Ausverkauf der Regierung

Allerdings ist das Beispiel natürlich eher realitätsfern. Sehe da auch weiterhin keine Möglichkeit, die irgendwie Sinn machen würde.
Du bist näher an der Realität, als du denkst ;) Private Firmen bauen bereits Express-Spuren, natürlich als PPP und natürlich in den USA:
In 1995, California Private Transportation Company won a contract to complete a $130-million project using mostly private money to build express toll lanes along Orange County’s State Route 91 freeway. To recoup expenses, politicians gave the company a 35-year claim to operate the toll route, promising Californians that privatization would lead to greater safety, efficiency and savings.

So etwas entspricht nicht ganz deinem Szenario, aber ist nah dran. Das wurde übrigens ein Desaster und Kalifornien hat die Express-Spuren für 200 Millionen aufgekauft.

Dass du eine Woche auf das Internet verzichten kannst, finde ich beachtlich. Auch auf Straßen und Wege, bist du dir da sicher? Ich glaube du unterschätzt das Wort kritisch. Klar, eine Verwaltung, Schulen oder die Müllabfuhr kannst auch privat betreiben, wird dann aber scheiße. Das merkst du nicht nach einer Woche, aber nach fünf Jahren.

- Bei der Post hast du keine Konkurrenz, was Briefe angeht. Du hast ein paar private Anbieter, die sich spezialisiert haben und scheiße bezahlen. Aber die Post ist defacto ein Monopol mit 90 Prozent Marktanteil. (fyi: Das statistische Bundesamt hat keine Zuordnung der Postleitzahlen zu einem Gebiet und müsste sie bei der Post kaufen) Bei Paketen haben sich mehrere kleine Anbieter gebildet, die sich etwa 50 Prozent Marktanteil teilen und grauenvolle Arbeitsbedingungen bieten.

- Bei Fernbussen hat sich ein Monopol herausgebildet, nämlich Flixbus. Die Bahn verliert ihr Monopol gerade, rutscht unter 70 Prozent Marktanteil, aber ist das gut? Oder treibt das nur die Preise nach oben und die Löhne nach unten? Und was bringen mir mehrere Anbieter, wenn die eine Strecke eh nur von dem einen Anbieter bedient wird? Eine Anbieterschlacht um die Strecke Castrop-Rauxel – Lüdinghausen wird es nicht geben.

- Im Mobilfunk haben wir genau drei Anbieter, die Telekom, Vodafone und O2. O2 hat ja letztens E-Plus gekauft. Das alles funktioniert so gut, dass die Bundesnetzagentur die drei zwingt, die Netzabdeckung und mindestens 50 Mbit/s pro Funkzelle anzubieten. Von sich aus wäre das Oligopol wohl nicht darauf gekommen und hätte sich eher auf den lukrativen Städtemarkt beschränkt.

Gesundheit habe ich in der Liste vergessen (Krankenhäuser, Altenheime etc.) und den ÖNV.
 
Zuletzt bearbeitet:
Internet ist - zumindest geschäftlich - durchaus eine kritische Infrastruktur.

Wir hatten hier mal eine Woche kein Internet weil der Telekom ein lokales Verteilerdingens abgeraucht ist.

~130 Firmen ohne Netz.

Die Folge hätte sich niemand denken können. Nach ca. 24 Stunden fingen die meisten gewerblich lizensierten Programm mit Onlinelizenzverwaltung (CAD/CAM Software z.B.) an zu streiken.
Teilweise blieben ganze Maschinen stehen weil die Onlineverbindung zum Hersteller abbrach.

Absolutes Disaster, Kundenanfragen + Datenversand nurnoch postalisch möglich.

Erklärt mal euren Kunden, dass sie ihre Anfrage bitte per Brief senden müssen...

Seid dem haben wir hier ein Backup-Anschluss eines zweiten Anbieters über Funkverbindung die uns Internet auch bei Ausfall der Kabelanbindung garantiert.
 
Nunja, im Grunde ist das eigentlich so. Wenn man wirklich als Firma auf das Internet angewiesen ist, dann sollte man sowieso immer einen unabhängigen Zweitweg zur Verfügung haben, für den Störungsfall, denn Störungen können immer auftreten. Selbst wenn die Störungen nur von kurzer Dauer sind, kostet es (je nach Firmengröße) bereits deutlich mehr, wenn die Mitarbeiter 1-2 Stunden nichts tun können. Wenn da wirklich eine Störung in diesem Ausmaß aufgetreten ist, dann ist es fraglich, ob das schneller gewesen wäre, wäre das Netz in Bundespost-Hand. Auch als Privatkunde hat man mittlerweile eigentlich überall die Möglichkeit, z. B. bei einem Ausfall des Festnetzes mit Mobilfunk/LTE zu surfen und andersherum. Auch wenn das sicherlich nicht optimal ist.
 


Ne Thom, versteh mich nicht falsch, das war nicht als Kritik an die Telecom gerichtet.

War eher so, dass bei uns als CNC-Zerspanungsbetrieb (Fräserei) kein Mensch gedacht hätte, das ausser dem Mailversand halt was passiert wenn das Internet ausfällt.
Stattdessen war es kaum noch möglich den Betrieb aufrecht zu halten.
 
Das mit den wußte ich gar nicht. Diese investierenden "Kooperationspartner", man wird sagen, daß sie keinen Einfluß auf Lehrer und Lehrplan haben dürfen, können aber mit anderen verlockenden Angeboten punkten, z.B. im Bereich von religiösen "Angeboten".
 
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  • #27
Ach komm, ein paar Gesundheitsangebote von Nestlé haben sicherlich auch was. Ich habe mir einmal eine solche Ernährungsberatung in einem Supermarkt angehört. Ich frage mich nur, ob sie nicht zusätzlich Deals mit Krankenhäusern etc. abgeschlossen haben, um den Kreislauf einheitlich zu gestalten.

Schulen wusste ich leider schon und gefällt mir genauso wenig wie Autobahnen.
 
Denn was soll schon schiefgehen?

Mike was 18 when his school, Greenbriar High in Evans, Georgia, was doing what a lot of schools were doing at that time: climbing into the sack with large corporations in exchange for trifling funds. Coke HQ had come up with a competition: Coke In Education Day. For one fun day, the curriculum would be hijacked. In chemistry, they would study the molecular composition of Coke. In business studies, they would analyse the marketing plans of Coke. They'd take some Coke to Coke with their Coke on the Coke, then, to cap this bantu education off, someone from Coke HQ would come round and watch them take a photo of themselves dressed in red and white, spelling out the word "Coke" with their bodies: human meat in service of cola.
(...)
Mike went off-script. An hour after he wore a Pepsi shirt in the photo, he was in the principal's office being suspended. Twenty-four hours later, he was appearing on national news link-ups, his curious case lighting up the phone lines on talk radio.


Das war in den 90ern in den USA. Und heute in Deutschland so:
Tatsächlich sind immer mehr große und kleine Unternehmen bundesweit an Schulen aktiv. Chips- und Schokocreme-Hersteller sponsern Sporttage, Versicherungen und Banken schicken ihre Mitarbeiter in die Klassen, und Hunderte Firmen, Stiftungen und Interessenverbände bieten Unterrichtsmaterialien zu ihren Themenfeldern an. 611.819 kostenlose Materialien im Internet zählten Forscher der Uni Augsburg im vergangenen Jahr. So stellt der Pharmakonzern Bayer unter anderem Unterrichtsblätter zu Gentechnik und Pharmaforschung zum Download bereit. Und Tetra Pak schreibt in seinen Schulmaterialien zu gesunder Ernährung: "In Getränkekartons von Tetra Pak werden die wertvollen Nährstoffe, z. B. der Milch, perfekt geschützt."
 
Habt ihr denn nicht alle so eine kleine, bunte Spardose von der Stadtsparkasse gehabt?
Bei uns gibt es die immer noch in den Grundschulen.
Das nennt sich ganz unscheinbar Schulsparen und dann ist man in dem tollen KNAXX-Club der Sparkasse :D
 
Klar. Die Plastikelephanten.

Wegen des Gemeinnützigkeitsprinzips würde ich das aber gegenüber Firmen und Konzernen mit Ausrichtung auf Gewinnmaximierung abgrenzen.
 
Da ist die Gemeinnützigkeit aber nur auf das Schülersparkonto und bis einschließlich des Taschengeldgirokontos gegeben.
Auch die Sparkassen haben vor ein paar Jahren angefangen, Kunden offen und versteckt Gebühren in horrenden Summen in Rechnung zu stellen.
Ich weiß ja, dass die Gewinne *gespendet* werden müssen, aber die netten Zeiten sind vorbei. Die tricksen was das Zeug hält.
Deshalb sehe ich das mit dem Schulsparen als pure und dreiste Werbung mit Duldung des Staates.
 
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  • #33
Auch wenn viele Bürger gegen TTIP und CETA waren, wurde CETA inzwischen beschlossen (Abkommen mit Kanada, ) und muss nur noch ratifiziert werden. Wie gut, dass man so gut informiert wird und dass die Regierung, die die Interessen der Bürger vertritt, dies auch gewissenhaft macht...
 
Wie gut, dass man so gut informiert wird und dass die Regierung, die die Interessen der Bürger vertritt, dies auch gewissenhaft macht...

Dass es beschlossen wurde steht doch auf der Webseite der Bundesregierung. Artikel von heute:
CETA bringt große Vorteile für EU
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada CETA ist vorläufig in Kraft getreten. Nach Berechnungen der EU-Kommission bringt es europäischen Unternehmen jährlich Einsparungen von 590 Millionen Euro. Auch die Verbraucher in der EU werden profitieren.


Was willst du, dass dich Merkel anruft und informiert? "Sie kennen mich. Heute haben die EU und..."
 
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  • #36
:D :buh:

Das hat schon was... Die freien Medien könnten ja auch mal berichten, also vor der Wahl, aber man ist so frei und hält den Ball flach.
 
Die freien Medien könnten ja auch mal berichten, also vor der Wahl, aber man ist so frei und hält den Ball flach.
Die ist klar, dass du die Zeit verlinkt hast, eine der meistgelesenen News-Seiten im Netz?

Aber klar, sonst haben wieder nur die alternativen Medien berichtet. Eine kleine Seite namens etwa, oder das Provinzblatt . Es war Thema bei der völlig unbekannten Seite und einer Seite, die sich großkotzig nennt. Dann hat auch noch der darüber berichtet (Wohl ein Ableger von Russia Today?). Und dieser . Bei der war es Thema und auf und bei .

Ist wirklich traurig, wie einfach Niemand im Internet darüber berichtet :(
 
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  • #38
Als ich den Beitrag bei der Zeit las, war er bei Süddeutsche, Spiegel und Merkur nicht auf der ersten Seite. Bei Zeit war er auch bald nicht mehr auf der ersten Seite zu sehen. Trump findet man dafür etwas leichter. Das meine ich mit Ball flach halten. Wenn andere Themen schneller zu sehen sind.
 
@LadyRavenous: Ich suche jetzt nicht bei Archive.org, wie die Seiten gestern so aussahen und an welcher Stelle die Ceta-Geschichte stand :D Wenn News auf diesen Seiten runterrutschen, dann weil sie nicht genug geklickt werden, jedenfalls bei den Privaten. Vielleicht interessiert sich einfach keine Sau dafür? Und wann wärst du zufrieden gewesen, wenn es überall der Aufmacher wäre, für den ganzen Tag? Ceta und Europa waren bisher sowieso kaum ein Wahlkampfthema.
 
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