Das Vermögen ist kein Geld. Deswegen ergibt es auch nicht so viel Sinn, das gegen Staatsschulden o. ä. aufzurechnen. Die beiden Größen lassen sich nicht verbuchen, ohne vorher in äquivalente Werte getauscht worden zu sein; d. h. Gates und Kollegen müssten zuerst ihr Vermögen verkaufen, um Geld zu haben. Dass sie im Zuge eines weitgehenden Verkaufs ihres Vermögens weniger Geld einfahren können, als ihr Vermögen derzeit wert ist, ist sehr wahrscheinlich, insbesondere wenn andere ebenfalls ihre Vermögenswerte für Geld verkaufen. Also bleibt jede Überlegung, die diese Vermögen als Geld betrachtet, recht realitätsfremd.
Das Problem ist sowieso nicht der Reichtum an sich, sondern was daraus unter den heutigen Gesetzen folgt. Das sind Macht und die Inanspruchnahme fremder Leistungen ohne eigene Arbeit. Die Macht sorgt unmittelbar dafür, dass sie andere nicht haben und nimmt vielen Menschen die Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Dabei ist es nicht notwendig, insbesondere Unternehmenseigentum an Macht über das Unternehmen zu koppeln; tatsächlich gehen wir in Deutschland in Teilen ja bereits einen anderen Weg. Schwieriger, aber u. U. ertragbar ist es, wenn Menschen ohne eigene Arbeit fremde Leistungen einkaufen können. Wir halten es für gerechtfertigt, ohne Arbeit Geld zu verdienen, aber wir müssen diese Möglichkeit nicht schönreden. Der Einfluss auf den Wohlstand einer Gesellschaft, wenn Reiche ihr Geld ausgeben für Konsum oder Investitionen, ist nur scheinbar wünschenswert. In Wirklichkeit ist es einfach Ressourcen- und Zeitverbrauch für den Rest der Menschen, ohne davon etwas anderes zu haben als Geld - das Geld könnten sie aber auch anders selbst besorgen. Und wenn sie es sich selbst besorgen, z. B. durch Drucken, hätten sie danach nicht nur das Geld, sondern auch sowohl ihre Ressourcen als auch ihre Zeit eingespart.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir solche Vermögen als Mittel betrachten, um den Wohlstand der gesamten Gesellschaft zu erhöhen. Eine andere Rechtfertigung würden wir nicht akzeptieren, und so ist ja auch die Argumentation der Politik und Verbände. Einige Menschen sind dann eben so glücklich, von diesem Mittel zu profitieren, aber wenn wir andere Wege finden, zum selben Ziel zu gelangen, ist die Notwendigkeit ihres Reichtums dahin. Stellen wir also fest, dass es besser ist, die Vermögen und Gewinne kräftig zu besteuern, als darauf zu hoffen, dass das Spendenaufkommen und die Höhe der Investitionen ohne Steuern steigt: Dann sind solche Vermögen Geschichte.
Bis dahin sollten wir aber mal nicht so tun, als ob die Höhe der Vermögen irgendwie moralisch verwerflich wäre. Ohne das Einverständnis der Bürger gäbe es nirgendwo auf der Welt solche Vermögen.