Unterrichtsfach Wertekunde für Flüchtlingskinder

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  • #21
Der Politikunterricht in Deutschland ist doch nicht ausreichend. Die wenigsten kommen daraus hervor und können mündig eine politische Entscheidung treffen, also fundiert wählen. Das zieht sich durch ihr ganzes Leben.

Wertekunde ist aber wohl eher kulturell geplant. Feierabendbier und Weißwurst in Bayern, Matjes in Norddeutschland, Kleingärten und Briefmarkenvereine. Und, weil die bösen Muslime es ja nicht können, wie man respektvoll mit Frauen umgeht.

Natürlich geht es nur um Vorurteile. Wir reden hier über eine Partei, die jede politische Aktivität außerhalb ihres eigenen Spektrums argwöhnisch anguckt. Die bedienen den Stammtisch, weil sie ihn zurück haben wollen.
 
Anstatt die Idee zu verteufeln, wie wäre es, deiner Meinung nach, wenn so etwas "sinnvoll gestaltet" genutzt wird um Vorurteile abzubauen und Kulturen einander nahe zu bringen?

Es wird vermutlich nicht darum gehen das man einen Menschen verbiegt, Deutsch zu denken, Deutsch zu handeln und Erz-Deutsch zu sein? Oder?

Nur das man mit "Wertkunde", "Werte" einpflegt, die sich "hier" etabliert haben, würde ich meinen wenn ich das jetzt höre.
Wir hatten damals in der Schule auch noch "Werte und Normen" - weil wir keinen Religionsunterricht genossen haben - und da wurde versucht auf die "guten" Aspekte der Religion einzugehen, ohne auf die Religion als solches einzugehen.

Was stellt man sich den unter "Wertekunde" vor? - Ich finde hier im Thema jetzt leider keinen Link.
Aber wenn, sollte er für alle Schüler gleich gelten, nicht nur für eine Gruppe.

Der Diskurs mit einer anderen Kultur, findet ja unter der Betrachtungsweise von Ansichten statt, da können vielleicht auch die deutschen Kinder von lernen, von den Flüchtlingen, wie auch andersherum. Im Grunde lernen die einen die Kultur und Ansichten der anderen kennen, können sich über Für- und Wider austauschen. Das wäre meiner Meinung nach sehr positiv.

Du sprichst über das Vorurteil das Frauen einen geringeren Stellenwert haben, aber wurde dir einfach mal die anderen Denkweise nahe gebracht, oder hat dir jemand die Denkweise nahe gebracht und du konntest sie widerlegen, weil es rationale Gründe gibt? Und das findet ja in so einem Unterricht auch mehr oder minder statt.

Natürlich liegt vermutlich ein Fokus auf Deutschland oder das Land oder dessen Leute, aber "Integrationsunterricht" wäre wohl die bessere Wortschöpfung dafür - lernen miteinander umzugehen, deutsche Normen und Sitten, aber auch die Sitten und Werte der anderen Kulturen mit in die Gedanken einfließen zu lassen wenn man über etwas spricht.

Geführte "Integration". Daher, ich finde den Gedanken gar nicht so verkehrt.
 
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  • #23
Ich verteufel nichts. Wertekunde riecht aber eben wieder nach der alten Leitkultur, die ja aus derselben politischen Richtung kommt. Und da geht mir der Hut hoch, da hier wieder die Asche konserviert wird; hey, unsere Kultur ist verändert sich schneller als manch einer seine Unterhose. Ein Fach über Werte wird das nicht abdecken können. Und weil da kein Link zu ist: Auch zur Leitkultur wirst Du nichts konkretes finden. Das ist das Problem dieser populistischen Aktionen, es werden Potemkinsche Dörfer gebaut.

Mir wurde noch nie der Stellenwert nahe gebracht, dass Frauen weniger wert wären. Das wäre wirklich mal ein soziales Experiment, und ich wäre gespannt, welche Argumente dazu hervorgebracht werden. Aber solche sozialen Werte sind eben auch nicht messbar.

So wie Du hier schreibst würdest Du den Unterricht für alle fordern. Wie gesagt, die Union möchte dieses für Flüchtlinge haben. Deutsche Schüler nehmen nicht daran teil. Eine Integration würde ich unserem Bildungssystem aber auch gar nicht zutrauen.

Wenn das aber eine gute Sache werden soll, dann bitte ich aber um eine wissenschaftliche Analyse des ganzen. Erstens: Identifikation des Problems, das damit angegangen werden soll. Zweitens: Ursachenforschung, um sicher zu stellen, dass nicht nur an den Symptomen gebastelt wird, und es darunter weiter gärt. Drittens: Eine Darstellung, warum diese Stigmatisierung der Flüchtlingskinder ("ha, du musst jetzt wieder lernen, wie man sich richtig benimmt") ein geringeres Übel ist als das erste Problem. Viertens: eine Darstellung, dass genau dieser Unterricht das genannte Problem auch behebt.

Und bitte nicht das konservative Argument bringen: "Das ist doch offensichtlich". Wenn die Punkte so offensichtlich sind, dann ist es auch nicht schwer, den Nachweis zu führen.
 
Ich will nur kurz schreiben, weil ich nicht so viel Zeit habe gerade, aber mir ein Punkt doch stark aufstößt.

So wie Du hier schreibst würdest Du den Unterricht für alle fordern. Wie gesagt, die Union möchte dieses für Flüchtlinge haben. Deutsche Schüler nehmen nicht daran teil. Eine Integration würde ich unserem Bildungssystem aber auch gar nicht zutrauen.

Wenn sollte es für alle gelten, das schrieb ich recht deutlich, ansonsten wird stigmatisiert und man schafft nur (Rand)gruppen, wie du selbst sagst.

Im Grunde geht es mir ja, und das würde ich dem Bildungssystem schon zutrauen, "mir" gerade um den Gedanken, das frühe Integration von "jungen Kindern und heranwachsenden Jugendlichen" zum Großteil in der Schulzeit passieren könnte - und das wäre wohl eine wichtige Zeit, aber dann muß man alle Parteien an den Tisch holen.
Generell zu sagen, das schafft unser System nicht, halte ich für eine banale Entschuldigung es nicht zu versuchen.

Es wurde oder wird doch auch nicht versucht die Kulturen einander näher zu bringen oder einen Dialog zu eröffnen, oder, jedenfalls nicht zu meiner Zeit?
Natürlich kann ein "Schulfach" oder ne Stunde "reden über "Tagesgeschehen", "Alltag", "Leben" - auch keine Wunder vollbringen, aber zumindest wäre die Eröffnung eines Diskurses und ein möglicher Austausch und Dialog doch grundsätzlich nicht schlecht bei dem alle Parteien involviert werden können.

Kinder und heranwachsende Jugendliche sind da vermutlich auch eher bereit und offener für was einen "Dialog" anbelangt, als wenn man jetzt 20-25 Erwachsene aller Gruppen in einen Raum prügelt und sagt "nun unterhaltet euch mal über dieses Thema...".
 
Werte werden anhand von Beispielen vermittelt. Ist reiner Populismus sowas.
Es ist bereits so und war schon immer so, dass Lehrer ihre Schüler nicht nur in fachlichen Themen unterrichten sondern eben auch Sozialverhalten und eben Werte beibringen. Dafür brauchts aber kein Fach, das passiert indem man mal einen auftretenden Streit klärt, Zusammenarbeit beibringt usw. Wenn man schaut wie sehr sich die Schüler in Grundschulen an ihren Lehrern orientieren, da ist die Klassenlehrerin/Lehrer schon fast ein Elternersatz.
 
Naja, wie entstehen denn Werte und Normen? Doch weniger durch Benimmunterricht, sondern durch die Gesellschaft. Durch das Verhalten von Eltern, Lehrer, Nachbarn, Menschen im Supermarkt. Durch Gesetze und Strafen, Filme, Vorbilder, Geschichte.

Kinder lernen schnell, auch die Regeln einer Gesellschaft. Bei Erwachsenen wird es schwieriger. Daher glaube ich nicht, dass ein Werteunterricht so viel bringen würde.

Edith: Das, was War10ck sagt
 
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  • #27
Wenn sollte es für alle gelten, das schrieb ich recht deutlich, ansonsten wird stigmatisiert und man schafft nur (Rand)gruppen, wie du selbst sagst.
Das hatte ich also richtig verstanden. :)

Im Grunde geht es mir ja, und das würde ich dem Bildungssystem schon zutrauen, "mir" gerade um den Gedanken, das frühe Integration von "jungen Kindern und heranwachsenden Jugendlichen" zum Großteil in der Schulzeit passieren könnte - und das wäre wohl eine wichtige Zeit, aber dann muß man alle Parteien an den Tisch holen.
Generell zu sagen, das schafft unser System nicht, halte ich für eine banale Entschuldigung es nicht zu versuchen.
Wir haben ein sehr schlechtes Bildungssystem. Experimente an Kindern halte ich daher für verantwortungslos, und wenn es um so etwas banales wie die Vermittlung von Werten geht.
 
Unser Bildungssystem ist nicht so schlecht.
Das Problem ist eher, dass es langsam veraltet.
Man hat mmn. die Füße zu lange hochgelegt.
Die Welt dreht sich weiter, wer still steht, fällt zurück.

Das sind die alten Forderungen, die wir auch vor der "kriese" hatten:
Mehr Geld für Schulen und Bildung.
 
Die Grundidee ist ja nicht schlecht, aber viel zu kurz gedacht.

Speziell für "Flüchtlingskinder" sind entsprechende Deutschkurse von Nöten um sie erst am Gesellschaftsleben teilnehmen zu lassen. Wer die Sprache nicht versteht, tut sich schwer sich in den Alltag zu integrieren und alles was darauf aufbaut.

Das Problem bei einer sogenannten Wertekunde ist doch analog zur viel diskuttierten Leitkultur - man kann sie nicht wirklich greifen oder definieren und als solche gibt es sie auch nicht wirklich.

Wo wir aber sicherlich ein Defizit haben, ist die sogenannte Diskussionskultur - von daher wäre es doch wesentlich zielgerichteter ein von Noten gelöstes Fach zu kreiieren, dass dem klassischem Ethik-Fach am nähesten kommt und welches für sämtliche Schüler, unabhängig von der Konfession oder Herkunft verpflichtet ist.

Es war meiner Meinung nach die beste Entscheidung in der Oberstufe Religion abbzuwählen und auf Ethik zu wechseln. Es war so viel umfassender, viel lebendiger und auch viel philosophischer wenn es um uralte Sachen von der Antike bis zur Gegenwart ging. Was dem alles gemein war, neben einem wesentlich größerem Allgemeinwissen - sind es doch alles verschiedene Lebens-, und Sinnentwürfe, verschiedene Menschenbilder und Ansichten und das lässt sich auch auf alle anderen Religionen ausweiten.

Man muss Religionen nicht mögen - ich tu es absolut nicht^^ - aber man sollte schon grob wissen was sie ausmacht, was sie beinhaltet und erst dann versteht man sich auch besser. Wie will man denn Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen lernen und Vorurteile überwinden, wenn jeder nur seine eigenen Sachen vermeintlich(!) kennt.

Die Erziehung an und für sich kann und sollte die Schule nicht übernehmen, das ist Aufgabe des Elternhauses aber darüber hinaus kann sie dennoch Werte und Diskussionsbereitschaft und Fähigkeiten vermitteln, indem sie umfassend informiert und auch darüber reden lässt. Absolute und unverrückbare Wahrheiten ist hingegen - wenn es um ein solches Thema geht - sind nicht zweckdienlich.


Was wir im Endeffekt bräuchten, ist auch keine Indoktrinierung sondern einen kritischen, selbstbewussten Menschen. Ich finde es auch zwingend notwendig und überfällig Kinder den Umgang mit den neuen Medien beizubringen. Das wäre für mich das Pflichtvideo in jeder Schulklasse:


Auch Geschichte muss greifbarer werden, nach dem zweiten Weltkrieg hört es doch meist auf, viele heutigen Konflikte könnten besser verstanden werden, wenn der Unterricht einfach weiter gehen würde. Auch der Umgang mit der NS-Vergangenheit sollte weniger verkrampft sein. Klar waren "wir" Täter, aber ebenso auch "Opfer" - ich finde man muss beides ansprechen und für beides sensibilisieren. Indem man da solche Sachen gezielt ausspäht, macht man die Türe sperrangelweit auf für rechte Verschwörungstheorien.

Ich find die Bildung einfach träge, überholt und zum Teil auch feige.

Das geht weiter in der Wirtschaft wo viel kritischer mit aktuellen Beispielen gearbeitet werden müsste, sowas ärgert mich auch z.B. an meinem Studium momentan. Aber ja, die "Wertekunde" allein ist nicht das Problem und ich fürchte lediglich, dass es gänzlich von der falschen Seite aufgezäumt wird.
 
Mein jüngster hat eine Syrer in der Klasse, keine 2 Jahre hier, aber spricht besser deutsch, als die hier geborenen "gehst Du Kino"- Kinder.

Sprache kann man lernen.

Andere Dinge nicht. Die muß man auch annehmen.

Gestern war die Klasse im Naturkundemuseum. Da gab es eine professionelle Führung, u.a. ging es um Evolution.
Da waren wohl 1 bis 2 MitschülerInnen etwas angefressen, erzählte mein Sohn. "Ey Alda, wat labbert der Typ denn da? Wie sollen die denn vor 30.000 Jahren ausgestorben sein, wenn die Erde erst 4.000 Jahre alt ist?"
 
Als ich noch die Schule besuchte (lang ists her) gab es da ein Fach mit Namen "Ethikunterricht", das alle nicht-christen besuchen "mussten".
Da wurden sich u.A. die verschiedenen Weltreligionen angeschaut, deren Wertesystem untersucht, und viel diskutiert. Da bin ich heute noch glücklich drüber, hing aber wohl auch am Lehrer, der offenen, respektvollen Dialog als sehr wichtig empfand. Das kannte man so in der Richtung damals als Kind (12 /13 Jahre aufwärts), welches Frontalunterricht gewohnt war, noch gar nicht.
War oftmals etwas chaotisch. Gerade als es um den Koran ging kann ich mich da an hitzige Diskussionen mit den muslimischen Kindern in der Klasse erinnern. Doch irgendwie kam man da oft zumindestens zu einem gegenseitigen Verständnis, auch wenn man selbst nicht so leben wollte wie der andere.

Da habe ich einiges fürs Leben mitnehmen können. Klaro, der Großteil des Einflusses darauf dass man ein verträglicher Mensch wird, hängt vom sozialen Umfeld ab. Aber da gehört die Schule ja mit dazu. Ich denke ein Unterrichtsfach wie Ethik sollte generell eingeführt werden. Deren Inhalte sollen aber bitte nicht von den Unionsparteien festgelegt werden, sondern von Menschen die über etwas mehr Ahnung und vor allem Weitsicht / Weltoffenheit verfügen.

Das ist nämlich der generelle Fehler von Religionsunterricht. Man bleibt da ja doch nur in seinem eigenen kleinen Weltbild verhaftet, was die Themen angeht. Über dessen Rand wird, wenn überhaupt, nur kurz geblickt. Ich denke das wäre bei Unions-verordnetem "Werteunterricht" nicht anders, was so ein Fach eher schädlich machen würde.
 
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