[Politik und Gesellschaft] Überwachungspraktiken werden immer ausgefeilter

In einer Pressekonferenz erklärte der Generalstaatsanwalt von Ohio, Mike DeWine, dass Anfang Juni im US-Bundesstaat Ohio eine Gesichtserkennungssoftware in Betrieb genommen wurde, welche Zugriff auf alle Polizei- und Führerscheinfotos inklusive aller persönlichen Daten hat. Allein in der Hauptstadt Ohios, Cincinnati, sind bereits 118 Überwachungskameras eingebunden, bis Ende 2014 sollen es dort über 1000 sein. Das Büro des Generalstaatsanwaltes fand es nicht notwendig, die Bevölkerung über den Start des System zu informieren, da ein solches bereits in weiteren 26 Bundesstaaten installiert wäre. Der Grund für die jetzige Bekanntgabe ist, dass ein Kremium zur Verhinderung des Datenmißbrauchs gebildet werden soll.


Quellen: ,
 
Warten wir einfach ab, bis die ersten Überwacher Opfer ihres eigenen Systems werden. Aber bei denen verschwinden dann ja auf misteriöse Weise die Aufnahmen, man pisst sich ja schließlich nicht gegenseitig ans Bein.
 
Wie immer: "Big Brother is watching you".

Gibt es denn eine Rechtfertigung über die Aufstockung auf über 1000 Kameras geben? Ich habe noch nie von irgendwelchen Bandenkriegen oder einem kriminellen Ghetto in Cincinnati gehört. Geschweige denn von der Stadt im allgemeinen in den Nachrichten.
Wer schaut sich denn dieses Material an?

In London kann ich es zum Teil nachvollziehen. Ist ja eine Metropole und nach den Anschlägen 2005 hat man sicher Angst vor mehreren.
 
Ich find grad leider den Artikel nicht mehr. Aber ich hab mal was dazu gelesen, dass Kameraüberwachung sowieso eigentlich gar keinen nachweisbaren positiven Effekt hat. Da gings um die Aufstockung der Anzahl an Überwachungskameras genau in London. Von wegen, dass 1000 Kameras im Jahr erfahrungsgemäß ein Verbrechen verhindern oder so aber mehr kosten als das Gehalt eines Polizisten, bei dem man ja davon ausgehen dürfte, dass der mehr als ein Verbrechen im Jahr verhindert.

Interessant war in dem Artikel vor allem die Betonung des Unterschiedes zwischen Kameraüberwachung und Kameraaufzeichnung.

Bei der Überwachung, die zum Beispiel in Unternehmen zum Einsatz kommt, in denen der Pförtner eine Kamera zur Überwachung bestimmter Bereiche im Büro hat, sieht der dann in Real Time, was passiert. Meist wird sowas allerdings nicht aufgezeichnet.
Bei der Aufzeichnung werden die Geschehnisse - wie gesagt - aufgezeichnet. Dafür sitzt niemand vorm Monitor und guckt sich das an. Diese Methode kommt viel häufiger zum Einsatz, weil sie natürlich kostengünstiger ist. Die Bänder werden dann nur rausgekramt, wenn z.B. ein Verbrechen begangen wurde.
Das bedeutet, dass der subjektive Zugewinn an Sicherheitsgefühl nach dem Motto "mir passiert nichts, denn mir sieht ja jemand zu" einfach unbegründet ist, weil ja gar niemand zusieht. Es wird also nicht, wenn man überfallen wird - in der U-Bahn z.B. - plötzlich ein SEK-Team oder was um die Ecke kommen und einen retten. Man wird dann halt totgeprügelt. Der einzige Unterschied ist der, dass der Täter, so er nicht vermummt war, nachher identifiziert werden kann.

Solche Kameras haben also erstmal maximal einen abschreckenden Effekt. Dieser ist eben aber bisher nicht oder kaum nachweisbar. Insofern stellt sich wie immer die Frage, ob mehr Kameras überhaupt irgendwas bringen. Andersrum war sogar die Rede davon, dass Menschen sich ja, wenn sie sich beobachtet fühlen, nachweisbar anders verhalten. Da wirds dann spätestens gefährlich, wenn die Kameraaufzeichnungen automatisch ausgewertet werden und z.B. nach bestimmten Verhaltensmustern durchsucht werden, die typisch für Terroristen o.Ä. sein sollen.
 
Andersrum war sogar die Rede davon, dass Menschen sich ja, wenn sie sich beobachtet fühlen, nachweisbar anders verhalten. Da wirds dann spätestens gefährlich, wenn die Kameraaufzeichnungen automatisch ausgewertet werden und z.B. nach bestimmten Verhaltensmustern durchsucht werden, die typisch für Terroristen o.Ä. sein sollen.


Das stimmt bei mir zum Beispiel. Wenn ich irgendwo bin und sehe, dass da Kameras sind, dann fühle ich mich total beobachtet und bin sehr angespannt.
Ich habe zwar nichts zu verbergen, aber ein schlechtes Gefühl existiert trotzdem.
Das ist wie mit dem Rausgehen aus Geschäften: Man weiß, dass man nichts geklaut hat oder so, aber ab und zu hat man trotzdem das schlechte Gefühl, dass die Schranke anfängt zu piepen.
 
dass die Schranke anfängt zu piepen
Was ja auch tatsächlich manchmal passiert. Wenn z.B. irgendwelche Aushilfen im letzten Geschäft vergessen haben, die Etiketten richtig rauszumachen oder so. Ist schon nicht so cool, wenn man dann da den Rucksack auspacken und zeigen muss, was man drin hat.
 
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