Bayern: In Planung – verschärfte Behandlung von psychisch Kranken

depression-1241819_960_720.jpg , kurz BayPsychKHG, das vom Kabinett Söder verabschiedet wurde, sieht vor, die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Krisen auszubauen. Ziel sei „Hilfebedürftige frühzeitig aufzufangen und sie – soweit erforderlich – freiwillig in weitere Versorgungsangebote zu vermitteln“, so Gesundheitsministerin Melanie Huml. Der Gesetzesentwurf besagt aber auch, dass künftig depressive Menschen registriert werden sollen und so behandelt, als wären sie Straftäter.



Bayern hat ein neues Gesetz zur Unterbringung psychisch kranker Menschen auf den Weg gebracht. Einerseits soll landesweit ein Krisendienst aufgebaut werden für psychisch Kranke, die zu Gewalt neigten, dazu gehört auch der Aufbau eines Netzwerkes zur schnelleren Hilfe. Andererseits sollen demnach aber auch Menschen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können, auch ohne dass eine Straftat vorliegt, das heißt, psychisch Kranke würden in Bayern von der Polizei künftig mit Straftätern und Gefährdern gleichgesetzt und ebenso behandelt. Somit plant Bayern nicht nur das umstrittene, superscharfe , um massiv gegen echte und angebliche Gefährder vorzugehen, sondern auch eine Art Polizeirecht gegen psychisch kranke Menschen.



Das ruft natürlich Empörung hervor. Die Kritik darauf ließ nicht lange auf sich warten, wurde doch ein Großteil des Gestzestextes einfach aus dem Strafrecht übernommen. Konkret würde das heißen, Besuche von Patienten können stark eingeschränkt und kontrolliert, Telefonate überwacht, die Wohnung durchsucht und Handys oder Laptops einkassiert werden, falls die kranke Person ihr Einverständnis nicht gibt, sowie, dass die Patienten selbst durchsucht werden können, einschließlich einer Kontrolle der intimen Körperöffnungen. Der Gesetzentwurf definiert gleich mehrere Gründe, weshalb ein psychisch Kranker auch gegen seinen Willen in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten werden kann.



Für die „ “ ist das gleichzusetzen mit einem „Polizeirecht gegen psychisch kranke Menschen“. Das Psychisch-Kranken-Gesetz in Bayern sieht eine Registrierung von depressiven Menschen vor. Nach sich würde eine Anwendung des Gesetzentwurfs für Krankenhäuser gleichfalls die Verpflichtung ziehen, sensible Daten über den Patienten in einer sogenannten Unterbringungsdatei festzuhalten. Die Datei muss zur Verhinderung und Verfolgung von Straftaten auch an die Polizei weitergegeben werden. Die Speicherpflicht der Datei bestünde für fünf Jahre. Eine Entlassung der Patienten müssten Kliniken der Polizei gleichfalls mitteilen.

Besonders lehnen sich gegen das geplante Gesetz auf. Für sie kommt es einer Stigmatisierung gleich. Karl Heinz Möhrmann, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Angehörigen Psychisch Kranker, rügt: „Der Gesetzentwurf vermischt die Behandlung von in einer Krise befindlichen psychisch erkrankten Menschen in einer allgemeinpsychiatrischen Klinik mit der längerfristigen Unterbringung psychisch kranker Straftäter im Maßregelvollzug.“

Aber auch die Opposition hat sich gegen das geplante Gesetz ausgesprochen. Die Grünen forderten, man dürfe psychisch Kranke nicht in die Nähe von Straftätern rücken. Kathrin Sonnenholzner (SPD), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, gab bekannt, sie werde „alles tun, um dieses Gesetz in seiner jetzigen Form zu verhindern“. Es sei „eine Katastrophe für die psychisch Kranken“, laufe es doch auf deren Stigmatisierung hinaus. Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP für die Landtagswahl, kritisiert: „Die Staatsregierung stellt die Grundrechte psychisch Kranker zur Disposition“.

Kerstin Celina, Sozialexpertin der Landtagsgrünen, meint: „Das Gesetz wirft uns um Jahrzehnte zurück – in vielen Punkten und der Hauptpunkt ist die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen: Menschen mit Schwangerschaftsdepressionen, mit Alzheimer, die aufgrund ihrer Erkrankung vielleicht mal aggressiv werden, eingeliefert werden und danach stigmatisiert werden für viele, viele Jahre hinweg, in eine Unterbringungskartei eingebracht werden und die Hilfe für Menschen wird ganz klein geschrieben.“

Margit Brendl, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bayern, äußert: „Anstatt die Hilfe und die Heilung in den Vordergrund zu stellen, geht es in dem Gesetz primär um Gefahrenabwehr. Psychisch kranke Menschen werden wie Straftäter behandelt“. Für psychisch kranke Straftäter gebe es aber den Maßregelvollzug.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigt die Novelle des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes gegen die Kritik von Opposition und Verbänden: „Wir wollen niemanden stigmatisieren und nehmen die Bedenken ernst“ so Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Er kündigte an, dass die Regierung bei der anstehenden Beratung des Gesetzentwurfs im Landtag „offen für Veränderungen“ sei. Dies gelte für Detailfragen, „aber die Grundrichtung wollen wir erhalten“. Immerhin soll nun die umstrittene Unterbringungsdatei, die gleich mehreren Behörden zugänglich wäre, keinen Untersuchungsbefund der Ärzte mehr enthalten. Zudem würde auf die geplante Institution von Unterbringungsbeiräten verzichtet, hieß es. Auch Patientendaten sollen nur noch wenige Monate anonymisiert aufbewahrt werden. Am 24. April soll eine Expertenanhörung stattfinden.

Bildquelle: , thx! (CC0 Public Domain)




Autor: Antonia
 
*Wir wollen niemanden stigmatisieren* pruuuuuust

Auf Twitter erfinden (:cool:)die Leute -darunter auch jede Menge Ärzte- schon witzige Zeichen, die man Patienten, je nach Krankheitsbild anheften könnte.
Rosa Sternchen, lila Sternchen, gelbe Sternchen...räusper...

(Dass ich den Gesetzesscheiß für mal so richtig krank-gestört halte versteht sich von selbst)
 
Weil Bayern ständig die Aufmerksamkeit erregt, sei es durch Äußerungen wie den Vorschlag zu Seehofers Obergrenze, das anscheinend typisch CSU ist oder durch Aussagen von Markus Söder zum Thema Bayern im Sinne von "Bayern ist das schönste Bundesland Deutschlands und wir wollen sowieso etwas Eigenes und Besseres sein."

Das ist - gebe ich zu - etwas überspitzt und Antibayerisch dargestellt, aber im Grunde ist es doch eigentlich so. Freilich wollen sie auch zur Politik beitragen, aber das größtenteils so hervorzubringen, dass Bayern Vorrang hat, finde ich nicht fair.

Und um dein zitiertes Zitat aufzugreifen sind es die obenstehenden Aussagen, welche von den CSU-Ablehnern in dieser Weise negativ aufgefasst werden.
 
Hm, das Thema sollte man aber von unterschiedlichen Perspektiven sehen und nicht immer die "Typisch Bayern"-Schelte aus dem Sack holen.
Hat jemand von euch schon mal das "Vergnügen" mit jemanden psychisch Erkrankten aus dem Familien-/Freundes- oder bekannten Kreis zu tun gehabt zu haben?

Je nach Art der Erkrankung ist das mal mehr und mal sehr viel mehr schlimmer, als bei physischen Erkrankungen (z.B. Krebs) und zwar nicht nur für den Erkrankten, sondern eher noch für die Menschen, die dieser Person Nahe stehen.
Wenn dann die Erkrankte Person keine Krankheitseinsicht zeigt, dann kommt es (in bestimmten Bundesländern) zu Situationen, wo eine "Zwangsmedikation" nicht möglich ist, was aber fatal sein kann, wenn es sich z.B. um eine Psychose mit Wahnvorstellungen handelt.

Diese Personen können (!) eine Gefahr für andere Menschen werden, wenn Sie nicht behandelt werden. Das rationale Denken setzt dann einfach aus. Diese Leute besitzen dann eine andere Realität. Ein gesunder Mensch kann sich das nur schwer vorstellen.
Wenn man aber solche Fälle selber miterlebt hat, dann kann man solche Forderungen wie im Startpost beschrieben eher nachvollziehen. Die Leute, die solche Krankheiten nur aus den Medienberichten kennen, sind verleitet schnell von "Nazi"-Vorkehrungen zu sprechen. Das ist natürlich Quatsch. Leute die diese Krankheiten nicht kennen, sollten gar kein Mitspracherecht erhalten!

Aber das Problem ist, dass die Bandbreite der eigentlichen psychischen Erkrankung sehr groß sein kann und dass es auch sehr auf die Umstände ankommt, z.B. bei Depressionen. Wenn man sich selber die Frage stellt: Würde man heute noch ohne schlechtes Gefühl in ein Flugzeug steigen, wenn man zufällig herausbekommt, dass der Pilot unter Depressionen leidet?
 
@Zoldan:
schön, du zeigst das du nix von der Materie verstehst:
Bei dem Bayrischen gesetz geht es nicht darum betroffenen entsprechende Behandlungen zukommen zu lassen.
Es geht darum betroffene zu internerieren, weil eine adäquate medizinische Behandlung wohl zu viel kostet und zu anstrengend wäre .
Die Konsequenz aus dem massiven Abbau am Gesundheitssystem: Wir haben kein Geld mehr die kranken zu versorgen, wir sperren sie einfach weg!
Schön für alle die Hilfe suchen: lieber meine Depressionen verheimlichen, als Internierungslager! Jahrzehntelanger Fortschritt der Aufklärung und Sensibilisierung für die Katz, weil nem scheiß Bayer mit Geltungsbedürfnis die Lederhose zu eng sitzt
Heil Söder! Passt!


Schön das sich übrigens Carsten bei dir bedankt:
Heult rum wegen jedem Furz von Victimshaming, aber wenn es wirkliche Opfer zu verteidigen gilt, dann ist er auf Seite der Agressoren,
irgendwann möchte ich mir dein Weltbild mal erklärt wissen, gerne auch per PN, will es wirklich nur verstehen :unknown:
 
Ist das ein Fall für die Cyber Feuerwehr?

Gut das man Nazivergleiche erst machen darf wenns Fotos gibt das Leute bereits ihre eiegnen Gräber schaufeln müssen.

Wobei, besser nicht, der letzte der sowas versucht hat wurde nach dme Ausbruch wegen Landesverrat hingerichtet.

Was zu der Interessanten Frage führt:
Konnte Erdogan die Todesstrafe bereits wieder einführen?

Parallelen zu vergangenen Ereignissen sind rein zufällig.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wer jedem islamischen Attentäter eine psychische Störung attestiert, darf sich jetzt nicht beschweren, wenn psychisch Gestörte härter behandelt werden.
 
Wer jedem Brotesser der ein paar Leute umbringt eine psychische Störung attestiert darf sich nicht wundern wenn Leute die auch Wurst essen härter behandelt werden.

Wer bietet mehr? Wird das jetzt "Videospieldebatte 3: Return to Reich"?

In dem Kontext würde mich dann interessieren welches Problem man mit dieser Aktion kaschieren möchte.

Gegen Stigmatisierung vn psychsichen Krankheiten!
Schritt 1: Wir brauchen eine Liste mit allen psychisch kranken mit willkürlich festgelegtem Störungsbild und schränken deren Rechte ein um Strafverfolgung zu vereinfachen indem wir sie pauschal als potentielle Gewaltverbrecher vorverurteilen.
Schritt 2: ...
Schritt 3: Profit!

Ich seh echt keinen Weg wie das schieflaufen oder gar nach hinten losgehen könnte!
Ehrlich, überhaupt keinen.
 
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Schön das sich übrigens Carsten bei dir bedankt
Wie Zoldan schreibt, sollte man dies (und vielleicht auch so manch anderes Thema..) aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.. und ich finde seinen Beitrag relativ unaufgeregt und sachlich. Im Gegensatz zu deiner darauf folgenden Antwort, die direkt wieder einen recht aggressiven Ton anschlägt.

Heult rum wegen jedem Furz von Victimshaming, aber wenn es wirkliche Opfer zu verteidigen gilt, dann ist er auf Seite der Agressoren..
Ich bin auf keiner Seite, schon gar nicht bei diesem Thema hier, denn da habe ich zu wenig Einblick in die Materie. Mal davon ab, dass natürlich nur du, und nur du alleine bestimmen kannst und darfst, wer "wirkliches Opfer" ist! Über alle anderen darf, nein, muss man selbstverständlich tonnenweiße Scheiße abladen.
Zumindest scheinen meine Kommentare auf dein Verhalten mal so richtig(!) getroffen zu haben, denn anders könnte ich mir dein ständiges geheule nicht erkären. Immerhin ist es ein wenig amüsant, insofern: Feuer frei!
 

Wie Zoldan schreibt, sollte man dies (und vielleicht auch so manch anderes Thema..) aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.. und ich finde seinen Beitrag relativ unaufgeregt und sachlich.
"Sachlich" gesehen ist diese Gesetz Menschenunwürdig, da gibt's nichts dran zu rütteln. Jemanden zu behandeln wie verurteilte(! was hier übrigens nicht passiert) Straftäter(!!) weil er/sie unter einer psychischen Krankheit leidet, ist Rechtsstaatlich nicht zu vertreten; Ich gehe sogar jede Wette ein das dieses Gesetz noch in der ersten Instanz kassiert wird.
Hat jemand von euch schon mal das "Vergnügen" mit jemanden psychisch Erkrankten aus dem Familien-/Freundes- oder bekannten Kreis zu tun gehabt zu haben?
Hattest Du schon jemals das "Vergnügen", psychisch Krank zu sein, behandelt zu werden, und dann allein deshalb überwacht und wie ein Straftäter geführt&behandelt wirst?
Sach' mal hakt's noch?
 
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Wieder einmal sehe ich, warum ich die Bayern für rückständige Arschlöcher halte. :buh:
 
Wer jedem islamischen Attentäter eine psychische Störung attestiert, darf sich jetzt nicht beschweren, wenn psychisch Gestörte härter behandelt werden.
Irgendwie waren doch die deutschen Attentäter die psychisch kranken und die islamistischen Terroristen echte "Terroristen", also so aus Überzeugung und so.
 
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