Anruf genügt: Bitcoin.de gibt sensible Kundendaten an Polizei weiter



Laut einem hat die Bitcoin Deutschland AG umfangreich mit den deutschen Ermittlungsbehörden kooperiert. So hat sie sensible Kundendaten auf bloße Anfrage hin an die Polizei weitergegeben. Es lag weder ein Schreiben der Staatsanwaltschaft vor, noch ein Richterbeschluss.



Wie Motherboard mitteilt, hat der Marktplatz bitcoin.de Kundendaten freiwillig an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben: „In mindestens acht Fällen hat das dahinter stehende Unternehmen, die Bitcoin Deutschland AG, sensible Kundendaten an die Polizei Hannover weitergegeben. Laut Gerichtsakten, die Motherboard vorliegen, gab das Unternehmen die gewünschten Daten auf bloße Anfrage hin an die Polizei weiter. Weder ein Schreiben der Staatsanwaltschaft noch ein Richterbeschluss waren dabei nötig.“

Zwar vertrauen viele Nutzer darauf, dass sie bei Bitcoin-Geschäften bis zu einem gewissen Grad anonym bleiben, dennoch sollten sie da nicht so sicher sein, denn kann die Bitcoin-Adresse, die aus einer Zeichenkette mit 27 bis 34 Stellen besteht, mit einer realen Person in Verbindung gebracht werden, können auch die damit getätigten Transaktionen dieser Person zugeordnet werden, der Versand von Bitcoins ist somit pseudonym.

Gemäß Gerichtsakten, die Motherboard vorliegen sollen, ermittelte die Polizei im Falle des mittlerweile vom Netz genommenen Online-Marktplatz Chemical Love. Im Zuge der Ermittlungen lagen der Polizei auch alle Kundendaten vor. Der Shop hat, entgegen eigener Aussagen, alles säuberlich mitgeloggt. Für die zahlreichen Kunden, die Chemical Love in den zwölf Monaten seines Bestehens bedient hatte, könnte das nun zu einem großen Problem werden. Zur vielseitigen Substanz-Palette des Drogen-Webshops gehörten Ecstasy, MDMA, Gras, Crystal Meth, genauso wie Kokain, LSD, Heroin und Amphetamin. Rund 3,5 Millionen Euro Umsatz hat Chemical Love in einem knappen Jahr zwischen 2015 und 2016 umgesetzt. Da die Bezahlung mit Bitcoin erfolgte hat die Polizei eine Rückwärtssuche eingeleitet.

Daraufhin gab es eine Anfrage seitens der Polizei gegenüber der deutsche Plattform Bitcoin.de. Motherboard schreibt dazu, die Zentrale Kriminalinspektion Hannover, Fachkommissariat 3 Betäubungsmittel-Handel, hätte ein Schreiben an Bitcoin.de gerichtet, mit der Bitte nach Informationen über mögliche Hintermänner der Chemical-Love-Bande. Alles, was die Ermittler bisher hatten, war eine Bitcoin-Adresse, die sie aus einem separaten Verfahren gegen einen Chemical-Love-Kunden kannten. Von Bitcoin.de wollten sie nun wissen, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Bereits kurze Zeit später hätte Bitcoin per Mail darauf reagiert und geschrieben, dass ein Ersuchen der Staatsanwaltschaft erforderlich sei und eine polizeiliche Anfrage nicht ausreiche. Dennoch hätte man sich am selben Tag telefonisch geeinigt und vereinbart, dass die Firma zumindest die erste Bitcoin-Adresse auch ohne Post vom Staatsanwalt überprüfen werde. Bitcoin.de ermittelte nun offenbar sogar auf eigene Faust weiter und stellte der Polizei umfangreiche Informationen über potentiell mit den Chemical Love Drogenhändlern in Verbindung stehende Personen zur Verfügung und das nicht nur für eine angefragte Bitcoin-Adresse, sondern gleich für noch sieben weitere.

Obwohl rein rechtlich kein Zwang dazu bestehe, die Daten der Polizeistelle zu übermitteln, ein polizeiliches Auskunftsersuchen hätte man auch ablehnen können, so der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, hat offenbar ein Telefonat ausgereicht, um die Bitcoin.de davon zu überzeugen, die notwendigen Daten für den Fall herauszugeben. Zu den Nutzerdaten, die Behörden erhalten haben, zählen unter anderem „Klarnamen und Nicknames, Wohnort, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Bestellsummen, Bankverbindung, Kontobewegungen, Login-Historie und IP-Adressen“. Die Daten sind somit in die Chemical-Love-Ermittlungsakte eingegangen. Ob die Polizei nun gegen die jeweiligen Personen ermittelt, ist bisher noch unklar.

Bitcoin.de verteidigt seine Handlungsweise gegenüber Motherboard mit einer „gesetzlichen Meldepflicht“, die dem Unternehmen keine andere Wahl ließe, als die polizeilichen Anfragen positiv zu beantworten. Erst auf erneute Nachfrage, aus welcher gesetzlichen Grundlage die Firma eine Pflicht und nicht nur eine Berechtigung ableitete, betont der Unternehmenssprecher Oliver Flaskämper die jahrelange „vertrauensvolle Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden.“ Die Bitcoin Deutschland AG habe bisher keine polizeiliche Anfrage erhalten, der kein „berechtigtes Interesse“ zugrunde gelegen habe. Flaskämper hebt jedoch noch hervor, „auch in Zukunft im Rahmen der geltenden Gesetze […] entsprechende Auskünfte an berechtigte Behörden zu erteilen.“

Bildquelle: , thx! (CC0 Public Domain)






Autor: Antonia
 
Laut einem hat die Bitcoin Deutschland AG umfangreich mit den deutschen Ermittlungsbehörden kooperiert. So hat sie sensible Kundendaten auf bloße Anfrage hin an die Polizei weitergegeben. Es lag weder ein Schreiben der Staatsanwaltschaft vor, noch ein Richterbeschluss.
Mmmmh, so gefällt das dem Obrigkeitsstaat, wenn der Untertan in voraus eilendem Gehorsam einen auf untertänigsten Diener macht.
 
Was hätte die Firma eigentlich gemacht, wenn da nicht die Polizei angerufen hätte, sondern irgendwelche Betrüger? Man gibt also freiwillig alle Daten raus? Alter...
 
Vermutlich hätten die Betrüger auf kein Schreiben verweisen können. Du solltest nicht nur die Überschrift lesen. Das allerdings einfach so Daten rausgegeben wurden sollte den noch Kunden zu denken geben.
 
Bitcoin.de ist ja sowieso nur ein nicht-anonymer Ein- und Ausgang für bitoins.
Haben Menschen etwa dort bitcoins gekauft und über die Platform direkt Drogen gekauft?? Oh dear.. :rolleyes:

Der Shop hat, entgegen eigener Aussagen, alles säuberlich mitgeloggt.
Was ist das nur für eine Welt, wo man nichtmal seinem Drogendealer mehr vertrauen kann. :dozey::rolleyes:
 
bitcoin.de ist ein deutsches Unternehmen - das gerade bei dem Ruf von Bitcoin sicher auch auf ihren eigenen Ruf in sachen *Dealern unterschlupf / beihilfe zu bieten* bedacht ist.

Den Beschluss hätten sie am nächsten Tag auch am Tisch liegen gehabt (Oder er wurde sogar nachgereicht, steht ja hier nicht...) mich wundert / stört das nun nicht so direkt.
So ein Beschluss ist inzwischen mehr oder weniger leider (und das ist das Problem) quasie 0 Wert - da ihm so oder so immer statt gegeben wird.

Wenn ich was illegales mache - dann nicht bei einem Unternehmen das wie eine Bank agiert mit verifiziertem Klarnamen.
 
Den Beschluss hätten sie am nächsten Tag auch am Tisch liegen gehabt (Oder er wurde sogar nachgereicht, steht ja hier nicht...) mich wundert / stört das nun nicht so direkt.
So ein Beschluss ist inzwischen mehr oder weniger leider (und das ist das Problem) quasie 0 Wert - da ihm so oder so immer statt gegeben wird.
Es soll aber auch noch Richter geben, die nicht jede Kacke abzeichnen, nur damit sie weniger Arbeit haben.
Wieso haben die Polizisten keine richterliche Genehmigung eingeholt, wenn es nur eine Formalsache war? Arbeitsvermeidung und/oder Zweifel, ob das Begehren so einfach durchkommt.
Das ist eben das typische vorgehen von Beamten. Egal ob "freiwilligem" Alkohol/Drogentest, "freiwillige" DNA Probe, "freiwillige" Nachschau in Wohnungen, Vorladung bei der Polizei und und und.
Beamte gehen eben vielfach nach dem Motto vor "Probieren kann mans ja. Konsequenzen für mich gibts sowieso keine".
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn ich was illegales mache - dann nicht bei einem Unternehmen das wie eine Bank agiert mit verifiziertem Klarnamen. muss ich mit Konsequenzen rechnen.
:unknown:

Wie genau die jetzt die Informationen unter welchen Umständen mit welchem Dokument weiter gegeben haben ist abseitz der im Artikel enthaltenen Informationen reine Spekulation.
 
Grad mal den vice-Artikel (!!) gelesen, von dem abgekupfert wurde.
Der ist ja mal ziemlicher Dreck.
Einige stilblüten:
Wie Motherboard-Recherchen zeigen, könnte Jansen erst durch eine Firma, der er bislang blind vertraute, ins Visier der Ermittler geraten sein: dem Bitcoin-Marktplatz auf Bitcoin.de.

In den AGB des Unternehmens finde sich kein Hinweis, wie das Unternehmen mit polizeilichen Anfrage umgeht. "Darauf hätte man die Kunden deutlich hinweisen müssen", sagt Jansen. Dass er mit der Bestellung gegen geltendes Recht verstoßen hat, wisse er.

Doch auch wenn letztlich keiner der Betroffenen strafrechtlich verfolgt werden sollte, zeigt der Fall deutlich, dass Bitcoin.de-Kunden mit einem weit geringeren Schutz rechnen können, als viele User bislang angenommen haben.

Sehr tendenziös alles, kann ich nicht so recht ernst nehmen.

Da registriert sich jemand mit realen Daten bei Bitcoin.de, kauft dann darüber Drogen und ärgert sich dann über bitcoin.de, dass das nicht anonym war... oh dear :rolleyes:.
 
Es geht ja um die polizeiliche Anfrage die von der Firma nicht beantwortet hätte werden müssen. Wenn was von der Staatsanwaltschaft oder einem Richter gekommen wäre, sehe es ja wieder anders aus. Da hat sich dann auch keiner mit deutschem Wohnsitz zu beschweren das er illegales über eine deutsche Firma macht :D
 
Ja schon richtig, das kann man bemängeln. Aber es ist halt ein deutsches Unternehmen, offenbar gehört es zu einer Bank (oder umgekehrt) oder ist zumindest eng verbandelt und eindeutig ein sog. 'seriöses' Angebot.

Da passen halt Sätze wie "könnte Jansen erst durch eine Firma, der er bislang blind vertraute, ins Visier der Ermittler geraten sein" absolut nicht rein.

Der Artikel weist selber sogar noch darauf hin am Ende, dass es für ein Unternehmen eine Abwägung dahingehend ist, wo es sich positionieren will. Bitcoin.de will nicht in den grau/schwarzbereich, wollte es nie, hat es nie behauptet und wird dieses Image auch immer verteidigen, in diesem Fall durch entgegenkommend gegenüber Ermittlungsbehörden.
 
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