Sicherer Job, keine Chance

tschangoo

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Ich habe zur Zeit einen Job bei einem großen Industrieunternehmen im Büro. Aber leider nur befristet für ein halbes Jahr. Der Job und die Tätigkeit sind sehr anstrengend, mit viel Stress verbunden aber auch interessant. Leider kann es gut sein, dass ich nach dem halben Jahr wieder in meinem alten Job im Unternehmen als Lagerarbeiter zurück muss. Unabhängig davon, ob ich mich gut oder schlecht angestellt habe. Die Chancen sind leider sehr bescheiden. Dafür passt der Verdienst.

Nun habe ich auch eine Stellenzusage beim Finanzamt für ein Duales Studium. Das Studium würde mich sehr interessieren, jedoch habe ich auch bammel davor, dass ich es nicht schaffe und danach ohne Job dastehe. Die Bezahlung wäre dort auch insgesamt nicht so gut, wie in der Industrie. Nur hat man in der Industrie auch jederzeit die Möglichkeit einen auszugliedern.

Habt ihr Erfahrungen mit einem Studium bei einer Behörde? Vllt. sogar beim Finanzamt?
Wie würdet ihr entscheiden?

Ich bin Anfang 30, ledig, keine Kinder.
 
Duales Studium beim Finanzamt? Was wäre das für ein Studiengang?

Da bekommt man ja so ca. 1k€/Monat, das ist schon knapp, aber man kann damit leben.

Lass' dir auf jeden Fall ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellen. Du kannst dich auch woanders bewerben als beim dualen Studium. Auch ein Abbrechen eines dualen Studiums ist kein Weltuntergang.

Arbeitslos kann man auch als fertig Studierter werden. Der gängige Witz unter Germanisten: "Ich studiere Taxifahrer!"
 
Ich habe vor ca. zwei Jahren ein Pärchen kennengelernt, die ein duales Studium beim Finanzamt angefangen hatten.
Sie erzählten, dass öfter mal anstrengend ist, aber die Karrierechancen ausgesprochen gut sind. Das beflügelt wohl.
Allerdings sind die auch zu zweit und teilen sich dementsprechend die Wohnung und kommen in der Studienzeit besser mit dem Geld hin.

Zumindest wäre die Sicherheit einer festen Stelle im Staatsdienst gegeben. Das sollte dich beflügeln.

Ich bin selber im ÖD. Ich bekomme Tarif, werde zwar nicht schweinescheißenreich, muss immer mal was neues dazulernen,
aber mein Geld kommt zuverlässig und pünktlich. Ich bin froh, dass ich mich vor ewigen Jahren getraut habe, mich noch mal durchzubüffeln.
 
Ehemalige Kollegen von mir haben ebenfalls beim Finanzamt (andere wiederum beim Zoll) studiert. Es kann anstrengend sein, aber welches Studium ist das nicht ab und zu? An sich hat es ihnen gut gefallen, aber haben dann entschlossen Richtung Informatik zu gehen.
Danach, wenn du das Studium durchgezogen hast, winkt dir eine feste Stelle im Staatsdienst. Es gibt übrigens auch ein Studium Richtung Verwaltungsinformatik (genauen Namen habe ich nicht mehr im Kopf).

Wenn dich das Thema wirklich interessiert, musst du schauen, ob du mit dem Geld während des Studiums auskommst und ob du in Zukunft im Staatsdienst arbeiten willst.

Zum Alter: mit mir haben auch zwei studiert, die Ü30 waren (einer eher Ü40). Sie bekamen nach dem Studium genauso gut oder schlecht wie der Rest stellen. Nachdem du eine Zeit aus dem Lernen heraus bist, wirst du anfangs vermutlich dich schwerer tun, aber es ist nicht unmöglich. In meinem Bekanntenkreis sind auch Leute, die nach Hauptschule und Ausbildung das Fachabi gemacht, Studium abgeschlossen haben und am Schluss noch n MBA drangehängt haben (egal was man vom MBA hält). Stell dich einfach mal darauf ein, dass dir das Lernen vermutlich etwas schwerer fällt als den Jungen direkt nach dem Abi, aber machbar ist alles.
 
Erste Frage, wie alt bist Du !

Lass Dir nach den 6 Monaten ein Zeugnis von Deinem Chef ausstellen - mach Dich schlau welche Formulierungen es gibt und sprich es ggf. Mit dem Betriebrat ab wenn es Dir nicht zusagt. Du hast ein Recht darauf ein Zeugnis zu bekommen !

Mach dann die Ausbildung beim Finanzamt - ganz einfach weil das eine weitere Qualifikation bedeutet.
Du hast dann Erfahrung als Lagerarbeiter, Büroaushilfe (mit hoffentlich gutem Zeugnis) und eben der Ausbildung.

Damit stehst Du bei dann kommenden Bewerbungen weitaus besser da als wenn Du nur Lagerarbeiter wärst !
 
Im Opener steht, dass er Anfang 30 ist ;)

Das Zeugnis, das Goetz meint, heißt in diesem Fall Zwischenzeugnis. Aber wie er schon schreibt, sie müssen dir eins ausstellen.
Das ist auch ein klein wenig die Ankündigung, dass man ggf. die Firma wechseln will. Manchmal ist so was auch ein Aufrütteln der Chefs.

Die Bezeichnung *nur Lagerarbeiter* finde ich nicht so gut.
Zum einen sieht das in einem Lebenslauf gar nicht mal schlecht aus. Der weiß was harte Arbeit ist.
Zum anderen boomt die Logistikbranche. Die haben richtig Personalmangel. Lest mal die Stellenanzeigen.
 
Habt ihr Erfahrungen mit einem Studium bei einer Behörde? Vllt. sogar beim Finanzamt?

Finanzwirt ist ein sehr/sehr Mathe- und Rechtslastig.
Aus meinem alten Abiturjahrgang haben das 2 Leute gemacht, beide waren recht zufrieden.

Bevor man dir aber ein Rat gegeben kann:
Wirst du hinterher verbeamtet?
Was hast du den jetzt für einen Abschluss/Ausbildung?
Ist das Risiko wirklich groß, dass du hinterher nichts hast?

Was das Studium angeht:
Die meisten, die nachträglich studieren scheitern daran, dass Sie das Lernen nicht mehr gewohnt sind.
Also das stundenlange auf dem Arsch sitzen und volllabern lassen und trotzdem noch zuhören.
und eben die Tatsache das du niemals wirklich Feierabend hast.
Das Nacharbeiten, selbstständige Lernen musst du eben 100% eigenverantwortlich machen -> daran scheitern die meisten "Arbeiter".

Generell würde ich sagen:
Probiere es.
Es ist besser es versucht zu haben und zu scheitern, als in 10 Jahren zu sagen "hätte ichs mal gemacht" und mit 30 zu studieren ist heute auch nichts ungewöhnliches mehr.
 
Der Vorteil beim dualen Studium ist ja, dass man auch arbeitet. Also nicht nur büffeln muss.
In der Zeit bekommt man praktische Erfahrungen und jede Menge Informationen aus dem *echten Leben* in dem Beruf, den Berufsfeldern.

In den meisten dualen Studien hat man Studium und Arbeit je als Block, also ein paar Wochen arbeiten, ein paar Wochen lernen.
 
@Chegwidden:
Und im Finanzamt wird man meines hören-sagen nach dabei auch sehr gut betreut.

Ich wollte nur noch mal explizit darauf hinweisen, da ich leider mehr als einen fähigen Studenten aus der Arbeitswelt genau an dieser Kleinigkeit habe scheitern sehen.
Die hatten mit dem Konzept des Studierens mehr Probleme, als mit dem fachlichem.
Wenn er sich dessen Bewusst ist, kann er sich vorbereiten und wird eben nicht an dieser Kleinigkeit hängen bleiben, deswegen hab ichs noch mal gesagt :T
 
Ich bin da ganz bei dem, was die anderen bereits geschrieben haben. Allerdings will ich auch noch was hinzufügen: Du musst davon überzeugt sein! Das ist ganz wichtig dabei. Wenn Du von Anfang an Zweifel hast, das duale Studium nicht zu packen und dann am Ende ohne Job dazustehen, wirst Du es auch nicht schaffen. Was Du also brauchst ist eine positive Einstellung, sonst würde ich es lieber sein lassen ;)
 
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  • #11
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Es hat alles immer zwei Seiten und momentan versuche ich diese abzuwägen. Es handelt sich um den Studiengang Dipl. Finanzwirt.

Die Entscheidung ist momentan nicht einfach. Ich habe hier auch eine Existenz aufgebaut, meine Freundin ist darüber auch nicht begeistert. Wir müssten eine Fernbeziehung führen (1 Stunde Fahrzeit), getrennte Wohnungen, weniger Geld, wenig Zeit.

Ich gebe euch auch recht damit, dass ich im Lernen nicht mehr drin bin. Ich denke aber, dass dies machbar ist. Ein Studium habe ich bereits hinter mir und abgeschlossen, leider kann ich in diesem Bereich aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten.

Positiv sehe ich momentan, dass es sich bei der Tätigkeit beim Finanzamt um sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten handeln kann, ich mit Mathematik und Logik keine Probleme habe und die Sicherheit danach gegeben ist.

Noch eine Frage: Wenn ich die Ausbildung beim Staat abschließe und anschließend in die Privatwirtschaft wechseln würde, müsste ich ja die Ausbildung bezahlen.

Wie sieht die Sache aus, wenn man beispielsweise an ein anderes Finanzamt/Behörde wechselt? Mir schwebt da vor, an einen Arbeitsplatz in der Nähe meines Privaten Umfelds zu wechseln. Wenn ich dann nach der Ausbildung erst 5 Jahre warten muss, wäre das doof.
 
Die ehemaligen Kollegen von mir konnten schnell innerhalb der Behördenwelt wechseln, aber nicht jede Richtung (von Behörde zu Behörde) geht. Da kann ich dir aber leider nicht weiter helfen, da ich mich zu wenig auskenne.
 
Nicht nur in München. Von Chegwiddens Haus bis zu meinem dauert's manchmal auch über eine Stunde mit dem Auto. Und das sind so 25 bis 30 km...
 
(Der böse, böse Ruhrschleichweg ;) )

@tschangoo, das Wechseln der Behörden sollte davon abhängig sein, ob du beim Land oder beim Bund bist.
Und was die Rückzahlung der Ausbildung betrifft, ist meist in Arbeitsvertrag geregelt. Und oft abhängig von der Zeit,
die du bei der Behörde gearbeitet hast. Also von Jahr zu Jahr sollte die Summe geringer werden.

Innerhalb von Behörden ist es meist so, dass freie Stellen ausgeschrieben werden.
Da kannst du dich dann drauf bewerben. Wenn das Profil passt. Da ist dann nichts mit Wartezeit.
Allerdings solltest du dann bedenken, dass deine Chancen als frisch ausgebildeter Mitarbeiter geringer sind, als wenn sich ein dienstälterer bewirbt.

Aber mal ehrlich: du hast Spaß an Mathe und Logik, könntest eine feste Stelle bekommen.
Was ist eine Stunde Fahrtzeit? Und während der Ausbildung, des Studiums reicht für Mo-Fr ein kleines Appartement.

Noch eine persönliche Bemerkung: deine Freundin ist nicht begeistert? Das finde ich sehr, sehr traurig.
 
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  • #17
Ja sie ist nicht begeistert, weil sie mich dann nicht jeden Tag sieht. Sie auch umziehen müsste (wir wohnen zur Zeit in Miete). Ich weniger Zeit haben werde und wir weniger Geld haben.

Sie ist auch 30 und denkt momentan so an Kinder, Haus bauen und Familie gründen. Wir sind halt keine 20 mehr.

Aber ich sage mir inzwischen auch, wenn ichs nicht versuche beiße ich mir in 10 Jahren vllt. in den Hintern.
 
Das Studium dauert 3 Jahre, oder? Wenn du es schaffst, hast du eine sichere Stelle. Wie läuft es in dem Fall mit Verbeamtung? Bei den Ex-Kollegen warens glaub 3 Jahre auf Probe. Mit Verbeamtung gibts Zuschuss für Kinder ^^

Du verstehst, auf was ich raus will? ;)
 
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