Du bist echt davon überzeugt, dass du absolut Recht hast, mit deinem Weltbild, dass da überhaupt nichts ist.
Woher nimmst du dir deine Sicherheit?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Annahme einer Seele, die dich zu dem Selbst macht, das du bist. Diese Seele ist unkörperlich und unsterblich. Nur aufgrund dieser Annahme kannst du über ein Leben nach dem Tod nachdenken, weil nur sie das Leben überdauert und so auch du dein Leben überdauerst. Dein Leben nach dem Tod gehört daher zu deiner Zukunftsplanung.
Wer das Vorhandensein einer Seele verneint, für den ist das Selbst nur während des Lebens. Weder davor noch danach gibt es ihn, deswegen ist sein Nichtvorhandensein nach dem Tod auch kein Bestandteil der eigenen Zukunftsplanung. Wer die Vorstellung abstoßend findet, zu verrotten, lässt sich verbrennen; wer sich um seine Kinder sorgt, erzieht sie und hinterlässt ihnen ein Erbe. Beides nicht wegen des Nichtvorhandenseins nach dem Tod, sondern weil solche Planungen zum eigenen Leben gehören. Solche Planungen gelingen zuverlässig, weil der Glaube, auf den sie sich stützen, meistens zutrifft: Ich sterbe; das Wohlergehen meiner Kinder ist größer, wenn sie gut erzogen sind; Leichen verrotten im Boden, aber sie können auch verbrannt werden.
Inwiefern Planungen betreffend eines Lebens nach dem Tod zuverlässig gelingen, hängt ebenso davon ab, ob der Glaube, auf den du dich stützt, im Wesentlichen zutrifft. Wenn ein Gott angewidert ist von deinen Versuchen, dir einen Platz im Himmel zu sichern, hast du ordentlich verschissen. Wenn es keinen Gott gibt, verschwendest du Zeit. Wenn es Gott gibt, er zufällig deine Ansichten teilt und deine Hoffnungen erfüllt, hast du den Jackpot geknackt. Trotzdem würde kein Lottospieler vor der Auslösung sagen können ohne ausgelacht zu werden: "Ich glaube, dass ich 6 Richtige haben werde." Er kennt nur die winzige Wahrscheinlichkeit, aber selbst das ist noch mehr als bei der Wette auf das Leben nach dem Tod, denn dafür misslingt selbst die Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Während also unbekannt ist, ob es etwas zu gewinnen oder zu verlieren gibt, ist der Einsatz sehr real: Zeit, Glück, Wissen, Lust. Das gibt der religiös-gläubige Mensch in kleinerem oder größerem Umfang als Einsatz für seine erhoffte Wette mit ungewissem Ausgang. Was die Entscheidung vereinfacht für diejenigen, die sich auf den Glauben beschränken, dass ihr Leben mit ihrem Tod endet. Denn dann zählt nur eines: Was während des Lebens geschieht, wie gut das Leben ist.
Die Wahrscheinlichkeit des Zutreffens beider Annahmen ist unbekannt, aber im einen Fall gibt es sicher Nachteile, im anderen sicher Vorteile im Leben. Die Nachteile hingegen müssen durch Hoffnung und Spekulation ausgeglichen werden.