Dass Plattenfirmen und Verlage Geld für ihre Leistungen wollen, ist nichts, was mich verwundert oder stört. Bei dieser Fülle an neuen Inhalten, die täglich erscheinen, ist viel Arbeit (sprich: Geld) notwendig um das Zeug zu verbreiten.
Das mag für wirklich kleine Künstler stimmen und es mag stimmen, weil der Markt so erzogen wurde und weil jeder erwartet gleich die Welt als Markt zu haben. Das ist aber eine wirklich extreme Annahme.
Zunächst mal brauchen die, die bereits groß sind, kaum Promotion. Ein # auf Twitter und Facebook, sowie den Link zu *Shop deiner Wahl* und ggf. noch ein Promovideo und die Großen haben ihre mio. Auflage sicher. Ob da Universal einen Retweet macht [wer bitte folgt denen?] und irgendwo in New York 3 Banner aufhängt, spielt nun wirklich so absolut keine Rolle mehr.
Zweitens wurde der Markt so erzogen, dass man sich nicht mehr umschaut und nach dem sucht, was einen interessiert, sondern dass man aus den Massen an Werbung das herausfiltern muss, was einen wirklich interessiert. Ich gebe zu, es ist "aufwändiger" nach guter Musik zu suchen, als sich von dem Überangebot erstmal überschwemmen zu lassen und dann zu filtern, was einem davon überhaupt gefällt - trotzdem wäre es eine Alternative, die wesentlich kostengünstiger ist.
Der dritte Aspekt ist denke ich selbstverständlich. Musik wird als Millionärsjob angesehen. Man erwartet in diesem Business scheinbar großteils, dass man automatisch Anspruch auf Reichtum und mindestens Welt-Publikum hat. Vielleicht ist das aber nicht (mehr) angemessen.. und gerade die kleinen Künstler werden auch nicht reich damit. Vielleicht ist es bei der Musik so, wie bei jedem anderen Business. Manche schaffen es aus einem Hinterhof-Garagen-Unternehmen eines der weltweit führenden Unternehmen mit Milliardenumsätzen zu werden, andere bleiben ewig das kleine Unternehmen, das man nebenher zu seinem richtigen Beruf, betreibt.
Wo ich das mit der Twitter-Ankündigung bereits erwähnt habe, könnte man auch die elendigen und sinnlosen Vertriebswege überarbeiten. Ob ich als Künstler nun auf Twitter den Link zu Amazon, iTunes, Walmarkt (usw) poste oder den zum eigenen Shop, macht für mich keinen Unterschied. Für den Endkundenpreis meines Produkts aber durchaus.
Momentan sieht es doch so aus, dass du in Deutschland um 40 Euro für eine CD zahlst. Davon kommen, wenn es gut läuft, noch 3 Euro beim Künstler an. Der Rest bleibt irgendwo auf der Strecke, vor allem bei physischen Stores liegen. Abgesehen davon hast du ein unglaublich kostspieliges Lizenzsystem, welches das Release deines Songs zudem um Monate verzögert.
Einfacher und wesentlich billiger wäre es, würde der Künstler seinen eigenen Webshop betreiben, anstatt duzende Unterlizensierungen und Groß- und Kleinhandelsunternehmen zwischen zu schalten.
Beim eigenen Shop fallen einmalige Kosten im 4-stelligen Bereich an und monatliche Betriebskosten im maximal 3-stelligen Bereich. Vergleiche das mal damit, was anfällt, wenn du 20 Unternehmen zwischen dich und den Kunden spannst, die alle vom Kuchen abhaben wollen. Es ist ja nicht mal so, dass auf Selbstkostenbasis gearbeitet wird, nein, da will auch jeder noch mal Gewinn mitnehmen.
Ob der Kunde nun auf shop.kuestler-xy.com geht oder auf amazon, macht maximal später bei der Überweisung einen Unterschied. 90% geringerer Preis, anderer Zahlungsempfänger, schlimmstenfalls eine Auslandsüberweisung.