Legitimation für Streiks

War-10-ck

střelec
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Eigentlich wollte ich morgen mit ein paar Arbeitskollegen eine Tagestour machen. Wie das so ist, wählt man da als günstiges Transportmittel die Bummelbahn.
... einen Tag vorher fällt den Angestellten da dann ein, dass es mal wieder Zeit wäre zu streiken (von Samstag bis Montag) und alles fällt ins Wasser.

Ich bin nun keiner der sich da extremst drüber aufregt. Passiert halt und die Lokführer wollen ja auch nur eine angemessene Bezahlung erhalten. Irgendwie hab ich da auch Verständnis. Wenn ich das ganze aber umdrehe und mir vorstelle wie das wäre wenn der Arbeitgeber auf einmal das Gehalt aussetzen würde um seine Position in den Gehaltsverhandlungen zu stärken wirft sich mir doch die Frage auf ob da auch noch so viel Verständnis vorherrschen würde? Schließlich haben beide Seiten einen Vertrag geschlossen an den es sich zu halten gilt und wo man sich als Vertragspartner drauf verlassen können sollte.

Wie seht ihr das vom moralischen Aspekt her? Ich bin gerade irgendwie dazu geneigt solchen Streiks für mich die moralische Legitimation abzusprechen.
 
würden die firmen, die angestellte haben, nicht dauernd ihre preise erhöhen, müsste ja auch keiner für mehr lohn streiken. aber wenn überall die preise steigen, ist es doch klar, dass die leute auch mehr geld benötigen.

ausserdem wird unsere politik schon mehr als genug von der wirtschaft beherrscht, als dass diese noch mehr macht benötigt.
 
Entertainment ist es und mehr nicht. Auf beiden Seiten könnte man dies einfach verhindern aber das wird nur genutzt um sich etwas in Szene zu setzen, sonst würden längerfristige Lösungen gefunden werden. Übrigens interessiert da der Kunde beide Seiten nicht wirklich. :coffee:
 
Gibt halt kein Unfair oder Fair, sondern nur das was man kann und das was man nicht kann.

Und in diesem Fall spielt auch mal wieder einiges an Tradition mit rein, ich meine was wäre ein Jahr ohne Bahnstreiks?
Da käm ich garnicht in Weihnachtsstimmung! Ohne Stress macht doch alles keinen Spaß, bald beginnt wieder die selbstmordreichste besinnlichste Zeit des Jahres!
 
Es steht solangsam halt nicht mehr im Verhaeltnis.
 
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Wie das so ist, wählt man da als günstiges Transportmittel die Bummelbahn.

Bahn und günstig. Meinst du günstig, wenn du Schwarz fährst und 50 Euro für's Erwischen lassen bezahlst? Bei den Preisen, die man mittlerweile zahlt, kommt man schon fast günstiger, wenn man statt einem Ticket einfach gleich 50Euro für's Schwarzfahren zahlt.


die Lokführer wollen ja auch nur eine angemessene Bezahlung erhalten. Irgendwie hab ich da auch Verständnis. Wenn ich das ganze aber umdrehe und mir vorstelle wie das wäre wenn der Arbeitgeber auf einmal das Gehalt aussetzen würde um seine Position in den Gehaltsverhandlungen zu stärken wirft sich mir doch die Frage auf ob da auch noch so viel Verständnis vorherrschen würde? Schließlich haben beide Seiten einen Vertrag geschlossen an den es sich zu halten gilt und wo man sich als Vertragspartner drauf verlassen können sollte.
Jein. Gut, der brave Deutsche Michel hat das mit den Streiks im 21 JH noch nicht so ganz raus, aber du kannst ja gerne mal nach Frankreich schauen oder ins Geschichtsbuch zwischen 1800 und 1900, wenn du Deutschland nicht verlassen möchtest.


Es geht bei Streiks ja auch darum andere auf die Probleme in einem Unternehmen oder einer Branche aufmerksam zu machen. Solange du per Amazon Prime dein morgens versandkostenfrei dein Päckchen in die Hand gedrückt bekommst, das du am Vorabend um 23:59:59 bestellt hast, ist dir doch egal, was mit den Mitarbeitern bei Amazon passiert. Glaubst du Amazon kann solche Angebote aus Luft und Liebe finanzieren? Wenn aber plötzlich gestreikt wird und du wartest mal eben 1/2 Monat auf dein Paket, dann merkst auch du, dass irgendetwas in dem Unternehmen nicht stimmt.

Übrigens gibt es auch Regeln für's legitime Streiken. So einfach streiken, weil du mehr Geld willst, ist da nicht drin.
Zum Thema hat Wikipedia auch einen sehr schönen Artikel. Besonders 1.2 ist ganz spannend und für dich dürfte auch Punkt 3 interessant sein. Einfach so streiken, nur weil du mehr Lohn willst, ist nämlich nicht erlaubt. Ganz so einfach geht das nicht.
 
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  • #10
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Bahn und günstig. Meinst du günstig, wenn du Schwarz fährst und 50 Euro für's Erwischen lassen bezahlst? Bei den Preisen, die man mittlerweile zahlt, kommt man schon fast günstiger, wenn man statt einem Ticket einfach gleich 50Euro für's Schwarzfahren zahlt.

Glaub mir ich bin schon imstande Preise zu vergleichen. Und der aufmerksame ngb User hat sicherlich festgestellt, dass ich nicht alleine fahren wollte sondern in einer Gruppe und ja dann kann man auch das ein oder andere günstige Angebot im Nahverkehr finden.
 
Ich weiß nicht, warum nur die das dürfen und nicht auch die Bäckereifachverkäuferinnen, das Pflegepersonal, Polizisten und Ärzte.

Bisschen Anarchie würde Deutschland mal ganz gut tun.
 
Warum sollte es einem Arbeitgeber verwehrt bleiben genau das selbe zu tun?

ein streik hat zum ziel, dass von den gewinnen mehr an die mitarbeiter fliesst. das unternehmen wird nicht gezwungen aus der gewinn- und die verlustzone zu rutschen. würde man die mitarbeiter dementsprechend unter druck setzen, wären existenzen bedroht.

davon mal abgesehen herrscht in deutschland soziale marktwirtschaft. muss denn immer alles noch mehr richtung reinem kapitalismus führen? das güldene land links vom teich zeigt uns doch immer wieder wie ach so toll es so läuft...

warum kann man sich nicht einfach mal darüber freuen, dass wir als einfach bürger (noch) so viele möglichkeiten haben?!
 
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  • #13
Ich hab das mit dem Steikrecht mal überflogen. Nun erscheint mir das ganze noch um einiges dämlicher. Warum verbietet man bitte Arbeitnehmern zu streiken solange sie sich nicht in einer Gewerkschaft zusammenschließen? Warum sollte das Recht auf Streik denen verwehrt bleiben die nicht organisiert sind und nicht nach Tarif bezahlt werden?

Ich habe ja noch nicht mal generell was dagegen zu solchen Mitteln zu greifen aber wenn sollen doch auch bitte alle die selben Rechte haben. Und das schließt für mich dann zwangsläufig irgendwie auch die Arbeitgeber ein. Nicht das ich das dann toll finden würde, aber gerechter.
 
Als Pflegekraft bleibts mir verwehrt, da ich in keiner Gewerkschaft bin. Nett oder? Und das obwohl ich weniger verdien als ein Bimmelbahn Fahrer ;)
 
Weil ein Betriebsrat offiziell mit einem Streikaufruf nichts zu tun hat.
Aufrufen und darüber abstimmen und verhandeln ist Aufgabe der Gewerkschaft und der zuständigen Vertrauensleute im Betrieb.

Ich bin schon engagierte Gewerkschafterin, aber dass zwei konkurrierende Gewerkschaften jetzt aus Prestigegründen übers
Wochenende den Verkehr lahmlegen kann ich nicht, aber auch so gar nicht nachvollziehen.
(Musste ich jetzt loswerden...;) )
 
Prinzipiell darf in der Pfege durchaus gestreikt werden, solange die generelle Versorgung von Patienten durch einen Notdienst gewährleistet ist. Selbst Mitarbeiter welche im kirchlich öffentliche Dienst von Caritas und Diakonie beschäftigt sind dürfen laut einen Urteil des Bungesdgerichtshofes von 2012 Streiken. Allerdings bringt dieses Urteil wenig da hier nicht die Gewerkschaften den Tarivertrag, mit den jeweiligen Trägern aushandeln, sondern die Arbeitsrechtlichen Kommissionen
 
Eben darum gehts ja. Es ist nichtmal möglich "Notpersonal" vor Ort haben zu können. Man arbeitet eh schon komplett Unterbesetzt...
 
...müsste ja auch keiner für mehr lohn streiken. aber wenn überall die preise steigen,....

Nunja.
1. geht es bei dem Streik der GdL wohl nicht in erster Linie ums Geld, 2. liegt es in der Natur des Durchschnittsmenschen den Hals nicht voll genug bekommen zu können.
Es ist doch eh so, die Leute die extrem unterbezahlt werden und denen wirklich ne bessere Bezahlung zustehen würde, die streiken doch gar nicht.
 
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