gaffen, sondern an der Vorstellung, vielmehr die Unfähigkeit, sich das vorstellen zu können, daß da 2 Urinstinkte gegeneinander gekämpft haben müssen. Die Angst vor dem Feuer und die Angst vor der Höhe und dem Fall.
 
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Man muss es aber nach Medium aufschlüsseln. Denn die Tagesschau ist nicht die Bild, die Rheinzeitung nicht Antenne Bayern und der Tagesspiegel nicht Zeit Online. Alle Medien zu Unfallmagazinen für Gaffer zu verklären ist schlicht falsch.

ich meinte die medien als "ganzes", nämlich als spiegel der gesellschaft.. auch die boulevardpresse hat ja offenbar eine daseinsberechtigung, weil sie die nachfrage eines großen teils der bevölkerung bedient.. dass der geschmack dieses bevölkerungsteils der letzte dreck ist, tut nichts zur sache, denn es geht nicht um geschmack, sondern um recht und legitimation.. mir geht es überhaupt nicht darum, wie gut die tagesschau die balance zwischen merkelbeweihräucherung, putinkritik, kriegsbildern, unfallaufnahmen und wetter hinbekommt.. mir geht es ausschließlich um die doppelmoral, wenn jemand denkt, ein reporter für die tagesschau oder gar die bildzeitung hätte irgendwie mehr legitimation eine unfallstelle zu filmen als jeder andere mensch..

Und das Haus im Irak ist auf jeden Fall etwas anderes. Diese Bilder sieht man sich, als gesunder Mensch, nicht an, um sich daran zu ergötzen.

nicht? und was treibt dich dann zu dem schluss, dass ausnahmslos jeder "gaffer" sich an autowracks aufgeilt? vielleicht will man auch einfach nur daran erinnert werden, dass es krieg unfälle gibt, denn die zahl der verkehrstoten ist ja nur eine langweilige zahl ;)...
 
und was treibt dich dann zu dem schluss, dass ausnahmslos jeder "gaffer" sich an autowracks aufgeilt?

Nichts. Ich gehe ja gerade davon aus, daß sich die Gaffer für Autowracks eher nicht interessieren.
Ich denke, diese Intention liegt eher nicht vor, aber sicher ist es wahr, daß die Zahl der Verkehrstoten für viele nur eine Zahl ist und sie sich nicht klar darüber sind, daß der Verkehr zu den größeren Risiken in unsrem Leben zählt.
Dies, während sie am Verkehr teilnehmen, aber auch bei der Beurteilung von anderen Risiken.

Ich kann bei einem Stellvertreterprinzip keine Doppelmoral erkennen. Ich rege mich auch nicht auf, daß ich nicht in eine Kinopreview für die Presse reinkomme, oder ein Journalist in eine Fachmesse eingelassen wird, aber einfache Besucher nicht.
 
Nichts. Ich gehe ja gerade davon aus, daß sich die Gaffer für Autowracks eher nicht interessieren.

na dann haben wir's doch - ergo macht es keinen unterschied, ob man selbst mit dem handy filmt oder es irgendein paparazzi für einen macht, denn die intention der handy-filmer und der vorm-fernseher-sitzer ist ja im wesentlichen gleich (da sich offenbar niemand für autowracks interessiert, wie du sagst :confused:)..

Ich kann bei einem Stellvertreterprinzip keine Doppelmoral erkennen. Ich rege mich auch nicht auf, daß ich nicht in eine Kinopreview für die Presse reinkomme, oder ein Journalist in eine Fachmesse eingelassen wird, aber einfache Besucher nicht.

den unterschied zwischen öffentlichem recht und privatrecht kennst du aber schon, oder? wer wohin eingeladen wird, hat überhaupt nichts damit zu tun, was jemand darf und was nicht.. davon abgesehen ist es für die moralfrage irrelevant, ob man etwas selber macht oder einen stellvertreter machen lässt - zur doppelmoral wird es erst dann, wenn man für den stellvertreter (z.b. aufgrund seiner jobbezeichnung) andere moralische standards annimmt als für jemand anderen oder sich selbst.. das ist z.b. dann der fall, wenn man ohne beweis oder wenigstens plausibilität jemandem eine bestimmt intention unterstellt, um die eigenen moralischen defizite zu relativieren..
 
Der Unterschied ist, daß der Bildreporter nicht versuchen wird, Verletzte oder Tote zu filmen.
Diesen moralischen Standard verlange ich aber von jedem. Daher keine Doppelmoral.
Für das Stellvertreterprinzip muß es nicht immer eine rechtliche Grundlage geben. Es reichen praktische Erwägungen.
Einer stört logischerweise weniger als viele.
 
Der Unterschied ist, daß der Bildreporter nicht versuchen wird, Verletzte oder Tote zu filmen.

genau diese art von unterstellung ist ja gerade das problem! du weißt weder was der bildreporter wirklich filmt (nur ein kleiner teil davon wird auch veröffentlicht), noch was die 80 "gaffer" von der autobahnbrücke aus filmen.. ich sehe beim besten willen nicht, wie du hier "joberfahrung" mit "moralischem standard" in verbindung bringen kannst...
 
Ich habe jetzt aber keine Lust, den hypothetischen Fall, daß der Reporter als Privatperson zu den Leuten auf der Brücke gehören könnte, zu diskutieren. :rolleyes:
 
und ich nicht, dass die leute auf der brücke an leichen interessiert seien :rolleyes:..
 
Bei denen muß man das aber unterstellen. Weil die sind ja zum Gaffen da. Nicht um ihre Brötchen zu verdienen.
 
wer seine brötchen damit verdient, gaffern was zum gaffen zu liefern, dem muss man ggf. schlimmere dinge unterstellen als dem selber-gaffer, beispielsweise ein finanzielles interesse am leid anderer statt "bloß" interesse an autowracks oder der arbeit von rettungsdiensten.. aber vielleicht werden die gaffer ohne selbstgemachten "presseausweis" nach deiner logik ja dadurch legitimiert, wenn sie das gefilmte anschließend bei liveleak und youtube hochladen und monetarisieren können ;)...
 
Wenn sie die Aufnahmen von frei zugänglichem Gebiet gemacht haben und diese keine Persönlichkeitsrechte Dritter oder sonstige Rechte verletzen, wird man nicht verbieten können, das Material zu veröffentlichen

Klar kann man da ein finanzielles Interesse unterstellen. Es ist nur die Frage, wie man das bewertet. Ein Arzt hat auch finanzielles Interesse an kranken Menschen. Der Unterschied zwischen Information und Reizbefriedigung wurde ja bereits erläutert. Die Aufnahmen de Reporter dienen ja dem ersteren.
 
genau, es geht um die offenbar unterschiedliche bewertung der gleichen handlung - daraus resultiert doppelmoral, sofern (wie hier) allein aufgrund von unterstellungen bewertet wird.. der arzt legitimiert sein finanzielles interesse an kranken dadurch, dass er zumindest die intention hat, sie zu heilen.. die intention des reporters hingegen ist nicht zu helfen, sondern eine nachfrage (nach "reizen", wie du sagst) zu befriedigen.. gäbe es keine kranken, gäbe es auch keine ärzte mit finanziellen interessen - und gäbe es keine nachfrage nach bildern von unfällen, krieg und verbrechen, gäbe es für solche reporter auch keine finanziellen anreize.. das einzige, was es also zu bewerten gibt, ist allenfalls, ob der reporter sich ebenfalls der "reizbefriedigung" schuldig macht, wenn er im auftrag seiner befriedigung suchenden konsumenten arbeitet.. das finde ich aber eher irrelevant, denn die doppelmoral kommt immer vom konsumenten, der seine eigene reizbefriedigung zu relativieren versucht, indem er anderen das gleiche vorwirft, was er selbst durch einen stellvertreter macht..

im übrigen dienen alle aufnahmen erst einmal der "information" - erst der konsument entscheidet, ob und wie er sich damit "befriedigt" :rolleyes:, egal ob vor ort oder vor dem fernseher daheim..
 
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