Crass Spektakel
NGBler
- Registriert
- 4 Nov. 2016
- Beiträge
- 30
Also ich fahre schon etwas länger recht wilde Netze (hatte früher sogar ARC-Net und HP-AnyNet im Einsatz, über DIY-Router mit Ethernet-Segmenten verbunden.) - Aber könnt ihr da mithalten?
Aktuell habe ich abgerüstet und kein Infiniband, Arcnet und HPAnynet mehr... wild ist es trotzdem.
Im Keller schlägt 100MBit Internet von der Telekom über Kupfer in der Fritz 7590 auf, mehr gibts in unserer Strasse aktuell nicht aber Glas ist für dieses Jahr zumindestens angekündigt. Daneben steht eine 6490 auf der ein uralter Spartarif von Kabel Deutschland läuft, neben Kabel-TV hab ich da 50MBit und Kabel-TV für €25/Monat (frag nicht, die wollen mich seit 30 Jahren auf was größeres umstellen aber ich sag halt Nope. Mutter will halt KAbel-TV und das Internet ist halt fast gratis dabei.)
Die DSL-Leitung geht über Cat7 in die 7590 und die Kabelfernsehleitung über Koax in die 6490.
Beide Router sind als Mesh zusammengeschalten weshalb die 6490 direkt mit der 7590 verbunden werden muss.
Die 7590 hängt im ersten Stock.
Die 6490 hängt in der Erdgeschoss Diele.
Durch die Position deckt die 6490 das Erdgeschoß und Keller und den Vorgarten ab während die 7590 ersten, zweiten Stock und weite Teile des Gartens abdeckt. Die Fritz-Telefone funktionieren sogar 100 Meter runter die Straße noch, hinten im Garten sowieso.
Aber wie nutzt man zwei Internet-Zugänge?
Nun, eigentlich nutze ich nur die 7590 und Telekom-DSL per Standard. Aber wenn man meinen Squid-Proxy nutzt werden Zugriffe abwechselnd auf die beiden Uplinks verteilt. Ist ziemlich speziell und natürlich nur mit HTTP/FTP/etcpp nutzbar und nur als Proxy aber hey dafür bündelt es wirklich effektiv, ich bekomme wirklich 150MBit Download bei einigen Sachen. Und netter Nebeneffekt, brechen beide Verbindungen weg wird automatisch mein Smartphone als dritte Verbindung genutzt. Gut, hat nur 40GByte/Monat aber für Notfälle reichts.
Der Squid läuft auf einem PC der bei mir alles macht, aktuell ein Core2, bald ein i7-4790k. Er routet z.B. mehrere hausinterne Segmente, DMZ uswusf... das Hauptsegment kommt aus der Fritz 7590 die ja auch mit der 6490 im gleichen Segment hängt, eine alte gemischte Verkabelung aus Cat5e bis Cat7 inklusive Wifi6, ein schönes grosses /25 für alles was halt einfach ne RJ45-Buchse oder WLAN hat. 128 Adressen müssen halt reichen, hat historische Gründe dass unser Computerclub systematisch /24 unterhalb 10/8 vergeben haben und wir heute noch unsere Netze über VPN passend zusammenschalten können.
Und dann gehen von diesem Rechner zwei weitere Segmente weg:
1. das 25GBit-Glasfaser-Netz - hab mir für €200 pro Rechner schlicht eine 25Gbit-Ethernet-Karte gegönnt. Daran hängt aktuell nur mein Core2 (und ja, der wuppt die 25Gbit über seinen PCIEx16-Steckplatz grade so, in der Praxis eher 20Gbit... darum kommt ja der i7 bald an seinen Platz) - ist halt geil wenn man mit 2GByte/s auf den Server zugreifen kann - wobei SMB da halt hart versagt aber NFS und iSCSI wuppen das auch unter Windows gut.
Für dieses Netz verwende ich tatsächlich aktuell nur ein /30, also maximal zwei Rechner, hab auch keinen Switch, das ist P2P.
Früher lief da mal ein 40GBit Infiniband aber das Ding war so verbastelt und wackelig dass ich keinen Bock mehr hatte und langsamer wars auch.
2. Das 100MBit-Retro-Netz. Das ist halt ein /26 mit 64 Adressen wo meine Retro-Rechner drin hängen. Und da wirds halt fuchsteufelswild, dort steht ein weiterer DIY-Router auf 486-Basis der vom IBM-PC5150 über C64 und Amiga halt alles wild anbindet, teils über RS232/CSLIP, teils über plip/magplip, teils über Koax-Cheapernet. Hauptsache Internet. Früher gabs da auch ARCNet und HP-AnyNet und DecNET und Appletalk, hab das aber gestreamlined.
Ist wild aber spaßig.
Wenn der Mitsubishi den Erl-König überholt
Es war einer dieser Termine in der Glaspalast-Etage eines süddeutschen Automobilriesen. Der IT-Oberchef – nennen wir ihn Dr. Breitband – dozierte vor einer Armada von Consultants darüber, dass man „aus Skalierungsgründen“ nun das fünfte und sechste 10-GBit-Bündel in den Serverrack ziehen müsse. „Mehr als 10 GBit pro Lane“, so seine feste Überzeugung, „ist im Enterprise-Segment instabil. Das skaliert nicht sauber.“
Ich konnte nicht anders. „Wissen Sie, Herr Doktor,“ warf ich ein, „ich fahre daheim 25 GBit auf einer Glasfaser. P2P. Läuft wie geschmiert. Warum bündeln wir nicht 4x25 über eine 100er Leitung, statt diesen Kabelsalat zu pflegen?“
Stille im Raum. Dr. Breitband lachte so herzlich, dass seine Krawatte wackelte. „Junger Mann, in einem Rechenzentrum herrschen andere Gesetze als in der Theorie. Wenn Sie privat 25 GBit stabil auf Schiene haben, lade ich Sie höchstpersönlich zum Buffet ins Hilton ein.“
Die Einladung
Zwei Wochen später rollte Dr. Breitband mit einem jener „geheimen“ Prototypen in meine Einfahrt, die eigentlich nur in Erlkönig-Magazinen existieren. Er sah mein Haus, er sah meinen 15 Jahre alten Ford-Kombi (Gott hab ihn selig) und er sah mich. Sein Blick sagte: „Hier gibt es höchstens 16 MBit und eine instabile WLAN-Steckdose.“
Wir gingen in den Keller. Ich servierte Kaffee.
„So,“ sagte er süffisant, „wo ist das Wunderwerk?“
Ich zeigte auf meinen Haupt-PC. „Da. 25 GBit SFP28. Direkt zum Server.“
Er schaute auf den Monitor, startete einen iSCSI-Transfer und sah die stabilen 2,3 GByte pro Sekunde durchrauschen. Sein Gesicht veränderte die Farbe von „Skeptisch-Rosa“ zu „Serverraum-Grau“.
„Und was routet das Ganze?“ fragte er, während er fieberhaft nach einem sündhaft teuren Enterprise-Switch suchte.
Ich klopfte auf das Gehäuse daneben. „Mein DIY-Router. Aktuell noch ein Core2 von 2006.“
In diesem Moment passierte es: Dr. Breitband nahm gerade einen Schluck Kaffee, realisierte die Jahreszahl „2006“ und prustete die braune Flüssigkeit im hohen Bogen über meinen Schreibtisch. „Ein Core2?!“ japste er zwischen zwei Hustenanfällen. „Das Ding ist älter als unsere gesamte Infrastruktur! Und das wuppt den Durchsatz?“
„Na ja,“ grinste ich, „der PCI-Slot schwitzt ein bisschen, aber er skaliert sauberer als Ihre 10-GBit-Bündel.“
Das Nachspiel
Die Wette stand. Er zahlte das Hilton-Buffet, aber der eigentliche Gewinn war sein Gesichtsausdruck, als er beim Rausgehen meinen Ford-Kombi noch einmal musternd ansah. Ich verschwieg ihm dezent, dass ich heute mit dem 10 Jahre alten Mitsubishi Space Star meiner Mutter da bin – einem Auto, das neu weniger kostet als das Aufpreis-Paket für sein Infotainment-System.
Der „Zusatzjob“ ließ nicht lange auf sich warten. Plötzlich war ich der „Special Consultant“ für die neue Backbone-Architektur. Er drückte mir für ein paar Tage einen 100-GBit-Router in die Hand, der mehr wert war als mein gesamter Fuhrpark inklusive IT-Infrastruktur.
Wenn er wüsste, dass ich die Konfiguration dafür wahrscheinlich an einem Rechner geschrieben habe, dessen CPU älter als seine Kinder ist, aber jünger als meine letzte Gehaltserhöhung... aber hey, solange es skaliert!
Aktuell habe ich abgerüstet und kein Infiniband, Arcnet und HPAnynet mehr... wild ist es trotzdem.
Im Keller schlägt 100MBit Internet von der Telekom über Kupfer in der Fritz 7590 auf, mehr gibts in unserer Strasse aktuell nicht aber Glas ist für dieses Jahr zumindestens angekündigt. Daneben steht eine 6490 auf der ein uralter Spartarif von Kabel Deutschland läuft, neben Kabel-TV hab ich da 50MBit und Kabel-TV für €25/Monat (frag nicht, die wollen mich seit 30 Jahren auf was größeres umstellen aber ich sag halt Nope. Mutter will halt KAbel-TV und das Internet ist halt fast gratis dabei.)
Die DSL-Leitung geht über Cat7 in die 7590 und die Kabelfernsehleitung über Koax in die 6490.
Beide Router sind als Mesh zusammengeschalten weshalb die 6490 direkt mit der 7590 verbunden werden muss.
Die 7590 hängt im ersten Stock.
Die 6490 hängt in der Erdgeschoss Diele.
Durch die Position deckt die 6490 das Erdgeschoß und Keller und den Vorgarten ab während die 7590 ersten, zweiten Stock und weite Teile des Gartens abdeckt. Die Fritz-Telefone funktionieren sogar 100 Meter runter die Straße noch, hinten im Garten sowieso.
Aber wie nutzt man zwei Internet-Zugänge?
Nun, eigentlich nutze ich nur die 7590 und Telekom-DSL per Standard. Aber wenn man meinen Squid-Proxy nutzt werden Zugriffe abwechselnd auf die beiden Uplinks verteilt. Ist ziemlich speziell und natürlich nur mit HTTP/FTP/etcpp nutzbar und nur als Proxy aber hey dafür bündelt es wirklich effektiv, ich bekomme wirklich 150MBit Download bei einigen Sachen. Und netter Nebeneffekt, brechen beide Verbindungen weg wird automatisch mein Smartphone als dritte Verbindung genutzt. Gut, hat nur 40GByte/Monat aber für Notfälle reichts.
Der Squid läuft auf einem PC der bei mir alles macht, aktuell ein Core2, bald ein i7-4790k. Er routet z.B. mehrere hausinterne Segmente, DMZ uswusf... das Hauptsegment kommt aus der Fritz 7590 die ja auch mit der 6490 im gleichen Segment hängt, eine alte gemischte Verkabelung aus Cat5e bis Cat7 inklusive Wifi6, ein schönes grosses /25 für alles was halt einfach ne RJ45-Buchse oder WLAN hat. 128 Adressen müssen halt reichen, hat historische Gründe dass unser Computerclub systematisch /24 unterhalb 10/8 vergeben haben und wir heute noch unsere Netze über VPN passend zusammenschalten können.
Und dann gehen von diesem Rechner zwei weitere Segmente weg:
1. das 25GBit-Glasfaser-Netz - hab mir für €200 pro Rechner schlicht eine 25Gbit-Ethernet-Karte gegönnt. Daran hängt aktuell nur mein Core2 (und ja, der wuppt die 25Gbit über seinen PCIEx16-Steckplatz grade so, in der Praxis eher 20Gbit... darum kommt ja der i7 bald an seinen Platz) - ist halt geil wenn man mit 2GByte/s auf den Server zugreifen kann - wobei SMB da halt hart versagt aber NFS und iSCSI wuppen das auch unter Windows gut.
Für dieses Netz verwende ich tatsächlich aktuell nur ein /30, also maximal zwei Rechner, hab auch keinen Switch, das ist P2P.
Früher lief da mal ein 40GBit Infiniband aber das Ding war so verbastelt und wackelig dass ich keinen Bock mehr hatte und langsamer wars auch.
2. Das 100MBit-Retro-Netz. Das ist halt ein /26 mit 64 Adressen wo meine Retro-Rechner drin hängen. Und da wirds halt fuchsteufelswild, dort steht ein weiterer DIY-Router auf 486-Basis der vom IBM-PC5150 über C64 und Amiga halt alles wild anbindet, teils über RS232/CSLIP, teils über plip/magplip, teils über Koax-Cheapernet. Hauptsache Internet. Früher gabs da auch ARCNet und HP-AnyNet und DecNET und Appletalk, hab das aber gestreamlined.
Ist wild aber spaßig.
Post automatically merged:
Wenn der Mitsubishi den Erl-König überholt
Es war einer dieser Termine in der Glaspalast-Etage eines süddeutschen Automobilriesen. Der IT-Oberchef – nennen wir ihn Dr. Breitband – dozierte vor einer Armada von Consultants darüber, dass man „aus Skalierungsgründen“ nun das fünfte und sechste 10-GBit-Bündel in den Serverrack ziehen müsse. „Mehr als 10 GBit pro Lane“, so seine feste Überzeugung, „ist im Enterprise-Segment instabil. Das skaliert nicht sauber.“
Ich konnte nicht anders. „Wissen Sie, Herr Doktor,“ warf ich ein, „ich fahre daheim 25 GBit auf einer Glasfaser. P2P. Läuft wie geschmiert. Warum bündeln wir nicht 4x25 über eine 100er Leitung, statt diesen Kabelsalat zu pflegen?“
Stille im Raum. Dr. Breitband lachte so herzlich, dass seine Krawatte wackelte. „Junger Mann, in einem Rechenzentrum herrschen andere Gesetze als in der Theorie. Wenn Sie privat 25 GBit stabil auf Schiene haben, lade ich Sie höchstpersönlich zum Buffet ins Hilton ein.“
Die Einladung
Zwei Wochen später rollte Dr. Breitband mit einem jener „geheimen“ Prototypen in meine Einfahrt, die eigentlich nur in Erlkönig-Magazinen existieren. Er sah mein Haus, er sah meinen 15 Jahre alten Ford-Kombi (Gott hab ihn selig) und er sah mich. Sein Blick sagte: „Hier gibt es höchstens 16 MBit und eine instabile WLAN-Steckdose.“
Wir gingen in den Keller. Ich servierte Kaffee.
„So,“ sagte er süffisant, „wo ist das Wunderwerk?“
Ich zeigte auf meinen Haupt-PC. „Da. 25 GBit SFP28. Direkt zum Server.“
Er schaute auf den Monitor, startete einen iSCSI-Transfer und sah die stabilen 2,3 GByte pro Sekunde durchrauschen. Sein Gesicht veränderte die Farbe von „Skeptisch-Rosa“ zu „Serverraum-Grau“.
„Und was routet das Ganze?“ fragte er, während er fieberhaft nach einem sündhaft teuren Enterprise-Switch suchte.
Ich klopfte auf das Gehäuse daneben. „Mein DIY-Router. Aktuell noch ein Core2 von 2006.“
In diesem Moment passierte es: Dr. Breitband nahm gerade einen Schluck Kaffee, realisierte die Jahreszahl „2006“ und prustete die braune Flüssigkeit im hohen Bogen über meinen Schreibtisch. „Ein Core2?!“ japste er zwischen zwei Hustenanfällen. „Das Ding ist älter als unsere gesamte Infrastruktur! Und das wuppt den Durchsatz?“
„Na ja,“ grinste ich, „der PCI-Slot schwitzt ein bisschen, aber er skaliert sauberer als Ihre 10-GBit-Bündel.“
Das Nachspiel
Die Wette stand. Er zahlte das Hilton-Buffet, aber der eigentliche Gewinn war sein Gesichtsausdruck, als er beim Rausgehen meinen Ford-Kombi noch einmal musternd ansah. Ich verschwieg ihm dezent, dass ich heute mit dem 10 Jahre alten Mitsubishi Space Star meiner Mutter da bin – einem Auto, das neu weniger kostet als das Aufpreis-Paket für sein Infotainment-System.
Der „Zusatzjob“ ließ nicht lange auf sich warten. Plötzlich war ich der „Special Consultant“ für die neue Backbone-Architektur. Er drückte mir für ein paar Tage einen 100-GBit-Router in die Hand, der mehr wert war als mein gesamter Fuhrpark inklusive IT-Infrastruktur.
Wenn er wüsste, dass ich die Konfiguration dafür wahrscheinlich an einem Rechner geschrieben habe, dessen CPU älter als seine Kinder ist, aber jünger als meine letzte Gehaltserhöhung... aber hey, solange es skaliert!
Post automatically merged:
Zuletzt bearbeitet: