[Politik und Gesellschaft] BRD erkennt Völkermord an den Armeniern an / Ankara ruft Botschafter zurück.

Die Bundesregierung hat heute eine Resolution zur Anerkennung des Völkermordes in Armenien verabschiedet.
Damit endet nun zumindest für Deutschland die Leugnung nach über 100 Jahren.


Die Abstimmung verlief trotz der Abwesenheit der Koalitionsspitze fast einstimmig, nur eine einsame CDU-Abgeordnete stimmte dagegen.
In Reaktion auf die Resolution wurde der Türkische Botschafter zurück gerufen.

Der Völkermord an den Armenien durch das Osmanische Reich soll ca. 1,5 Millionen Opfer gefordert haben und gilt heute immer noch als Reizthema für die Türkei.
Die Türkei bezeichnete die Resolution als "historischen Fehler" und auf Grundlage "verzerrter und gegenstandsloser Unterstellungen"

Die Abwesenheit der Regierungsspitze stieß ebenfalls auf viel Kritik unter anderem durch Gregor Gysi, der es als "nicht besonders mutig" bezeichnete.

Die Armenier selber begrüßen die Anerkennung nach über 100 Jahren durch Deutschland, die als Verbündete des osmanischen Reiches sich endlich ihrer Verantwortung stellen würde.

Im Vorfeld der Abstimmung gab es Drohungen gegen Abgeordnete und ihre Familien, wie so häufig wenn es um die Türkei geht.


Quellen:

 
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Irgendwie beschämend:

Angela Merkels (CDU) Priorität gilt heute dem 4. Nationalen MINT-Gipfel, einen guten Kilometer vom Reichstagsgebäude entfernt. Sigmar Gabriel (SPD) gibt dem 23. Innovationstag Mittelstand den Vorzug, ebenfalls in Berlin. Frank-Walter Steinmeier (SPD) landet am Donnerstagmittag in Argentinien, als Auftakt einer "lange geplanten" Südamerika-Reise.
 
Wobei Merkel bereits schon vor einer Vorab Diskussion wg. der Abstimmung schon gesagt hat das sie zustimmen würde. Das is halt das Problem mit Konferenzen und wenn du dort einen Vortrag halten sollst. Und gerade Merkel als gelernte Chemikerin und Bundeskanzlerin ist da schon n großer Faktor.
 
Das Abstimmungsergebnis stand ja schon vorher fest.

Aber mit ihrer Abwesenheit zeigen sie klar und deutlich, dass sie am liebsten dagegen gestimmt hätten, um den kleinen osmanischen Sultan nicht zu verärgern.
 
Manchmal ist ne Zigarre einfach nur ne Zigarre.

Oder auf deutsch: Manchmal scheint die persönliche Abneigung gegenüber jemandem einem nur noch das schlechteste im Menschen sehen lassen zu können.
 
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  • #26
@Hezu:
Naja, die Abwesenheit bei der Abstimmung hat einen ekligen Beigeschmack, egal warum.
 
Schön, aber selbst wenn sie dagegen gestimmt oder sich sogar nur enthalten hätte, hätte es keine Änderung am Ergebnis gegeben, und Erdogan wäre trotzdem hochgegangen. Es gibt Termine, die lassen sich nicht verschieben, und hier ging es nur um eine Anerkennung einer Geschichtlichen Begebenheit, nicht um ein Deutschland veränderndes Gesetz.


So, wie sich die Türkei, oder besser Erdogan und seine Anhänger, momentan verhalten, scheint das nur noch darum zu gehen, das man sich nicht der eigene Vergangenheit stellen will.

Wenn nach Schätzungen bis zu 1.5 Millionen Armenier vom Osmanischen Reicht, dem offiziellen Vorgänger der Türkei ermordet wurden, bleibt einem doch kaum was übrig, als von einem Völkermord zu sprechen. In der Hinsicht ist es gut, das es International auch so wahrgenommen wird.

Die Ausflüchte, die jetzt aus der Türkei kommen - "Die Deutschen wollen damit doch nur von ihren eigenen Gräueltaten ablenken" - finde ich hingegen erbärmlich, und nur noch ein Zeichen, das man sich nicht mit seiner eigenen Vergangenheit beschäftigen und daraus lernen, sondern sie lieber begraben und in Luft auflösen will.
 
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  • #28
Ich verstehe, das der Zeitpunkt, wo es eh grade mit der Türkei kriselt, unangenehm ist.
Ich verstehe, das eine 100 Jahre altes Verbrechen von wem anders, bei uns nicht grade oberste Priorität hat.

Ich finde es trotzdem ziemlich Respektlos, dass die gesamte Spitze mit Abwesenheit glänzt.

Ob die Abwesenheit nun Terminlich, oder Politisch gedacht war ist mir dabei relativ - es ist einfach extrem unhöflich den Armeniern gegenüber, die seit 100 Jahren darauf warten :unknown:
 
Übrigens noch was: Das dieses Verbrechen als Völkermord bezeichnet wird, ist nicht neu, nur in Deutschland wurde es erst seit jetzt offiziell.

Seit 1965 haben etliche Staaten die durch den osmanischen Staat begangenen Deportationen und Massaker der Jahre 1915 bis 1917 offiziell als Genozid entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 anerkannt (u. a. Argentinien, Belgien, Frankreich,[199] Griechenland, Italien, Kanada, Libanon, Luxemburg,[200] die Niederlande, Österreich,[201] Russland, Schweden,[202] die Schweiz, die Slowakei, Uruguay und Zypern).
und
Das Europäische Parlament (EP) hat mit den Beschlüssen vom 18. Juni 1987 und 15. November 2001 die Anerkennung des Völkermordes durch den heutigen türkischen Staat zu einer Voraussetzung des EU-Beitritts der Türkei erklärt und am 28. Februar 2002 in einem weiteren Beschluss die Türkei zur Einhaltung dieser Vorgabe gemahnt.

Warum regt sich die Türkei gerade jetzt, wo es von Deutschland nach vielen anderen Nationen offiziell so genannt wird, auf, wo es doch woanders schon seit mehr als 50 Jahren anerkannt wurde und sogar Teil der Bedingungen zum Beitritt in die EU war, vermutlich sogar aktuell noch ist.
 
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  • #30
@Hezu:
Deutschland war im 1. WK Verbündeter der Osmanen.
 
Das erklärt die späte Anerkennung, aber nicht die jetzige Reaktion der Türkei, zumal Deutschland mit dieser Resolution sogar seine Mitschuld eingestanden hat.
 
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  • #32
@Hezu:
Armenien ist für die Türkei immer ein Reizthema, ich denke die jetzige Reaktion kommt aus einer Reihe von Gründen, die alle zusammen spielen:
Die momentane politische Lage zu Deutschland (Flüchtlinge, Böhmermann, Eu-beitritt)
Die Anerkennung der Mitschuld, durch einen damaligen Verbündeten, eine Mitschuld bedingt ja auch eine Schuld für die Türkei.
Die momentane Regierung der Türkei, die relativ autokratisch ist.
Die Stellung deutschlands in der EU
Die übersteigerte Verehrung Osmans (Gerüchten zur Folge ist mal eine Kuh zum Tode verurteilt worden, weil sie eine Osman Statur umgestoßen hat)

Ob nun "irgendwer", oder ein damaliger Verbündeter und Schlüsselfigur in der EU macht halt einen Unterschied.
 
Klar, interessiert Diktatoren ja auch... ach wie naiv niedlich. :)

Ruby, Ruby, Ruby, keine Ahnung haben als Alleinstellungsmerkmal das muss man erst mal schaffen.

Zunächst würde mich ja mal interessieren wie du einen Diktator definierst und anschließend inwiefern du Erdogan unter diese Definition subsumieren kannst.

Danach kannst du mir dann einen Fall zeigen in dem ein Staat der das Wiener Übereinkommen anerkannt hat dieses verletzt hat indem er einen ausländischen akkreditierten Diplomaten strafrechtlich belangt hat. Ich spoiler das aber mal, da dir das nicht gelingen wird, und verbleibe mit einem herzlichen

ach wie niedlich dum...

;)
 
Ob es einen Völkermord gab oder nicht, ist die Aufgabe von Wissenschaftlern und nicht die von Parlamenten.

Es gibt so viele Völkermorde auf der Welt, die Deutschland nicht die Bohne interessiert, wie zum Beispiel das Massaker an die Hugenotten, aber daraus kann man halt kein politischen Zweck herausbekommen.

Hier wird einfach nur eine Retourkutsche gegen Erdogan durchgeboxt, um zu zeigen: "Wir sind wer"... dabei erzielt man aber genau das Gegenteil von dem, was man möchte.

Die türkische Bevölkerung wird jetzt noch mehr hinter Erdogan stehen

--- [2016-06-03 00:29 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

Warum regt sich die Türkei gerade jetzt, wo es von Deutschland nach vielen anderen Nationen offiziell so genannt wird, auf, wo es doch woanders schon seit mehr als 50 Jahren anerkannt wurde und sogar Teil der Bedingungen zum Beitritt in die EU war, vermutlich sogar aktuell noch ist.

Türkische Wissenschaftler bestreiten gar nicht, dass sehr viele Armenier gestorben sind bzw. Massaker an ihnen verübt wurden. Sie wehren sich aber gegen den Begriff Völkermord, weil die Situation nicht mit dem 2. Weltkrieg gegen Juden vergleichbar ist.

Es gab Bürgerkrieg. Es wurde auch ein Massengrab gefunden, welcher mit Türken aufgefüllt wurde. Es herrschte eine unfassbare Hungersnot, wo viele gestorben sind

Viele vergessen auch bei dem Thema, dass die Kurden auch einen großen Anteil an den Massakern gegen Armenier haben, aber wenn es einen nicht passt sind Kurden = Türken :x
 
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Also die Bartholomäusnacht (15.000 Tote) mit einem Verbrechen mit einer Opferzahl in Millionenhöhe zu vergleichen ist schon sehr weit hergeholt.


Edit: ok, die Begriffsdefinition sollte man vielleicht nicht so sehr an der Zahl festmachen.
 
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Ob es einen Völkermord gab oder nicht, ist die Aufgabe von Wissenschaftlern und nicht die von Parlamenten.
Wiki schrieb:
Die Ereignisse, die von den Armeniern selbst mit dem Begriff Aghet – „Katastrophe“ – bezeichnet werden, sind durch umfangreiches dokumentarisches Material aus unterschiedlichsten Quellen belegt. Weltweit erkennen die weitaus meisten Historiker diesen Völkermord daher als Tatsache an
Die vermeintliche Aufgabe ist längst erledigt.

Es gibt so viele Völkermorde auf der Welt, die Deutschland nicht die Bohne interessiert, wie zum Beispiel das Massaker an die Hugenotten, aber daraus kann man halt kein politischen Zweck herausbekommen.
Meinst du die Verfolgung im 16. Jahrhundert? Das war in weitestgehend vorstaatlichen Zeiten und ist daher nicht vergleichbar in seiner politischen Relevanz.

Türkische Wissenschaftler bestreiten gar nicht, dass sehr viele Armenier gestorben sind bzw. Massaker an ihnen verübt wurden. Sie wehren sich aber gegen den Begriff Völkermord, weil die Situation nicht mit dem 2. Weltkrieg gegen Juden vergleichbar ist.
Na und?


Es gab Bürgerkrieg. Es wurde auch ein Massengrab gefunden, welcher mit Türken aufgefüllt wurde. Es herrschte eine unfassbare Hungersnot, wo viele gestorben sind
Wiki schrieb:
Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Die Schätzungen zur Zahl der Armenier, die während der Verfolgungen in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten getötet wurden, variieren zwischen 80.000 und 300.000
Hör auf so dummes Zeug zu erzählen :)
 


Ja kann sein. Ich kenne mich mit dem Thema nicht aus. Wollte nur erläutern wie die Türkei ugnefähr denkt



Siehe Beitrag. Hezu wollte wissen, warum die Türken so denken und ich habe ihm deren Standpunkt erklärt bzw. was deren Argumente sind

--- [2016-06-03 00:50 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

Meinst du die Verfolgung im 16. Jahrhundert? Das war in weitestgehend vorstaatlichen Zeiten und ist daher nicht vergleichbar in seiner politischen Relevanz.

Hier die Definition von Völkermord. Da steht nichts von politischer Relevanz und Anzahl an toten.

Die Konvention definiert Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

a) das Töten von Angehörigen der Gruppe
b) das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe
c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen
d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung
e) die zwangsweise Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe“

Ich habe das übrigens von einer Völkermordexpertin oder so, die bei Anne Will zu Gast war. Sie hat auch die Bartholomäusnacht erwähnt und der Bundesregierung Doppelmoral vorgeworfen. Spielt also unter den Wissenschaftlern beim Thema Progromen in der selben Liga.

Ist also keiner meiner "Erfindungen", wie ihr es immer darstellt, sondern eher mainstreamig
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Europäische Parlament (EP) hat mit den Beschlüssen vom 18. Juni 1987 und 15. November 2001 die Anerkennung des Völkermordes durch den heutigen türkischen Staat zu einer Voraussetzung des EU-Beitritts der Türkei erklärt
Dann wird die Türkei noch sehr lange nicht beitreten können. Wenn das noch gilt. :unknown:
 
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