Software dem Arbeitgeber 'verkaufen' oder der Uni überlassen (OpenSource)

Warbyrd

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Hi Leute,

ich stecke ein wenig in einem Zwiespalt,

ich habe im Rahmen meiner Master Arbeit eine Software entwickelt.

Jetzt steht mir ein Job bei einem StartUp bevor und die Firma hat ausserdem noch großes Interesse an der Software und bietet mir langfristig (in ca 1 Jahr) Firmenanteile (ca. 2%) an. Auch eine Patentierung der Software ist dann nicht ausgeschlossen. Der Businessplan usw sehen sehr gut aus für die Firma und auf dem Papier geht die Firma durch die Decke, sobald die Marktdurchdringung erfolgt ist (innerhalb der nächsten 3 Jahre).

An sich ganz rosige Aussichten aber die Uni hat ebenfalls angefragt, dass ich ihr die Software als Open Source zur Verfügung stelle, weil sie ebenfalls großes Interesse an ihr hätten.

Was mache ich allerdings, wenn ich der Firma meine Software überlasse und die Firma mich entlässt (ist ja nie ausgeschlossen) bevor ich die Firmenanteile erhalten habe? Ebenso garantiert ja auch mir keiner, dass es die Firma in einem Jahr noch gibt. Was passiert in diesen Fällen mit den Rechten an der Software? Oder wenn eine Umbenennung oder Umfirmierung / Fusion etc mit einer anderen oder in eine andere Firma - habe ich die Anteile dann ebenfalls noch? Kann man das alles vertraglich klären, dass die Software und alle ihre Rechte an mich übergehen sollte ich vor Ablauf der Frist entlassen werden oder die Firma insolvent gehen etc. damit die Softwarerechte nicht verloren gehen?

Eine weiter Möglichkeit wäre natürlich, die Software selbst zu patentieren usw. was finanziell natürlich recht schwierig ist (ca. 10000 € insgesamt ?).

Ich will nicht, dass ich die Software verkaufe und am Ende nichts davon habe. Bzw. keiner was davon hat. Ich bin momentan am Ende meines Master Studiums und habe von den ganzen rechtlichen Abläufen nicht viel Ahnung und will nicht übers Ohr gehauen werden.


Hat Jemand von euch etwas mehr Ahnung und kann mir vielleicht den ein oder anderen Rat geben?
War schon mal Jemand in einer ähnlichen Situation?
 
Zu der Patentgeschichte hier ein paar Anmerkungen:
- Privat ein Patent anzumelden macht idR keinen Sinn. Mit den recht hohen einmaligen Kosten ist es ja nicht getan, du müsstest - wenn das Patent gewährt wurde - dann ja auch den Markt beobachten und eventuelle Patentverletzungen aufspüren und dein Recht durchsetzen. Ist als Einzelkämpfer schwierig bis unmöglich.

- Ich weiß jetzt natürlich nicht, um was es im Detail geht, aber speziell Softwarepatente machen nur Sinn, wenn man sich (aufgrund der konkreten Anwendung) sicher ist, eine eventuelle Patentverletzung auch beweisen zu können. Andernfalls verschenkst du dein wissen, zahlst dafür eine Menge Geld und hast nie was davon. Beispiel: Du hast einen Berechnungsalgorithmus für die Anwendung XYZ entwickelt. Diesen beschreibst du in deinem Patent, eine Firma ließt das, denkt sich "Ui, cool, können wir gebrauchen" und baut es in ihrem kommerziellen Closed-Source Programm nach, ohne dass du jemals was davon mitkriegst.

- Ggf. könnte deine Masterarbeit (sofern sie detaillierte Informationen über diese Software enthält, was ich mal denke) Probleme bei einer späteren Patentanmeldung machen, da das Patent ja etwas neuartiges, noch nicht da gewesenes ist. Wenn deine Masterarbeit veröffentlicht wird, kann man danach AFAIK keinen Patentschutz mehr bekommen. Das war zumindest bei meiner eigenen Masterarbeit so, dass ich sie (seitens meiner Firma) unter Verschluss halten sollte bis die Patentanmeldung raus war.
 
Wenn du so viel positives Feedback bekommst zu deiner Software würde ich mit dem Gedanken spielen eine eigene Firma zu gründen und die Software dann entsprechend zu vermarkten. Dann bist du auf der sicheren Seite. Wenn du genug Bargeld hast könntest du natürlich dann auch ein entsprechendes Patent anmelden und Leute einstellen, die den Markt überwachen bzgl Patentrechtsverletzung.
 
Damit eine Software über das Urheberrecht hinaus patentfähig ist, bedarf es schon einer bedeutenden technischen Innovation.
 
Damit eine Software über das Urheberrecht hinaus patentfähig ist, bedarf es schon einer bedeutenden technischen Innovation.

"Runde Ecken" z.B.? :p
Grundsätzlich ist das natürlich so gedacht, die Praxis sieht da aber doch deutlich anders aus. Viele Patente beschreiben nur Kombinationen von bereits bekanntem oder Übertragungen auf andere Anwendungsbereiche. Habe auch schon genug Patente gelesen, bei denen der Prüfer wirklich beide Augen geschlossen haben musste, da wirklich nur eine Anwendung des Stands der Technik beschrieben wurde.
Wenn die Software einen gewissen Innovationsgehalt hat, würde ich mir über die Patentfähgkeit keine großen Gedanken machen. Ein größeres Ausschlusskriterium ist häufig, dass eine Anmeldung einfach keinen Sinn macht (siehe letzter Post von mir).
 
Hey, als Mensch der Jungsteinzeit hat das Konzept eines Riegels mit dem man Eingänge verschließen kann mein Leben verändert, endlich fressen Tiger nicht mehr meine Kinder während ich schlafe.

Aber mal b2t:
2% von einer Firma die jetzt vielleicht einen Wert von 0 hat, kannst ja selber ausrechnen wie viel das ist.

Auf dem Papier geht alles durch die Decke wenns erst mal auf dem Markt ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bezüglich Patentanmeldung bei Software Entwicklungen, da muss man aber auch drauf achten dass ein technischer Effekt bzw. die Technizität gegeben ist soweit ich mich erinnere.
Die Patentanmeldung einer Software die mir z.B. die blutigsten Filme die je gemacht wurden raussucht ist so z.B. nicht möglich, zumindest in Deutschland.
Aber am besten solltest du dir sowieso mal einen Anwalt suchen der dich da wirklich sinnvoll beraten kann oder auch mal zum Patentzentrum an deiner Uni gehen, die beraten einen auch relativ gut.
 
Hat Jemand von euch etwas mehr Ahnung und kann mir vielleicht den ein oder anderen Rat geben?

Wie wäre es, wenn du ein eigenes Unternehmen (UG (haftungsbeschränkt)) gründest, diese hält sämtliche Rechte an der Software.
Deinem Arbeitgeber Lizenzierst du die Software unter, etwa "darf verwenden, darf kommerziell nutzen von 2015 - 2030 im Rahmen von x, darf modifizieren, ..." und deiner Uni kannst du beispielsweise eine andere Lizenz etwa "darf zu Lehr- und Lernzwecken verwendet werden, modifikation ausgeschlossen, nicht für kommerzielle zwecke, ..." Dazu gibt es doch so ein herrlich komplexes Lizenzsystem.

Wenn du die Rechte an deinen AG überträgst gegen 2% Unternehmensanteile, dann kann er dich zwar entlassen, ist allerdings trotzdem verpflichtet, dir die 2% Unternehmensanteile zu überlassen. Dann liegen allerdings alle Rechte an der Software beim Unternehmen und wenn es "bankrott" geht oder aufgekauft wird, wandern sie eben häufig an Dritte (z.B. Käufer/ Gläubiger). Bei Patenten kannst du diese allerdings auch einzeln "herauskaufen", falls das Unternehmen sie dir verkaufen möchte.

Businesspläne gehen immer "durch die Decke". Die werden geschrieben, um Investoren an Land zu ziehen, da schreibt NIEMAND, der bei klarem Verstand ist, auch nur den entferntesten Hinweis auf Risiken oder Schwierigkeiten. Da kannst du auch 2 rosarote Pornobrillen aufziehen. Das solltest du durchaus im Hinterkopf halten.

Achso falls du die Technik selbst patentierst - bist du sicher, dass es hier um das Patentieren geht und nicht um bloßen Urheberrechtsschutz? - musst du natürlich nicht selbst auf den Markt aufpassen, dazu gibt es Kanzleien, die sich professionell darum kümmern. Natürlich nicht ohne Beteiligung am Kuchen, aber das ist wohl selbstverständlich.
 
Businesspläne gehen immer "durch die Decke". Die werden geschrieben, um Investoren an Land zu ziehen, da schreibt NIEMAND, der bei klarem Verstand ist, auch nur den entferntesten Hinweis auf Risiken oder Schwierigkeiten. Da kannst du auch 2 rosarote Pornobrillen aufziehen. Das solltest du durchaus im Hinterkopf halten.
Gute Business-Pläne erläutern ausführlich alle Risiken. Diese offen zu kommunizieren ist essentiell, um Vertrauen aufzubauen. Wenn keine Risiken genannt werden und alles schöngefärbt ist - Finger weg!
 
Open Source und Kommerzialisierung schließen sich nicht aus.

Lizensier das Ding einfach unter einer Lizenz, die freie Weiterbearbeitung außer im kommerziellen Bereich erlaubt – z.B. CC-BY-NC-SA.
 
In der Open-Source-Welt läuft das auch häufig so, dass über die Supportverträge die Kohle verdient wird.

Beispiel: Ich arbeite in einem großen Softwarekonzern. Die Kernentwickler eines unserer Produkte haben vor ein paar Jahren gekündigt, als der Bereichschef ihnen ihr Projekt weggenommen hat. Die Entwickler haben sich dann bei einer anderen Firma anstellen lassen und die Software nachgebaut auf Open-Source-Basis. Sowohl deren Programmierstil als auch die Projektdateien sind ziemlich gewöhnungsbedürftig. Oder mit anderen Worten: Man kriegt den Müll aus eigener Kraft nicht compiliert, da vor allem auch diverse entscheidende Build-Dateien fehlen.

Und an der Stelle kommt dann der Supportvertrag ins Spiel: D.h. Installation, Schulung, Support bei Benutzung und Konfiguration usw. Und damit verdienen die sich dann 'ne goldene Nase.

D.h. die Idee wäre:
Du stellst die Software unter die GPL, schließt mit dem Startup-Unternehmen einen Vertrag ab, dass du die Software bei denen als Open Source weiterentwickelst und die die Organisation der Supportverträge übernehmen. Hat für Dich den Vorteil, dass sie Dir die Software nicht direkt wegnehmen können. Im Worst Case schmeißen sie Dich raus und machen einen Fork. Die Software steht Dir und allen anderen (Uni) damit aber noch immer zur Verfügung. Die Uni wäre sogar ein potentieller Kunde für einen Supportvertrag.

Ein wirtschaftliches Risiko ist natürlich für Dich immer dabei. Und du solltest natürlich darauf achten, dass du Dich nicht selbst arbeitslos machst. D.h. du solltest derzeit und in Zukunft der relevante Kopf sein, ohne den die Software nicht überleben kann. Das ist gut realisierbar über einen Mindestgrad an Komplexität mit indirekt proportionaler Qualität der technischen Dokumentation.
 
Gute Business-Pläne erläutern ausführlich alle Risiken.

Man merkt, dass du ich noch im Studium befindest - nicht böse gemeint.

Zu 90% dienen Businesspläne dazu, de Banken als Geldgeber, das blaue vom Himmel herunterzulügen, um an de Kredit zu kommen.
Kein ernsthafter Unternehmer kann zum Start bereits im Vorfeld eine seriöse Rentabilitätsvorschau etc machen.
 
@phre4k:

NC-Lizenzen (egal ob jetzt CC oder eine andere) sollte man aber mit Bedacht nutzen. Die wenigsten wissen dass man z. B. mit CC-BY-NC-SA auch nicht kommerzielle Nutzung ungewollt unterbindet.



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Ich würde es wie es musv beschrieben hat, versuchen. Die Software unter einer geeigneten OpenSource-Lizenz (z. B. LGLP) veröffentlichen und den Support übernehmen.
 
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  • #17
Vielen Dank für die vielen Denkanstöße und Ratschläge. Jetzt habe ich auf jeden Fall bereits Richtungen in die ich gehen kann - das werde ich dann mit meinem Prof. und der neuen Firma besprechen. Klasse :)
 
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