Die Türkei auf dem Weg zur Diktatur

Dann sind es also nur solche Feinheiten, an denen sich gestoßen wird? Bleiben die türkischen Politiker (offiziell) zu hause und die AKP wird auch außen vorgelassen, stattdessen meldet die UETD eine Demonstration an und alle sind zufrieden?

Die Demo von Frankfurt war von der NAV-DEM organisiert, die zur Organisationsstruktur der PKK gehört.

Wo würdest du die Grenze ziehen? Hätte Obama 2008 vor der Siegessäule reden dürfen? Darf Erdogan per Skype auf eine Demo in Deutschland zugeschaltet werden? Darf eine vorher aufgezeichnete Rede abgespielt werden? Darf ein türkischer Minister auf offiziellem Deutschlandbesuch zwei Sätze über das Referendum verlieren?

Stimmt, die Grenze zu ziehen, ist außerordentlich schwierig. An dieser Stelle ist dann wohl unser lieber Gesetzgeber gefragt. Vielleicht haben die türkischen Politiker auch einfach zu offen und plump versucht, ihren Wahlkampf ins Ausland zu tragen.

Diktatoren wie Putin können nur langfristig Erfolg haben, wenn sie für Wirtschaft im Griff haben. Darauf beruht ja auch Erdogans Erfolg.
Nordkorea ist einzigartig grausam, da lohnt sich kein Vergleich.
Seh ich nicht so. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auch ist Nordkorea nicht einzigartig. Ist eine Diktatur erstmal mit ausreichend militärischer Absicherung und Repressionsfähigkeit auf die Bevölkerung errichtet, dann tritt die Wirtschaft in den Hintergrund. Siehe . Afrika eignet sich generell als Hort geeigneter Beispiele, da dort fast sämtliche Diktatoren nach Machtergreifung nur noch in wirtschafteten.

Russland sehe ich eher als Sonderfall. Er ist auch kein 100%-iger Diktator sondern ein lupenreiner Demokrator. Immerhin versucht er in der Bevölkerung seine Sichtweisen näher zu bringen. Für eine offene Diktatur passiert in Russland zuviel im Dunkeln.

Erdogans Erfolg beruht in der Tat auf dem wirtschaftlichen Erfolg der 1. Phase seiner Regierungszeit. In dieser Periode war die türkische Politik aber auch davon geprägt, sich dem Westen gegenüber zu öffnen und dem Land eine positive Stabilität zu geben. Die Türkei war in dieser Phase ein demokratischer Staat. Spätestens seit Erdogan aber das Präsidentenamt übernommen hat, geht das Land den Bach runter. Demokratische Strukturen und Prinzipien werden sukzessive abgeschaft, die Währung verfällt, das lässt ebenfalls stark nach. Natürlich kann man das Problem . Die Aufgabe Erdogans ist jetzt schon seit mehreren Jahren, den AKP-treuen Militärapparat so zu stärken, dass Putschversuche und Aufstände jeglicher Art ohne Schwierigkeiten niedergeknüppelt werden können. Und das hat er ja letztes Jahr erfolgreich bewiesen. Die Wirtschaft spielt ab dem Zeitpunkt dann keine Rolle mehr.
 
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Die Unentschlossenen und Kritiker gehen aber nicht zu einer Erdogan-Veranstaltung. Wie sollen sie davon verführt werden? Durch Berichterstattung darüber?
Durch ein Wahlverbot schadest du allen Türken, den Erdogan-Fans und den -Kritikern. Ich glaube da ist die Chance viel höher, dass sich einige Unentschlossene sagen: Wenn Deutschland das mit uns abzieht, dann wähle ich erst recht Erdogan. Denn das jetzige Nazigewäsch von Erdogan hat kein Fundament. Warum ihn einen echten Grund geben, empört zu sein?

ehrlich gesagt ist es mir egal, ob es wichtig ist für die türkei, erdogan oder seine gegner, hier wahlkampf zu führen und wahllokale zur verfügung gestellt zu bekommen. für richtig halte ich es auch, aus anderem grund.

von einem chamberlain zum anderen gesprochen ;)
es hat doch was, wenn wir diesem nicht gerade kleinen teil unserer bevölkerung so einen service leisten. wenn ich mich in die situation denke, in einem land zu leben, in dem mir gelegenheit gegeben wird mein wahlrecht auch wirklich wahrzunehmen, obwohl es dem staat, in dem ich lebe, gelinde gesagt schnurz sein kann, dann weiß ich mich willkommen.
das ist das richtige signal, das wir senden.
 
Seh ich nicht so. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auch ist Nordkorea nicht einzigartig.
Sehe ich anders. Ich halte das Land für nicht vergleichbar.

Russland sehe ich eher als Sonderfall. Er ist auch kein 100%-iger Diktator sondern ein lupenreiner Demokrator. Immerhin versucht er in jährlichen Fragestunden der Bevölkerung seine Sichtweisen näher zu bringen.
Das nennt man Propaganda. Ist bei Diktatoren so üblich:
Der 63-Jährige stellte sich zum 14. Mal seit 2000 den Fragen der Bürger, auch 80 ging er ein. Die TV-Show ist vor allem als Ventil für viele Russen angelegt. Sie sollen ihren Frust abladen. Eine Frau in der sibirischen Millionenstadt Omsk beklagt Schlaglöcher in den Hauptstraßen. Auch der Bau einer U-Bahn verzögere sich seit Jahren. Putin verspricht Hilfe - und kurz darauf berichten Staatsmedien vom Versprechen der Omsker Behörden, die Straßen bis zum 1. Mai in Ordnung zu bringen.
Kremlkritiker verhöhnen die alljährliche Talkshow schon lange als "Dauerwerbesendung". Die Fragen folgen der gewohnten Choreographie: Handverlesene Gäste dürfen mit Putin im Studio sitzen. Und immer wieder schaltet das Staatsfernsehen in Orte des Riesenreichs, wo sich ein Arbeiterkollektiv vor ausgesuchtem Hintergrund aufgestellt hat: etwa auf der einverleibten Schwarzmeer-Halbinsel Krim oder in einer Waffenfabrik in Tula.

Putin, Orban, Erdogan, Duterte, Trump, Zuma... Das ist alles der gleiche Schlag.
 
Die Demo von Frankfurt war von der NAV-DEM organisiert, die zur Organisationsstruktur der PKK gehört.
Wer hat das kurdische Neujahrsfest erfunden? Wenn es nicht die Schweizer waren ist es bestimmt der Öcalan gewesen.

Wikipedia schrieb:
Nouruz (persisch نوروز, DMG Nourūz [nouˈɾuːz], kurdisch نه*ورۆز Newroz, türkisch und albanisch Nevruz, usbekisch Navro‘z) ist der Name des Neujahrs- und Frühlingsfestes, das am 20. oder 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert wird.
 
Ah, das wird also in den nächsten Wochen kommen:
Die Erklärung der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), der Lobbygruppe der AKP in Europa, lässt bereits erahnen, wie Ankara den Verzicht auf Kundgebungen in Deutschland in den kommenden Tagen deuten wird: Extremistische Gruppen, sagte UETD-Präsident Zafer Zirakaya, hätten Einrichtungen seines Verbandes angegriffen. Das Klima in Deutschland lasse eine freie Meinungsäußerung nicht zu. Die Opferlegende dürfte Erdogan am Ende mehr Stimmen einbringen als weitere Kundgebungen seiner Minister.


Da hat jemand einen Abschluss von der Trump University, einen Master in Opferologie.

Btw.
Nun haben sich die Provokationen abgenutzt. Was sollte denn nach den Merkel-Hitler-Vergleichen noch kommen? Mehr geht ja nicht. Die AKP-Regierung hat gemerkt, dass sie auch damit die deutsche Seite nicht zu einer heftigen Reaktion treiben kann. Deshalb lohnt es sich nicht, weiter zu beleidigen, wenn diese Beleidigungen ohne Folgen bleiben. Das könnte im Gegenteil schnell machtlos wirken


und
Bundesregierung lehnt Rüstungsexporte in die Türkei ab
 
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Ich weiß, dass wir es anderen Ländern erlauben, aber die sind auch nicht auf dem Weg in die direkte Diktatur, wo unliebsame Bürger, Andersdenkende, politische Gegner in den Knast gesteckt werden.

Was in der Türkei seit dem inszenierten Putsch abgeht, ist bekannt. 10.000e wurden seither in den Knast gesteckt. Wie viele genau, ist nicht bekannt, dürfte sich aber langsam Richtung 100.000 bewegen.

Gerade mit unserer Vergangenheit sollten wir so etwas nicht unterstützen. Grundgesetz und Nato-Mitgliedschaft hin oder her. In dem Fall muss es NEIN lauten. Ist wohl inzwischen auch geschehen, aber ich möchte nicht wissen, zu welchem Preis. Also was hinter den Kulissen ausgehandelt wurde, damit kein türkischer Erdogan-Politiker hierher kommt und auch mal endlich Ruhe ist mit dem Kasperletheater.

Ich glaube, es ist dem Erdogan egal, wie viele Kurden unter seinen Leuten sind. Er mag die Kurden nicht. Diese bereiten laut ihm nur Probleme und alles Terroristen und für die PKK.

Wegen Erweiterung der türkischen Grenzen: Erdogan bandelt mit dem Putin an und da wäre es ein leichtes, diesen als neuen Verbündeten zu einer Erweiterung der eigenen Gebiete zu gewinnen. Vor allem, da Europa immer noch die Sanktionen gegen Russland hat. Man kann also sagen, dass beide Parteien es so hinstellen könnten, dass sie die Opfer des "Westens" seien.

Die Region um die Türkei herum sind extrem instabil und belastet durch die IS Sache. Es kommen ja immer Gerüchte hoch, dass die Türkei den IS unterstützt. Die Terroranschläge in der Türkei sprechen zwar eine andere Sprache, könnten aber auch "abgesprochen" sein. Aber da mag ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Das ganze dürfte größere Ausmaße haben, als wir uns alle zu diesem Zeitpunkt vorstellen können oder aber es ist einfach auch gar nichts und nur Gerede und Hahnenkampf.

Wir können wohl nichts anderes tun, als abzuwarten, wie sich die Mehrheit der türkischen Bevölkerung am Ostersonntag entscheidet. Entweder für oder gegen Erdogan.

Alles weitere wird sich danach zeigen.
 


Ob das eine gute Idee ist darf fest bezweifelt werden.

Nach den Spitzelvorwürfen gegen Imame der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) hält die Bundesregierung einem Pressebericht zufolge an der Zusammenarbeit mit dem größten islamischen Verband in Deutschland fest. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, betrifft dies sowohl die weitere finanzielle Förderung als auch die Teilnahme der Ditib an der Deutschen Islamkonferenz.
Eine Bundesregierung, der fremde Spione im eigenen Land finanziert und informiert ist schon kein Witz mehr, sondern eine Bedrohung.
 
@Meta:
Das letzte was man jetzt tun sollte ist die deutsch-türken noch auf Erdogans Seite zu schupsen.
Diese Zusammenarbeit zu beenden wäre ein fatales Zeichen das man den Konflikt auf dem Rücken unserer Bürger austragen will - dann machen WIR Werbung für Erdi.
 
Die Sache so tief wie möglich zu hängen ist die einzige Möglichkeit, wie man dem Burschen beikommen kann.
Man muss dabei immer auch an Yücel und andere Geiseln denken.
 
Interessant, dass der Ditib immer noch von unseren Steuergeldern mitfinanziert wird trotz der Spionagesache und dann das Geküngel. Aber das ist wohl einer der Preise dafür, dass man jetzt keine Erdogan-Leutchens mehr ins Land bekommt zum Wahlkampf?

Der Ditib ist Erdogan-Getreu und weiß schon, wie die Erdogan-Fans hier auf Linie gebracht werden müssen... und vielleicht auch die Leute, die noch mit sich hadern, ob sie die Türkei in den Abgrund treiben sollen oder doch wieder Richtung Demokratie.

Ab dem 17. April werden die Karten neu gemischt und wir sollten abwarten, was noch so kommt.

Lustig übrigens, dass sich die Grünen jetzt so gegen die weitere Zusammenarbeit mit dem Ditib aussprechen. Wahlkampf halt. Irgendwie muss man sich ja wieder in höhere % Zahlen bringen.
 
Die Türkei erhält seit Jahren 700 Mio. Euro pro Jahr.
Nun könnte man fragen, wofür?
Antwort: zur Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Ein Treppenwitz der Geschichte.

 
Die Türkei erhält seit Jahren 700 Mio. Euro pro Jahr.

Nein. Das war zwischen 2007 BIS 2013. (Sagt sogar Broder in Deinem Video so)

Für den Zeitraum 2014 bis 2020 sind 4,45 Milliarden Euro, also 600 Millionen Euro pro Jahr, angedacht gewesen.

Seit 2014 sind es aber bislang nur 167 Millionen gewesen, die tatsächlich ausgezahlt wurden, gerade weil die EU das auf Projekte konzentriert hat, die Zivilgesellschaft und Demokratie stärken können.

Sind also 40, nicht 700.
 
Ein Treppenwitz der Geschichte.
Nö. Über Geld sichern wir uns Einfluss, das gilt auch für die Türkei. Warum hat das Land wohl keine Todesstrafe mehr? Und warum wird es sie auch nicht wieder einführen? Genau, wegen den Millionen. Gut angelegtes Geld.

@Ruby:
Erstmal: Ob der Putsch inszeniert ist, weißt du nicht. Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Wir können aber solche Gesetze nicht von Land zu Land entscheiden, es muss grundsätzlich gelten. Sonst haben wir willkürliche Entscheidungen, die von Land zu Land, Minister zu Minister und Bundesregierung zu Bundesregierung völlig unterschiedlich ausfallen können. Entweder verbietest du es für alle, oder für gar keinen. Zumal es reine Symbolik wäre, die in der Türkei und an den Menschenrechtsverletzungen nichts ändert. Oder kommt Yücel durch so ein Verbot frei? Nö. Dann lieber Waffenexporte einschränken.

Erdogan und Putin gegen die Nato? Das wird keiner von denen wagen. Denn sobald sich die Türkei mit Russland verbündet und irgendwo Kriege anzetteln, ist die Türkei raus aus der Nato. Erdogan kann in seiner Umgebung keinen Krieg anfangen. Ganz einfach. Nur sein eigenes Volk kann er unterdrücken...

Wir können wohl nichts anderes tun, als abzuwarten, wie sich die Mehrheit der türkischen Bevölkerung am Ostersonntag entscheidet. Entweder für oder gegen Erdogan.

Alles weitere wird sich danach zeigen.
Das stimmt allerdings.
 
Ja, ist ziemlich schief gegangen, mich interessiert, was konkret damit angestellt wurde.
Das ganze war ja schon immer eine Wette bzw. Hoffnung auf eine bestimmte Entwicklung der Türkei, die man geopolitisch dringend im Boot haben will. Klar und richtig in diese Entwicklung auch zu investieren.
In Russland nennt man sowas ja 'Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten durch ausländische Mächte', die haben doch 10.000 'ausländisch finanzierte NGOs' bei sich da oben zur Förderung der Demokratie und verwandtes.
 
Der Erdogan gehört in die Nervenheilanstalt mit den neuesten Drohungen:





Und schwups: Terroranschlag in London!

Hat vermutlich nichts miteinander zu tun, aber doch einen ekelhaften Beigeschmack.
 
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