Loyalitätskonflikt

GoPro

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25 Juni 2016
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Ich habe viele Jahre für jemanden gearbeitet, mit dem ich irgendwie verschwägert bin, also irgendwie verwandt.
Die Kündigung zum Jahresurlaubantritt war schon nicht die Glanznummer. Als ich dann das ausstehende Gehalt nicht bekommen habe, habe ich still gehalten und Hilfe durch meine Geschwister erfahren.

Ich weiß, daß die Firma nicht solvent gewesen sein mag, aber er privat zu keiner Zeit finanziell in Nöten war, alleine durch das Gehalt seiner Frau.

Ich hätte bestimmt klagen können wegen Mitarbeiterschutz oder sogar wegen Insolvenzverschleppung.

Aber wegen der verwandtschaftlichen Verbindung habe ich mich zurückgehalten.

Demnächst werde ich wieder Verwandtschaft auf einer Feier treffen. Da kommt bestimmt wieder die Frage, schaffst Du noch für XY.

Da darf ich dann nicht sagen, daß XY vielleicht gar nicht mehr auf dem Markt ist und wenn, dann nicht was für ein Arsch.

Wenn ich Unternehmer bin , dann hafte ich doch auch, oder. Was für ein Arschloch muß man sein, um zu sagen, der Kunde hat noch nicht gezahlt, also gibt es keinen Lohn.
 
Ehrlich gesagt, warum willst Du Rücksicht auf Deinen ehemaligen Chef nehmen?
Es hat ihn doch auch nicht gekümmert als er Dich gekündigt hat und dann auch noch Deinen Lohn zurückgehalten hat.
Loyalität hin oder her, aber gerade als Verwandtschaft sollte man dieses Verhältnis nicht ausnutzen dürfen und genau das hat er getan.
Ich würde mir jetzt nicht auch noch ein schlechtes Gefühl aufhalsen, indem ich für ihn lügen oder Ausreden erfinden würde.
 
Sobald es um Geld geht werden bei mir Begriffe wie Freundschaft oder Verwandschaft bedeutungslos. Setze ihm eine Galgenfrist, ansonsten Klage. Oder willst du ewig deinem Geld hinterherlaufen?
 
Grundregel: Mach niemals Geschäfte in/mit der Verwandtschaft! Das führt über kurz oder lang immer zu Streit.
 
Gerade wenns um die zwei Faktoren geht, ist mir das liebe Geld egal ;)

Nicht zwingend.
Es wäre seine Pflicht gewesen, rechtzeitig Bescheid zu sagen, dass es finanziell schlecht aussieht und kein Lohn gezahlt werden kann. In einem vernünftigen Gespräch hätte man dann klären können, wie und wann der ausstehende Lohn gezahlt wird. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die fristgemäße Kündigung. Alles andere ist Betrug, gerade das macht man nicht mit Freunde und Verwandte.
 
Loyalität hin oder her, aber gerade als Verwandtschaft sollte man dieses Verhältnis nicht ausnutzen dürfen und genau das hat er getan.
Ich würde mir jetzt nicht auch noch ein schlechtes Gefühl aufhalsen, indem ich für ihn lügen oder Ausreden erfinden würde.

Genau so ist es. In dem Fall hat der Mensch die Offenheit vollkommen verdient.
Würde man für ihn schwindeln, würde ihn das nur bestätigen und seine Aktionen legitimieren.


Ich habe schon öfter mit Freunden Geschäfte gemacht, allerdings immer vertraglich alles genau geregelt.
Ebenso wenn ich Geld verliehen habe. Wer das nicht tut, ist schön blöd.
 
"egal" ist relativ, soll er seine eventuellen Kinder mit verwandschaftlichem Wohlgefühl füttern? Arbeitszeit ist Lebenszeit...
 
Moin,

ich habe fünf Jahre lang für meinen Vater im Angestelltenverhältnis gearbeitet zu dem ich vorher so gut wie gar keinen Kontakt hatte. Es kam in den fünf Jahren immer wieder zu Verzögerungen von mehreren Monaten bei der Lohnauszahlung. Auf der anderen Seite hat mein Vater privat immer sehr gut gelebt und viel Geld ausgegeben.

Ende vom Lied war dann, dass ich ihn nach satten acht Monaten Nichtzahlung und diversen mündlichen Ermahnungen verklagt habe. Meine Löhne sind ordnungsgemäß auf den Gehaltsabrechnungen vorhanden gewesen, aber nicht gezahlt worden und es handelte sich um eine nicht unerhebliche fünfstellige Summe.

Gerade, wenn es dem Chef privat noch sehr gut geht ist es einfach ein Unding, dass er seine Mitarbeiter nicht bezahlt, Familienverhältnis hin oder her.

Bei mir ging die Klage dann auch mit einer Kündigung meinerseits einher. Irgendwann merkt man einfach, dass es so nicht weitergeht und wenn man selber seine Arbeit ordnungsgemäß verrichtet hat steht einem auch juristisch, wie auch moralisch, das Gehalt zu.

Ist dein Verwandter denn mit seiner Firma in die Insolvenz gegangen? Wenn ja solltest du so zügig wie möglich versuchen deine Ansprüche geltend zu machen. Sind seine privaten und geschäftlichen Verhältnisse denn getrennt oder haftet er auch mit dem Privatvermögen? Welche Firmenform hatte denn seine Firma?

mfg JP
 
Gerade wenn es Verwandschaft ist sollte man es nicht still schweigend hinnehmen sondern ansprechen. Man kann hier eher mal reden als mit einem Chef der nicht verwandt ist. Nach dem Motte "Das klären wir unter uns ohne Rechtsbeistand".
Es geht ja nicht darum ihn irgendwo anzuschwärzen ala Insolvenzverschleppung oder ähnliches. Du willst dein Geld und damit wäre die Sache für dich erledigt. Und genauso kannst du ihm ja auch gegenüber treten. Willst dein Geld und der Rest ist sein Ding. Wenn du aber erstmal einen Anwalt einschaltest kannst du nicht garantieren was alles zu Tage kommt.
 
In der Familie kann man auch viel leichter gewalttätig werden, ohne dass es großartig verfolgt wird. Je nach Verwandtheitsgrad.

Ob man das aus moralischen Gründen tun sollte, sei mal dahingestellt.
 
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  • #13
Meine Forderungen sind jetzt mittlerweile eigentlich alle erfüllt. Das Problem ist eher, dass man, auch wenn man sich möglichst aus dem Weg geht, durch gemeinsame verwandtschaftliche Kontakte verbunden ist. Ich will den nicht mehr mit dem Arsch ankucken, aber da auch niemanden mit reinziehen.
 
@GoPro:
Tu dir selbst einfach den Gefallen und rede einfach vor anderen nicht schlecht über ihn.
Wenn dich jemand darauf anspricht, bleib ehrlich aber zurückhaltend und lass einfach nen bisl. Zeit darüber wachsen.

Geh ihm so weit es geht aus dem weg, wie es du es schon machst.
 
Ich habe viele Jahre für jemanden gearbeitet, mit dem ich irgendwie verschwägert bin, also irgendwie verwandt.
Als ich dann das ausstehende Gehalt nicht bekommen habe, habe ich still gehalten und Hilfe durch meine Geschwister erfahren.

Alleine das wäre schon ein Grund für mich gewesen, dem auf Familienveranstaltungen nur noch kurz einmal zuzunicken und dann keinen
weiteren Kontakt zu pflegen. Und das auch nur der Familie zuliebe.

Naja, eher hätte ich Kündigungsschutzklage eingereicht mit gleichzeitiger Forderung des ausstehenden Gehaltes.
Es hört, auch bei Familie, besonders *irgendwie verschwägert* da auf, wo meine Miete und meine Lebensmittel in Gefahr sind.
Wenn die Familie das nicht versteht, dann hätte sie Pech.
Ehrliche Arbeit gegen ehrliches Geld. Und der hat vielleicht darauf gehofft, dass wegen Familie keine Klagen kommen.
 
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  • #17
Danke für die Antworten.

Durch das hören von anderen Meinungen bin ich wenigstens aus meiner Grummelschleife raus.
Das Problem mit der Verwandtschaft bleibt natürlich. Aber das professionelle hat ja nix mit Verwandtschaft zu tun.
Chef kann man, oder halt nicht. Ebenso Geschäftsführer.

Kann mir ja eigentlich genauso egal sein, wie anderen ehemaligen Mitarbeitern.
Aber Vertrag ist Vertrag. Warum mehr Ehrlichkeit verlangen.
 
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