[Politik und Gesellschaft] Bradley Manning: 35 Jahre Haft

Vor einem Militärgericht in Washington wurde heute das Strafmaß im Prozess gegen den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning bekanntgegeben:
Die zuständige Militärrichterin verurteilte den 25-Jährigen zu 35 Jahren Haft und blieb damit deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Manning hatte sich zuvor für seine Taten entschuldigt. Das Urteil schließt die unehrenhafte Entlassung aus der Armee ein, die in den USA als besonders geächtet gilt.

 
Bradley Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt

Der Whistleblower und Wikileaks-Informant Bradley Manning ist heute von einem US-Militärgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.
Richterin Colonel Denise Lind blieb damit weit unter dem von der Anklage geforderten Strafmaß von 60 Jahren. Außerdem werden Manning die fast 3,5 Jahre (1294 Tage) die er bereits in Haft verbrachte auf das Strafmaß angerechnet.
Zusätzlich wird er allerdings unehrenhaft aus der Armee entlassen, wodurch er keinerlei Ansprüche auf eine Pension oder sonstige Zahlungen mehr hat.

Manning wurde bereits Ende Juli in 19 von 21 Anklagenpunkten für schuldig befunden, wobei er von dem schwersten Vorwurf "Unterstützung des Feindes" freigesprochen wurde. Alleine für diesen Punkt, hätte ihm einen lebenslange Freiheitsstrafe gedroht.

Das Urteil wird nun sowohl von der Anklage, als auch von der Verteidigung geprüft. Ob die Rechtsbeistände des 25-jährigen allerdings Einspruch gegen die "unverhältnismäßig hohe Strafe" - wie es die Journalistenvereiningung Reporter ohne Grenzen in einem ersten Statement nannte - einlegen werden, ist derzeit noch nicht bekannt.
Die vorletzte Möglichkeit das Strafmaß zu verringern liegt in den Händen des Appelationsgerichtes (Army Court of Criminal Appeal), dem das Urteil spätestens in einem Jahr aufgrund der Höhe der Strafe automatisch vorgelegt wird. Letztinstanzlich wäre noch der Gang zum "United States Court of Appeals for the Armed Force" denkbar.

Unabhängig von diesen Möglichkeiten kann Manning, nachdem er ein Drittel der Strafe abgesessen hat einen Antrag auf Aussetzung zur Bewährung stellen. Bei guter Führung wäre auch eine vorzeitige Entlassung nach 18 Jahren rechtlich möglich.

Quelle:
 
Ich habe hier mal beide News zu dem Thema zusammengeführt. VaccuumCleaner war schneller, amok.exe ein wenig ausführlicher, weshalb das so sicher das beste ist.
 
Wann ist es passiert, schon so vor 2.5-3.5 Jahren, oder?
35 oder 50 Jahre Haft ist nix gegen was ihm schon Passiert ist.
Psychisch fertig gemacht wurde er von USA, da gebt es paar Videos im netzt über Bradley Manning, wo mann sehr gut sehen kann wie schlimm er aussah..
 
Naja ob 35 oder 50 macht sehr wohl einen Unterschied.
So hat er wenigstens die Chance, nochmal die Welt ohne Mauern drumrum zu sehn.
 
Dieser Mensch wird trotzdem in kein brauchbares Leben mehr zurückkehren. Mal abgesehen davon, dass er durch diesen Prozess sowieso schon geächtet ist, kommt auch noch die unehrenhaft Entlassung aus der Armee dazu was nochmal einer Ächtung für das "normale" Leben entspricht.

MfG
Mr. J
 
Dafür ist ihm nach der Haft eine ehrenvolle Aufnahme in die Leaking-Gemeinde sicher, Unterstützung bekommt er ja jetzt schon. Ein normales Leben mit seinen IT-Kennnissen traue ich ihm durchaus zu, die Armee war wohl eh mehr eine Notlösung zu damaliger Zeit.
 
der größte Skandal

ist ja eigentlich die lahme/dumme Öffentlichkeit. Wo sind den die Menschen die vor dem weißen Haus protestieren?! Eine einzige Frau mit einem Pappkartonplakat vor dem Weißen Haus, da wird sich Obama sicher ins Fäustchen lachen.
Wäre das zu anderen, politischeren Zeiten passiert, würden Hunderttausende in Washington aufmarschieren, denn es geht eigentlich nicht um Bradley Manning (mMn ein ziemlich eigenartiger Typ) sondern um das, was dahinter steht: Redefreiheit, freier Zugang zu Informationen die die Öffentlichkeit betreffen, Grundrechte, etc.
 
Unterstützung schön und gut, aber wenn er danach auf sein Leben achten muss und sich verstecken muss ist das auch nicht gerade so klasse.
 
Im Gegensatz zu Adrian Lamo muß Manning sich wohl kaum verstecken, warum auch. Ohne seine Paradeuniform aus Gerichtstagen, werden die meisten Amis von ihm eh kaum Notiz nehmen, so unscheinbar wie er auf Fotos wirkt.

Edit: der Gerechtigkeit für die Öffentlichkeit ist ja jetzt auch genüge getan, jetzt heißt absitzen und gut ist.
 
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  • #11
Naja, täuscht euch nicht. Die Unterstützung auf Demonstrationen für Manning fielen gerade in der Anfangszeit hierzulande teilweise erheblich größer aus als in den USA, und ließen nach den "Occupy"-Aktionen auch hier quantitativ sehr nach. Gemessen an der Gesamtbevölkerung hat Manning in den USA nicht unbedingt viele Unterstützer.

Dort herrscht eine sehr enge Verbundenheit mit der Armee, viele Amerikaner haben gar nicht erst ein Interesse daran, dass ihre Armee oder die Armeeführung in irgendeiner Form diffamiert wird. Das hat man zum Beispiel ganz stark gemerkt, als sich endgültig herausstellte, dass die Begründung für den Angriff auf den Irak haltlos gewesen ist. Abgeschwächt hat man es auch an den Reaktionen auf den Folterskandal und das Video "Collateral Murder" feststellen können. Kontinuierlich erkennt man es am Umgang mit Camp Delta.
Soldaten in Uniform werden dort teilweise an der Kasse nach vorne gelassen, kriegen an der Kasse die Flasche Wasser geschenkt, haben besondere Kennzeichen; zur Beerdigung eines Gefallenen kommen zum Teil tausende Besucher (einige Angehörige wünschen sich allerdings auch den engsten Kreis, was dann auch respektiert wird) usw.

Das erklärt auch den Umgang mit der unehrenhaften Entlassung:

With this characterization of service, all veterans' benefits are lost, regardless of any past honorable service, and this type of discharge is regarded as shameful in the military. In many states a dishonorable discharge is deemed the equivalent of a felony conviction, with attendant loss of civil rights. Additionally, US federal law prohibits ownership of firearms by those who have been dishonorably discharged per the Gun Control Act of 1968. (englischsprachige Wikipedia)
Die unehrenhafte Entlassung muss vielerorts im Lebenslauf vermerkt werden, und ein Arbeitgeber muss sich schwer überlegen, ob er den Betreffenden einstellt, denn selbst wenn er selbst keine negative Einstellung dahingehend hat muss er doch darum fürchten, dass das Betriebsklima allergisch darauf reagiert.
 
mag sein, das ich die Armeekiste unterschätze, kenne die genauen Lebensumstände anderer
Intel-Dienst-Aussteiger (CIA, NSA) auch zuwenig; sehe nur, das sie gern gesehene Gäste auf den Cons sind und aufgrund ihrer Ausbildung immer noch in der IT Jobs bekommen können.

Edit: wird er angefeindet, zum Leben gibts ja auch andere schöne Flecken auf der Landkarte;
Island sollte vielleicht schon mal Platz finden, für Save-Harbour und Free-Speech ect Suchende.
 
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  • #13
das sie gern gesehene Gäste auf den Cons sind und aufgrund ihrer Ausbildung immer noch in der IT Jobs bekommen können.


Manning ist auf dem Ausbildungsstand eines 20-Jährigen, hat eine Ausbildung zum Nachrichtenanalytiker maximal frisch abgeschlossen (wenn man nach der Zeit geht müsste er sich für meine Bergiffe aber noch in Ausbildung befunden haben, als er in den Einsatz geschickt wurde) und befand sich im Natorang OR3, was hierzulande einem Hauptgefreiten (unterste Laufbahn, Regelbeförderung nach 1 Jahr Dienstzeit, schätzungsweise ~ 1000€ Netto) entspricht. Das sind nicht Leute, nach denen man sich in der IT die Finger leckt.

Was aus Manning beruflich werden kann, wird nicht durch seine Ausbildung von vor 5 Jahren entschieden. Entscheidend ist, ob und was er während seiner Haft für eine Ausbildung/Weiterbildung machen kann. Denn das Wissen, was er jetzt hat, ist in 20 Jahren selbst wenn es nicht eingestaubt ist vermutlich unbrauchbar.
 
Zwei Quellen, auf denen gesammeltes Material zur Prozeß-Berichterstattung und den Anklagen/Urteilen vs Strafmaß zu finden ist. (das 35J.-Urteil habe ich noch nicht gefunden, wofür es wieviel gab)

Alexa O'Brien/@carwinb: +


Kevin Gosztola/@kgosztola: +
 
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Fünfunddreißig Jahre, unvorstellbar.

Ich hoffe er kommt da noch irgendwie raus, auch wenn die Chancen schlecht stehen. Ich würde an seiner Stelle ernsthaft über Selbstmord nachdenken, so hart es klingt.
 
Denke aber, dass das fuehrende Regime aktuell keine 35 Jahre mehr erfolgreich Schabernack treiben kann. Dann wird er frueher freigelassen.
 
Weiss auch nicht ... Aber da gibt es ein Land ... Da gibt es viele Menschen die auf Ihre Natzionailät schwören ... In Anderen Ländern einfallen und Kriege dorthin bringen zum Öll/Landgewinn.

Wo ausländer nicht so einfach Arbeiten dürfen bzw nicht einfach über längere zeit dort leben dürfen , Ohne die Sprache zu lernen. Die Gegen alles und jeden Aggresiv vorgehen der es wagt dinge in frage zu stellen.

Usw.

Ach warn das vlt die Deutschen ?
 
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