Wenn du ein Staubsauger kaufst, hast du auch nicht bei jedem Anschalten "kaufen sie für 1,30 einen orangen Skin für ihr Rohr"
Ein Spiel ist kein Staubsauger. Mir macht es keinen Spaß, den scheiß Sauger zu benutzen. Dennoch habe ich mir einen Numatic-Sauger mit lustigem Gesicht gekauft und sauge dadurch öfter.
Und es hat sehr wohl einen Einfluss auf das Spielgeschehen. Selbst in CS:GO, das oft als Positivbeispiel geführt wird, wird die Waffe, mit der man getötet wurde, an prominenter Stelle im Spiel angezeigt. Bei Overwatch gibt es einen extra Menüeintrag für Lootboxen und in den Highlight-Intros (die auch in Lootboxen enthalten sind!) sieht man die Skins natürlich auch.
Mein Problem ist nicht die Finanzierung des Spiels an sich – wie schon erwähnt müssen Server bezahlt werden. In der heutigen Zeit sind Multiplayer-Spiele in der Regel "Games as a Service". Meinetwegen können sie auch kaufbare Skins überall einbauen. Die wirkliche Unverschämtheit ist allerdings, dass man das Overwatch-Gold nicht einfach so kaufen kann. Dass man sich nicht einfach die Skins freischalten kann, die man noch nicht hat. Dass man in CS:GO nur eine 0,26% Chance hat, ein seltenes Item zu bekommen.
In China ist es bereits Pflicht, die Chancen der Lootboxen offenzulegen. Ich finde, diese sollten an derselben Stelle auch im Spiel angezeigt werden, an der die möglichen Items erscheinen. Bei CS:GO dann ungefähr so:
Wenn die Server kosten, sollen sie eben das in Rechnung stellen.
Damit würdest du ärmere Nutzer aber komplett ausschließen. Das wäre schade, denn dann wären die Spielerzahlen geringer und auch die zahlenden Nutzer finden keine Matches.
Genauso wenig wie eine Reklametafel am Straßenrand jemanden einen Kauf aufzwingt erzeugen Lootboxen einen Kaufreiz für Ingame-Artikel. Eine halbwegs intelligente Person muss selbst abschätzen können welche Artikel sie wann, wo oder wofür erwerben will und ob es die Investition wert ist.
Abgesehen davon, dass nur ca. 50% aller Menschen als "halbwegs intelligent" gelten können (IQ>100), ist der Kaufanreiz in Spielen ungleich größer als bei normaler Bannerwerbung auf der Straße. Es gibt Patente und Methoden, wie genau das Spiel konstruiert sein muss, damit die Spieler möglichst viel kaufen. Vom Wackeln der Lootbox beim Öffnen (ich muss zugeben, das fühlt sich gut an!) über die Häufigkeit, mit der der Spieler Lootboxen oder Schlüssel dazu bekommt bis hin zur Anzeige im Spiel.
Und das ist dann eben was vollkommen anderes als wenn du auf der Straße an einer Werbetafel vorbeiläufst. Das ist ungefähr so wie wenn du in der Sauna sitzt, ein Saunameister rein kommt und dir einen kleinen Test-Aufguss macht, aber für jeden weiteren Aufguss musst du 10€ bezahlen. Da sitzt du quasi wortwörtlich schon drin und denkst dir "hey, gute Idee!".
Ich wage zu bezweifeln, dass du eines der Lootbox-Spiele schon einmal länger als 10 Stunden gespielt hast und die Anreize, die zum Kaufen der Lootboxen verleiten, gesehen hast.