Die Diskussion hatten wir schon mal. Ich kann nur sagen, dass es eben keine so krasse Ausnahme ist. Natürlich ist es aber nicht der Normalfall, sondern ein extremes Beispiel was ich in einem meiner Ausbildungsbetrieben selbst erlebt habe.
Als Beispiel meine Berufschulklasse mit rund 30 Azubis im Gastgewerbe. 70 % davon bekamen den tariflichen Mindestlohn von 350/400/450 Netto pro Monat. Jeder dieser 30 Azubis musste Überstunden machen, wobei höchstens 10% dafür entlohnt wurden. 30% der Azubis mussten nach der Berufschule noch zur Arbeit. 10 aus dieser Klasse haben Fillialen eigenhändig geleitet, bis auf 3 Ausnahmen in großen Hotelketten, hatten alle anderen Führungspositionen ohne anwesenden Ausbilder. Bis auf die 3 erwähnten Ausnahmen, konnte kein einziger sämtliche Punkte des Ausbildungslehrplans abhaken, ganz einfach weil sie wie stink normale Fachkräfte eingesetzt wurden.
Weihnachtsgeld? Urlaubsgeld? So gut wie immer Fehlanzeige. War auch in keinen Betrieb anders wo ich nach der Ausbildung war, oder wie ich es von Freunden gehört habe. Übernommen wurde eine Hand voll, der Rest wechselte größtenteils nach ein paar Jahren eher die Branche. Mir fällt leider nicht die Firma ein, aber es gibt z.B eine Bäckerei, wo das gesamte Personal nur aus Azubis besteht. Das zieht sich durch sämtliche Berufe im Gastgewerbe, zumindest hier im Norden. Das selbe hörst du von Bäckern, Köchen, Servicekräften etc.
Die Handelskammer juckt das wenig, denn die Ausbilderscheine geben sie jeden, selbst wenn dieser nicht mal ansatzweise Qualifkationen in dem Beruf hat. Hauptsache ihre Zahlen sehen schön aus.
@Mista
Das du, als geschlagener Hund, am lautesten bellst ist klar. Trotzdem kann es auch anders ablaufen!
Wer genau zwingt den denn da zu arbeiten bzw. hindert ihn mal zur IHR zu gehen? Möglichkeiten gibts es ja genug!
Ist das so verwerflich? Ich möchte eben nicht, dass andere Jugendliche ebenso verheizt werden und dann Leute kommen, die dies mit dem "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" Spruch rechtfertigen.
Meinst du mit IHR die IHK? Guter Witz. Die ändern rein gar nix an solchen Situationen, sondern sind wie oben erwähnt eher eins der Probleme. Ich habe nicht einen einzigen Fall erlebt, wo die IHK Hamburg auch nur ansatzweise eine Verbesserung herbeigeführt hat.
Und klar kann es anders ablaufen, keine Frage. Explizit nennen könnte ich jetzt z.B Radisson und Nordsee, die von außen betrachtet eine wirklich tolle Ausbildung gemacht haben. Aber so wie ich das erlebt und gehört habe, ist das in vielen Branchen halt eher die Ausnahme. Die Zahlen des DGB sagen ja auch genau dies, Tendenz steigend.
Und der "geschlagene Hund", der sich dies gefallen ließ und dann als Fillialleiter den Arsch aufgerissen hat, bin ich ja eben nicht. Das waren lediglich die, die Angst hatten den Mund aufzumachen. Ich hab eher alle Möglichkeiten ausgeschöpft die ich hatte, vom Abbruch mal abgesehen. Ich hatte mehrfach Beschwerden bei der IHK eingereicht, meine Gewerkschaft und Lehrer mobilisiert und innerhalb des Betriebs immer und immer wieder auf eine korrekte Ausbildung bestanden. Hat nur leider nix gebracht, außer noch mehr Nachteile. Sowas sollte und darf ganz einfach nicht mehr gängige Praxis sein, erst recht nicht bei zu schützenden Jugendlichen!